Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1924)
- Date
- 1924-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450331--71697-2529014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Aooember 1924 it As ras i i L -tr. 47 Seite 8 Deputierter Reich führte aus: Das gegen die Juden gericytete, den städtischen Mittelstand' niederdrückende Steuersystem trifft auch zahlreiche Christen. In vielen Smdten haben gemeinsame Protestversammlungen jüdischer und christlicher Kleinhändler und Handwerker stattgefunden. Man tröstet die Christen damit, daß Man -durch ein unerbittliches Steuersystem die Inden dazu Zwingt, nach PalästML zu emigrieren; dadurch werde .die Lage der Cyristen erleichtert werden. Das ist falsch. Gamtuche Einwanderuugsländer find gesperrt, Palästina 4ann nur einen sehr kleinen Bruchteil der Juden aufnehmen. Die Politik des Niederbrucys kann nur dazu führen, daß die verarmten jüdischen Massen Polen selbst zur Last fallen. Der Redner besprach die Frage der Zrvangssonniagsruhe, die die Juden zwingt, zwei Tage in der Woche zu feiern, sowie die neuen Staatsmonopole, die Tausende jüdische wirtschaftliche Existenzen zerbrechen und führt weiter aus: Wir fordern, daß man die jüdischen Soldaten nicht peinigt, daß man unsere menschliche Würde respektiert. Die Juden unterhalten ein Schulnetz für 40 000 Kinder, außerdem erhalten die Orthodoxen zahlreiche religiöse Schulen. Bei der jetzigen Krisis ist die jüdische Gesellschaft nicht imstande, allein ihr Schulwesen zu erhalten. Wir fordern eine Subventionierung unseres Schulwesens und das Aufhören der ständigen Schikane. Der Außenminister Skrzinsky, setzte Dr. Reich fort, hat in Genf die Beziehungen der Regierung zu den nationalen Minderheiten falsch dargestellt. Der Minderheitsstraktat wird sabotiert, die Juden genießen nicht mehr einmal die bürgerliche Gleichberechtigung, der Weg zu den freien Berufen, wie Advokatur, ist ihnen versperrt, der Hochschulbildung werden sie ferngehalten. Dr. Reich schloß: Der jüdische Parlamentsklub wrd gegen das Vertrauensvotum für Grabski stimmen. Nach Schluß der Debatte versuchte Ministerpräsident Grabski in einer vierstündigen Rede die Angriffe aller Oppositionsredner zu entkräften. Es fiel auf, daß er mit keinem Worte auf die schweren Angriffe von jüdische^ Seite eingegangen ist. In politischen Kreisey sieht man darin eine schwere Brüskierung, ja Beleidigung der jüdischen Deputierten. (I. T. A.) jüdischer Anhänger gefunden hatte, die sich ihm zur die neuen Ankömmlinge, die auf die oben geschilderte -Bildung einer „jüdischen Gemeinde" zur Verfügung Weise nur ein kümmerliches Dasein fristen können, prostellten. Levyson stkengte gegen das Blatt sowohl wie duktiven Berufen zuzuführen. Als solche käme beispielsgegen Dr. Daiches die Verleumdungsklage an. Im.der Erwerb kleiner Orangenpflanzungen in Betracht, die Verlaufe des Prozesses reichte er, um seine Legitimation in den Jndividualbesitz der einzelnen Familien über¬ und Integrität als Rabbiner zu beweisen, dem Gerichte' gehen und trotzdem gemeinsam unter sachverständiger eine Anzahl Zeugnisse und sonstiger Schriftstücks ein, die Leitung bewirtschaftet werden könnten. Der Absatz der Dr. Daiches bei näherer Prüfung zum Teil als grobe Fälschungen erkannte. Die markantesten dieser Fälschungen sind nun, als sie dem Anwalt des Klägers zur nochmaligen Einsichtnahme vom Gericht zur Verfügung gestellt worden waren, auf „unerklärliche" Weise beim Kläger abhanden gekommen und waren, trotz aller angeblich aufgewandten Mühe nicht mehr aufzufinden. Auf Grund dieser Tatsache hat nun der Richter in einem für die gänzlich unformalistische vernünftige englische Rechtsprechung charakteristischen Urteil die Klage abgewiesen und den Kläger zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Der Richter schließt mit Recht, daß die Dokumente vom Kläger absichtlich beseittgt worden sind, weil aus ihnen die Berechtigung der gegen feine Person erhobenen Anklagen hätte erwiesen werden können. Fiume, 9. November Wie Ihr Korrespondent erfährt, wurde bei der Tagung der orthodoxen Landesversammlung in Zenta die Errichtung einer Landeskanzlei beschlossen. In die Leitung wurden gewählt zu Präsidenten: die Kultusvorsteher Sander Pollak (Zenta) und Hermann Deutsch (Subotica) und Oberrabbiner Deutsch. (Subotica), ein fünfgliedriges Obercomitee und 8 Ausschußmitglieder. Rrrtzl«ird. Eine Abordnung kaukasischer Gebirgsjuden in Moskau. Moskau, 10. November. Eine Delegaüon, die 150 000 Gebirgsjuden aus dem Kaukasusgebiet vertritt, ist am 11. November in Moskau eingetroffen, um den Nationalitätenrat zu ersuchen, daß Vertreter der Gebirgsjuden in das Komitee für jüdische Landsiedlung kooptiert werden sollten. Sie verlangten ferner die Einsetzung einer besonderen Kommission zwecks Erforschung der ökonomischen Lage der Gebirgsjuden, mit dem Ziele, auch diesen Juden Land zuzuteilen. (I. T. A.) Vom polnischen Judentum. L o n d o n, 14. November. Der Warschauer Korrespondent des zionistischen Zentralorgans „Haolam" in London, der der Orthodoxie sicherlich nicht mit besonderer Vorliebe gegenübersteht, meldet seinem Blatte folgendes: „Es gab vor dem Kriege Zeiten in Polen, in denen man die Prophetie des Talmuds verwirklicht glauben konnte: „einst wird die Thora vergessen werden in Israel." Von Jahr zu Jahr vermehrte sich die Zahl der jüdischen Kinder, die in profanen Schulen erzogen wurden. Die Chadorim wurden geschlossen und verschwanden eines nach dem anderen. Die Lehrhäuser, die noch eine Generation früher Tag und' Nacht von Lerneifrigen gefüllt waren, leerten sich und ihre Bücher fielen dem Diebstahl, den Mäusen und den Motten zum Opfer, wenn sie nicht gar dem Feuer überliefert wurden. Die Jugend der Orthodoxie, soweit sie nicht die profanen Schulen besuchte, stand den ganzen Tag auf der schwarzen Börse, lief dem leichten Gewinn nach und verfiel dem Nichtstun: und dem vollkommenen Am- Haar^tztum. In ganz kurzer Zeit, kaum daß man sich dessen versah, ist hierin e i n v o l l k o m m e n e r Wandel eingetreten. Die Söhne der Orthodoxen sind in die Lehrhäuser zurückgekehrt und lernen eifrig. Jeschiwaus find in vielen Städten eröffnet, Chadorim neu eingerichteat' worden. Auch ältere Juden find wieder mit großem Eifer zu den talmudifchen Studien zurückgekehrt und man versichert, daß unter den Bachurim schon ganz hervorragende Kräfte sich entwickelt hätten, trotzdem man hierzulande die Rabbinen nicht aus den Gedaulei Thora wählt, sondern das Rabbinat unter dem Einfluß der Rebbes sich vererbt, werden wir doch den einen Gewinn in Polen haben, daß wir die notwendigen Funktionäre nicht mehr aus dem Auslande importteren müssen." Trotz der vielen Seltsamkeiten dieses Berichtes, die nicht erst weiter hervorgehoben werden brauchen, ist dieses Ehrenzeugnis für die systematische Tätigkeit der Agudas Jisroel in Polen aus gegnerischem Munde doch von ganz besonderem Interesse. Ernte und damit ein bescheidenes Auskommen für die Besitzer wäre gesichert sobald alle Familienmitglieder Mitarbeiten und fremde Arbeitskräfte nur im Notfall in Anspruch genommen werden. Sehr empfohlen wird von sachkundiger Seite auch der Versuch, die neuen Einwanderer für die Milchwirtschaft zu gewinnen, die heute noch in weitestem Umfange die jüdische Bevölkerung als Konsumenten den Arabern und den deutschen Kolonien tributpflichtig macht. <£ngilan&+ Der Fall Levyson. London, 9. November. In Edinburg ist letzten Freitag ein seit mehr als zwei Jahren schwebender Verleumdungsprozeß zugunsten der Beklagten entschieden worden, dem ein starkes jüdisches Interesse innewohnt. „Jewish Chronicle" hatte auf Veranlassung des Edinburger Rabbiners, Dr. Sally Daiches, im Sommer 1922 gegen einen gewissen Alexander Levyson, der kurz vorher nach Edinburg gekommen war, die Anklage erhoben, er sei ein Missionär und habe unter dem Vorgeben, Rabbiner zu sein,'jüdischen Religionsunterricht in Edinburg zu Bekehrungszwecken eingerichtet. In der Tat war dieser Levyson der Bruder eines von früher her a^s Missionär in Edinburg berüchtigten getauften Juden, wenn er auch ünbegreiflicherweise eine Anzahl naiver Qalajtina. Der Bodenkauf in Emek Israel. Frankfurt a. M., 18. November. Das Büro der Palästina-Zentraale der Agudas Jisroel teilt uns mit, daß der Aufruf in der jüngsten Nummer der Agudoblötter bezüglich Bodenkaufes dahin richtig zu stellen ist, daß eine Anzahlung von 50 Prozent und nicht von 30 Prozent zu erfolgen hat, während die beiden Vierteljahrsraten je 25 Prozent betragen. Die neue Einwanderung in Erez Jisroel. Jaffa, 2. November. Die in den letzten Monaten zu Tausenden eingewanderten bürgerlichen Elemente aus Polen, haben naturgemäß zunächst zu den ihnen von Hause aus naheliegenden Erwerbszweig gegriffen: sie haben kleine Läden eröffnet und zum Teil eine Art Hausierhandel ins Werk gesetzt, ohne daß ein Bedürfnis dafür objektiv Vorgelegen hätte. Zweifellos ist es nun eine Aufgabe, der sich vor allem auch die Orthodoxie widmen sollte. Rabbi Samuel Glatzner Jerusalem, 3. Nov. Am Abend nach Festausgang starb im Hause des Rabbiner Fischmann der bekannte Rabbrner aus Klausenburg, Rabbi Schmuel Glaßner, der vor einem halben Jahre etwa, ein Siebziger schon, nach der heiligen Stadt überskedelte. Rabbi Glatzner galt in der Heimat als große Thoraautorität und ein Mann von Geist und Tatkraft. In den letzten Jahren hatte er sich durch sein Zusammengehen mit den Zionisten vielfache Feindschaft und Gegnerschaft innerhalb und außerhalb seiner Gemeinde zugezogen. Seine glühende Zionsliebe blendete seine alten Augen für manches, was in diesen Kreisen vorging und was er, richtig gesehen, gewiß nicht gebilligt hätte. Und es war sicherlich nicht seine Schuld, daß Zionisten in letzterer Zeit seinen Namen im Parteikampf gegen ihre religiösen Gegner mißbrauchten und so sehr in den Vordergrund stellten. .Es war dem Rabbi vergönnt, einen kurzen Lebensrest im Lande und in der Stadt semer Träume zu genießen und letzte Ruhestätte in dem heiligen Boden zu finden, dem alle Zeit die ganze Liebe seines Herzens gehörte. Am Grabe wurden viele ergreifende Reden gehalten. U. a. sprachen auch Oberrabbiner Jakob Merer, die Rabbiner Aronjohn und Benzion U s i e I aus Jaffa, sowie Pros. Pick im Namen des Misrachi^rraxui, Brief aus Palästina. Jerusalem, 1. Nov. Die Feiertage sind hier in üblicher Weise verstrichen. Große Feierlichkeiten gab es am ersten Sukkothtage in der großen Synagoge > der B u ch a r i m im Stadtviertel Rechowoth, wo der Oberkommissar Herbert Samuel mit ferner Begleitung am Frstgottesdkenste teilnahm. Der Oberkommissar machte den weiten Weg zu Fuß und wurde von der Dorstandschaft wie von der großen Menge, die sich vor dem Gotteshause ansammelte, mit großem Jubel empfangen. Nach dem Gottesdrenste gab es in der Sukko des Chacham Rabbi Aminow ein solennes Frühstück zu Ehren der Gäste. In der von Rabbi 'A l i e ch begründeten Allgemeinen Volksküche speisten an den letzten Feiertagen durchschnittlich 350 Gäste aus allen Schichten der Bevölkerung, abgesehen von 30 Mahlzeiten, die täglich verschämten Armen ins Haus geschickt wurden und der Verköstigung der jüdischen Häftlinge im Gefängnis. Es herrschte im Haus während der ganzen Woche volle Feststimmung. Unter den Institutionen Jerusalems verdient diese Volksküche an erster Stelle zu stehen. Am ersten Sukkostage wurde die Anstalt mit dem Besuch«! und einer Ansprache des Oberkommissars Herbert Samuel beehrt, der sich nach dem Gottesdrenste in der Bucharim synagoge dorthin begab. Daß es noch Karäer in Jerusalem gibt, erfährt man nur selten. Am elften Tischrr feiern die Karäer ihren Versöhnungstag mit Fasten und Beten. Ein Berichterstatter des „Dar Hajom", der die Karäer an diesem Tage in ihrer Synagoge rn der Altstadt besuchte, fand dort, wie er erzählt, eine Gemeinde von zwei Männern und sechs Frauen. So siehtzur Zeit dre Karäergemeinde in Jerusalem, der Stadt, in der der Begründer der Sekte, A n a n, im achten Jahrhundert das Zentrum seiner Lehre schassen wollte, heute aus. Anderswo, auch in Südrußland, wo man vor dem Kriege noch 10 000 Karäer zählte, wird es nicht viel besser um dieses vom Baume des Judentums abgefallene Reis stehen. In Jerusalem befindet sich eine sogenannte Anglo- Jüdrsche Gemeinde, deren Mitglieder sich zu den Nachkommen jüdischer Stämme zählen. S:e fühlen sich