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Der Israelit · 1924-11-27 · Heft 48 (27.11.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 48 (27.11.1924)
Date
1924-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 48 D er Israelit alles Glück und allen Glanz in reichster Fülle besitzt und draußen in Nacht und Oede Schutz und Obdach sucht... Was den Herren im Liberalismus noch fehlt, das ist der Bekennerm u t, um die letzten Konsequenzen aus dämmernder Erkenntnis zu ziehen. Solange dieser fehlt und der e i n z i g e Weg nicht eingeschlagen ist, werden alle neuen Versuche zur Sanierung nicht mehr Erfolg haben, als die heute von aller Welt als erbärmliche Lächerlichkeit angesehenen „Richtlinien", nicht mehr Erfolg, als die Reform mit ihren Synoden vor 80 Jahren, die, entsetzt von der verheerenden Wirkung der Assimilation, da wähnte, mit einigen Reformen, mit Orgelpfeifen und Mädchenstimmen, die abgefallenen Massen vom Taufbecken in die Synagogen locken zu können. _ U'(|. Wochenrundscha«. Ein Kapitel der Nah. In der jüdischen Tragödie im bolschewistischen Rußland bilden ein tragisches Kapitel für sich die Zustände der „Mikwos". Sie find an den meisten Plätzen zerstört, verfallen und versiegt. Und mit ihnen versiegt eine der Quellen jüdischer Kraft und Reinheit, denen wir unser Dasein und unsere Ueberwindung der Zeiten zu danken haben. Nichts schneidet so tief in das jüdische Leben ein als das Fehlen einer solchen Institution, mit der eine jüdische Gemeinde steht und fällt. Hat man Rußlands Juden da und dort die Synagogen genommen, so blieben doch die Herze n offen, aus denen sich auch im geschloffenen Raume ein einsames Gebet zu Gott empörringen kann. Man schloß Chedarim und Lehrhäuser, und der jüdische Geist fand Mittel und Wege, die, jenseits des Machtbereiches der Religionsfeinde, die Verbindung mit der jüdischen Thora aufrecht erhielten. Wo aber eine Mikwoh fehlt und die Gemeinde außerstande ist, eine solche zu errichten, da gibt es nur zweierlei: Ruin des jüdischen Familienlebens, oder Ausmerzung eines Thoragebotes, das sich als Quelle unserer Kraft und Reinheit bewährt hat. In unserem Falle gibt es freilich ein Drittes, das aber nicht von ihnen, den Betroffenen, abhängt, sondern von uns, von der Judenheit der Welt, von der Wage, wie wir unseren Brüdern in Rußland in ihrer unsäglichen seelischen Not zu Hilfe zu kommen gewillt sind. Es ist klar, daß die großen Hilfsaktionen, die in Rußland Hand in Hand mit der Jüdischen Sektion arbeiten» vielleicht nach Lage der Dinge auch arbeiten müssen, für diesen Punkt der Fürsorge nicht das Geringste übrig haben. Die Agudas Jisroel-Weltorganisation würde aber: diesen Titel nicht verdienen, wollte sie. nicht diesem traurigsten aller Kapitel in der russischen Tragödie ihre vollste Aufmerksamkeit schenken. Sie tut es, mit einem Rundschreiben an ihre Mitglieder in der ganzen Welt, an alle Treugesinnten, an alle, die ein Herz haben für die Not derer, denen die primitivsten jüdischen Möglichkeiten abgeschnitten sind. Werden die Aufgerufenen auf den von der Aguda in die Welt hinausgesandten Schrei reagieren, dann ist der dritte Weg gefunden, der Weg zur Hilfe. Nach den Ermittelungen, die die Aguda- Zentrale in Rußland anstellte, sind vonseiten der Regierung keine Schwierigkeiten für die Aktion zu befürchten. Die Arbeit steht vor dreierlei Aufgaben: 1. die Errichtung neuer Tauchbäder in Städten, wo sie infolge des Weltkrieges vollkommen zerstört wurden; 2. Renovierung beschädigter Tauchbäder; 3. die Beschaffung von Heizmaterial für noch benutzbare Anstalten an Stellen, wo die Gemeinde, vollkommen verarmt, die Bäder nicht aus Eigenem, im Betrieb halten kann. Für die erste wie für die zweite Kategorie der Hilfe in dieser kriseschweren Zeit die Mittel aufzubringen, erscheint leider schwierig. Ueberdies ist die strenge Winterzeit in Rußland wenig geeignet für neue Bauunternehmungen. In Betracht kommt im Moment vor allem die dritte Aufgabe, die Beschaffung von Kohlen und Holz, auf daß die noch benutzbaren Tauchbäder wenigstens dreimal in der Woche geöffnet sein können. Auf weitere Erkundigungen der Aguda- Zentrale konnte festgestellt werden, daß sich noch in 200 Städten Rußlands benützbare Mikwos befinden, denen es aber allen an Heizmaterial für den Betrieb fehlt. Sie stehen alle in dieser kalten Winterszeit vor der völligen Schließung, wenn nicht rafchestens Hilfe erfolgt. Der Hilfsetat für diesen Zweck erfordert 1000.— Dollar monatlich, d. h. eine Mönatsfubventivn von 5;— Dollar für jede Stadt. Die Aufbringung dieser in Anbetracht der Sache nicht gerade hohen Summe hat sich nun die Aguda- Zentrale zur Pflicht gemacht und ist damit nur Trägerin einer ganz Jisrael nn all seinen treugebliebenen Teilen obliegenden heiligen Aufgabe- Bemerkungen zu 's* Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. npn m innpa n» p pnr w. ..Isak war 40 Jahre alt, als er Riwka zum Weibe nahm." Nach Rafchi soll Riwka damals drei Jahre alt gewesen sein. Tossafos (z. St.) jedoch treten dieier Ansicht entgegen und beweisen nach Seder Olom wie nach der aus den Angabe des Sista und des Midrasch rabbo solgender Berechnung, daß sie damals vierzehn Jahre alt war. Der Beweis, worauf Roschi sich stützt, datz man Abraham bei seiner Rückkehr von Morya die Geburt Riwkos ankündigte, sei nach Toflasos nicht stichhaltig, m Finnin müsse nicht unbedingt heißen: „Dem Betzuel wurde soeben Riwka geboren", sondern könne genau so gut bedeuten: Sie wurde ihm vor einer gewissen Zeit (in diesem Falle: vor elf Jahren) geboren. H. m-ipa D'aan ILKIIN'I- Hierzu Rafchi: .Unsere Lehrer leiten das Wort von nsn Laufen" ab (val, auch Jbn Esra); Snkob zappelte nach dem Lehrhaus. Esau nach dem Götzenbous". — Rabbi S. Soser. Krakau, pflegte seinen Getreuen ans He z zu legen, nickt bloß auf die Qualität der Lehrer ihrer Kinder, sondern auf die der Mitschüler ihr Augenmerk zu richten. Der Lehrer könnte noch so fromm iein. — der Einfluß leichtsinniger Mitschüler würde alle seine Bemühung zu Schanden machen. Die Berechtigung dieser Mahnung, sagte er, ergebe sich aus der zitierten Raschistelle: Denn daß Esau das Verlangen hatte, sich zum Götzendienst hinauszubegeben, ist wohl verständlich; nicht einzusehen dagegen ist es. warum es Jakob zum Lehrhause hinaus zoa! Wird doch nach 'b ma dem jüdischen Kinde im Mutterleibe durch Engelzunge die ganze Thora beigebracht! Jakob hatte doch also damals einen Lehrer, der nicht bloß, wie die Forderung an einem solchen lautet, einem Engel glich ('# t"’ j?*ia), sondern ein Engel war. warum drängte es Jakob so. ins Bes hamidrasch zu gelangen? Doch die Erklärung ist einfach: Wohl hatte Jakob einen Maloch als Lehrer, doch behagte es ihm nicht, mit einem Esau zusammen in einem Theder zu lernen. m. *lJVT»3n DK M'3 maa. ..Verkaufe mir heute deine Erstgeburt". Die Rechtskraft der letzftvilligen Verfügung gilt nach Choscken mischpot § 260 nickt nur wenn sie von einem Sterbenden, sondern auch wenn sie von einem von Todesahnungen Erfüllten ausgeht. Sein Wort allein genügt und bedarf keiner weiteren Rechtsformalität. Andererseits kann er, fo 27. November 1924 Leider haben die bisherigen Aufrufe mcht den gewünschten Erfolg gezeitigt. Der dritte nun in die jüdische Welt hinausgehende Appell wird jedoch, so hoffen wir, den Beweis erbringen, öaß das Brudergefühl in Israel noch nicht erstorben ist. Schicksalschwere Entscheidung. Was zu befürchten stand, was die litauische Judenheit mitFasten und Beten, aber auch mit allen politischen und parlamentarischen. Rechtsmitteln abzuwenden versucht hat, es traf ein. Das von der Regierung und den Rechtsparteien eingebrachte Gesetz der absoluten zwangsweisen Sonntagsruhe wurde vom Sejm auch in dritter Lesung angenommen und ist so von Heute an Gesetz. Litauens Hauptstadt und größere Provinzstädte, die zu 50, aber auch zu 80 und 90 Prozent von Juden bevölkert sind, werden neben dem Sabbat auch den Sonntag feiern. Sofern die von dem Krieg und dem Bolschewismus an der Ostgrenze angerichtete geistige Verwirrung nicht soweit gediehen ist, daß der jüftgeren Generation eist Teil der Versuchung unterliegt und den Sabbat dem Sonntag opfert. Wer die Verhältnisse in Litauen nur einigermaßen kennt, weiß, wie schwer dieser ausgesprochenermaßen gegen die Juden geführte Schlag auch die litauische, christliche, vornehmlich die Bauernbevölkerung trifft. Die kleineren und größeren Provinzstädte, fast ganz von Juden bewohnt, sind von unzähligen Bauerndörfern und Niederlassungen umgeben, die weder Kirche noch Markt haben. Die Bauerst strötsten allsonntäglich in die Stadt zur Kirche und um nach der Andacht in den jüdischen Läden ihren Bedarf an all den Gegenständen, die das Dorf nicht produziert, für eine Woche zu decken. Großer Kirchgang war von jeher in Litauen so etwas wie große Messe, ein Wort, das dort noch im ursprünglichen Sinne die Begriffe von Andacht und Handel verbindet. Das katholische Kirchengesetz verbietet auch das Geldausgeben und den Einkauf am Sonntag nicht. Die höchste weife Obrigkqtt in Litauen wird es bald erfahren, welchen Schäden sie, hä sie gegen die Juden ausholte, deyr Pauernvolk Und nicht zuletzt auch der Kirche zügefügt hat. Für die Juden Litauens ist dieses Gesetz eine von Gott auferlegte Prüfung, die sie hoffentlich bestehen werden. Es war schon immer so in den kritischen Zeiten der Geschichte, daß wir uns am krampfhaftesten an d i e Heiligtümer klammerten, die man uns mit Gewalt nehmen wollte. Es ist jetzt an der Zeit für die litauische Judenheit, dem- Volke und einer kurzsichtigen Regierung zu lange er lebt, die Verfügung widerrufen. Ist ein Testament vorhanden und enthält dies den Vermerk BY»na .von heute ab", so kann die Bestimmung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Esau trug fich mit Todesgedanken tixt maV In solch einem Zustand wäre die Veräußerung der Bchauro schon durch das bloße Versprechen rechtskräftig, aber erst nach Eiaus Tod. Doch so lange dieser lebte, hätte er ja das Versprechen widerrufen können. Um sich dagegen zu sichern, verlangte daher Jakob die Klausek vi'S »von heute ab". , Nach Maharam Schiff p*3 'oaV öT’Oa* Kleines Feuilleton. Moderne Gottesdienste iN Palästina. Im ..Dor Hajom" wird darüber Klage geführt, datz auch schon in Jerusalem die Unart Platz greift, an den Hohen Feiertagen in Kino- und Konzertfälen. in denen an vorhergehenden und nachfolgenden Abenden getanzt und Kinostücke von zweifelhafter sittlicher Qualität äüfgesührt werden. Festgottesdienste veranstaltet werden. Die Veranstalter sind natürlich dabei nicht von ftommen Anwandlungen, sondern lediglich von Rücksichten des Geldverdienens geleitet. Realschule und Technikum zu Haifa hatten am letzten Jomkippür ihren eigenen Gottesdienst in der Anstalt. Statt die Schüler in die Synagoge zu

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