Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1924)
- Date
- 1924-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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.SÄte.6 .ZK. .45 UngatHit. JuÄsche LelHÄ und ÄidÄztüstudeäke«. Budapest, 29. Oktober. Der Verein Chewra Kadischa in Szegedin hat nach Mitteilung der I. T. Ä. mit Schreiben vom 24. Oktober den llniversitätsbehörden mitgeteilt, daß sie bereit sei, die Leichen der ohne Angehörigen verstorbenen jüdischen Personen dem anatomischen Institut zu wissenschaftlichen Zwecken zu überlassen. Darauf wurde die Zurückziehung der Ausschlietzungsverordnung gegen die jüdischen Medizinstudenten in Aussicht gestellt. (Bestätigung bleibt abzuwärten. Red.) Tagung -es jüdischen Gemeindeverbandes in Ungarn. Budapest, 1. November. Die Tagung des Äerbandes (neüloger) jüdischer Religiönsgememden in Ungarn hat im großen Saal der Budapester neologen Kultusgemeinde begönnen. Zrim Präsidenten des Verbandes wurde der Budapester Kultuspräsident Dr. Alexander Lederer gewählt. In seiner Eröffnungsansprache führte er aus: Die Juden fordern ihre Rechte, weil ihnen die Gleichberechtigung gesetzlich zugesichert wurde, und diesen gesetzlichen Anspruch lassen sie sich von niemanden streitig machen. Dr. Wilhelm Vazsonyi führte unter allgemeinem Beifall aus: „Wir sind noch immer mitten drin in den Verfolgungen, wir müssen noch immer an die Pogrommärtyrer denken und es noch immer dulden, daß tief unter uns stehende Menschen, die sich mit den vom Judentum hervorgebrachten geistigen und moralischen Kräften auch nicht einen Augenblick messen können, uns beschimpfen und besudeln. Wir geben es nicht zu, daß man uns zu Bürgern zweiter Klasse degradiere, wir suchen keine politischen Bündnisse im Ausland, wie die Rästenschühler, und verzichten auch daraus, als eine unter Genfer Schutz stehende Minorität angesehen zu werden. Wir lassen uns durch das Gassengeschrei niedriger Gesellen nicht einschüchtern, wir wollen güte Juden und gute Ungarn bleiben. Das Judentum ist überall der Gradmesser der Kultur. Dort, wo das Judentum verfolgt wird, herrschen Hatz, Finsternis, dann Rückständigkeit, Zerstörungswut und schließlich der sittliche und wirtschaftliche Tod." Es sprachen noch die Abgeordneten Paul Szandör, Ernst Brody, Bela Fabian und andere, worauf die Arbeitskommissionen gewählt wurden. p$icn. Räbblner äls gewöhnliche Emigranten. Warschau, 30. Oktober. Ungeachtet dessen, daß das neue amerikanische Immigrationsgesetz vorschreibt, daß Rabbiner auherhalb der jährlichen Immigrationsquote nach den Vereinigten Staaten einreisen dürfen, hat der Warschauer amerikanische Konsul unter mehr als 30 Rabbinern, die um Visa ansuchten, nur dreien solche ausgesolgt. Die übrigen Rabbiner erhielten die Verständigung, daß sie als gewöhnliche Immigranten erst im Mai 1925 reisen können. Unter den letzten befindet sich der Rabbiner von Luzk, Herr Feimer. Wie die I. T. A. erfährt, entsendet die polnische Regierung den Inspektor des staatlichen Emigrationsamtes, Herrn Klosowiak, nach Palästina, der dort die Kontrolle über die Emigration aus Polen nach Palästina durchführen soll. Das Ende der jüdischen Autonomie in Litauen. K o w n o, 30. Oktober. Die Verfassungskommission des litauischen Sejm hat in ihrer Sitzung vom 24. Oktober das . Eesetzprojekt über die Legalisierung des Jüdischen Nationälrates Litauens abgelehnt. Der Ministerpräsident Galwanowski, der selber sehr rechts steht, verteidigte das Projekt gegen seine Parteigenossen, indem er daraus hinwies, daß dasselbe der Verfassung gemäß sei. In der gleichen Sitzung würde das von den Rechten eingebrachte Gesetz einer jüdischen Gemeindeordnung angenommen. Laut diesem Gesetz haben in jeder Stadt mehrere 'Gemeinden Platz, aber nur als private Vereine ohne öffentlich rechtlichen Charakter. Diese Gemeinden haben äüch nicht däs Recht der zwangsweisen Besteuerung. Sollten diese Beschlüsse vom Plenum des Sejm ängenöMmen werden, wogegeri kaum noch ein Zweifel besteht, so wurde dies das vollkommene Ende der jüdischen Autonönne bedeuten. Gegen den Äkttonsäusschuß des liquidierten jüdischen Nationalrates wurde ein gerichtliches Verfahren eingeleitei. Inkrimimert ist der Aufruf, dsö nach dem Äusdinandertreiben des Ratiönalrätes durch Polizei au die jüdische Bevölkerung erlassen worden ist. Gemeindepolitische Kämpfe. Oradea-Mare (Größwärdein), 20. Oktober. In unsrer alten, als Hochburg des orthodoxen Gedankens berühmten, Gemeinde spielön .sich zur Zeit wilde Kämpfe ab, m deren Mittelpunkt das Oberräbbinät steht. Die in ihrer Mehrheit m i s r a ch i st i s ch e Gemeindeverwaltung erblickt in Ooerrabbiner Fuchs, dem würdigen Nachfolger seines großen Vaters, einen politischen Gegner, zu dessen Befehdung ihr jedes Mittel recht ist. In einer stark besuchten Volksversammlung wurde gegen das provokatorische Verhalten der Gemeindeverwaltung scharfer Protest erhöben und dem Oberrabbiner das Verträuen der Versammlungsteilnehmer votiert. i Mnderheitsfprüche. Bratislava, 31. Oktober. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung traf jüngst dis Gerichtstasel in Kösice. Aus Anlaß eines Pretzprozesses, der gegen den Redakteur, einer in „jüdischer" (Jargon) Spräche erscheinenden Zeitung angestrengt wurde, .verlangte der llntersuchüngsrichter in Uzhoröd die .Beibringung einer Uebersetzung der inkriminierten Stellen aus dem Artikel zu den Anklageakten. Der Anwalt des . Klagers. verweigerte dies Mit der Begründung, die Juden bilden im Sinne des Gesetze^ eine „nationale Minderheit" und ,,jüdisch" sei ihre „Minverheitssprache". Der Richter müsse daher diese Sprache selbst verstehen, oder doch die Artikel im eigenen Wirkungskreis durch einen. Dolmetsch überseetzn lassen. Die Frage gelangte vor die Gerichtstäfel in Kösice. Biese hat nun vor einigen Tagen dahin entschieden, daß „jüdisch" nicht als Minderheitssprache der Juden änzusehen sei. (Hierzu bemerkt die „Jüdische Presse" mit Recht: Wir halten es für verfehlt, solche Gerichtsentscheidungen unnötigerweise zu provozieren, solange die sehr komplizierte Frage der jüdischen „Minderheitsrechte" bei uns Juden selbst nicht einhellig geklärt ist. Besser gesinnte und ihrer Verantwortung bewußte jüdische Kreise sollten der zionistischen Propaganda nicht aus den Leim gehen und es vermeiden, sich auf angebliche „Rechte" zu berufen, von denen es noch nicht feststeht, ob diese außer den ganz offensichtlichen Nachteilen überhaupt auch irgendwelche Vorteile für das Judentum enthalten. Wir warnen dringendst vor dem Unfug, den unsere hypernationalistischen Trrrn- und Tanzjuden von Prag mit der Phrase von der „nationalen Minderheit" treiben. Die Opfer würden nicht diese Herren in Prag, sondern wir, die auch im praktischen Leben mit dem Schicksal des Judentums unlösbar verknüpften Juden, sein. Wir sagen nochmals: Vorsicht, bevor es zu spat ist?) <£n$iait5. Boatd of Jewish Depüiies. London, 29. Oktober. Ueber Herrn Lucien Wölfs Mission während der fünften Tagung' des Völkerbundes wird in der Deputiertenversämmlung berichtet: Herr Lücken Wölf hat Beschwerde gegen die Anwendung des griechischen Sönniägsruhetzesetzes in Saloniki unterbreitet.; Leider stellte es sich heraus, daß die Frage der Sonntagsruhe tri den Minderheitsbestimmurigen des Völkerbundes nicht präzisiert ist, weshalb der Völkerbündsrät nicht einschreiten kann. -Herr Wölf trat deswegen in freundschaftliche Unterhandlungen mit der griechischeri Delegation, die ihm gern, entgegenkam. Es wurde ein Bericht an die griechische Negierung abgesandt. Bevor Herr Wolf Genf verließ, wurde ihm von Herrn Tsouderos, dem griechischen Finanzminister, versichert, daß das Ka- . DryeöKer^4M». binett dem Parlament die Juden befriedigende Vorschläge zur Mödiftzierüng des Sönniagsrühegesetzes unterbreiten werde. ' Herr Lucieri Wolf hatte in (Senf eine Unterredung mit dein Grafen Äpponyi, dem Chef der Ungarischen Delegation für den Völkerbund. Herr' Wölf schlug vor, die ungarische Regierung möge dem Iniernütiönalen Gerichtshof die Fratze Unterbietten, oh. sich das Numerus claüsüs-Gefeß mit deri Miriderheitsklaüseln, des Vertrages zu Trianon vereinbaren läßt. Indessen Hatte Herr Lucien Wolf mtt dem Sekretariat des Völkerbundes die Richtlinien des Appells festgelegt, den das Joint Foreign Committee dem Völkerbündsrät zu unterbreiten hätte, wenn dte Ungarische Regierung die Annahme des Vorschlags des Komitees ablehnen sollte. ' In emör Unterredung mit Hetrn Ducä, denr Minister für auswärtige Ängelegenheiten Rumäniens würde ein endgültiges Einverständnis darüber erzielt, daß sofort eine besondere Kommission eingesetzt werden würde, dis die Beschwerden im Zusammenhang tritt dem Bürgerschaftsgesetz prüfen und den Uebelständen äbhelfen solle. , Betreffend das polnische Bürgerschaftsgesetz gab Graf Strzyriski, der polnische auswärtige Minister, .die Dersicherun^j . daß er nach seiner Rückkehr nach Wärschaau die Angelegenheit. aüfriehmen und alles tun wird, Um die Juden zufrieden zu stellen. " Herr Lazarus lenkte die Äüfmerksämkeit auf die schwierig gewordene Läge der Juden in L.i t ä«eit. Herr Lucien Wölf erwiderte, ntän könne keine Gegenaftion . einleiteb,. wenn. nicht ein direktes Ersuchen der Betroffenen, vörliegt Und wenn nicht Tatsachen vorliegen, die beweisen, daß die Juden unterdrückt werderi: eine zu' frühe Aktion könne die Lage verschlimmern. Äüs aller WeM Deutschland. Der Vorstand/ der Berliner jüdischen Gemeinde .hat mit Rücksicht; auf die am. 7. Dezember stattsindendey Wahlen zum Reichstag., und zu . den Landesparlärnenten, wie z,. B. zum PreußMen Abgeördrieterihaufe, beschlossen, die für den. .7. Dezember ds. Js. ängefetzten Wählen Mm Preußischen Ländesverbärib jüdischer Gemeinden zu verschieben:: Als. neuer Wahltermin ist der 1. Februar 1925 . bestimmt worden. —« Eemäß . den Beschlüssen, des , Schulvorstandes hät sich der Gemeindeoorstand -evtschlösfen, .das gesamte Schulwerk der Berliner Geineinde einerit Inspeftörat zu unterstellen. , Zur itebernahtne des In» spektorflMtes für die , religiös-liberal gerichteten Unlerrichts.änstallen ist ejn Ruf. an Rabbiner; Dr^ L äzarps m Frankfurt a. M. ergangen. Zugleich soll, wie per Geineindeoorstand ebenfalls festgesetzt hat, einem reltgiöskonservativen Herrn die Leitung der könservättv-gerichteteri Anstalten ünterstellt worden.^— An Stelle des Herrn Pröf. Dr. Michael Gutmann, der. nach Jerusalem berufen - worden!st,. ist .zunächst. vertretungsweise für die tälmüdistischen Disziplinen, Herr Dr. Ä h l deck, ...der bisher ari der Akademie für die Wissenschaft des Jüderitums in Berlin tätig war, än däs jüdisch-theolögische Seminar in Breslau., berufen wprden.. — Zu. den Wahlen zum Preußischen Landesverband wird seitens des Verband es natiynäld eutscher Juden erklärt, daß, nachdem der Zenttälverem eine Wahlparole - ausgeg/öen hat, deren wesentlicher Inhalt sich dahin zusammenfassen läßt, dpß bei den Wahlen in erster Linie der Zionismus, im Gemeindeleberi niedergekämpft werden muß,, zwischen ihm und dem Zentralverein kemerlet Gegensatz Mehr bestehe, da er ebenfalls die Bekämpfung aller jüdischnationalen Bestrebungen im Gemeindeleben, für den Kernpunkt .des gegenwärtigen Wahlkampfes,, halten — Die H aup tv er fa mm lü n g . der Vereinigung für das liberale Iüdenlum fänd in Berlin am 25. ünd 26. Oftober 1924 statt. Illgosläwien. Die jüdische Frauenveremigüng in B e l g r a d feierte ihr fünszigiährtges Jubiläum. - Bei den Feierlichkeften waren Hof und Regierung vertreten. Polen. Der' Hauptmann. .iWaclaw.. a nke, der vpr kurzem den jüdischen Kaufmann L i.Ns i e r. aus Zlozöw. im Schnellzüge Lemberg—Samöör erschössen hat, wurde vom Lemberger ersten Gerichte freitzesprochen. — Am 27. Oktober fand,, in Warschau das - feierliche Staatsbegräbnis des . berühmten t polnischen Dichters Henrik S i e.n k i.e w i c z,. dessen - sterbliche Ueberreste aus dem Auslande nach Polen gebracht worden wären, statt. Von jüdischer Seite beteiligteu sich Mehrere Organisationen an der Feierlichkeit. Lttauen. Die Berufung.. der jüdischen Gemeindö zü,j.Köwno.betreffs der jüdischey. Schilder wurde abg^ewiesen,. ebenso die AitylPellätio.n...,dex.^-jüdischen .Vertreter, im Sejm mit Stimmenntehrheit äbgelehnt,. födäß jüdische .Schilder^ m der Haüsttstädr Lttaüen's, die gut 50 o/o Juden zählt, verboten bleiben. Rllmaateri. . Nachdem die - kanadische Regierung die Ausgabe der Visa für jüdische Flüchtlinge aus. -der Ukraine eingestellt hat, wurde das Zentralbürö ttt Bukarest wie die Lokalabteilüngen liquidiert.