Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1924)
- Date
- 1924-11-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 46 Der Israelit 13. November 1924 Wochenkalender. 15.-82. Nov. 1924 / 18.-25. Thefchwon 6685. Samstag Nov. 15 18 Sonntag 16 19 Montag 17 20 Dienstag 18 21 Mittwoch 19 22 Donnerstag 20 23 Freitag 21 24 Rausch-Chaudesch benschen Samstag 22 nw "n 25 Mauled: Mtttw. abds. 883 feinem Sinne, die in früheren Jahren unter viel günstigeren Auspizien erfolglos unternommen wurden, nicht unterrichtet ist. Heute, nachdem der „Misrachi" finanziell völlig in den Händen des „Waad hachinuch" und an die Herrschaft dieser Instanz schon soweit gewöhnt ist, daß man nicht einmal einen Aufschrei der Entrüstung über den palästinensischen Gemeindegesetzentwurf mit seiner „allgemein jüdischen E r z i e h u n g s st e u e r" von ihm gehört hat — heute scheinen uns die Voraussetzungen für eine solche Zusammenarbeit weniger als je gegeben zu sein. Die Loslösung des „Mis rachi" von der zionistischen Organisation lehnt Herr Fischmann ohne weiteres ab — wie sollte sich da auf einem so subtilen Gebiete wie dem der Jugenderziehung eine wahrhafte Gemeinsamkeit Herstellen lassen? Wir erinnern uns, daß vor Jahren schon ein agudistischer Vorschlag auf Gründung einer gemeinsamen, schlechtweg gesetzestreuen Kolonie von dem maßgebenden Führer des Misrachi mit der Begründung zurückgewiesen wurde, der Geist, in dem „Misrachi" Kolonien gründe und verwalten werde, sei ein anderer wie derjenige, der die unabhängige Orthodoxie beseelt. Sollte das nicht in verstärktem Maße auf die Erziehung zutreffen, in der es ja gilt, der Jugend zum Beispiel die rechte innere Einstellung zu echten und falschen nationalen Größen des jüdischen Volkes zu ermöglichen? Uns scheint, daß die Zeit für eine innere Annäherung zwischen Aguda und Misrachi so lange nicht gekommen ist, wie sich nicht im „Misrachi" selber ein deutliches A b r ü ck e n von der Verehrung thorafremder nationaler Größe und ein Fünkchen von freundschaftlichem V e r st ä n d - n i s für den Riesenkampf der unabhängigen palästinensischen Orthodoxie um die Be fr eiung vom zionistischen Joch bemerkbar macht. Möge der „Misrachi" doch zunächst einmal offen erklären, ob er die Regelung der palästinensischen Gemeindeverhältnisse liebe raufGrundlagedesWaadleumi- Entwurfes vollzogen steht oder nach dem Gesetzentwurf der „Agudas Iis - roel", der zurzeit dem Colonial Office vorliegt. U. A. w. g. Wochenrundschau. Literarische Volksvergiftung. Wir berichteten in jüngster Nummer an dieser Stelle über den neuen Verlag „Dwir" zur Verbreitung der Bibelforschung in hebräischer Sprache und über die enthusiastische Begrüßung, die diesem Unternehmen von dem zurzeit in Tel Awiw für die Verbreitung der hebräischen Kultur in Palästina arbeitenden Dichter CH. N. Bialik im letzten Hefte der Monatsschrift „Der Jude" geworden ist. Jnzwischm ist uns der Prospekt des „Dwir-Mikra"-Verlages zugegangen, und wir müssen uns fragen: War Bialik über die Unternehmungen des Verlages in allen Teilen informiert, als er die höchsten Töne zu seinem Lob und Preis anschlug? Wenn ja, dann ist die vom Dichter propagierte „hebräische Kultur" nicht, wie wir in unserem Artikel gelinde sagten, eine unjüdische, sondern eine antijüdische, eine gegen Gott und seine Thora, gegen Seele und Lebensinhalt des Judentums gerichtete Kampagne, gegen die sich alles im Judentum auflehnen müßte, was noch jüdisch denkt und empfindet. Im roten Prospektzettel des Dwir werden folgende bereits festgestellten, zum Teile schon im Buchhandel erschienen Bücher angezeigt: „Die Geschichte der Bibelkritik" (riipi inwan) von M. Soloweitschik und S. Robaschow, ein Buch, das die Entwicklung der Bibelkritik in all ihren Phasen bis zu den letzten „Entdeckungen" von jüdischer und nichtjüdischer Seite Seite zeigt. Ein zweites Werk, das dem ersten unter dem Titel „Die Lehre der Bibelkritik" mpa min ■ folgen wird, umfaßt die Methoden der Bibelkritik von den ältesten zur Zeit der Mischna bis zu den letzten der modernsten Wissenschaft. An dritter Stelle erscheint die hebräische Ausgabe des bekannten bibelkritischen Buches von Prof. Venzinger unter dem Titel «ip»,i nTiiaij? , und diesem folgt eine Uebersetzung des Werkes von Prof. Budde unter dem Titel miopan mison nnVin. Die beiden genannten Autoren haben ihre Originalwerke zum Zwecke der hebräischen Ausgabe neu bearbeitet. Zuletzt wird aber noch ein hebräischer Wellhausen angekündigt, womit, so ist im Prospekte schwarz auf rot zu lesen, ganz abgesehen von dem Gewinne für die Erforschung der Bibel, „die hebräische Literatur mit einem klassischen Werke der wissenschaftlichen Weltliteratur bereichert wird". Das ist der „Dwir", und das sind seine Taten und Absichten. Was er unternimmt und beabsichtigt, ist nichts anderes als der empörendste Mißbrauch des heutigen Namens, den er sich beigelegt hat, ist die Einführung der Feinde der jüdischen Thora in die Vorhallen dieser Thora, die.heilige Sprache: man '»p nato nx «nab*?. Die Gefahren, die aus diesem Unternehmen für die östliche Jugend sich ergeben, kann nur der abschätzen, der die Psyche des heiligen, von materiellen und geistigen Nöten umgebenen jüdischen Ostens kennt. Die Haskala-Bewegung im vorigen Jahrhundert, die noch aus den Urquellen lüdischen Wissens schöpfte, hatte bei aller Leichtfertigkeit ihres äußeren Gehabens und Getues, noch den rückhaltlosen Respekt vor dem Buche der Bücher, dem „Tnach". Und bei manchen ihrer Jünger bewahrheitete sich doch das Wort nxan avi»^> pnn»Ämtf. Die sogenannte jüdische Wissenschaft, die nach Mendelssohn auf deutschem Kulturboden erblühte und sich unter Zuntz, Geiger und Grätz mit ihrer „wissenschaftlichen" Sonde auch vorsichtig an die Bibel heranmachte, blieb mehr oder weniger in einer „Fachwissenschaft" stecken. Die Nachmendelsohnsche Assimilation war längst über sie hinweggeschritten und kümmerte sich um bibelwissenschaftliche Probleme überhaupt nicht, während die große Masse im'Osten und die Treugebliebenen im Westen diese kindischen Spielereien negierten oder mit einem Lächeln abtaten. H^ute liegt die Sache anders. Zu einer Zeit, da Krieg, Revolution und Erschütterungen aller Art im Osten eine Generation ohne Cheder, ohne Jeschiwo, mit ödem leerem Herzen, ohne Wissen und ohne Freude herangedeihen ließen, just zu dieser Zeit der Stürme, der Kämpfe und des Suchens und Sehnens zieht die Bibelkritik ällerradikalster Art in hebräischem Gewände, mit Pauken und Trompeten und Dichterschalmaien angekündigt, in die jüdische Welt ein, in die sogenannten modernen jüdischen Schulen Litauens, Polens und Rußlands, wo Hebräisch nach neuen Lehrbüchern, aber ohne „Tnach" gelernt Bemerkungen zum Wochenabschnitt. Don Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen, l. 18.2: mvirr NDbD mm kt»i vrjr XM1 ,Er erhob seine Augen und sah drei Männer und er sah . . . ." Raschi: ^Wozu zweimal „er sah"? Das erste ist buchstäblich, das zweite dagegen im Sinne von..merken" aufzusassen (man ‘wh »MM KTl). Ich habe einmal folgende Erklärung hierzu gesehen: Im Traktat Schabbos 12? a heißt es nämlich: „Die Ausnahme von Gästen ist wichtiger sogar als der Empfang der göttlichen Herrlichkeit; das entnehmen wir aus Abrahams Handlung' . Hierbei drängt sich die Frage aus: Wenn für uns das Verhalten unseres Stammvaters maßgebend ist, so hat doch er selbst aber kein. Beispiel vor sich gehabt: woher konnte so Abraham wissen, welche von beiden Pflichten die wichtigere wäre? — Die Antwort darauf ist: Bekanntlich entsprechen die 248 positiven Gebote (NVp ms» n"»i) der Zahl der Glieder im menschlichen Körper. Unser Stammvater Abraham nun, dessen Namen die gleiche Zahl enthält, diente Gott mit allen Gliedern: Im Begriffe, irgend eine göttliche Pflicht zu erfüllen, reagierte nämlich immer der dieser Pflicht entsprechende Körperteil. Da nun zwei Pflichten für ihn gleichzeitig eingetroffen waren, hatte er in der Tat nicht gewußt, welche von beiden er zuerst erfüllen.sollte. Doch merkte er mit einem Male eine eigenartige Zuckung an den Füßen — das war für ihn das Zeichen, daß den Gästen entgegenzueilen die wichtigere Pflicht sei, und er bandelte auch demgemäß. — Das eben ist es, was Raschi meint, das zweite ..er sah", bedeute „e r merkte". — An Hand dieser Ausführung erklärt sich auch noch eine andere Stelle in unserer Sidra: 22, 10 nämlich steht n^axa.i nrr np'111» NX »,112k ni'V'i „Abraham streckte, seine Hand aus und nahm das Messer" und B. 12: Ein Engel Gottes aber ries ihm zu: „Strecke nicht deine Hand nach dem Knaben aus und tue ihm nichts". Dieses ..Ausstrecken der Hand" scheint eigentlich in beiden Stellen gänzlich überflüssig. Was hätte gemangelt, wenn es nicht stehen würde? Doch nach dem oben Dargelegten geht uns die Bedeutung des Wortes aus: Da der Auftrag, Isaak zu opfern, doch nur eine Prüfung und kein ernstliches Gebot war, so versagte das Organ, das diesem Gebote entsprach, — die Hand nämlich. Um also das Messer zu nehmen, mutzte er die Hand, gleichsam entgegen ihrem Willen, an» strengen: daher rp. nrr nmax nto»i. und daher auch der Zuruf des Engels: ^i» nbwn Vx „Strecke nicht deine Hand aus, denn es gilt ja in Wirklichkeit, daß du ihm nichts tun sollst". II. 22,12. -»ja» *jT>rr nx *m nx nawn x^i „Du hast deinen einzigen Sohn nicht verweigert", ebenso B. 16. — Ich wurde einmal gefragt, warum das erste Mal das Wort '>27273 „von" oder „vor mir", vorkommt, das zweite Mal aber nicht mehr? Meine Antwort war: Hier wird Awrohom als mp^x xti als „gottesfürch tig" (nxi'» iaiv) bezeichnet, daher „mimenni", du hast deinen Sohn nicht verweigert.— (aus Furcht) vor mir", in B. 16 dagegen wird ihm zuerkant, daß er nicht bloß aus Furcht vor Gott, sondern auch aus Liebe zu Gott Gnnx» imj?) den Sohn nicht verweigert habe, denn dort spricht nicht mehr ü’pVx, oer strenge Weltenrichter, sondern m dik3, der Allgütige, dort kann daher „mimenni" nicht mehr stehen. Kleines Feuilleton. Gedenkfeier für ein jüdisches Regiment. Am Sonnabend, den 1. November fand in vier großen Warschauer Synagoge ein Gedächtnisgottesdienst nach den w ährend der Schlacht zwischen den polnischen Ausständigen unter KosciusKo und den Truppen des russischen Generals Suwarow gefallenen jüdischen Kämpfern statt. Nach der am 4. November 1794 erfolgten Erstürmung der Warschauer