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Der Israelit · 1924-11-13 · Heft 46 (13.11.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 46 (13.11.1924)
Date
1924-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 46 Seite 8 13. November 1924 , ___ Wird. Die Jugend lernt Benzinger, Budde und Wellhausen in der Sprache des Jesaias, Jirmeja und Jecheskel, ohne diese selbst zu kennen. Sie erfährt von allen wissenschaftlichen Spekulationen, Hypothesen und willkürlichen Profanationen, bevor sie noch den heiligen Bau der Bibel in seiner Ganzheit mit reinem kindlichen Sinne zu bewundern Gelegenheit gehabt hat. Eine geistige Zerstörung kündet der rote Zettel des „Drvir" an, bei dessen Anblick unsere Alten in Trauer und Bestürzung ihre Kleider zerrissen hätten! Haben wir denn gar keine Kraft mehr, uns gegen solche Angriffe auf unser Heiligstes, auf Thora und Kind, die Bürgen unserer Zukunft, zur Wehr zu setzen? Dürfen wir noch eine Minute zögern, unsere letzte Kraft daran zu setzen, einer solchen un- und Lmtijüdischen „hebräischen Kultur" wahre jüdische Kultur, Thorakultur, entgegenzustellen, auf daß das Werk dieser 'modernen nwrai trrpo» zuschanden werde? Der „Anstaltsfriedhof" zu E. Unter dieser Ueberschrist brachten wir vorige Woche an dieser Stelle eine schwere Anklage gegen eine jüdische Gemeinde in Baden, die, nach dokumentarisch belegten Angaben unseres Gewährsmannes, einer in der dortigen Heilanstalt verstorbenen jüdischen Frau einen Begräbnis- Platz auf dem Friedhofe der Gemeinde verweigert und es zugelassen hätte, daß die Frau auf.dem katholischen Friedhof zur Bestattung kam. Nachdem der Vorstand der betreffenden Gemeinde auf unsere ohne Namensnennung der Gemeinde erhobene Anklage mit einem längeren Antwortschreiben reagiert hat, dürfen wir die Gemeinde bei vollem Namen nennen. Es handelt sich um die Gemeinde Cmmendingen bei Freiburg ln Baden. Das Antwortschreiben des Synagog.enrateszu Emmendingen lautet wörtlich: Der Synagogenrat und Ausschuß in Emmendingen sehen sich veranlaßt, zu dem „der Anstaltsfriedhof zu E. . überfchriebenen Artikel in Nr. 44, Ausgabe 30. Oktober 1924, Stellung zu nehmen: 1. Cs ist unrichtig, daß der in Frankfurt a. M. wohnende Herr Saphir gleich nach Festausgang sich nach Emmendingen begeben hat. Dieser Herr erschien vielmehr am Dienstag, den 23. Oktober (Simchas Thora) mittags 1 Uhr in Edg., nachdem er bereits am Samstag abend, den 18. Oktober, spätestens aber Sonntag vormittag, den 19. Oktober, von dem Ableben seiner seit 15 Jahren in der Heilanstalt in Cmmendingen untergebrachten Schwester Kenntnis erhalten hatte. 2. Unwahr und boshafte Verleumdung ist die Behauptung,-der 1. Vorsteher der jüd. Gemeinde habe sich beharrlich geweigert, die Verstorbene auf dem jüd. Friedhof beerdigen zu lassen mit der Begründung „d i e V e r - storbene stamme aus Galizien und habe Vorstadt Praga wurde ein jüdisches Freiwilligenregiment. das die Schanzen Pragas verteidigen half, bis auf den letzten Mann ausgerieben. Die Sowarow'schen Regimenter veranstalteten nach dem Einmarsch in Praga eine furchtbare Metzelei, der auch zahlreiche nicht kämpfende Juden zum Opfer gefallen sind. Dem heldenhaften Eingreifen des Juden Schmuel Zbitkower war es zu verdanken, daß viele-Juden und Polen der Metzelei entgingen. Die Synagoge war überfüllt. In den ersten Reihen befanden. sich die Mitglieder der jüdischen Gemeindeverwaltung, des Rabbinats, des Synago- -genkomitees, ferner die jüdischen Deputierten, Senatoren und Stadträte, sowie ein Urenkel Schmuel Zbitkowers. Nach Abstngung der Trauerpsalmen hielt Rabbiner Pros. Dr Moses Schon die Gedenkrede und führte aus: „Während der Belagerung Warschaus durch Suwarows Heere haben sich die Juden mit Begeisterung auf die polnische Seite gestellt, obwohl erst zwei Jahrzehnte seit jener Zeit verstrichen waren, da das Verbot für Juden, in Warschau zu wohnen, ausgehoben war. Der jüdische Held Berel-' Jysselewitsch hat eine jüdische Legion geschaffen, von deren Taten die Zeugen der damaligen Geschehnisse mit grenzenloser Bewunderung sprachen. Ein ganzes jüdisches Regiment fand vor 130 Jahren seinen Tod in den Schanzen Präga's. Damals hat sich für ewige Zeiten in das Gedächtnis der jüdischen und der polnischen Massen der Name des jüdischen Helden Schmuel Zbitkower eingearaben, dessen Aufopferung es zu danken ist, daß oas Leben zahlreicher Menschen gerettet werden konnte." Am Sonntag, den 2. November fand eine zweite Gedächtnisfeier in der großen Synagoge der Vorstadt Praga statt. Nach Schluß der Gedächtnisfeier marschierte die Menge zum Grab des Schmuel Der Israelit kein Anrecht auf einen Begräbnisplatz in einer deutschen jüd. Gemeinde". 3. Unrichtig ist die Behauptung, daß es in Emmendingen keinen „Anstaltsfriedhof" gebe. 4. Unwahr und eine leichtfertige Unterstellung ist die Behauptung, der Vorstand der jüdischen Gemeinde habe unter dem „Namen der Heilanstalt" die Angehörigen pon, dem Todesfall und dem Ort der Beerdigung telegraphisch verständigt. Richtig ist vielmehr, daß die Telegramme an die Angehörgen ausschließlich von der- Heilanstalt ausgingen und die Antworten der Angehörigen nur an die Heilanstalt gerichtet waren. 5. Es ist unwahr, daß die Verstorbene auf dem städt.. kath. Friedhof bestattet wurde. Richtig ist vielmehr folgendes: Die Beerdigung erfolgte in einer eigens für die jüdischen Verstorbenen bestimmten nach jüd., Ritus angelegten Abteilung des „A n st a l t s f r i e d h o f s". Zum besseren Verständnis dieser Feststellungen erscheint es geboten, weitere Erläuterungen zu geben: Die jüd. Gemeinde besitzt nur einen kleinen Friedhof. Die Frage der Erweiterung desselben beschäftigt die Gemeinde schon seit längerer Zeit. Der Geländeerwerb ist mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Bis August 1924 hat die Gemeinde die in der Anstalt verstorbenen jüd. Kranken auf ihrem Friedhof beerdigt, für die meisten Grabdenkmäler erstellt und die Pflege für sämtliche Gräber übernommen. In Würdigung der geschilderten Verhältnisse einerseits und der überaus großen Anzahl auswärtiger jüd. Anstaltskranken andererseits, hat der Synagogenrat Veranlassung genommen, wegen Errichtung einer nach jüd. Ritus anzulegßnden besonderen Abteilung auf »dem Anstaltsfriedhof, mit der Anstaltsdirektion in Verhandlung zu treten. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war die Zusicherung der Anlegung der beantragten besonderen Abteilung. Es wird somit den Angehörigen verstorbener Anstaltskranken freigestellt, diese auf der besonderenAbteilung bestatten, oder in ihre Heimatgemeinde überführen zu lassen. Der Synagogenrat und Ausschuß faßten nunmehr den Beschluß, bis zur erreichten Erweiterung nur für die Gemeindeangehörigen den Gemeindefriedhof freizuhalten. Hiernach hatte der erste Vorsteher keine Befugnis, die Beerdigung auf dem jüd. Gemeindesriedhof zu gestatten. Der so schwer und grundlos angegrissene erste Vorsteher hat durchaus pflichtgemäß gehandelt. Synagogenrat und Ausschuß erklären sich solidarisch mit der Stellungnahme ihres Vorstehers. Emmendingen, den 7. November 1924. Synagogenrat und Ausschuß der israel. Gemeinde Emmendingen. Wir haben das Schreiben mit all den vielen unliebenswürdigen Nebenbemerkungen, die wir nicht auf uns beziehen, wörtlich wiedergegeben und haben dazu unsererseits folgendes zu sagen: Daß der Bruder der Verstorbenen am Simchasthoramittag in Emmendingen erschien, beweist, daß es dieser Vertreter der Familie mit den Vorschriften der jüdischen Religion nicht gerade genau nimmt. Das entlastet aber eine Gemeinde nicht von ihrer religiösen Pflicht gegen verstorbene Glaubensgenossen, gleichviel aus welchem Lande sie stammen. Zbitkower auf den Friedhof zu Praga und verweilte auch bei den Gräbern der anderen am 4. November 1794 gefallenen und ab geschlachteten Juden. (Lustiges aus Krez Iisroet.) Die soeben erschienene November-Nummer der .Menorah" (Illustrierte Keilschrift für die jüdische Familie) bringt u. a. einen erusalemer Brief, der folgendes amüfanre Bildchen aus dem neuen Palästina malt. Cs gibt in wachsender Zahl Nichtjuden, Araber und Christen, die der hebräischen Landessprache mächtig sind. Zu diesen gehört auch der Leiter der jüdischen Musikschule in Jerusalem, Mr. Sidney Seal. Mr.Seal, der recht jüdisch aussteht, aber ein waschechter Engländer christlicher Konfession, spazier/e an einem der jüngsten Sabbate, seine Zigarre rauchend, durch die Straßen des Stadtteils „Mea Schearim". Ein Jude, der oaran Aergernis nahm, stellte ihn aufgeregt zur Rede und war nicht wenig verblüfft, als er die ruhige Antwort erhielt: ."»u 'irr <’3m 'NN'bv,, Zu deutsch: „Derzeihung, mein Herr, aber ich bin ein G oi." Ergötzlich klingt auch die Geschichte, die .,Asmus" im „Doar hajom" erzählt. In Tel-Awiw habe man am letzten Simchas Thora feierlich — wie dort üblich — den „Rabbi Abraham Sohn des Rabbi Benjamin, Raw aus Amerika" zur ersten nvv.n ausgerufen, der sich dann zur allgemeinen Heiterkeit als verkleideter biederer rra von Tel-Awiw entpuppte. Der Mann war beleidigt, daß man ihn immer überging und hatte den guten Einfall, eine ganze Komödie zu arrangieren, um als neu angekommener „Raw aus Amerika" sich die lange verweigerten Ehren zu erobern. Die Angabe, der Vorstand habe die Bestattung mit der Begründung abgelehnt, daß „die Verstorbene aus Galizien stamme", wird als unwahr und „boshafte Verleumdung" zurückgewiesen. Unser Gewährsmann besteht darauf, daß der erste Vorsteher nach Einsichtnahme in die ihm vom Bruder der Verstorbenen vorgelegten Papiere die Aeußerung getan hätte: „Was wollen Sie überhaupt hier, die Frau stammt ja aus Galizien?" Vielleicht war dieses nicht als „Begründung" gedacht,sondern nur eine mit der Erregung der Auseinandersetzung zu erklärende Entgleisung. Wenn der Vorsitzende bestreitet, diese Aeußerung überhaupt getan zu haben, so steht hier Aussage gegen Aussage. Wir nehmen gern Notiz von der Berichtigung, daß die Telegramme nicht vom Vorstand, sondern von derHeilanstalt ausgegangen sind und bedauern, auf Grund der uns zugegangenen Berichte hier von einer Irreführung gesprochen zu haben. Doch ist diese Frage für die Wertung der gesamten Sachlage wenig von Belang, ebenso wenig wichtig erscheint uns die Frage, ob es sich hier um einen „Anstaltsfriedhof" oder einen allgemeinen christlichen Friedhof handelt. Was aber die „jüdische Abteilung" innerhalb dieses Anstaltsfriedhofes betrifft, so sind die Angaben über diesen Punkt im Antwortschreiben der Gemeinde zumindest mangelhaft und unklar. In 8 5 der Berichtigung wird in der bestimmten Form gesagt, die Beerdigung sei in einer eigens für die jüdischen Verstorbenen bestimmten nach jüdischem Ritus angelegten Abteilung des Anstaltsfriedhofs erfolgt. Demgegenüber hören wir aus der weiteren Ausführung, daß erst nachAugust 1924 der Synagogenrat Veranlassung genommen hätte, bei der Anstaltsdirektion die Errichtung einer jüdischen Abteilung auf dem Anstaltsfriedhof anzuregen und daraufhin die Z u f i ch e r u n g für die Anlegung dieser Abteilung erhielt. Abgesehen davon, daß es immer noch eine Frage des jüdischen Religionsgesetzes wie des religiösen Empfindens für eine Gemeinde, die eigenes Gemeindewesen mit Friedhof hat, sein muß, innerhalb eines christlichen Friedhofes (ob „Anstaltsfriedhof" odcx „allgemeiner katholischer", ist hier nur ein Spiel mit Worten) eine Gräberreihe für nicht einheimische Juden reservieren zu lassen und sie „jüdische Abteilung" zu nennen, ist in dem Schreiben nicht einmal gesagt, ob die „Anregung" des Vorstandes und die „Zusicherung" der Anstaltsdirektion auch schon überhaupt in die Tat umgesetzt wurde. Cs läßt sich vielmehr vermuten, daß die vor Monatsfrist gemachte Anregung erst mit dieser Verstorbenen zur ersten Ausführung gelangte, so daß die Angehörigen, aber auch alle anderen, das (Menorah.) Die November-Nummer der Menorah, die soeben erschienen ist, zeichnet sich durch einen' reichhaltigen und gediegenen Inhalt aus. Neben einer Studie von P. I. Schapira: „Aus Lehre und Leben des Baalschem und seiner Jünger", fesselt am meisten ein Aufsatz von Rabbiner Dr. S. La atz in Hindenburg: RabbrAkiba Eger auf dem Alten Markt in Posen, der über das Lnorrsche Gemälde, Marktplatz in Posen, das sich rnr Residenzschlotz in Posen befindet unter Beigabe wundervoller Bilder, interessante Mitteilungen macht. Das Gemälde bietet Hunderte von Porträts der bekanntesten Persönlichkeiten Posens zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, darunter auch vielleicht das einzige authentische Bild des 74 f ädrigen St ab Br SltiBa Eger. Arnold Zweig schreibt über „die Schmuckstücke von Wilna", dem Interesse an Palästina tragKr mehrere Berichte und Aussätze, die das dortige Leben widerspiegeln, Rechnung. Nathan Birnbaum hat einige Bemerkungen zu den Wochenabschnitten beigesteuert. Wenn auch eine kritische Bemerkung gestattet tfy. so möchten wir glauben, daß es dem Werte und der Gediegenheit der Nummer nicht geschadet hätte, wenn die Auszüge aus den Werken Franz Kafkas, deren unsympathische Erotik in den Ernst der Zeitschrift gar nicht hineinpatzt, weggeblieben wären. Der Mode- und Schachtelt sowie die Fortsetzung des, Romans „Gilgul" von Blumenthal vervollständigen den reichen Inhalt der Nummer.

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