Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1924)
- Date
- 1924-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450331--71695-2529012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20. November 1924 Der Israelit Nr. 47 jederJuVe darauf, nach frommer jüdifcherArt m i t einem „Schma" auf den Lippen zu st e r b e n, denn das Größte, das wir Juden der Wett geschenkt haben, ifi das Ideal der Etyzigeinheit Gott e s." Es fei festgestellt, daß. Sirkist bei vollem klaren Bewußtsein und ungetrübtem Verstände gestorben ist. Er bestand beharrlich darauf, daß diese seine letzten Worte der Wett bekannt gegeben werden, und da er Grund hatte, seinen nächsten Genossen in dieser Beziehung nicht zu trauen, zog er zwei Bekannte aus den konservativen Kreisen an sein Sterbebett, Rabi M a ß l i a n s k i und C z e r - nowitz, denen er seine letzten Erkenntnisse und Bekenntnisse in die Feder diktierte. Er empfand es als sehr tragisch, daß er seinen Schülern nicht mit der Autorität, hie jeder Rabbi asten Schlages auf seine Jünger ausübte, die Konsequenzen dieses letzten Erkennens als die Grundlage einer neuen Lebensbahn vorschreiben konnte, ja, daß er ihnen nicht einmal trauen konnte, daß sie seine Gedanken und Worte weitergeben würden. Darin hat er sich nicht geirrt. In Wahrheit suchte man sein letztes Vermächtnis zu unterschlagen, und, als es dennoch an die Oeffentstchkeit kam, als Ausfluß der verworrenen Sinne eines Sterbendey dahinzustellen. Dr. Sirkin war keiner von den Himmelsstürmern aus Passion und Arroganz. Er war ein ehrlicher Denker, der, wie er immer betonte, aus Apberzeugung sich verneinend zum Religionsgesetz verhalten zu müssen glaubte. Die Revision seiner Urteile, die er noch in letzter Minute vorgenommen hat, wiegt damit umso schwerer, mij? v nnx /NM2 ivbip. und sollte,, wenn auch die Jünger munter über den Toten weiter hinwegstürmen, doch manchen seiner Kollegen und Gesinnungsgenossen nachdenklich stimmen. Wartet nicht, bis euere Jünger soweit über euch hinausgeschritten sind, daß euer letzter Blick und euer letztes Wort sie nicht mehr zurückrufen kann ... Das j?ix iri^r-Gebet. Von Wolf S. Jakobson in Hamburg. Die historischen Bemerkungen und die homiletischen Betrachtungen, die unsere großen Erklärer an das pix^npix-Gebet knüpfen, sind so interessant, daß es lohnend erscheint, nicht nur die in der Literarischen Warte des „Israelit" Rr. 41—42 angeregte Frage des Herrn Beermann-Hannover, sondern das ganze Gebet selbst zum Inhalt einer kurzen Betrachtung zu machen. Vorweg sei bemerkt, daß die nachfolgenden einzelnen Punkte zumeist nicht an den Originalstellen vom Schreiber gesunden, sondern teils bei Baer im *?*OEr> rmay np» teils im ixix ivtd nibsnn vermerkt stehen. — Auffallend ist vor allem die Reihenfolge, in der diese drei Verse aus gesagt werden: pnx *]np'*ns steht im Kap. 119, fnpsi d•na iv v'pibrr in Kap. 71, Vx-'ima in Kap. 36. In der Tat steht in den sefardischen Siddurim die Reihenfolge auch in der Weise, wie die d'j?iOQ in d'^rm Vorkommen, eine Ordnung, die auch Dia? ai -.i'iVv Iran haben und für die der ia ba noch überdies als Stützpunkt den Satz in ,tö1' 10 anführt: »ax d'pi^x 'nv der erste Satz soll mit m* der zweite mit. d’piVx' der dritte mit nax schließen. Der X’jn beweist auch aus der xnj?'v!p daß die Reihenfolge so ist, daß das Gebet mit dem Satz pnx *jnpnx na« fmim geschlossen wird, indem er sagt: „Gottes Siegel ist nyX' am naip zu nmv ist das Ende der Woche". — Daraus schließen wir, daß man die Woche mitnyxsteMießen'-chuß.".-- Für unsere Reitzenfolge in dem Lesen der drei d'pivs führt 'iv'n um» als Grund an, daß man auf diese Weise den 17'ip direkt an den Gottesnamen — "n x'Vin nanai cnrr — anschließt. Eine andere Begründung für unsere Reihenfolge der d'pivvdie zugleich die Äntwort auf die Frage des Herrn . Beermann gibt, ist ein, übrigens auch bei uns im Westen öfters zitierter irm zu .i»nn: p’X xn^n X3QT xnna xaVya Jene drei, die um diese Stunde des Sabbatmittags zur Höhe stiegen: Der eine ist Moses, der Prophet, der ändere Josef der Gerechte und der dritte König David, um ihretwillen der dreimalige pin pro am rm. Daß nach der Reihenfolge, wie der inn diese drei großen Toten anführt, auch unsere Reihenfolge der d'pivs richtig ist, geht aus der Begründung hervor, welchen pivs jeder dieser drei gesprochen hat, um l'nn nx proa zu sein. Als ws sterben sollte — so erzählt uns der vi^-« zu suchte er nach vielen Gründen, feinen Tod hinauszuzögern. Da sprach Gott zu ihm: Willst du Meine ThoraLüge strafen, da Ich in ihr gesprochen: b'Xv pul „Und aus Meiner Hand-rettet nichts mehr." Sofort war nv» pinnxproa und rief aus: „Dein Zedek bleibt ewig Zedek: und Deine Lehre Wahrheit, ich will ihr Wort nicht ändern." — > Den zweiten pivs sprach «pT>. Obgleich er der frommste der Brüder war, mußte er als erster sterben, weil er die Eigenschaft des Stolzes besaß Seite 3 und so das Gewand Gottees vab mxa *^>a m sich angezogen, des Zepters des Königs aller Könige sich bedient hatte. Deshalb war tjov> auch pin nx pro» indem er ausrief: „Dein Zedek, Gott, reicht bis zur Höhe, denn du tust Gewaltiges, wer kann sich Dir vergleichen, Gott, wer ist wie Du." (In diesem Zusammenhang sei auf einen interessanten na'an nun hingewiesen, welcher den Widerspruch löst, daß der nai im» zu nw zu dem Satz droaa n\i *pv* hinzufügt: nt °?aa rvabab ^vi' nan7 b'jnw ^a»1?1? vax i'nx bv rriwna xV während die xia* in nviv eben sein nix^ als Grund für sein vorzeitiges Sterben angibt (aw p'vi ra '2 n'i7Xia) Den dritten pioa sprach m Gott sprach zu ihm: Am naV wirst Du sterben: da antwortete er: „Laß mich nicht am ersten Tag der Woche sterben!" „Die Herrschaft Salomos, Deines Sohnes, hat schon begonnen: und eine Herrschaft kann nicht, selbst um Fadens Breite, an die andere anrühren" {'b nav). D.i ruft David, Gottes Gerechtigkeit bekundend, aus: bx ’iina -jnpis und dieses ^x 'iiria weist hin auf hie einander anschließenden Herrschaften (wie '"Vi in T"a piriap beweist). Daß unser pix inpix'Gebet in der Tat als j'1.1 piix gedacht ist. sagt mavin in 'b wörtlich: „Daß man den Brauch hat, pi.i pro am nai7 zur nnza-Zeit zu sagen, erklärt iv a-, pxa di!?r7 weil u'ai nv» zu dieser Stunde gestorben ist. Da hörte man in allen Lehrhäusern auf, zu „lernen", weil wir sagen (a*a pp uns) „Wenn ein Weiser gestorben ist, müssen alle Lehrhäuser der Erd^ aufhören, zu lernen." Die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, daß Moses Todestag auf nai7 angesetzt wird statt auf nai7 aiv wie aus einer xiaa in nmi Vxi undaus dem -nv hervorginge, sucht der N"a zu lösen, indem er sagt: ni7a starb zwar am r>ai7 aiy* wurde aber erst in den Räumen der ,-»'ai7 gebettet, und kam erst nai7 zu nma als der pxi nvi7 zur rrvjap! Der 17X1 gibt (in D'noa 'aisr) einen anderen Grund für das Sagen dieses Gebetes an; den gleichen Grund erwähnen auch ^er mi' jax und der nmnax* Das Gebet gilt als pi.i pur für die Sünder, die mit Schabbosausgang wieder ins BI.i'A kommen. So heißt es im am» : Der Engel, der über die Seelen der Verstorbenen eingesetzt ist, ruft am aus: Geht heraus aus dem büits ihr Sünder, und feiert, so wie ganz Israel nai7 hält. Mit Sabbatausgang ruft er wieder: Geht zurück, Sünder, ins aa,va» denn schon hat Israel seine Sabbatordnung beschlossen. Solange die drei ivfrBn am nai7 nicht gesprochen wurden — N'im7' qvi» und NN2» — sind die legen herab, der ganz abgerissen, ausgemergelt uyd heruntergekommen, ein Bild des Jammers dastand. „Wie gehts?" fragte der Pariser teilnahmsvoll. „Schlecht, lieber Freuno! Keiner will in Polen etwas von mir wissen. Nichts wie Lehrhäuser und Bethäuser. Keiner hat dort für mich etwas übrig. Bin von aller Welt gemieden, gefürchtet wie der Tod. Ich ver- . hungere..." „Da kann ich nicht klagen", tänzelte der Pariser Kollege. „Mir gehts gut. Ich habe Hochkonjunktur und lebe wie Gott in Frankreich . . . Oder warte, nein, Gott Ist in Frankreich seit der Revolution abgesetzt, Aber ich bin Trumpf! Die Bars, die Cafees, die Theater, auf den. Boulevards, alles sucht mich. Ich habe nicht Hönde genug... Ich muß auch, schon eilen... Verzeihe!..." Nach fünfzig Jahren trafen sich, vor kurzem erst, die beiden Kollegen wieder. Das Bild hatte sich gründlich geändert. Der Pariser Iezerhora hatte zwar noch feinen verschlissenen Frack an, aber ausgemergett, verhungert war er, nur Haut und Knochen, während der Kollege von Wilna stark und feist und wohlgenährt mit zufriedenem Lächeln dastand. ... „Na," fragte der Pariser mit Neid, „Dir scheint es gut zu gehen." „Vortrefflich!" schmunzelte der Wilnaer. „Ich habe gute Zeiten. Mit den Lehrstätten und Bethäusern ist es bei uns vorbei, es gibt Klubs, Kinos, Theater, Tanz. Söhne, die gegen ihre Väter das Wort führen ... Ich habe Arbeit in Fülle. Aber wie siehst Du denn nur aus, Freund? Haben sich etwa in Paris alle Theater und Bars in Lehr- und Bethäuser verwandelt und Dich brotlos gemacht?" „Mit Nichten," seufzte der Pariser Iezerhora. „Um Religion und Sitte steht es heute in meinem Paris noch weit schlimmer als früher. Aber die Menschen brauchen mich nicht mehr dazu. Sie finden den Weg zu ihrem Ziele längst ohne mich und benötigen mich als Führer nicht mehr. Bei all dem Licht und Trubel verhungere ich vollkommen..." Henrik Sienkiewicz und die Judenpogrome. Aus Anlaß der eben stattgefundenen Ueberführung der sterblichen Reste des großen polnischen Dichters Henrik Sienkiewicz nach Warschau, wo ihm ein Staatsbegräbnis zuteil wurde, veröffentlicht das „Reue Wiener Journal" zum ersten Male einen Brief Sienkiewiczs aus dem Jahre 1913 an den jüdisch-deutschen Journalisten Davis Erdtrecht, der in seinen Hauptteilen lautet: „Der Brief des Grafen Tolstoi, den Sie mir einzusenden die Liebenswürdigkeit hatten, hat mich wahrhaft gefreut. Es ist zum erstenmal, daß ein russischer Staatsmann so mutig für die gemarterten Opfer des Zarismus in die Bresche tritt. Ich zweifle nicht, daß seine Stimme in der gesamten Kulturwelt Widerhall finden und in erster Reihe die offiziellen russischen Kreise zur Besinnung bringen wird. Nicht nur ihre Glaubensgenossen, alle anderen Völker und in erster Reihe mein eigenes Volk leiden fürchterlich. Was helfen uns aber unsere Proteste, wenn das gesittete Westeuropa den ungeheuren Greueln des Mobs unter dem Schutze der russischen Regierung stumm gegenübersteht. Wir Polen, selbst verfolgt und gemartert, empfinden das große Unrecht, welches Ihren Glaubensqenossen tagtäglich zugefügt wird, hören mit größtem Mitgefühl den Schrei der unschuldigen Opfer der Soldateska. Wir Alten haben nicht mehr die Kraft, diese Verlotterung der heutigen Kultur auszurotten, aber unsere Jugend — hoffe ich — wird in einem anderen Geiste erzogen werden, im Geiste der Verständigung und Versöhnung, der Liebe und Zusammenarbeit um die Regenerierung unserer dem Verfalle nahen Kultur. . Bekannt ist, daß sich die Hoffnungen des Lichters, daß die neue polnische Jugend den jüdischen Schicksalsgenossen Verständnis entgegenbringe, nicht erfüllt haben. (Die dänische Palästina-Expedition.) Die dänische Wissenschaft wird demnächst auf' alten religionsgeschichtlichen Stätten in Palästina Forschungen und Ausgrabungen unternehmen. In erster Linie sollen Nachgrabungen in der alten Residenzstadt des Königs Saul, in Silo, erfolgen. Das ehemalige Silo, zwischen Samaria und Judäa, westlich vom Jordan, liegt in Gebirgszügen in der Nähe anderer vorgeschichtlicher Stätten: Corea, Gibea, Gilgal, bei dem heutigen Dome (Edumia), etwa 30 Kilometer nördlich von Jerusalem. Die englische Regierung hat dem aus den Gelehrten Skordaaro- Petersen, Prof. Oestror, Prof. Buhl und Probst Oessing bestehenden Komitee 'die Erlaubnis zu den Nachgrabungen erteilt. Die Arbeiten, djtz. Zu Beginn des nächsten Frühjahrs in Silo mit Unterstützung der englischen Behörden ausgenommen und den Sommer über fortgesetzt werden sollen, werden von dem Inspektor am Nationalmuseum in Kopenhagen, Archäologe H. A. Kjär, Architekt Karl Christensen und Dr. Aage Schmidt geleitet werden. („Ob echt oder nicht . . .“) In der völkischen Zeitung „Der Aufrechte" findet sich das folgende charakteristische Inserat: „Geheimnisse der Weisen von Zion. In deutscher Sprache herausgegeben von Gottfried zur Beek. — Die „Geheimnisse" sind nun in der ganzen Welt verbreitet. Von jüdischer Seite wird zwar behauptet, die hier gegebenen Richtlinien zur Erlangung der jüdischen Weltherrschaft seien gefälscht. Aber ob echt oder nicht — was