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Der Israelit · 1924-11-20 · Heft 47 (20.11.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 47 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. Der Israelit 20. November 192f Sünder unbesorgt, wurde aber nma gebetet, bricht der Abend an, dann werden die Sünder traurig, die Nacht bricht an, die sie ihrer Strafe wieder zuführt — und deshalb ist dieser j?nx p.i zur nnia-Zeit. Andere Erklärungen wissen von einem Zusammenhang unseres Gebetes mit dem pn viix nichts. So bringt der a,11113» auch folgenoes: Man sagt qnpL zu nma weil man nach nma die niivv genießt. Und in n»'p D3V heißt es: „Wer die drei Sabbatmahlzeiten hält, wird von den drei Strafen befreit: von den Leiden, die N'^a's Kommen mit sich bringt, von dem Kampf zwischen aia und awa und von der Strafe des arm-" Und in diesen drei *jnpnr Sätzen sind diese Gedanken zum Ausdruck gebracht. na» “jnnm a!?i^ j?ix inpnx weist hin auf die Befreiung von der Strafe des mrpa. Denn die erste Frage, die an den Menschen im Jenseits gestellt wird, lautet: Hast du dich mit der nun beschäftigt, die na» genannt wird? '13 ö fcti? im weist auf die Befreiung von der Not hin, die der Kampf von au und :ma mit sich bringt, denn bei diesem Kampf heißt es: a’3i O’ia ’pb ’nyiui wipnm ’n^ianm „Ich erweise mich als groß und als heilig und tue mich kund vor den Augen vieler Völker (nb totpm* '131 *?» mm ypm Weist hin auf me Befreiung vom Leid, das das n'V» Kommen im Gefolge hat. Denn dann wird an» entwurzelt werden, von dem es heißt: amnn tod ip V? pw, worauf das in diesem Satze vorkommende -pLwa .131 ainn anspielt. Auch daran, daß uns am natf die nnn gegeben wurde, soll uns das 'fnpi»" Gebet erinnern. Sein erster Satz mit seinen 5 Worten weist hin auf nun ’wan nwan, sein zweiter mit seinen 40 Buchstaben auf die 40 Tage, die nva auf dem Berge weilte, sein dritter mit seinen 10 Worten erinnert uns an niiai.i niVv- — Der anp’Stt 4>V3schließlich findet in diesem Gebet einen Hinweis auf die drei Grundwahrheiten, an die wir glauben müssen: Das Dasein Gottes, Offenbarung, Lohn und Strafe, aVisrV j?ix *jnj?ii£ iw» *]mim erinnert uns an own ]a nun Iwa w D’pV» nV?na n*tt? iv» ans IN a’p^» *]npisi führt uns vor Augen nvn nwsa das Dasein Gottes, nv.131 ai» nai ainn fvsVa hp mna ^nps M Win schließlich bringt uns zum Bewußtsein die erhabene Idee von Lohn und Strafe. Diese kleine Auslese zeigt, wie sehr unsere Großen unsere nV?sn zum Gegenstand erhabenen Nachdenkens gemacht: das soll uns anspornen, mit tiefer Andacht zu beten und aus dem Gebet tuts, wenn die Ereignisse die jüdische Herrschaft immer mehr bestätigen?" (Lin salomonisches Arkell in Lalisch.) Aus Kalisch wird der folgende merkwürdige Fall gemeldet, der an die Geschichte von dem salomonischen Urteil erinnert: In der dortigen Geburtsklinik waren zwei jüdische Frauen zu gleicher Zeit niedergekommen. Die Neugeborenen wurden zusammen gebadet, bei welcher Prozedur eines der Kinder verstarb. Die Pflegerinnen konnten nun nicht angeben, welcher Mutter das lebendige und welcher das tote Kind gehörte. Beide Mütter erkrankten infolge der Aufregung über den Vorfall ernstlich. Da beide Mütter das lebendige Kind für sich reklamierten, ist ein Schiedsgericht von Bürgern der Stadt zusammengetreten, das folgendes Urteil fällte: Das Kind verbleibt drei Jahre lang in der Obhut der Geburtsklinik. Nach drei Jahren sollen Sachverständige auf Grund genealogischer Merkmale seststellen, welcher der Frauen das Kind gehören soll. ■■'■■■■ "Lfg.. N)ochenka!ender. 22. bis 29. Nov. 1924 / 25. Eheschwon bis 2. Kitzlew 5685. Samstag Nov. 22 rnw "v 25 Rausch-Chaudesch benschen Mauled: Mittw. abds. 8»» Sonntag 23 26 Montag 24 27 Dienstag 25 28 Mittwoch 26 29 svx» TIM Dl’ Donnerstag 27 3E 1. Nausch-Tha»defch»Tag Freitag 28 1 2. Rausch-Chaudesch-Tag Samstag ÜS nrtf>V) 2 ibos die Kraft zu schöpfen, dem Dienst des Tages gewachsen zu sein und ihn zu verrichten im Geist und nach dem Wort der nun» die unser fnpi»" Gebet ja auch nennt: na» iniini- Krankensürsorge. Von Hermann Seckbach in Frankfurt a. M. Es ist arg, sehr arg, bekenen zu müssen, daß wir hinsichtlich der jüdischen Krankenfürsorge vor einer Krise stehen. Es wäre unverantwortlich, dies zu verheimlichen. Es soll hier nicht von den mittellosen akuten Fällen gesprochen werden, die vorübergehend eine Belastung der politischen oder jüdischen Gemeinden bedeuten und immerhin noch fürsorgend betreut werden. Es ist aber beinahe unmöglich, das gewaltige Leid zu lindern, das sich immer und immer mehr bei den von dauernden Gebrechen Betroffenen ausbreitet. Ganze Familien werden hierdurch der Verzweiflung und dem Gefühl trostloser Hoffnungslosigkeit entgegengetrieben, und die vielen Selbstmorde in letzter Zeit sind, wie von eingeweihten Kreisen versichert wird, auf dieses Unglück zurückzuführen. Drei Gruppen sind es, die in Betracht kommen: 1. die Tuberkulosekranken, 2. die an einer chronischen Erkrankung Leidenden (Sieche): 3. die Gemüts- und Nervenkranken. Kostenlose Unterbringungsstätten für diese Bedauernswerten auf Grund von Freibetten sind nicht mehr vorhanden, denn die ehemals mustergültigen, vorbildlichen Anstalten und Institutionen stehen heute selbst vor einem Nichts. Durch die Währungsverhältnisse sind deren Stiftungsvermögen verschwunden, und sie sind, um überhaupt noch den Betrieb aufrechterhalten zu können, gezwungen, den größten Teil der Selbstkosten zu beanspruchen und dabei täglich zu versuchen, den Rest der Kosten auf wohltätigem Wege aufzubringen. Auch das letztere gelingt leider nur noch unter den größten Schwierigkeiten. Wir erleben es deshalb, daß jüdische Menschen zu Hause, der breiten Oeffentlichkeit verborgen, zugrunde geben, oder daß sie in nichtjüdischen Anstalten untergebracht werden müssen. Wie viele, die in diesen Blättern in der vergangenen Woche gelesen haben, daß eine Kranke fünfzehn Jahre ihres Lebens in einer nichtjüdischen Anstalt verbringen mußte, sind darüber hinweggegangen, ohne zu ahnen, welche Gewissensqualen neben ihren körperlichen Schmerzen unzählige solcher Fälle in gleicher Lage zurzeit erdulden müssen! Man sage nicht, daß es sich zum Teil um Kranke handelt, die von ihrem Zustand nichts wissen. Wer von diesen Aermsten Schilderungen ihrer Not gelesen hat, wird anders urteilen. Der Sabbath, die Feiertage, die uns als Höchstes und Schönstes vor Augen schweben, sind den Unglücklichen verschlossen, abgesehen davon, daß nicht einmal rituelle Kost ihnen dargebracht werden kann. Wenn nun die Frage ergeht, wie diesem entsetzlichen Elend beizukommen ist, so ist es in erster Linie notwendig, daß die große Menge aus ihrer starren Gleichgültigkeit herausgeht und nicht immer die Behauptung aufstellt, daß die Zeit diesen Verfall veranlaffe. Denken wir ein halbes Jahrhundert zurück an die Zeit, in der die Verhältnisse jedem wohl nur einfachste Lebensweise gestattete. Dennoch wurden damals Steinchen auf Steinchen zusammengetragen, um Bauten der Liebe zu errichten, in denen die Kranken, die Hilfsbedürftigen, die von schwerer. Not Betroffenen eine Zufluchtsstätte finden sollten. Welch ein Jammer kann einen erfassen, wenn man daran denkt, daß unsere Generation diese Denkmäler jüdischen Gemiluth-Chessed, die berufen waren, unseren Brüdern und Schwestern ein Bollwerk gegen das Leid zu sein, in Ruinen verwandeln läßt. Darum ans Werk! Sorget, daß die armen, unglücklichen Kranken obiger Gruppen die jüdische Hilfe nicht zu vermissen brauchen, entweder indem die Anstalten und' Institutionen neue Mittel zugewiefen bekommen^ oder aber, indem von Fall zu Fall Unterbringungsmöglichkeiten gewährleistet werden durch Aufbringung der Selbstkosten für den einzelnen Kranken; dann wird es sicher gelingen, über diese Krise hinwegzukommen! ll-nezMckenren * Nacdricdle«. Dc»»t-ch»cr Reich. Die Deutsche Nothilfe. , Berlin, 10. November. Von der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" wird uns mitgeteilt: „Die deutsche Nothilfe veranstaltet, wie im letzten fff auch in diesem Jahre eine Opferwoche, um neue Mitten zur Linderung der leiblichen Notstände zu beschaffen. Die Opserwoche findet im ganzen Reichsgebiet im Laufe der Monate Dezember und Januar statt. Um die Einheitlichkeit der Aktion zum Ausdruck zu bringen, wird unter Förderung aller Kreise aus Handel Und Industrie und der charitativen Verbände ein Verkauf der Wohlfahrtsbriefmarken der Reichspost stattfinden, von deren Erlös 5 Prozent den vertreibenden Stellen für örtliche und regionale Wohlfahrtspflege verbleiben. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat aus den bisherigen Sammelergebnissen Zuschüsse aus dem Reichsausgleichsfonds für überlokale Zwecke regelmäßig erhalten. Die Unterstützung des Verkaufs der Wohlfahrtsbriefmarken, die namentlich für Sammler erwünscht sein dürften, kann allen jüdischen Kreisen warm empfohlen werden. Die Karten sind bei allen Postanstalten und bei den Organen der Deuschen Nothilfe zu erhalten." Einreiseerleichlerungen für Studenten in Amerika. Berlin, 17. November. Das Vereinigte Komitee für jüdische Auswanderung (Emigdirekt) erhielt eine Abschrift der neuen. Instruktionen, die der Einwanderungskommissar der Vereinigten Staaten in bezug auf die Einwanderung von Studenten herausgegeben hat. Das Einwanderungsgesetz gestattet denjenigen Studenten, die in Amerika ihre Studien fortsetzen wollen, die Einreise außer der Quote. Die neue Instruktion kommentiert diese Vorschrift dahin, daß außer der Quote nur Studenten über 15 Jahre für die Zeit ihres Studiums Aufenthalt in Amerika nehmen können. Zwecks Erlangung eines Visums von dem amerikanischen Konsul muß der Student das Zeugnis einer amerikanischen Hochschule beilegen, daß er bei derselben ausgenommen ist. Der Student muß ferner Nachweisen, daß er über genug Geldmittel (mindestens 500-' Dollar) für das 1. Semester verfügt. Sollte der Einwanderungsbeamte seststellen, daß der Student ohne den ernsten Willen zum Studium eingewandert ist, so wird er trotz des Visums ausgewiesen werden. Ebenso wenn sich im Verlauf seines Aufenthaltes herausstellt, daß er das Studium vernachlässigt und sich anderen Geschäften widmet. Die jüdischen Forderungen vor dem polnischen Sejm. Warschau, 11. November. Im Verlaus der mehrtägigen Budgetdebatte im polnischen Sejm ergriff auch der Vorsitzende des jüdischen Parlamentsklubs Dr. Reich das Wort, um die jüdischen Forderungen zu begründen. Als der jüdische Deputierte die Tribüne bestieg, verließen die Abgeordneten der Regierungsparteien sämtlich den Saal. Es fiel auf, daß auch der Ministerpräsident Grabski, der der bisherigen Diskuigon aufmerksam gefolgt war,, sofort nach Beginn der Rede Reichs den Saal verlief;

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