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Der Israelit · 1924-11-20 · Heft 47 (20.11.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 47 (20.11.1924)
Date
1924-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 47 Der Israelit 20. November 1924 meinden sind wir um Vertretung ihrer Jnteresien und Verdolmetschung ihrer schweren Sorgen vor dem Ministerium aufgefordert worden. Konnte auch nicht in jedem Falle die Erfüllung der Wünsche herbeigefürt werden, insbesondere dann, wenn die Schülerzahl auf die allerniedrigste Ziffer herabgesunken war, so konnte doch in einer Reihe von Fällen die Aufhebung der bereits erfolgten Verfügung oder ein Aufschub oder aber eine Milderung der Form herbeigeführt werden, die nur ein zeitweiliges Ruhen der Lehrerstellen zur Folge hat. Es ist selbstverständlich, daß wir nach wie vor dieser vielleicht größten Gegenwartsorge der kleineren Synagogengemeinden unsere Aufmerksamkeit zu widmen entschlossen sind. Nur bitten wir, in jedem Falle möglichst ungesäumt und ausführlich die Gründe des beabsichtigten Abbaues zu unserer Kenntnis zu bringen. In diesem Zusammenhänge berichten wir gern, daß wir in vielen Fällen schwerster Not die Freude hatten, die wirtschaftliche Not gering besoldeter Beamten aus unseren Mitteln zu lindern. Wir haben auch hier, im Sinne des Thorageistes, es nicht, für richtig gehalten, zwischen Beamten, die unseren religiösen Grundsätzen huldigen, und anderen zu unterscheiden. 4. Staatliche Anerkennung der Landesverbände. Obwohl, wie schon wiederholt mitgeteilt und auch aus obigen Berichten sich ergibt, in der Praxis die Anerkennung unseres Landesverbandes als berufenen Vertreters des gefetzesrreuen Judentums seitens der Regierung bereits erfolgt ist, indem sie Reichs- und Staatsmittel» z. T. mit dem Recht der Verfügung nach eigenem Ermessen, uns für die angeschlossenen Synagogengemeinden überwiesen hat, so ist doch mit der formal gesetzmäßigen Anerkennung der beiden preußischen Landesverbände bisher gezögert worden. Die Ursache lag in verfassungsrechtlichen Erwägungen. Zunächst sollte die landesrechtliche Bedeutung des Artikels 137 der Neichsverfasiung hinsichtlich' der evangelischen und katholichen Landeskirche geklärt werden«. Das ist inzwischen geschehen. Es liegt nunmehr dem Staatsrat ein Gesetzentwurf vor, der allgemeine Grundsätze für andere preußische Religionsgesellschasten und die Weltanschauungsgesellschaften aufstellt. Sobald der Staatsrat diesen Gesetzentwurf verabschieden und dieser zur Vorlage an den Landtag ausgereift sein wird, ist die Regierung gewillt, durch besonderen Gesetzentwurf auch die formale Anerkennung der beiden preußischen Landesverbände als voneinander unabhängiger und nebeneinander mit gleichen Rechten bestehender Verbände öffentlich rechtlichen Charakters auszusprechen. Nach dem jetzigen Stande der Dinge rechnet die Regierung mit der Möglichkeit, daß dies noch im Laufe des Winters von ihr in die Wege geleitet werden könne. 5. Zur Organisation unseres Verbandes. Die Organe unseres Verbandes (Vorstand und Ausschuß neben der Verbandsversammlung) sind bereits seit der letzten Versamlung satzungsgemäß (§§ 9—18) konstituiert. Von ihrer Konstituierung hat die Regierung bereits derzeitig Kenntnis genommen. Die nächsten Wahlen werden zum satzungsgemäßen Zeitpunkt ausgeschrieben werden. Wir heben dies mit Rücksicht auf verschiedene Anfragen hervor. Da unsere Organe nicht etwa provisorisch (wie beim anderen Landesverband) gewählt zu werden brauchten, sondern endgültig für die ganze Dauer der Wahlperiode, erübrigt sich einstweilen eine Neuwahl. U* s Ein südliches Tel-Awiw. Wie eine Illustration zu unseren Ausführungen im Leitartikel der jüngsten Nummer liest es sich, was im Neroyorker „The Light of Israel" über das Werden und Wachsen eines neuen Stadtteiles im Süden Jaffas berichtet wird. Mit der neuen Bewegung, die jetzt im Süden Jaffas eingesetzt hat, ist ein neues Kkpitel im Palästinaaufbau eingeleitet, das unser Herz in neuen Hoffnungen schlagen lassen muß. Wenn „Tel-Awiw" im Norden Jaffas, bei all der Achtung, die wir den tausend sich dort regenden Händen zollen müssen und bei aller Freude, die die dortige Entwicklung in uns auslöst, uns auch manchen Anlaß zu Kummer und Sorge für die Zukunft des geistigen und. religiösen Lebens gibt, so erweckt das Bild im Süden das Gefühl ungemischter Freude. Die ganze Bewegung geht von den Kreisen aus, die als „Kleinbürger" der zionistischen Organisation wohl nicht sehr willkommen sein mögen, uns aber als das wertvollste Menschenelement für den Aufbau unseres nationalen Heimes erscheinen und als Gegengewicht gegen die einströmenden radikalen Elemente eine große Hoffnung bedeuten. Die Auspizien, unter denen die ganze Arbeit in diesem Stadtteile vor sich geht, schließen unerfreuliche Vorkommnisse,wie man sie im nördlichen Tel-Awiw zu verzeichnen hatte und noch hat, von vornherein aus. Ist zunächst auch Tel-Awiw im Norden reicher, strahlender, wirtschaftlich stärker, so wird für den Juden, den wahre Liebe ins Land der Väter geführt, das talmudische Wort gelten: nmn ü’TT» v'annV nxrin -pX' T»z?nV „Ist Wohlstand im Norden, so wohnt doch die Weisheit im Süden!..." Geleitet wird die Bauarbeit in diesem neuen südlichen Stadtviertel von den zwei Bodengesellschaften „Basis Wegan" und „Menorah", die unter den anderen Gesellschaften, welche sich in diesem Stadtteile betätigen, die überwiegende Majorität bilden. Die * Mitglieder dieser ge-, nannten Gesellschaften sind allesamt g e s e tz e s - treueJuden von altem Zuschnitt, denen d i e schriftliche und mündliche Lehre Richtschnur des Lebens ist, und nicht etwa das Programm einer Organisation oder die Verordnung irgendeiner nationalen Instanz. Die Majorität der dortigen Ansiedler, bürgt für eine Atmosphäre echt jüdischen Geistes, die, wie wir hoffen, auch auf die nördliche Seite Jaffas mehr oder weniger, abfärbsn wird. Zu bemerken sei noch, daß; während „Bajis Wegan" ausschließlich Mitglieder aus den Bewohnern des heiligen Landes in sich vereinigt, ihre Schwesterorgänisation „Menorah" auch Mitglieder und Interessenten aus den Ländern des Golus aufnimmt und zur Mitarbeit heranzieht. Das Testament eines Freidenkers. Wir berichteten vor kurzem vom Tode Dr. Sirkins, des bekannten Führers der radikalsten Poale Zion. Die näheren Um-! stände dieses Todes verdienen festgehalten zu! werden als eine Lehre und Mahnung für unsere! Jugend und für alle, die glauben, im Leben mit Gott und seinem Gesetze spielen zu können. Dr. Sirkin, der eingefleischte Sozialist und Bibelkritiker, der in einer ganzen Lebensarbeit in Wort und Schrift die Idee eines sozialistischen Palästina ohne Religionsgesetz propagierte und! viele Jünger für diese. Lehre und diese Bestrei bungen erzogen hat, dieser Dr. Sirkin starb m i t einem v o l l e n V e k e n n t n i s z u m I u - , dentum der Thora. Er sprach das Sündenbekenntnis und legte seine „letzte Lebensphilosophie" in einem Testament fest, in dem es u. a. heißt: „Die Thora der Juden ist von G o t t g e g e b e n und nur mit ihr und durch sie kann man die Welt richtig verstehen. Es sehe ein Notizen zu rm »n 's. rJ&'f:*#. MW (Aus meinem Werke v)- Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. ai® "N i'N'l . Es war die Lebenszeit Saras" usw. - Hierzu bemerkt Raschbam: i8»a» s"?K >a»a “pxw .vm ^.tt ’a*» »asm KV ö’»a »ts nuran pp V'a»a nnn’a TatnV ■pxin» nmin V» v'Zwn anrr^ nna -Obgleich bei anderen Frauen die Lebenszeit nicht angegeben wird. — bei Sara wav djes doch nötig : WM im Zusammenhang mit der Erwerbung der Machpelahöhle von Saras Tod erwähnt werden mutzte, wird zugleich auch gesagt, wann sie nach ihrem neunzigsten Lebensjahre, dem ihrer Schwangerschaft, gestorben war." — Diese etwas dunkle Ausführung möchte ich auf d r e i e r l e i Art aufzuhellen versuchen: 1. Hinweisend darauf, datz nirgends in der Schrift bie Lebenszeit ein er Frau angegeben werde, erklärt der Raschbam die bei Sara hingegen gemachte Ausnahme dadurch, daß, da bereits einmal von ih rem Alter die Rede war. datz sie nämlich, 90jährig, mi' Nachkommenschaft gesegnet wurde, nun auch beim Bericht von ihrem Tode die Zahl ihrer Lebensjahre angeführt werde. — 2. Saras Lebensjahre werden deshalb aufgezählt! um so das an ihr geschehene. Wunder um so deutlicher in die Erscheinung treten ntlassen. Denn wäre sie mehrere Hundert Jahre alt geworden! dann wären ja 90 Jahre im Verhältnis als Jugendzeit anznsehen. Da sie aber im ganzen nur 127 Jahre alt wurde, so war sie mit 90 bereits eine Hobe Greisin. — 3. Tossafüs z. St. bemerken nämlich: „wi hat den Zahlwert.37. i\ti, also 37 Jahre, dos waren m» ”n die eigentlichen Lebensjahre Saras. die 37 Jahre, die sie lebte, nachdem sie mit 90 ein Kind geboren hätte." — Auf dieses Wort mag vielleicht der Raschbam angespielt haben. — II. v'i» sn»i na» na» nKa „Hubert Jahre und zwanzig Jahre und sieben Iah»»." „Daß nach jeder Zahl das Wort..Jahre" wiederkehrt', bemerkt Rafchi, geschieht deswegen, um anzudeuten, 'p na» •»dtV 'T naa 7n nai 'ia*i kürV '3 naa, datz Sara mit l 00 Jahren noch so unschuldig war, wie mit 20, und mit 20 noch so schön war. wie mit 7 Jahren". — Das Schwierige in diesem dem Midrasch rabbo entstammenden Sätze ist in die Augen fallend : Das 20. Jahr als die Zeit der reinsten Unschuld, und das 7. als solche der höchstentwickelten Schönheit hinzustellen, ist doch sonderbar! Beides widerspricht der Wirklichkeit! — Natürlich haben wir es. hier sowohl wie in der Quelle, mit einem alten, eingebürten Druckfehler zu tum Es mutz nämlich hier wie im Midrasch richtig heißen: ->sv>? o naa 'p na KvnV 't naa '3 nai „Mit 100 Jahren noch so schön,wiemit23, und mit20 nochsounschuldig wie mit 7 Jahren." an? a*a» ix, Mv' Zwei Zeugen führen wir an, die die Richtigkeit der Korrektur, bekräftigen: 1. Jalkut Thillim Nr 37 und 2. Nascht selbst,- in seinem Kommentar zum Midrasch, beide haben genau die verbesserte Lesart. Dementsprechend mutz freilich der Satz' -2 na na nai nrrvn kV. der übrigens in der angegebenen Quelle, im Midrasch, nicht oorkommt, richtig lauten: Ktm KVa ja na *]K ny\ nsan kV n na na. Das Zltär im Rarnbarr enthält denselben Druckfehler wie Raschi zur min. Vergliche auch Vmn *®vnn n'a 's TaV nnna niK'ai. Kleines Feuilleton. Der brotlose Jezer Hora. (Eine lehrreiche Geschichte.) Bor einem halben Jahrhundert etwa traf der Iezerhora aus Paris mit dem aus Wilna zufamv'.e Der Pariser Iezerhora, geschniegelt und gebügelt, wol genährt, in Lackschuhen und Zylinder, ein echter Gent! men, sah etwas mitleidsvoll auf seinen polnischen K<

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