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Der Israelit · 1924-10-30 · Heft 44 (30.10.1924) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 44 (30.10.1924)
Date
1924-10-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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30. Oktober 1924 D er Israelit Blätter Nr. 18 Seite 3 sonds der Aguda), müßte dann alle das religiöse oder pädagogische, wissenschaftliche oder synagogale jüdische Leben störenden Einflüsse schwächen und vor allem den Stolz auf die Zugehörigkeit zur Orthodoxie stählen. Eine Tradition sagt: Aus ^22 wird uns einst der rrwa erlösen. Rüsten und sammeln wir uns dorthin! * * * Nachbemerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen den vorstehenden Aufsatz, der uns von einem agudistifchen Akademiker in Norddeutschland zugeht, vor allem, weil er ein Symptom der Stimmung ist, die allmählich in ernst gesinnten orthodoxen Kreisen Westeuropas durch die Europäisierung Erez Äisroels im schlechten Sinne und durch die drohende Gefahr des ungeheuerlichen Gemeinde-Knebel- Gefetzes für Palästina ausgelöst wird. Aber wir können nicht umhin, dieser Stimmung, so verständlich sie ist. aufs entschiedenste entgegenzutreten. Mir halten es für eine Üebertreibung, zu behaupten, daß man in Erez Iisroel bei ernstem Willen und festem Zusammenschlutz aller Gleichgesinnten seine Kinder nicht auch heute noch zu braven Jehudim erziehen könne. Wenn ein Teil des ungeheuren Kraftaufgebots, das der Herr Verfasser von der Orthodoxie für eine auf dem heute noch recht unwirtlichen Boden Mesopotamiens zu errichtende Siedlung erwartet, für eine s e l h st ä n d i g e K 0 l 0 n i e in Erez Iisroel oder für ein neues Stadtviertel in Jerusalem, Safed oder Tiberias aufgewandt würde, so wäre auf dem heiligen Boden unsres Landes genau so gut eine geschlossene Atmosphäre orthodoxen jüdischen Lebens zu schaffen wie im Reiche des Königs Feisul. Freilich müssen jetzt alle Kräfte angespannt werden, daß die gesetzlichen Voraussetzungen für den Aufbau solcher Oasen wahrhaften jüdischen Lebens — die eines Tages zum Lebensquell für die Gesamtheit werden können — nicht durch den Terrorismus und den Gewissenszwang einer antireligiösen nationalen Gemeindepolitik auf Jahrzehnte hinaus der Vernichtung anheimfallen. Hier springt der innige Zusammenhang zwischen dem Kampf um das Gemeindegesetz und der religiösen Zukunft des ganzen Siedlungswertes grell in die Augen. Die Flucht nach Mesopotamien — das wäre der grimmigste Hohn auf die Balfour-Erklärung! Aber wir find noch nicht so weit, und ehe. die Orthodoxie in vollendetem ww» ihr Land, das Land der Thora und des nrnw 'i^ der nxsw überlätzt und nach Mesopotamien flüchtet, mützten doch noch andere Kämpfe ausgefochten und ganz andere positive Kr a ft an st r eng unge.n ideeller und materieller Natur zur gemeinsamen Erfüllung von^rr^V'fyX2iV'MLv im großen gemacht sein, als sie bis heute zu verzeichnen waren. Entartete Jugend. Man schreibt uns aus den Kreisen der Aguda-Jugend: In Nummer 38 des zionistischen Blattes „Das jüdische Echo" finden sich in dem Leitartikel „Chaluzim" von einem gewissen Benjamin ben Meir u. a. folgende fast unglaublichen Sätze: „Es mutz nicht sein, datz immer wieder die Söhne die Väter hassen, hassen aus tiefem Herzensgrund, als ewige Hemmer und Warner; es mutz nicht sein, daß immer wieder, Väter die letzten zarten iFäden zerreißen zwischen sich und den Kindern durch Lieblosigkeit gegen deren Eigenleben und aus dummem Aerger über ihre eignen Aeberwinder, die die ausgetretenen Wege verachten; es mutz nicht sein, datz immer wieder, Familien zerrüttet werden, wenn zwischen 15 und 25 Jahren, die Kinder sich selbst, die Tatsache ihrer eignen seelischen Existenz, ihrer selbstständigen Ziele erfühlen und nun auch erleben wollen. Es mutz endlich dazu kommen, datz Eltern sich bescheiden, zurücktreten, stille sind." Es ist eine eigenartige Erfahrung, die der Verfasser dieser Ausführungen gemacht hat. Seit wann ist im jüdischen Volke eingerissen, datz die Kinder den Eltern Hatz statt Liebe entgegenbringen. Fast niemals haben jüdische Kinder ihre Eltern gehaßt. Fast niemals gab es jüdische Jungens und Mädels, die sich aufgelehnt haben gegen den Willen ihrer Eltern. Fast niemals .haben jüdische Eltern das Band, das sie mit ihren Kindern verbindet gewaltsam zerrissen. Erst seit dem Wachsen der zionistischen Organisation haben wir derartiges häufiger erlebt. Erst im 20. Jahrhundert standen unreife Menschen auf, die das Altehrwürdige von sich warfen, die sich von der Tradition gegen den Willen ihrer Eltern lossagten, nichtachtend die Tränen der Mutter und das sorgenvolle Haupt des Vaters. Ist es da verwunderlich, wenn jeder rechtdenkende Vater warnend seine Stimme erhebt? Wäre es nicht ein Zeichen eines schwachen Charakters, wenn er seinen Kindern nicht ein donnerndes Halt zuriefe?! Es ist ein Gebot der Tauroh — wenn die Herren Zionisten darauf nichts geben, dann ist es ein Gebot der Pietät — datz wir, jüdische Äugend, uns den Wünschen und Anordnungen unserer Ellern bedingungslos fügen, auch wenn sie uns vielleicht hart erscheinen. Das sollte der Verfasser jener Zeilen wohl wissen und beachten. Es gibt für uns jüdische Äugend keine Revolution, keine offene Gewalt. Bis hierhin haben uns die Alten und Erfahrenen gefübrt und behütet. Und überall nur zu unserem Wohle. Sie sollen es auch 'weiterhin tun. Mögen noch so viele Benjamin ben Meir aufstehen, sie können uns in unserem Entschlüsse nicht wankend machen. Nicht die Eltern sollen stille sein, ' nein, wir wollen stille sein, wir wollen ruhig und ohne Murren den Wünschen unserer Eltern Nachkommen. Wenn die Zionisten glauben, auf diesem Wege und auf diese Weise die jüdische Äugend Ar den Zionismus zu gewinnen, so sind sie auf dem Holzwege. Wir ehren nur die Erfahrung der Eltern und Aelteren. Alles ändere ist und bleibt uns fremd. Bericht über die Tagung der Agudas Jisroel-Jngendorganisation in Leer (Ostfrl.) Unter großer Beteiligung von Jung und Alt fand am Sonntag, den 1. Elul 3684 unsere Bezirkstagung in Leer statt. Der Besuch übertraf alle Erwartungen. Aus Emsland, Ostfriesland, Oldenburg und Bremen, brachte jeder Zug Teilnehmer und konnte der Saal die über 350 Personen starke Versammlung kaum fassen. Es war dies ein Beweis, daß die Arbeit der Agudas Iisroel Jugendorganisation, Tauroh und Awaudoh zu verbreiten, von allen hochgeschätzt wird. Um 12 Uhr eröffnete Herr Landrabbiner de Haas- Oldenburg, die Vorbeivrechung, zu welcher Herr Landrabbiner Blum-Emden sowie die Herren Lehrer und Gemeindeoorstände erschienen waren. Bon seiten der Agudas Iisroel Jugendorganisation war der erste Vorsitzende, Herr Leo Munk-Köln und unser Bezirkssekretär, Herr S. Boley-Emden, erschienen. Aus dieser Besprechung ging hervor, daß der Abbau der Schulen auch in unserem Bezirk, eine große Gefahr für die jüdische Jugend in sich birgt; ferner wurde angeregt, daß in den kleinen Gemeinden, in welchen seit längerer Zeit keine Schechitoh mehr ist, regelmäßig ein Schauchet hingesandt werden soll. Um 2 Uhr würde die Bezirkstagung durch den Vor-! sitzenden Herrn Landrabbiner Dr. de Haas-Oldenburg,! welcher diejenigen Besucher, die infolge des großen An-! dranges keinen Sitzplatz mehr fanden, durch die Wortej Zar li hamokaum, ge'schoh noh woesscheewoh über die Unbequemlichkeit des Stehenmüffens hinwegtröstete, er-' öffnet, woran sich der Chorgesang Voruch Haboh, der - Emder Schuljugend anschloß. In meisterhafter Weise > hielt dann der „Sokeen" unserer Lehrerschaft, Herr! Lehrer Wolff-Aurich, die Eröffnungsrede. In packenden' Worten verstand er es die Zuhörerschaft zu begeistern. und forderte sämtliche Anwesenden auf, mit ihm einzu-; stimmen in den Ruf „naaßeh w'nischmoh. Nach einigen Begrüßungsansvracken seitens des Vorsitzenden nahm Herr Landrabbiner Blum-Emden das Wort und forderte den ganzen Bezirk auf, chas Panier der Thorah stets aufrecht zu erhalten. Ihm folgte Herr Rabbiner Dr. Aber-Brerstsn, welcher seinen Dank aussprach, an dieser Bezirkstagung als Gast teilnehmen zu dürfen, und der -Versammlung ein herzliches Gelingen wünschte. Hierauf brachte unser Bezirkssekretär, Herr S. Boley, den Bericht über seine bisherige Tätigkeit. Derselbe sprach über die Verwahrlosung in den Landgemeinden und schilderte in einigen Beispielen die furchtbare Zerrüttung des jüdischen Lebens daselbst. Er forderte alle Anwesenden auf, mitzuhelfen an dem Wiederaufbau des Judentums. Herr Wolf Jacobsohn-Hamburg, Mitglied des Landesdirektoriums des Keren Hathorah, nahm hierauf das Wort zu seinem Referat „Thorah". Unter flammender Begeisterung brachte Herr Jacobsohn der Versammlung den Begriff „Thorah" nahe. „Des Elul Mahnung an die jüdische Jugend", lautet das unter größtem Applaus gehaltene Referat des Herrn Lehrers Ruda-Wilhelmshaven, welcher so recht zeigte, was jüdische Jugend der Thorah schuldig ist. Seinen Worten scy.oß sich der Vertreter der Hamburger Jugendgruppe, Herr ^mann-Hambura. an. Es folgte eine Pause von ca. 20 Minuten. — Nach Beendigung derselben trat die Diskussion ein, anwelcher sich Vertreter aller Richtungen bereiligten. Aus allen Reden der Diskussion ging hervor, daß die Arbeit unseres Bezirkssekretärs, Herrn S. Boley, die bisher gute Erfolge gezeitigt hat, auch fernerhin zur Verbreitung der Agudoh-Jdee in unserem Bezirk dringend notwendig ist. — Nach Schluß der Debatte betrat der Vorsitzende unserer Organisation, Herr Leo Munk-Köln, das Rednerpult zu seinem Referat „Crziehungsideale". Zusammenfassend durchzog das Referat der Gedanke, daß man, um thoratreue Menschen heranzubilden, in der frühesten Jugend damit beginnen muß, die Jugend in die Thorah und grundlegenden Gedanken des Judentums einzuführen: eine Pflicht, die neben der Schule, besonders auch dem Elternhaus obliegt. Reicher Beifall wurde der mit wahrer Begeisterung vorgebrachten Ausführung seitens der Versammlung gezollt. — Der Vorsitzende, Herr Landrabbiner Dr. de Haas-Oldenburg, schloß die erhebende Tagung mit einem herzlichen pin. Mit Befriedigung können wir auf den Erfolg der Tagung zurückblicken, die den Gedanken für „Thauroh und Awaudoh" in vielen aufgefrischt und in viele neu hineingepflanzt hat. Berbandstagung in Ansbach. Am Sonntag, den 14. September fand in Ansbach die Verbandstagung des Bayrischen Verbandes gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine in der Agudas Jisroel Jugend-Organisation, statt. Es war die erste Tagung dieses Verbandes, der nunmehr 1% Jahre und die bayerischen Jugendgruppen umfassend, mit trefflichen Erfolgen an dem Ausbau der A. J.-Jugend-Organisation mitwirkt. Erschienen waren etwa 300 Gäste aus Nürnberg, Fürth, Regensburg, Würzburg, Ansbach, Brückenau, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Ellingen, Berolzheim, Sugenheim, Adelsdorf, Altenmuhr, Wittelshofen, Heidenheim, Thüngen usw. Nach einem Schiur, der morgens um 8 Uhr die Tagung einleitete und nach den verschiedenen Begrüßungsansprachen erstattete Gustav Münz im Namen der Verbandsleitung den Tätigkeitsbericht. Eine ausgedehnte Diskussion, die sich daran anschloß, füllte den Rest des Vormittages aus. Nach Tisch eröffnete den Reigen der Redner Dr. Max Cohen-Köln (Mitglied des Organisationvorstandes in Köln) mit einem Vortrag über „Jüdische Gebotsersüllung". In begeisternden, wunderschönen Worten suchte er darzutun, daß Hislahawus und Jiras Haschem, verbunden mit der richtigen Erfassung der Mizwaus nur die richtige Gebotserfüllung verbürgen könne. Sodann sprach Herr Rabbiner Dr. Brader-Ansbach über „Agudas Iisroel". Anhand einer schönen Midraschstelle führte er in großartiger fesselnder Weise aus, wie Mischpot und Zedokoh die zwei Programmpunkte der Agudas Iisroel seien, Mischpot das Recht, das leider erst erkämpft werden muß in Dingen, die das jüdische Volk betreffen, ein entscheidendes Wort mitsprechen zu dürfen und „Zedokoh", die dem Volksganzen und seiner Erhaltung in körperlicher wie geistiger Beziehung dienende Fürsorge. Henry Pels- Hamburg sprach sodann als Abgesandter des Landesdirektoriums des Keren Hathora in Deutschland über die Bedeutung des Keren Hathora und seine Ziele. Moritz Klugmann-Nürnberg referierte sodann im Namen der Palästina-Zentrale über deren Tätigkeit für Erez Jis» roel. Als „Neilohredner" begann dann Max Gutmann- Nürnberg feinen Vortrag über „Reparationsprobleme und Judenfrage". Ein solches Problem bestehe auch innerhalb des Judentums. Denn, was das Mittelalter an physischer Kraft und die Emanzipation an kulturellen Werten verwüstet hat, muß nun wieder gutgemacht werden. In meisterhafter Weise zeichnete er mit jugendlichem Feuer die Mängel und Schäden der Zeit und zeigte auch die Wege, wo die Reparation wieder einsetzen muß. Dieser letztere Teil, der die Eigenart der bayerischen Landgemeinden, der ältesten Kehillos in Deutschland so wundervoll nachsühlte und der damit auch die Ziele des bayerischen Verbandes wiedergab, war von besonderem Beifall begleitet. Gegen Abend mußte die glänzend verlaufene Tagung geschlossen werden, nachdem noch Herr Julius Sichel-Nürnberg die Grüße der Nürnberger Ortsgruppe und Herr Sekretär Posen die Grüße im Namen des Württembergifch-Badischen Landesverbandes der A. I. der Versammlung zur Kenntnis brachten. Eine gelungene lustige Vorstellung vermittelte noch für die Abendstunden eine angenehme Unbedeutender Punkt in der Geschichte der Agudas-Jugend Deutschlands. K ft f ifr j\ i; ii 1]

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