Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1924)
- Date
- 1924-11-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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13. November 1924 D e r I s r a e l i 1 Bk ä.t t e r Nr. 19 Seite 3 Von diesen Gesichtspunkten geleitet, hat das LandesdirektMuM^dle^ MW bereits auf dem Gebiete des Jugendunterrichtes auf dem Lande sehr segensreich tätigen Organisationen — Freie Vereinigung, Agudas Jisroel-Jugend-Organifation, Bund gesetzestreuer Gemeinden — mit namhaften Beträgen unterstützt und betrachtet die Sicherstellung 'dieser Tätigkeit als eine Hauptaufgabe. So hat das Landesdirektorium auch sämtliche Keren Hatauroh-Kommissariate angewiesen, die Verhältnisse in den einzelnen kleinen Gemeinden, die dem Sitz des betr. Kommissariats benachbart oder nahe liegen, genau zu prüfen, aus eigenen Mitteln oder durch Inanspruchnahme der Zentrale für genügende religiöse Unterweisung, soweit als möglich, zu sorgen, Wanderlehrer oder Melamdim anzustellen bezw. leistungsschwache Gemeinden an die Zentrale zu verweisen, die nach Maßgabe ihrer Mittel helfend eingreifen wird. Das Keren Hatauroh-Kommiffariat Hamburg, beispielsweise, hat für Wiederanstellung von Lehrern und Schochtim an Orten, die seit Jahren völlig verwaist waren, Sorge getragen, und dies dadurch bewirkt, daß einzelne Mitglieder des Kommissariats allwöchentlich in die Kleingemeinden der hamburgifchen Umgebung fahren, mit den einzelnen Gemeindemitgliedern Rücksprache nehmen, verschiedene Kleingemeinden zur Anstellung eines Lehrers zusammenfassen und, wo dies unmöglich ist, selber Unterricht erteilen. Wenn in dieser Weise alle Keren Hatauro- Kommissariate ihre Pflicht tun, und andererseits die Zentrale, getragen von der finanziellen Unterstützung aller in Deutschland lebenden Juden) imstande ist, ausreichende Mittel für die Zwecke des Jugendunterrichts bereitzustellen, wird auch die Hoffnung sich erfüllen, daß kein jüdisches Kind ohne jüdische Belehrung mehr uufwächst. Das Landesdirektorium des „Keren Hatorah" in Deutschland. Oberrabbiner Dr. S. Spitzer, Vorsitzender. Keren Hatorah. Aus den Sitzungen des Deutschen L a n d e s d i r e k t o r i u m s. Auf Anregung von Rabbiner Rabbinow wird die Schaffung einer Sforim-Sammlung beschlossen, aus der die eingehenden Gesuche von Schulen und Vereinen befriedigt werden können; ein entsprechender Aufruf zugunsten eines Auzar Sforim wird demnächst hinausgehen. — Zu Ehanuka wird nach Hamburg eine Plenarsitzung des Landesdirektoriums und des Verwaltungsrates einberufen; auf die Teilnahme litauischer und polnischer Gedaulim dabei ist zu hoffen. — Für die vom Zentralrat in Krakau beschlossene Zehntausend Dollar- Aktion zugunsten der den Schulden und der Not erliegenden ö st l i ch e n Ieschiwaus müssen rmter Heranziehung östlicher Redner alle verfügbaren Kräfte mobilisiert werden (doch die Hälfte des Aktionserlöses nach den früheren Abmachungen für deutsche Thoralehrzwecke verbleiben). — Zur Färbung der BeesJaakauw- Bewegung in Galizien soll an Hand einer von Wolf S. Jacobson entworfenen Denkschrift die Jugendorganisation der Agudas Jisroel gebeten werden, ihre Mädchengruppen in Bewegung zu setzen. — Die Keren Hatorah- Blätter sollen zu Pessach eine Sonderschrift des deutfchenK. H.-Landesdirektoriums enthalten. Die redaktionelle Arbeit übernehmen der Vorfitzende, Oberrabbiner Dr. Spitzer, Dr. Deutschländer und Wolf S. Jacobson. — Während des Winters wird der Letztgenannte die Orte besuchen, an denen die Keren Hatorah-K o m m i s s a - riate noch nicht ausreichend arbeiten, bezw. noch nicht bestehen. Mit den Gemeinden, Rabbiner- und Lehrerverbänden soll enge Fühlung erstrebt werden. — Es find in der Sitzung vom 25. Tifchri neun Gesuche um Subventiost bewilligt worden. In der Sitzung vom 28, Tifchri ist das neugewählte Mitglied des Landesdirektoriums, Sanitätsrat Dr. F r a n k - Altona eingeführt worden. Soziale ' Aufgaben der Agudas Jisroel. Man schreibt uns aus Oesterreich? Die mit elementarer Wucht hereingebrochene.Wirtschaftskrise, die orkanartig eine große Anzahl von Existenzen vernichtete, hat wieder das soziale Problem in den Vordergrund des Interesses gerückt. Angesichts dieser vollkommen veränderten wirtschaftlichen Konstellation ergeben sich insbesondere auch für das gesetzestreue Judentum eine Reihe schwerwiegender Fragen, die zu erörtern Aufgabe dieses Artikels sein soll. Die Nachkriegsjahre hatten eine Zeit wirtschaftlicher Konjunktur gebracht, Handel und Industrie nahmen einen großzügigen Aufschwung, die Arbeitslosigkeit nahm zusehends ab, eine Periode erhöhter Produktivität war eingetreten. Das große Problem, das die Orthodoxie in den Jahren vor dem Kriege in großem Maße beschäftigte: die Unterbringung von gesetzestreuen Arbeitern und Angestellten in Betrieben, die ihnen die Heilighaltung des Schabbos ermglichten, hatte Jahre hindurch aufgehört, Problem zu sein. Da trat plötzlich der allgemeine wirtschaftliche Zusammenbruch ein, Unternehmen auf Unternehmen ging zugrunde, viele Betriebe mußten ihren Personalstand auf Friedensstärke reduzieren, und aufs Neue trat die Arbeiter- und Angestelltenfrage in ihrer ganzen Tragweite in Erscheinung. Insbesondere ist es wieder das Thorajudentum, das von dieser Wirtschaftskatastrophe, im Hinblick auf Schemiras Schabbos am stärksten betroffen wurde, da es in der heutigen Zeit nahezu unmöglich ist, Stellen in Schabbos haltenden Betrieben zu versorgen. Es ist nun nichts damit getan, in mitleidsvollem Bedauern der Betroffenen zu gedenken, sondern es ist unsere Pflicht, der eingetretenen furchtbaren wirtschaftlichen Situation mit wirksamen Mitteln entgegenzutreten und auf diese Weise die traurige Lage Vieler zu bessern. Dies zu erreichen, erscheint uns nur möglich auf dem Wege der Schaffung einer Wirtschaftsorganisation, die sämtliche Arbeiter und Angestellten gesetzestreuer Richtung umfassen soll und frei von jeder politischen Tendenz sein muß. Die Ausgaben dieses unverzüglich ins Leben zu rufenden „Verbandes gesetzestreuer Arbeiter und Angestellten" seien hier kurz angedeutet: 1. Schaffung einer nach allen Ländern verzweigten Stellenvermittlung, 2. Schaffung einer Versicherungskasse gegen Stellenlosigkeit, 3. Schaffung einer Konsumgenossenschaft, 4. Schaffung eines Fonds für Beschaffung ritueller Utensilien, 6. Schaffung eines Heimes (Unterricht in den für das Geschäftsleben notwendigen Fächern und regelmäßige Vorträge). Zweifellos ist vieles an diesen kurz skizzierten Plänen verbesserungsbedürftig und vieles noch hinzuzufügen. Wir wollten lediglich einen kurzen Umriß unseres Planes, geben und ihn der Oeffentlichkeit zur Diskussion überlassen, um auf diesem Wege Anregung für die baldige Gründung des Wirtschaftsverbandes zu erhalten. Hierzu wird aus Kreisen der Frankfurter Agudas Jisroel geschrieben: . Der vorstehend skizzierte Gedanke der Schaffung eines Verbandes der gesetzestreuen Angestelltenschaft ist nicht neu und ist in gewisser Beziehung im letzten Jahre in die Tat umgesetzt worden. Auf Grund eines Beschlusses des Nürnberger Delegiertentages der Agudas Jisroel wurde eine Stellenvermittlungszentrale mit Angestelltenausschüssen in den größeren Jugendgruppen als Unterabteilungen geschaffen, die bisher als Aufgabe hatte: Vermittlung von Stellen, Fürsorge für die gesetzestreuen Angestellten in jeglicher Hinsicht. Trotz der Schwere der Zeit, insbesondere der derzeitigen Krisis ist es den Angestelltenausschüssen gelungen, allerorts Fuß zu fassen und eine große Anzahl von Angestellten in Sabbat freien Stellen unterzubringen. Der Konnex mit den Angestellten selbst soll in feste Form gegossen werden durch das Wiederauflebenlassen des alten Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, der in eine enge Arbeitsgemeinschaft mit der Stllenvermittlungszentrale eingetreten ist. Hier liegt der große Unterschied zum österreichischen Plan. In Deutschland soll sich die Organisation fest um das Banner der Agudas Jisroel scharen, in Oesterreich will man scheinbar ein neutrales Gebilde schaffen, ein neutrales Gebilde, dem auch noch weitere Aufgaben als die in Deutschland zu lösenden zugewiesen werden. Wir möchten von einem solchen Tun abraten. Die aktiven Arbeiter in Oesterreich gehören der Agudas Jisroel an. Warum wollen sie ihr Banner nicht frei entfalten? Hier ist eine Aufgabe zu lösen, die auf dem ureigensten Gebiete der Betätigung der Agudas Jisroel liegt, die Förderung der Heilighaltung des Sabbats, und da will man unter neutraler Flagge, weit man glaubt da und dort ein Mitglied mehr zu erhaschen, segeln. Ist der Gedanke der Förderung des Sabbats so niedrig, einzuschätzen, daß man um seinetwillen seine eigene Flagge preisgwc? Die „Zehn Gebote" der Bees Jaakauv-Schulen. In der Zentralratssitzung zu Krakau ist bekanntlich beschlossen worden, angesichts des furchtbaren geistigen Notstandes, der aus dem Gebiete der Mädchenerziehung im Osten herrscht, die Kraft der Gesamt-Aguda für die Förderung der viel verheißenden BesJaakauv-Töchterschulen in Polen einzusetzen. Der G. A. hat durch die zuständigen Instanzen alle Mädchengruppen der Agudas Jisroel ersuchen lassen, sich in den Dienst energischer und dauernder Geldsammlungen für die Erhaltung und Erweiterung des Bes Jaakauv-Schulwerkes zu stellen. Es ist daher besonders zeitgemäß, die „Zehn Gebote" kennen zu lernen, die allen Zeugniskarten der Bes Jaakauv-Schulen aufgedruckt sind und die gerade in denjenigen Punkten, in denen sie die Westeuropäer seltsam anmuten, ein treues Bild der religiösen Verwahrlosung gewähren, aus der diese Schulen tausende von jüdischen Kindern zu retten berufen sind. Diese modernen irnmn lauten: 1. Die Pünktlichkeit hüten, keinen Tag fehlen und in die Lehrstunden nicht zu spät kommen. 2. Sich artig und anständig führen, sich nicht herumschlagen, keinen beleidigen, nicht aus der Gasse herumlaufen und mit schlechten Elementen keine Freundschaft schließen. 3. Sofort in der Frühe beim, Ausstehen sich die Hände waschen und na mm sagen. 4. Bor und nach jedem Essen die gehörige Brochoh sagen. 5. Jedes Kind, das schon dawnen kann, muß sich vor dem Brotessen die Hände' waschen und nach dem Essen benschen. 6. Bei Nacht vor dem Schlafengehen Krias Sch'ma leinen. 7. Gehorchen und Ehre geben Vater und Mutter wie auch jedem älteren Menschen. 8. Sich am Schabbos und Jomtow nicht die Haare flechten und kämmen. 9. Nicht in dekolletierten Kleidern gehen. 10. Alle Gebote der heiligen Thora hüten. Die alsdann folgenden drei Gebote für die Eltern find wohl als pur? aufzufassen, und wir fürchten, daß insbesondere das zweite dieser Gebote: „Pünktlich an jedem Rausch Chaudesch das Schulgeld im voraus zu bezahlen" nicht regelmäßig und allseitig beobachtet werden wird. Um so nötiger ist ein Eingreifen von außen, damit das herrliche Werk innerlich und äußerlich immer mehr erstarke. Religionsunterricht und Thorakunde. Eine Entgegnung von Lehrer S. Freudenberger in Flieden, Mitglied des Verwaltungsrats des Keren Hatorah. In Nr. 17 der Blätter der Agudas Jisroel spricht sich mein Freund, Herr Lehrer Oppenheim in Rhina, in abfälliger Weise über die Ziele des Keren Hatorah aus. Da die Ausführungen des Herrn Oppenheim geeignet sind, in weiten. Kreisen ein falsches Bild von den Bestrebungen des Keren Hatorah zu verbreiten, so sehe ich mich genötigt, denselben entgegenzutreten. Herr Oppenheim wundert sich, daß nicht der Religionsunterricht für schulpflichtige Kinder als erste und wichtigste Aufgabe genannt worden ist. Mein Herr Kollege verkennt die Prinzipien und Bestrebungen, denen der Keren Hatorah seine Gründung verdankt. Der Keren Hatorah ist eine Schöpfung der Kenessio Gedaulo in Wien und soll einen Wendepunkt in der Geschichte des Chisuk Hatorah bilden. Die Thoragrößen, die in geweihter Stunde sich zu dieser hochwichtigen Schöpfung entschlossen, hatten höhere Ziele im Auge als die oft schablonenmäßige Erteilung von Religionsunterricht. --Ihr Ziel war die Durchdringung allerjüdischen Lebensbeziehungen mit dem Thorageiste. Es gilt, unsere Jeschiwohs, unsere Lehrstätten, das Herz der jüdischen Nation vor der Zertrümmerung zu retten. Nicht mehr soll die Thora verlassen im Winkel liegen, sondern sie soll wieder wie früher der Kristallisations-