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Der Israelit · 1924-11-20 · Heft 47 (20.11.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 47 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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"Seite 10 Nr. 47 Der Israelit zu. vuuremoer machen, von hinreißendem Schwung einheit lichen Gedankens, von feuriger Werbekraft für die Eigenseele -es Judentums. Wir beschließen unsere Besprechung mit zwei herrlichen Protzen des Buches: Du heiliges. Du ewiges, Du göttliches. . . Recht: wie ist Dein unfaßbar hoher Name . . . vergewaltigt, erniedrigt, verleumdet, . . . worden! Was hat man aus Dir gemacht, feit freier Menschen Frechheit sich vermaß, eigene Willkür, eigenes Unrecht, mit Deiner Weihe zu schmücken! Du der Tagesnützlichkeit, der Tageszweckmäßigkeit dienen? Du die Gewalt des Starken stützen und den Schwachen das Rückgrat -rechen? Du dem Zufall zusammengeraffter Majorität erliegen und Büttel des Staates sein, der Dich erst schafft, statt Du ihn? Was hat die selbstersonnene Willkür der menschlichen . . . Gemeinschaften seit den Tagen des Turmbaus von Babel mit Deinem Wesen gemein. Du teuere. Du ewige. Du liebegetragene Form des weltenschaffenden Gottes!- Ihr demütigen, ihr zagenden, ihr zitternden Richter meines Volkes: Klein Herz krampst sich in Sehnsucht zusammen, denk ich an eure Geschöpfesgröße! Wo seid Ihr, daß Ihr Frieden stiftet — wann sitzt Ihr wieder — in Tallis gehüllt — das Symbol der Rechtsfamilie an Hand und Haupt — und heiliges — und göttliches Recht — quillt wie brünstiges Gebet, von euren teueren Lippen- Rabbi Akiba Wertheimer und sein neuentdecktes Schrifttum. Von Willy Aron in Hamburg. Das Leben und Wirken meines Urahns Rabbr Akiba Wertheimer beansprucht nicht nur das Interesse des Chronisten, sondern in weitestem Matze die liebevolle Aufnierksamkeit des zeitgenössischen Judentums, erscheint doch das Leben dieses Mannes im Lichte geschichtlicher Größe durch Tatsachen, die, neuentdeckt, hier mitgeteilt sein mögen. Rabbr Akiba ben Awigdor Wertheimer wurde im Jahre 1778 zu Breslau geboren. Sein Vater wgr nya'mviyn wanx nna .rnna aoiioan Dieser starb im Jahre 1826 am 5. Schwat und liegt aus dem alten Friedhof zu Altona in der Königstraße begraben. (Nr. 4486.) Durch merkwürdige Umstände wurde uns bekannt, daß zu Potsdam noch ein Enke! Rabbr Akiba Wertheimers lebt, durch den ich angeregt wurde, Näheres von dem Leben des R. Akiba W. zu erforschen. Dieser Enkel, er heißt Dr. Leo Wertheimer und schreibt unter dem Pseudonym Constantin Brunner, ist in weitesten Kreisen Deutschlands, Amerikas, Englands, Rumäniens und Litauens durch sein philosophisches Monumentalwerk „Die Lehre von den Geistigen und voU Volke" bekannt geworden. Äußerem ist u. a. sein Werk „Der Judenhaß und die Juden" im Verlag Osterheld, Berlin, in dritter Auflage erschienen. Auch ist über ihn mehrfach in klassischem Hebräisch geschrieben worden. Das Letzte, was uns zuging, war ein Artikel „Constantin Brunner", welcher in der zu' Kowno erscheinenden Zeitung xa'i> in Nr. 6 erschienen ist. Brunner teilte mir mit, daß in der Brodleian Library zu Orsord mehrere Werke Rabbi Akiba W/s sich befinden, die nach dem Tode seines Großvaters dorthin verkauft wurden. Unter ihnen befindet sich auch ein vollständiger Stammbaum der Familie Wertheimer. Er geht von Akiba Wertheimer und dessen Bruder Rabbi Moscheh Wertheimer, Raw zu Segeberg, Anfang der 20 er Jahre des vorigen Jahrhunderts (letzterer war der Vater des berühmten, 1883 verstorbenen Hamburger Oberkantors H. Wertheimer) über Rabbr Awigdor ben nna Akiba Wertheimer zu Breslau in direkter Linie zurück auf Rabbi Jechiel Heilprin, Verfasser des „Seder Hadoroth", und von dort auf den M'harschal, Rabbi Salomo Luria, dessen mW W a’ allen v"'«?-Ausgaben beigedruckt ist.- Dann geht die Reihe vom Vsnna direkt zu der seine Abkunft von dem „Tanno" Rabbi Jochanan ha-sandlar herleitet. Da der brnna aus Worms stammt und ein Zweig seiner Nachkommen sich Wertheimer nannte, liegt die Vermutung nahe, daß hier eine Verbindung zwischen der Familie des berühmten Baron von Wertheimer zu Wien, dessen Vorfahren zu Worms lebten und deren Grabsteine oftmals Gegenstand wissenschaftlicher Besprechungen waren, besteht. Von Breslau kam R. Akiba Wertheimer in sehr jungen Jahren nach Erätz, Posen und Mecklenburg, wo er längere Zeit. in Schwerin lernend und lehrend wirkte. ' 1805 wurde er als Naw nach Moislingen und Lübeck berufen. Dort wirkte er 11 Jahre, lieber ihn schreibt Dr. Salomon Carlebach Vmj in seinem Werke „Geschichte der Juden in Lübeck und Moisling" auf Sekte 85: „Ilm das Unglück voll zu machen, hatte sie kurz vorher ihr Rabbiner Rabbr Akiba Viktor verlassen und war einem Rufe als Oberrabbiner und Präsident des jüdischen Gerichts nach Altona gefolgt. Er genoß in der Gemeinde großes Ansehen, und bereits in den Zwischentagen des Laubhüttenfestes 1805 hatte man einstimmig beschlossen, ihm den Titel Möure Müurenu beizulegen. Sein Weggang war jedoch keine Fahnenfluchr und Verlassen der unglücklichen Genossen. Er hatte 10 Kinder und konnte sich nicht lercht einem ungewissen Schicksal aussetzen. Die Stelle in Altona bot seinen bedeutenden Fähigkeiten auch einen ausgedehnteren Wirkungskreis. Endlich konnte er von' dort aus seinen ftüheren Pflegebefohlene» vielleicht noch nützlicher «erden, als in ihrer Mitte. Vorerst erbot er sich zur unentgeltlichen Verfügung in allen Dingen, wo man seinen Rot, seine Dienste, sein Wissen gebrauchen konnte. An ihn wandte sich seht Bloch um Rat, was man tun solle. In einem rührend ergreifenden Briefe (d. d. 24. Nissan — 22. April 1816) sprach, er den Gebeugten Trost zu. „Seid tapfer und weichet nicht, weder Arm noch Reich. Selbst wenn man, was Gott verhüte, Eure Läden versiegeln sollte, möge doch Niemand die Stadt verlassen. Hisjazwu ureu es jeschuaß haschem". „Stehet und schauet die Hilfe Gottes" (Erodus 14, 13.) rief er ihnen zu. 1816 war er Klausner und Dajon zu Altona. Einige Jahre später pi-nn vxn. In dem in der ganzen rabbinischen Welt bekannten nnan naa ist sein Verbot der Benutzung des Tempelgebetbuches abgedruckt. Dort nennt er sich nach seiner Geburtsstadt Akiba Breslau. Duckesz „Jwo Lemauschow" teilt mit, daß sich von ihnr gedruÄ finden: «a'py;n nnwa wmaa n*w ni>na nnarn a*a pro i-rn»» nhy nnsni vina osttft »M** nnsix naaai ,jrnK pVn a** ni>rw *iya*viaaxn ^xii 'aa aina prraa •xaiaVxa xa’py anna y> ans 'piaa a-nyi a'an iaaa asm a"nn Ich habe gefunden im a"nn nnsix, daß von R. Akiba W. folgendes in Orford liegt: ,xaiaVxa *rax xa’py ~i »-a -wn nrx oy "i (Nr. 4319.) /xaiaVxa i-nx '-a 'piaa ay 'n (Nr. 5160.) -xaivbxa *rax ^a »piaa as 'n (Nr. 532.) 1835 starb Rabbi Akiba Wertheimer zu Altona im 57. Lebensjahre. Der „Dänische Anzeiger", der „Altonaer Merkurius" und dre „Hamburger Nachrichten" rühmen seine gewaltige Persönlichkeit und feine ungeheure Ge. lehrsamkeit. Constantin Brunner schickte uns hinterlafsene Schriften seines Großvaters. Mit Staunen und Bewunderung hüben rabbinische Autoritäten Hamburgs u. a. unser hochverehrter Rabbi Rabinow, der na'v' vxi» die y» ’ana gesehen. 4000 große engbeschriebene Quartbogen hat er uns hinterlassen. Noch ist nicht abzusehen, welche Geistesschätze in diesem neuentdeckten Schrifttum verborgen liegen. Die ungedruckten nn» hatten derartiges Interesse gefunden, daß einige a'aa-, sie einer neu aufzulegenden o"v-Äusgabe beigedruckt wissen wollen. Nachstehend die Titel der Merk«, die dieser Rkesengeist geschaffen: inw» “ido yy zrm a'va onvaip 0 bxprm ~ ~ ~ ' (2 a^nn *iao by nVnn ayu ' (3 bxiav “ido bv vii'-a (4 Dankbar erwähne ich hier die emsige Mitarbeit des Herrn Salomon Marcus '-j, Harburg E., der gelehrte Sohn feines großen Daters R. Ahron Marcus, Verfasser des T'an bv noion nop und des „Barsilai" sowie des Fundamentalwerkes „Der Chassidismus". Salomo» Marcus gebührt das große Verdienst, die -nnna von xnpy ", na»» mttentdeckt 311, haben. Erwähnt sei, daß, Salomon Marcus umfangreiche Responsen von R. Akiba Eg er besitzt» die noch ungedruckt sind. a'aba arx '>178 bx'ai IWT yipin» *>xr oiay (5 (6 (7 (8 (9 (10 (11 (12 pbin naon by mnan (13 nyr mr> $y xa’py ’smn (14 a«n tnix by xa’py 'vnn 05 xap xaa naoa bv snvD (18 nra " " " 07 VMVD " " " (18 riavn mri " " " 09 pwnp " " " (20 niana " " " (21 nism 70 ,a^a ’pnx (22 ö«r maVna *p*iy in!?w by xini "aaiy *Vna« onasip 28 D’poiDi o"v bs "Vtian n'vii>V,' onvaip (24 Ferner hat er dem Werke „Mereth Pas" von Sabel Eger seine Approbation erteilt neben der von Akiba Eger und Chatham Sofer. Außerdem befindet sich in meinem Besitze eine große Anzahl an ihn gerichteter Briefe, unter denen nur dre größten Briefschreiber genannt seien: Rabbr Akiba Eger, Rabbr Jeschaja Pick und Rabbr Sawel Eger. In seinem 28. Lebensjahre redet ihn ein Mann wie Akiba Eger folgendermaßen an: "l'pai rpnn Vnan nxan Vvran pxan ’a’an 'voa an’,/ Auf einem bekannten Gnrppenbild der bxiv' ’aixa ist er noch heute zu sehen. Ich behalte mir vor, demnächst R. Miba Egers Briese zu veröffentlichen. Von meinem Urahn Rabbr Akiba Wertheimer, der zuerst Oberrabbiner von Altona und Schleswia-Holstrin genannt wurde, der gleichzeitig Präses des jüdischen Gerichts war, gilt das 'Wort: „Es 'gibt Menschen, von welchen, während der Geist in ihnen still wirkend arbeitet, Niemand hört, die, was sie im Verborgenen geschaffen, erst sterbend der Welt darreichen. (a«n niasix Seite 1.) Rabbr Jukow Ettlinger yn hat die Grabinschrift R. Akiba SB.'s verfertigt. Da heißt es u. a. von ihm: maaa bi mxi ar>V ix rtfoao i> ">n prs nuy Alle diejenigen, die zur Wormser Linie der Wertheimerschen Familie gehören, bitte ich um Angabe ihrer Adressen. „Dürsten wir Dein vergessen, Rabbi Akiba Wertheimer, in dessen strahlender Thorakrone die Perlen abgeklärter Milde und Sanftmut glänzten, die Mler Herzen gewannen, der Du aber mit Deiner Sanftmut zugleich die Festigkeit verbandest, mit der Du allen Versuchen, unsere überlieferten Gebete zu verstümmeln, entgegengetreten üdx’ nyn, als liebender Hirte zugleich ein Wächter der Zeit, ein gewissenhafter Wächter warst." (Oberrabb. Dr. Lerner-Altona.) Kameraden. Neben dem zionistischen „Blau-Weiß" gibt es in Deutjchland bekanntlich unter dem Namen „Kameraden" einen deutsch-jüdischen Wanderbund, der ursprünglich gänzlich liberal orientiert war, politisch das Zentralveremsprogramm vertrat und von besonders tiefem geistigen Streben wenig erkennen ließ. Es ist eine der charakteristischsten Erscheinungen der gegenwärtig in der deutschen Judenheit sich vollziehenden Konzentrationsbewegung, daß auch in diesen „5kameraden" sich offenbar die Sehnsucht nach positiven jüdij'chen Werten zu regen beginnt. Zeugnis davon legt das Septemberheft der Bundeszeitschrizt ab, das unter dem Namen „Von jüdischer Not" erschienen ist und auf mehr als 50 Seiten eine Fülle von meist kleineren Aufsätzen zur Auseinandersetzung mit der Tradition bringt. Allerdings hat diese Fülle des Inhalts der Gediegenheit nicht immer zum Vorteil gereicht. Wertvoll und pon einer einigermaßen festen Zielrichtung bestimmt sind eigentlich nur die ersten Aufsätze, insbesondere diejenigen von Hans Epstein, Julius und Lulu Freund und Martin G oldner. Epstein hält der Jugend vor, daß sie vor allen Dingen einmar ohne alle Nebenabsichten „lernen"-müsse, lernen nicht nur, wie selbstverständlich, die hebräische Sprache, sondern den Inhalt der jüdischen Traditio n. Die Zeitsrage, so sagt er, spielt für den, der wirklich hebräisch lernen will, fast gar keine Rolle. „Erstens nimmt es gar nicht so viel Zeit in Anspruch, und die Behauptung, daß man dann vor lauter hebräisch lernen zu nichts anderem mehr komme, ist Unsinn. Ich mache Euch nur darauf aufmerksam, daß ein großer Teil der Orthodorie, von dem man wahrhaftig nicht sagen kann, daß er nur jüdisch interessiert, sonst aber geistig uninteressiert sei, trotz Geschäft und trotz Beruf neben der jüdischen Arbeit noch sehr viel Zeit hat, sich mit anderen als mit jüdischen Dingen zu beschäftigen. Und zweitens kann man alles lernen, was inan ernstlich lernen will." , v Freund weiß Gutes und 'Wohldurchdachtes über die Erziehung durch die „Form" zu sagen, wobei ma» allerdings den Vorbehalt machen muß, daß diese Art Apologetik natürlich nur apologetischen Wert hat, vom Standpunkt der Tradition aber die ganze Bezeichnung der nny und a’pn als bloßer „Form" bereits eine grundsätzliche Verkennung ihres wahren Charakters bs- Weit näher kommt Goldner kn seiner feinsinnigen d Darstellung „ D a s I a h r des Juden", dem wirklichen Smn des Gesetzes m seiner ewigen Aktualität. . Lulu Freund sucht durch Vorführung der talmudischen Behandlung von zpn nix» seine« Kameraden einen Begriff von Form und Inhalt der xaaa und der a’poia zu geben, naturgemäß ein recht schwieriges Unternehmen; mit Recht schließt der Autor: „Da hilft schließlich nur eigenes Studium". Dann reihen sich in bunter Folge mehr oder minder reife religiöse Auseinandersetzungen an, die man billiger Weise nur^ als Selbstgesprächs, als Versuche, zu einer gewisse» Klarheit gelangen, werten darf. Die Literaturangaben, die den jungen Leuten doch ein Wegweiser sein sollen, hätten unter allen Umständen vollständiger und weniger ei.ifeitig fein müssen. ÄUes in allem macht das Heft jedenfalls den Eindruck ernsten Streben», dem may, auf daß es nicht im Leeren ende, nur die of,enbar heute noch fehlenden rechten geistigen Führer zur Klarheit wünschen muß. Bücherbesprechungen, Daniel. Erzählung von Ernst Weiß. Berlin 1924. Verlag „Die Schmiede". Der Verfasser verbindet erne reiche dichterische Phantasie mit starker Darstellungsgabe, sodaß man sein Buch in Spannung liest. Das hilft zwar nicht über die Unwahrscheinlichkeiten hinweg, an denen seine Geschichte leidet, gibt ihm aber die Kraft, dieses Unwahrscheinliche immerhin genießbar zu machen. Jojakim, der vorletzte jüdische König, der im babylonischen Kerker den Daniel gezeugt, wird seiner Gattin untreu, da er, durch die Gnade Nebukadnezars ‘ befreit, mit allem Tand irdischen Genusses überhäuft wird, vergißt seine Vergangenheit und verleugnet die Mutter seines Kindes. Diese, eine stolze, edle Frau, tut den letzten schwersten Schritt, verschwindet im Schatten des niedersten Volkes und trennt sich selbst von Daniel, in dem sie de« künftigen Propheten und Retter seines Volkes ahnt. Das alles ist packend geschildert. Trotzdem bleibt ma» unbefriedigt, weil der Abschluß fehlt. Die Ausstattung ist glänzend.

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