Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1924)
- Date
- 1924-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 45 Seite 5 6. November 1924 Der Israelit DcMm Wü Erstgeborenen des Esels löse aus mit einem 'Lamm? ~ T? - '?? 2. Weshalb aber erstehen trotz dieser Friedfertigkeit allerorten Feinde gegen Israel? Weshalb konnte ein Amalek über Israel herfallen? R. Jofua antwortet: Der Ortsname Refidim, wo jener Ueberfall stattfand, bedeutet Rifjon Jadajim, Sinkenlassen der Hände, und zwar ein Nachlassen in der Thora. Was mag dies - bedeuten? Wie können.unsere Väter vor Mattan Thora, vor der Gesetzgebung ihr Gesetzeswissen vernachlässigt und sich dadurch strafbar gemacht haben? Und vor allem welcher Zusammenhang besteht zwischen der Geschichte des Amalek und dem vorhergenannten Gesetze der Auslösung der Erstgeborenen der Esel? rakters gewichen und nur das Zerrbild des „Zuden^ an uns sichtbar "ist, — ünverwurzelt im Wirtslande, unbewandert in unserer Seelenheimat Thora, — unstät, — flüchtig, „müde, lässig und nicht gottesfürchtig", — nun, dann ist Amalek nahe und kann seine Gewalttaten rechtfertigen. Steht aber Israel machtvoll da in seinem Thoraleben, dann entsinkt das Schwert der Hand des Rohesten. Dann schweigt das Gerede vom vaterlandslosen Juden; denn Amalek sieht dann die Sehnsucht der Seele Israels nach ihrer Heimat, und ein heiliger Strahl der Gnade erscheint ausgegossen im Tagesgetriebe auf dem Angesichte dessen, der nachts der Thora obliegt. Wer im Unglück, in der Nacht der Armut, der Thora obgelegen und dann zu Unsere Weisen haben den zwei ersten Sätzen Glück und Segen gekommen ist, wird auch am des Psalmbuches eine Deutung gegeben, die uns hellen Morgen seines neuen Glückes nichts auch hier vielleicht eine Erklärung bringen Emporkömmlinghaftes an sich haben, sondern könnte. Der Psalm sagt: Aller Fortschritt zum, die Welt wird ihm die Gnade Gottes gönnen, Heil dem Manne, der nicht gegangen im Rate der die an ihm sichtbar und unverkennbar erstrahlt. Gesetzlosen und im Wege der Sünder nicht ge-i Und dieser Chut schel chessed macht Israel unnahstanden und im Sitze der Spötter nicht ge-! bar für alle Angreifer, festen, sondern in der Lehre Gottes fein Wohl-! 3. Wie ist nun trotz alledem möglich, daß gefallen hat und in seiner Lehre sinnt tags und. fremde Unsitte zeitweise in Israel Nachahmung nachts. Und die Weisen sagen dazu: Da der Gegefunden hat, wie kam ein „Schittim" in der rechte sich fernhält vom Rate der Gesetzlosen, vom Wege der Sünder und vom Sitze der Spötter, — soll er etwa sich dem Schlafe hingeben? Soll er etwa mit der Beweglichkeit des Leichtfertigen zugleich die Regsamkeit des Thorabeflissenen oblegen? Das ist gewiß nicht die Absicht der Thora. Nicht etwa ein stumpfer Geist wird von Israel erwartet. Nicht Schwäche und Hinfälligkeit soll Israels Geschick sein; sondern es soll die Lebenskraft, die es allen wichtigen Dingen dieser Erde entzieht, dem Quell seines Lebens, der Thora widmen. Nur in der Thora soll Israel seine Macht und sein Leben suchen. Wie verkannt und verachtet, mühselig und beladen aus allen anderen Gebieten der Jude scheinen mag — und scheinen soll —, im Reiche der Thora muß er Herr werden. Unbekümmert um alle Amaleks kann er seinen Weg gehen, wenn er in der Thora stark ist, und zwar in ihrer Erlernung und in ihrer Befolgung. Kein Todesengel, sagt der Talmuds hat Gewalt üher ein Kind Israels, solange es sich mit der Thora befaßt; kein Schaden begegnet dem, der eine Mizwa ausübt. Doch mit Kraft, nicht mit Lästigkeit will Thora, Und wollen Mizwoth ausgeübt sein. Und wenn in der Wüste am Schilfmeere das Volk Israel der Thora entgegeneilte, nicht achtend der Entbehrungen und Gefahren dieser Wanderung, stark im Gottvertrauen, stark in der Sehnsucht nach Gottes Heiligtum, das es noch nicht kannte, dann war es des Schutzes des Allgütigen sicher; wenn es aber in der Sehnsucht zum Gottesberge, in der Hoffnung auf die geistige Erlösung, die ihnen damals bevörftand, nachließ, wenn „ihre Hände schwach geworden waren in der Thora", — wenn sie nicht ihre Augen zu den himmelwärts weisenden Prophetenhänden erhoben, — dann siegte Amalekk. Und so auch heute. Auch zwischen uns gibt es solche, deren Bestimmung es ist, auf die Thora zu hoffen und mit' der Kraft ihrer Seele der Thora sich zu bemächtigen und in die Mizwoth sich einzuleben. Das ist die Jugend. Ihre Seele ist beschwingt vom der Ahnung der Herrlichkeiten der Thora und Mizwoth. Aus dieser Ahnung muß kraftvoll sich ein Wissen entfalten. Ihr idealer Flug darf nicht Nachlassen. Gleich den von David ersehnten Taubenschwingen müssen Thora und Mizwoth miteinander im Dahintragen der Seele der Jugend abwechseln. Es muß nicht gar zu viel von geistiger Ueberlastung der Jugend geredet werden. Gewiß „schwächt der Thorafleiß diel Körperkräfte des Menschen", aber nicht deren Widerstandsfähigkeit. Wenn auch ein erholendes Ausblicken aus dem Thorastudium jedem gegönnt, ist, :— ein Unrecht ist es dennoch, wenn jüdische Eltern den Lernwillen ihrer idealistischen Kinder durchVerwöhnung lähmen. „Wer das Joch der Thora abstreifen will, lädt auf sich das Joch der Obrigkeit", und wenn Thora-Unkenntnis eingerissen, also der edelste Teil des jüdischen Cha- Wüste zustande? Wie hat das Geschlecht, das am Sinai stand, das Gottes Herrlichkeit, soweit ein menschliches Auge es vermag, gesehen hatte, einem Bileam auf den Weg der Entsittlichung folgen können? Wie kann es erklärt werden, daß oftmals Menschen, die allem verrohenden Machthunger und allen Weltbezwingungsplänen fremd, ja die im Leben und Denken, Wissen und Forschen der Thora heimisch waren, den Verlockungen der Sünde anheimfielen? Jede Vergötterung der Macht oder des Schönen war ihnen unbekannt, und stark war ihre Seele nur im Gottesworte, — und doch gingen sie böse Wege; wie war das möglich? Darauf antwortet R. Jofua: Sie haben sich mit Narrheit befaßt. Der Taumel des Diesseits, die Begeisterung für den bunten Tand dieser Flitterwelt hatte sie ergriffen. Ausgeschaltet war ihr grades Denken, ihre abwägende Vernunft. So war es ein Leichtes, ihnen die Unsitte Moabs hinter eitlem Flitter schmackhaft zu machen und mit ihrer Sucht nach Nichtigkeiten zugleich ihre ältesten Gelüste zu wecken und zu befriedigen. Das geschah ihnen, die Gottesherrlichkeit wahrgenommen! ' Auch in späteren Zeiten ist es oft geschehen, haß unerwartet unsere Besten, an denen die größten Hoffnungen hingen, einem „Schittim", einer Verführung erlagen für Lebzeiten. Auf die Frage nun, wie das möglich fei, antwortet R. Jofua: Sie haben sich mit Narrheit befaßt.; Es gibt viele Krankheiten, doch nur eine Gefundheit; es gibt nur eine Weisheit, wo ist ihr Ort? Von wo wird sie gefunden und wo ist der Ort der Einsicht? Wo ist sie nicht von Narrheiten verdrängt.; \ ,Mn Reis vom Narrenbaume trägt jeder mit sich bei; Der eine deckt es zu, der andere trägt es frei? Auch jeder Ort und jedes Zeitalter hat seine Manieren, die keine Vernunft begründen und die kein Weiser bekehren kann. Es ist schlimm, wenn jüdische Menschen diesem Fallstricke erliegen. Denn dann ist bald der Väter schlichte Weisheit vergessen. Landlos werden wir durch die Völker durch unser herbes Geschick getrieben. „Freue dich nicht, Israel, in einem Jubel gleich den Völkern." Ihr Tand ziert dich nicht. Ihr Flitter raubt deiner Seele den Schmelz. Ihre darstellende Kunst erhebt dich nicht, sondern macht dich die Heiligkeit deines tatsächlichen Wirklichkeitslebens vergessen und verzerrt in deinem Geiste das Ebenbild der heiligen Ahnen, das du leben solltest. Und dann ist Israel in den Staub gesunken vor den Mächten der Schöpfung und des Gemütslebens, die den Menschenwillen niederzwingen: dann kniet er vor dem Baal und geht in die Irre mit den Töchtern des fremden Gottes. Keine Sünde geschieht, sagt der Talmud, bevor der Mensch vom Geiste "der Narrheit überwältigt ist. Keine Verlockung, ist möglich, wenn der Geist des Ueberwältigtseinwollens, die heidnische Selbst-Nichtachtung uns fremd bleibt. Als Kinder des Weltschöpfers, als Diener des Allgütigen, als auserwählt zu Seiner Gefolgschaft, als friedliche Arbeiter, fleißige Erforscher seines Wortes und ernste ausschließliche Bejaher des Wirklichkeitslebens der Generationen erfüllen wir unsere Bestimmung. Das ist die erhabene Lehre aus dem Peter-Chamor-Gebote, der Refidim- und der Schittim-Erzählung, die R. Jofua hier zu einem lebenumspannenden Dreiklange zusammengefügt hat. R. Elieser aber tritt seinen bestimmten Erklärungen des Schriftwortes entgegen und warnt uns, über allen diesen uns nicht leicht verständlichen Gesetzen und Erzählungen der Thora und über ihren geistreichsten Deutungen nicht die Erhabenheit Gottes und die Unerforfchlichkeit seiner Ratschlüsse und Gebote zu vergessen. Friedensfleih, Thoraforschung und Lebensernst, alle veredelt durch erhabene Gottesauffassung, — das sind die Lebenshoffnungen Israels für und für. Korrespondenz» « ßacbricMen. Eine Korrektur des Wahlaufrufs der Deutschnationalen Votkspartei. Berlin, 29. OttoÄer. Wie schon mitgeteilt, hat die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspattei nach der Auflösung des Reichstags am 21. Oktober einen Wahlaufruf erlassen, der sich gegen das „jüdische Kapital", den „jüdischen Marxismus" wandte und die Parole ausgab: „Frei von Juden- und Franzosenherrschast". Obwohl der Antisemitismus der Deutschnalionalen Volkspartei schon bisher sehr stark in Erscheinung trat, siel es doch in politischen Kreisen auf, daß nun die Partei in offizieller Form einen eindeutigen antisemitischen Standpunkt einnimmt. Nunmehr wird in deutschnationalen Kreisen besonders betont, daß sich der zuerst veröffentlichte Aufruf in verschiedenen Punkten nicht mit der Ansicht der Parteileitung decke, sondern daß er die Arbeit eines jüngeren Abgeordneten darstellt. Tatsächlich aber erfolgte der Aufruf als offizielle Kundgebung der Rekchstagsfraktion. Der zweite Wahlaufruf der Deutschnationalen Votkspartei. Berlin, 30. Oktober. Der angekündigte gemäßigtere Wahlaufruf der Deutschnationalen Volkspariei ist am 29. Oktober veröffentlicht worden. Auch die in dem ersten Wahlaufruf der deutschnationalen Reichstagsfraktion angeschlagene scharfe antisemitische Note erscheint in dem zweiten Wahlaustuf gemäßigt. Der betreffende Abschnitt lautet: „Wie wir für das ganze Reich im deutschen völkischen Geist Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft verlangen, so fordern wir besonders für Preußen, daß 8er Zustrom der Ostjuden endgültig abgedämmt wird. Deutschland den Deutschen!" Die alldeutsche „Deutsche Zeitung", die über den ersten Aufruf restlos befriedigt war, äußert sich über den zweiten Aufruf wie folgt: „Am 22. Oktober hieß es gerade heraus: „frei von der Judenherrschaft!" Heute wird nur noch „zur Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft" aufgerufen." (I. T. A.)