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Der Israelit · 1924-11-27 · Heft 48 (27.11.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 48 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 48 Sette 3 27. November 1924 Der Israelit Zeigen, w c s uns d e r Schabbos ist. Jetzt muß die Arbeit der „Sabbatvereine" erst recht einsetzen, und einer gesetzestreuen Erziehung zur jüdischen Ertüchtigung der Jugend allen Prüfungen und Versuchungen gegenüber die Wege zu bahnen, ist heute doppelte heilige Pflicht. Litauens Juden werden dieses Opfer auf sich nehmen und es mit der Kraft tragen, die wir dem Lande des Wilnaer Gaon und eines Israel Galanter noch immer Zutrauen dürfen. Verhallende Klänge. Don Rabbiner Dr. Zs. Goyen in Merlin. Der Talmud erzählt uns in Joma 20 b. von der wunderbaren Macht her Stimme des Hohenpriesters, mit der er am Jomhakkippurim das Sünhenbe^enntnis begann. Daß diese Stimme so weithin, daß sie einmal gar bis Jericho hörbar war, wird als ein deshalb so großes Wunder bezeichnet, weil, wie R. Lewi sägt, sonst des Menschen Stimme tags weniger hörbar ist als nachts. Hierfür wiederum ist nach R. L. der Grund darin zu sehen, weil tags „der Sonnenball am Himmelsgewölbe sich entlang sägt, wie ein Schreiner in den Zedern sägt." Der Name der Hobelspäne des Tageslichtes fei „Nichts", und dies entspreche dem, was Nebukadnezar (Dan. 4, 32) gesagt habe: „Und alle Bewohner der Erde, gelten gleich dem Nichts." Dazu überliefern bie Weisen, es gebe drei Stimmen, die das Weltall durchklingen (und, wie in Bereschith Nabb« 6, 12 ersichtlich, von den Menschen nicht gehört werden): Die Stimme des Sonnenballs, die des Lärms der Stadt, die der Seele, wenn sie den Körper verläßt, nach Einigen auch die der Geburt des Menschen und die der über den Regen eingesetzten Engel. Ueber die Stimme der scheidenden Seele haben die Weisen um göttliches Erbarmen gebetet, daß sie aufhörte. Was ist der Sinn dieser eigenartigen Betrachtung? Der grelle Schein des Tageslichtes ist schon von unseren Weisen als eine Behinderung der Aufmerksamkeit des Horchenden erkannt worden; die Vorahnung dieser schallkundlichen Tatsache haben sie deutlich genug angedeutet, indem sie vom „sägenden Lärme des Sonenballes" sprechen. Aber damit ist der Sinn dieses Gleichnisses nicht erschöpft; es fallen auch „Hobelspäne" bei diesem Sägen. Wie der „Sonnenlärm" einen seelischen Vorgang bedeutet, nämlich den der Ablenkung, so auch muß es mit den Hobelspänen sein. Die Späne, die bei der Zerstörung der menschlichen Aufmerksamkeit fallen, —7 die Gedanken, die hingeworfen — die Worte, die hingeschrieen — die Sinnlosigkeiten, die von urteilslosen Menschenmassen furchtbar ernst gemommen werden, — schon Nebukadnezar, vom Traume der Wahrheit heimgesucht, hat sie als nichtig erkannt, und hat zugleich erkannt, daß —- kemohem jiheju oßehem — die Anbeter dieser Nichtigkeiten dem Gegenstände ihrer Anbetung gleichen, daß die nach den Sonnen-Hobelspänen haschende Menschheit so nichtig ist wie eben das, wonach sie hascht: dem lärmenden Glanze des Tageslichtes. Viel Lärm, viel „Betrieb" gilt ihnen als Zeichen der Lebensfähigkeit einer strahlenden, rauschenden Metropole", wie sie ihr Ideal nennen. Zu den Worten des Nebukadnezar bemerken in Joma (ebd.) die Weisen: Wäre nicht der Sonnenball hörbar, so müßte man überall das Getöse der Stadt vernehmen, und wäre nicht dieses, so wäre der Sonne Lärm überall hörbar. Denn es ist, wie wir Heutigen bestätigen können, eine eigenartige Disharmonie zwischen diesen beiden Geräuschen vorhanden. Gewiß haben unsere Amoraim nicht nur das Getöse der damaligen Weltstadt Rom im Sinne, obgleich auch dies schon zu ihrer Zeit als eine Art Weltwunder galt. Es muß wohl an eine andere Wahrnehmung gedacht werden, die sich lärmend jedem Beobachter einer Massensiedlung aufdrängt: Der „schreiende" Kontrast zwischen den Schicksalen ihrer Bewohner, der Gegensatz „hier Sonnenglast, hier tiefstes Elend". Es gibt einen Midrasch, der den ganzen biblischen Turmbaubericht als eine Warnung auffaßt, „vom Baue der Stadt abzulassen", bevor sie ein bloßer „Name" wird, der die Menschen in Scharen dorthin lockt, wo ihre Arbeitskraft ausgebeutet werden soll, und findet dies angedeutet in den Worten: (Gen. 11, 4): „Wir wollen uns einen'Glanz entfalten zu können. Also: ein „Klang, Namen machen, damit wir nicht über die ganze der die Welt durchschallt", aber die Geschöpfe Erde hin verstreut werden." Auch die Tatsache, hören ihn nicht. „Quelle ruft Quelle bei der daß die Erbauer des Turmes eine steinlose Stimme deiner Regentropfen", (Ps. 42, 8, zitiert Niederung zu ihrem Werke suchten, und also die durch Bereschith rabba l. c.); noch die Amoraim Fronlasten vermehrten, spricht für die Auffaffung,! priesen den Allvater „für jeden Tropfen, der daß ihre Sünde hauptsächlich in ihrer Absicht, zur Beglückung der Erde hermedersteigt", denn möglichst viele, Mitmenschen zu unterjochen, beauch sie lebten nicht ohne einen Blick und ein stand. Vornehmlich eignen sich dazu die großen Herz für das, was dem Boden nyjtut und schlossen Siedlungen. Denn sonnengrell überstrahlt in daran den Nischmath-Ausklang: „Wäre unser ihnen der Glanz der wenigen Glücklichen den Mund voll des Liedes gleich dem Meere, unsere finstren Gram eingepferchter Armut; „sonnen-^ Zunge des Jubels voll gleich der Menge seiner laut" übertönt ihr „Leben" den Schrei der Ent- Wellen, — so wären wir nicht ausreichend fähig. Und wieviele heiligen Klänge gehen in diesem „Lärme der Sänne und der StÄ)t" verloren, wieviele lebenraubenden und lebengebenden Kräfte verklingen in diesem Hymnus der Maste und der Gewalt! Nur wenige dieser „welterfüllenden, doch ungehörten Klänge" zählt unser Talmudwort aus: Geburt, Tod und Regen. Wo die Menschen einander noch kennen UN) schätzen, da ist ein Gebet in jedermanns Herzen, wenn die schwere Stunde des Neubeginns menschlichen Lebens naht. Wenn dort eine Seele ihr irdisches Gefäß verlassen soll, ist ein Heer menschlicher Emporgedanken um sie versammelt, und sie entschwebt leicht zu Gott auf den Fittigen der Gewißheit,däh in Liebe und Trost gelindert werde der Schmerz des Hauses, aus dem sie fortgenommen. Wo aber „der Sonne und der Stadt Lärm" miteinander im schaurigen Wettgesang die Luft durchtoben, verhallt ungehört der aller Welt geltende erste Gruß erwachenden Menschenlebens und verklingt unbeachtet der allen Menschen von Gemüt geltende letzte Seufzer dessen, der dahingeht, ohne daß er die Seinigen versorgen durfte; „auch ihre Liebe, auch ihr Haß ist vergessen". (Koh., 9, 6.) Gottes Wille war, daß vom Klange der zur Welt herniedersteigenden wie auch von dem der zu Ihm heimkehrenden Seele die Welt erfüllt sei; die Menschen aber lauschen ihrer Stadt, ihrer Sonne. Wo die Menschen noch vor ihren Augen den Segen des Bodens aufwachfen sehen, da ist auch die Aufmerksamkeit aller auf den Segen gerichtet, mit dem der Allgütige den Fleiß des Landman.'is lohnt. Abhängig von diesem Segen ist ja alle Welt, die Kleinen und die Großen; selbst „der König ist dem Felde untertan", um rechteten, deren Träne keinen Tröster findet, während Gewalt aus der Faust ihrer Unterdrücker auf sie herniederhagelt. Das ist die Nichtigkeit, die Koheleth unter der Sonne gesehen — ein Zehntausendstel — deiner Wohltaten zu besingen." — Der Geburt, dem Tode, dem Regen untertan sind auch jene' Vielen, die es nicht spüren; es und mit vorigen Worten nacherleben läßt (4,1); sind Klänge, die die Welt durchziehen und im und das auch ist die Nichtigkeit, die Nebukadnezar. Lärme der Sonne und der Stadt untergehen, an allen Erdbewohnern wiedererkennt. >Jm Sonnenschalle des Glückes und der Selbst- Mren, wo sie jüdischen Kultus und jüdisches Leben kennen lernten, sitzen sie. Schüler und Schülerinnen in einem Saal, bei einem modernen Gottesdienste vereinigt, bei dem die Ruhe nur von dem Kunstgesang des Herrn Kantor gestört wird. Es wird erzählt, daß es einer Ehrendame dieser Anstalten gelungen ist. im Auslande 8000 Dollar für die Organisierung beständiger Gottesdienste tit der Schule zu erdallen, während sich für die Renovierung der verfallenen Synagoge in Haifa bis jetzt noch keine Geldgeber gefunden haben. Es scheint, so bemerkt der ..Dar Hajom", daß es in Europa noch welche gibt, die sich die Ausrottung der Tradition unter der Jugend in Palästina gern etwas kosten lassen. Die Bergjuden. In 'einer kleinen unpolitischen Schrift, die der frühere Gymnastaldirektor C. Hahn aus Tiflis der Geographie Georgiens widmete, und die kürzlich von der Ausland- und Heimat-Verlags-Aktiengesellschaft zu Stutkaart verlegt wurde, findet sich ein interessanter Hinweis aüf einen geschloffen lebenden semitischen Stamm. Es sind dies die Bergjuden bei Kuba und Derbent, die tatisch sprechen und neben ihrer mosaischen Religion angeblich noch eine andere heidnische hätten. Sie wollen lange vor unserer Zeitrechnung, zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft, in den Kaukasus gekommen fein. Sie treiben Ackerbau und Viehzucht. Zahlreich sind auch die Juden iy den Gouvernements Kutais und Tiflis, diese Mrechen grusinisch und ein entstelltes Deutsch. Ihre Geschäft tigung sind Kleinhandel nnd etwas Ackerbau. Insgesamt beläuft sich die Zahl der kaukasischen Juden aus etwa 60000. Das Gebiet der Bergjuden grenzt' direkt an das Kaspische Meer, das bei Derp«mt, einem Hafen, steil zum Dschufa Dagh und Baba Dägh aufsteiat. Daher auch der seltsam anmutende Name..Bergjuden-. Die wandern müssen... In den Monaten April bis Juni 1924 wunderten, wie ,Der Schild" berichtet. 3243 Juden nach Amerika ein, im gleichen Zeitraum wanderten nur 90 aus; die entsprechenden Zahlen für die Einzelmonate waren Avril: 983 und 38. Mai: 1063 und 27 und Juni: 1197 und 25. Das neue amerikanische Einwanderunasgesetz hat auch die Juden sehr schwer getroffen, nicht weniger als 8000 Inden lleqen in europäischen Häfen fest, sie sind zwar im Besitze des amerikanischen Visums und können nicht abreisen, weil ihre Quote erschöpft ist. Ein amerikanisches Komitee hat sich gebildet, das eine Million Dollar, die nötig sind, um die sestltegenden Einwanderer zu unterhalten, ausbringen will. Nach Canada wanderten im Mai 192* 427 Juden ein, 227 Männer, 105 Frauen und 95 Kinder. 114 gingen nach Quebec. 47 nach Ontario und 23 nach Manitoba, im Juni 280 Juden. 108 Männer, 99 Frauen und 73 Kinder, im I üi 664, 27g Männer, 218 Frauen und 167 Kinder. Die Zahl der Kinderreichen Familien, die nach Canada wandern, ist stets sehr groß gewesen. Das Hilfskomitee für durchreisende Juden versorgte in Italien in den Jahren 1920—23 13763 Köpfe. Im heutigen Toledo. In einem Vortrage, den der Profeffor an der Madrider Universität, Dr. A. S. Ä a y u d a. dieser Tage in Zürich hielt, teilte er zum Schluffe über da» heutige Toledo nach einem Berichte der I. P. Z. etwa folgendes mit: Die ..Synagoga del Transito“ in Toledo, die s. Zt. in eine Kirche verwandelt wurde, ist nunmehr vom Kultus befreit und' zum Nationaidenkmal erklärt worden. Ueber dem Haupteingang prangt eine schwarze marmorne Gedenktafel, in der es heißt: daß die Synagoge auf besonderen Wünsch des Königs Alfonso xin. in Stand gesetzt wurde, und es fei der Wunsch S. M., daß dieses Monument mit der grötzten Sorgfalt bewahrt wird." Vor 5 Jahren sind aus Veranlassung von Prof. Bahuda die wenigen Grabsteine, die sich noch im Museum von Toledo vom alten jüdischen Friedhof erhalten Huben, nach der obenerwähnten »Synagoga del Transito" überführt worden, wo sie Aufstellung fanden. Unter diesen befindet sich auch ein Bruchstück des Grabsteines von Rabbi Meir, Vater des Samuel Levi Abulafia, Minister des Pedro el Cruel, ferner ein Bruchstück der ..Mazewa" der Mutter des Abu Omar (Josef Ben Schuschan), der zu Ende des 12. Jahrhunderts Schatzmeister des Alfonso viii. war und der zu den Vorfahren Pros. 2)ahudas gehörte. Neben der Synagoge befindet sich auch ein Raum, der die Anfangsvasts für eine üisMiw-hedräische Bibliothek bildet, in der die Schriften und Werke der Juden in Spanien allmählich ' zusammengestellt werden sollen. Ganz besondere Verdienste um die 'Erhaltung der Synagoge und dör Förderung der Ziele dieser Bib-

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