Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1924)
- Date
- 1924-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
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Seite 4 Nr. 45 „jüdischen Geiste" spricht. Wir wissen, und auch Bialik weiß es nur zu gut, wieviel jüdischer Geist in Werken fremder Sprachen, vom Original- Kusari bis zu den religiösen Schriften unseres Jahrhunderts niedergelegt sind, wieviel Unjüdisches leider aber auf der anderen Seite, und nicht zuletzt im neuen Palästina, in bestem Hebräisch seit der „Aufklärung" bis heute produziert wurde. Oder hält Bialik, um e i n Beispiel anzuführen, Werke eines Rabbiner Hirsch weniger für ein Produkt des schöpferischen und aus jüdischen Urquellen schöpfenden jüdischen Geistes, dafür aber das hebräische Buch Klausners, das sich im ganzen als eine Hymne auf den Stifter darstellt, für reinen Ausfluß jüdischen Geistes? Weiß Bialik, der gute Kenner talmudischer Agada, nichts vom treffenden Ausspruch der Welsen: „das jüdische Wort verhütt sich zum jüdischen Gedanken wie die Kohle zur Flamme, wie der Körper zur Seele? Wo die Flame erloschen und die Seele entschwunden, haben Kohle und Körper ihr Leben, ihren Wert und ihre Bedeutung verloren." Es liegt aber im Systeme Bialiks, dieses zu übersehen und so zu tun, als sei das hebräische Wort auch schon die jüdische Tat, die höchste, und ihr sei Lob und Preis! Man lese einen Aufsatz Bialiks im Oktoberheft der Monatsschrift „Der Jude" unter dem Titel „Jüdische Wissenschaft in fremder Sprache", in dem er die angekündigte hebräische Zeitschrift für jüdische Wissenschaft „Dewir" unbesehen in Tönen, wie sie nur ein Bialik anzuschlagen versteht, begrüßt, und dabei den ganzen Vorrat der aus der alten Jeschiwahzeit in seinem Gedächtnis aufgespeicherten Begriffe und Termini ausleert. Das Unternehmen begrüßt er von vornherein mit einem lauten „Schehechjonu". In der Tatsache, daß jüdische Wissenschaft in hebräischer Sprache und zwar im Westen, in Berlin, gepflegt werden soll, sieht er den ersten und besten Weg zu „Teschuwah". Denn „die Sünde an der Sprache wiege alle anderen Sünden" auf . „Der Tag, an dem sich die schöpferische Kraft des Judentrms in das Gewand fremder Sprachen kleidete, erscheint ihm schlimmer als« beide Tempelzerstörungen zusammen." Mit der hebräischen Sprache komme „Heilung und Heiligung" wieder. Für alles gebe es Ersatz, nur nicht für die Sprache. Und bei alledem beteuert Bialik in diesem Artikel wiederholt, er wolle nicht übertreiben . . . Es werden, mit einem Worte, alle Attribute, die wir sonst für die Thora zu gebrauchen pflegten, einfach auf die Sprache als solche übertragen. Und Bialik ist keiner von denen, die leichtfertig und gedankenlos Dinge aussprechen __Der Jsrnelit_ und mit Worten spielen. Diese Jnchronisierung des Formalen, der S p r a ch e.anstelle der unbequemen Sache, der T h o r a, ist tiefe Ueberzeugung, Kultur- und Lebensanschauung Bialiks, Kultur- und jüdische Lebensanschauung des Mannes, der heute an erster und führender Stelle der nationalen Kulturgruppe steht. In diesem Sinne muß auch seine Forderung an Weizmann verstanden werden, und sicherlich hat sie Weizmann auch nicht anders verstanden. Und — er sagte zu . . . Drei Fragen. Von Rabbiner B. C. (Bechoroth 5 b) Rabbi Chanina sagte: Ich habe den R. Elieser im großen Lehrhause gefragt, warum die Erstgeborenen der Esel vor denen der Pferde und Kameele ausgezeichnet seien. Darauf antwortete er mir, dies sei ein unergründlicher Ratschluß der Schrift, außerdem geschehe dies, weil sie Israel beim Auszuge aus Aegypten geholfen hätten; denn es sei kein Einziger unter ihnen gewesen, der nicht neunzig lybische, mit Silber und Gold Aegyptens beladene Esel bei sich gehabt hätte. Ferner fragte ich ihn, was R e f i d i m bedeute. Er erwiderte, dies sei der Name des Ortes des Ueberfalles durch Amalek. Dies entspricht dem Streite der Tannaim: R. Elieser sagt, Refidim sei Ortsname, und R.Josua, es bedeute, dort hätten sie ihre Hände im Studium der Thora sinken lassen (rippu a z m a n), wie es (vom untergehenden Philisterreiche, in Jirmia) heißt: Nicht wenden sich Väter zu Kindern vor Lässigkeit der Hände (rifjon j a d a j i m). Außerdem fragte ich ihn, was S ch i t t i m bedeute, und er sagte mir, dies fei ein Name (nämlich des Ortes der Verführung durch die Moabstöchter). Auch dies entspreche dem Streite der Tannaim; R. Elieser sagt, Schittim sei Ortsname, und R. Josua, es bedeute, daß unsere Väter dort sich mit Dingen der Narrheit (Schluß) befaßt haben. Rabbi Elieser benutzt die Gelegenheit der Fragen des Rabbi Chanina, um ihm und uns drei Lehren von erhabener Weisheit zu erteilen, die von R. Josua herstammen. Die Weihung des menschlichen Erstgeborenen ist ein Gebot menschlicher Dankbarkeit gegen Gott, der uns. durch die Bestrafung der Erstgeborenen der Aegypter aus der Sklaverei befreit und uns von Geschlecht zu Geschlecht beschützt hat. Auch die Weihung des Erstgeborenen des friedlichen Lasttieres, des Esels, soll ein Gebot der Dankbarkeit sein. Es soll den Dank nicht an Gott, sondern an eins seiner Geschöpfe bedeuten. Zu diesem Dank- _6. NovemberÄ824 opfer hatte der Allgütige dasjenige Geschöpf erwählt, das nur friedliche Verwendung in-friedlicher Gegend findet, nicht das feurige RW des Krieges und nicht das Schiff der Wüste, sondern den Esel, dessen Arbeit für den Menschen das Sinnbild aufbauenden Fleißes und ruhigen Dahinlebens ist, und dessen Mitwirkung beim Auszuge unserer Väter aus der Knechtschaft gleichfalls nur eine dienende, wehrlose, doch fördernde gewesen ist. So wird dieses Tier ein lebendes Warnungszeichen und Erinnerungsmittel daran, daß nicht die kriegerische Gewalt und nicht die sklavenzüchtende Technisierung der ganzen Erde, sondern nur der göttliche Geist des Friedens und des Fleißes, lo bechajil welo bechorach ki im beruchi, imstande ist, Israels Glück und Freiheit zu gewährleisten. Eben deshalb ist dieses Tier den Völkern der Gewalt zum Gefpötte. Eben deshalb erschien dem streitbaren römischen Judenfeinde Tacitus die jüdische Lehre als Anbetung dieses Tieres. Mögen sie spotten. Unser Stolz ist die Wehrlosigkeit, die alleinige Gründung unseres Daseins auf Gottes Kraft. Nur wenn wir Kriegsmut züchten und feurige. Streitbarkeit entfalten wollen, ist ihr Spott ein i wohlverdienter und berechtigter; ebenso wenn wir die technischen Weltüberwinder sein wollen. Friedliches Erfüllen der Thorapflichten, stetiges Tragen des alltäglichen Pflichtenjoches sind unsere Bestimmung: genügen wir dieser nicht, so haben wir uns nicht zu be.klagen, wenn die Völker unserer Existenz keine Berechtigung zuerkennen und ihr Gespött an uns treiben. Immer haben wir den Nachgeordneten Rang in der Gesellschaft unseres Wirtslandes einzunehmen und ihm die Würde seiner geistigen Führung selber zu überlassen, mag sonst unser Anspruch darauf noch so groß sein? unsere Größe hat nur „Thora- und Erwerbsfleiß" zu heißen. Das Weltenjoch haben wir zu tragen, denn das ist unser Anteil und unser Ruhm, unsere Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker. Von der Kriegs- bis zur sogenannten Bibel- und Talmudwissenschaft lassen wir alles ihnen, Nur „Thora- und Erwerbsfleiß lefchem schomoyim" sei unser Stolz; nur kleines, unbeneidbares Dahinleben unser Reichtum. Lasset die Völker auch selber die Schätze ihrer Berge heben und die Türme ihrer Macht und Größe entfalten. Unbesiegbar und unentreißbar, sicherer als Hunderte Lasten Goldes und Silbers, schöner als Ruhm und Menfchenweisheit ist daher der Schatz, den Gott jedem einzelnen beim Auszuge aus Aegypten auf den Weg gab: das Arbeiten mit dem Fleiße des friedlichen Haustieres. Unbeneidbar, unscheinbar, schmucklos, sicher, friedlich entsteht des wahren Juden Reichtum. und der alte feit 1878 geschloffene jüdische Friedhof an der Mombacher Straße. Selten aber ist ein Fund bedeutender, als der im Jahre 1922 in der alten Mainzer Stadtbefestigung am Gautor entdeckte. Dieser Fund ist nicht nur in literar-historischer,'sondern auch in paläographischer Hinsicht für die Entwicklung der hebräischen Schriftcharaktere von Wichtigkeit. Der wahrscheinlich älteste Stein läßt seinen besonders alten Ursprung daran erkennen, daß die Buchstabenreste zwischen den eingeritzten Linien sich vorsinden, demnach spätestens dem 10. oder 11. Jahrhundert angehören muß. Ein weiterer Stein verewigt den Rabbi Simon, Sohn des Jfak (1020), den Mitrabbiner der größten Autorität des Deutschen Judentums, Rabbi Gerschoms. Simon war Vorbeter der Gemeinde und zugleich synagogaler Dichter, dessen Hymnen noch heute am Neujahrsfeste in den Synagogen erklingen. Seinen Sohn Clchanan machte die jüdische Sage zum Papste. Von hervorragender literarischer Bedeutung ist ein dritter Stein aus dem Jahre 1064 vom Grabe des ältesten Lehrers Raschis, des Rabbi Jakob den Jakar. Bei ihm hat dieser volkstümlichste Bibel- und Talmud-Kommentator in Mainz und Worms studiert. Im Todesjahre seines Lehrers kehrte Raschi nach seiner Heimatstadt Troyes in der Champagne zurück. Ein Amtsbruder des R' Jakob ben Jakar war Elieser der Große, dessen Witwe ein weiterer Stein verewigt. Für Frankfurt dürfte es von Interesse sein, daß Stein Nr. 10 für den Gelehrten Meir aus Nordhausen errichtet wurde. Es gehörte der Rabbinerfamilie an, von der ein Mitglied von 1380 bis 1392 als Frankfurter Rabbiner amüerte. (Vergl. Dr. Alex. Dietz- Stammbuch der Frankfurter Juden.) Der verdienstvolle Entzifferer der Steine, Herr Prof. Salfeld, .wird in der, gegen Ende dieses Aahres erscheinenden Wissenschaft, lichen „Mainzer Zeitschrift" (Heft 17—18, 1922 23) die Inschriften einer eingehenden, sachgemäßen Würdigung unterziehen und darin einige Steine im Bilde vorführen. O. L. Freitagabend im Elternhause. Schönster Traum aus meiner Kindheit Tagen, Empor steigst du sobald die Sonne sinkt. Ein Bild, so hoheitsvoll und rein, Mir langsam vor die Seele dringt. Ich seh dich wieder Heißgeliebte Mutter. Geschäftig schon den ganzen Tag Aus Küch und Keller Zusammentragen Für das Sabbatmahl. Und dich, du teurer Vater Erblick ich in des Feiertages Kleid, Die Last der Woche legt ab die Familie. Die Sorgen verbannt. Es ist Sabbat heut! Von Vaterhand geleitet . Betrete ich das Gotteshaus, Jene Stätte, die mir heilig, Wo ich gelernt Zum Gotte beten. Nicht missen möcht ich euch, Ihr Sabvüttichter^ nKn, Ihr Lichter,! Die in meiner Jugend Tagen So hell erfttahlt im Elternhaus. Ihr tatet mir auf Ein Stätte des Glücks. Ihr gabt dem Feiertag Weihe. Fern bin ich nun der Jugendzeit, Doch ihr flammet in mir fort. Erinnerung, Glaube und Treue- Sie halten euch fest In mir bis zum Tod. Eugen Tischler-Grabow. ü&ZE , Wochenkalendch 8.-15.9100.1924 / 11.-18. Eheschwon 8685. Samstag Noo. 8 •i* i* 11 pwrr Sonntag 9 12 Montag 10 13 Dienstag 11 14 - Mittwoch 12 15 Donnerstag 13 16 Freitag 14 17 Samstag 15 18 " U ,> V- 03 i N'N . - Stt- >1