Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1924)
- Date
- 1924-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Oktober 1924 Der Israeli! Nr. 44 Seite 8 den Nachweis des hohen Wertes des Deutschtums. Wie der deutsche Geist, so wird auch der jüdische Geist von Gegnern entstellt und verunglimpft. Einer Widerlegung dieser Anklage und Schmähungen ist die kleine Broschüre Heinemanns „Vom jüdischen Geist" gewidmet. Mit einer Würdigung dieser gehaltvollen Schrift verbindet der Referent den Wunsch nach einem Werke, das unter Ausschaltung jeder Polemik in rein positiver Form das Wesen des jüdischen Geistes zur Darstellung bringen solle. Der Ausschluß jüdischer Studenten. Budapest, 24. Oktober. Wie schon mitgeteilt, hat der medizinische Senat der Universität Szegedin beschlosien, die jüdischen Medizin Studenten, so lange von den praktischen Studien auszuschließen, als bis nicht Leichen von Juden zu Studien- Zwecken beigestellt werden. Der Unterrichtsminister Graf Klebelsberg erklärte in diesem Zusammenhang — wie die offiziöse ungarische Telegraphen-Kompagnie mitteilt — einem Mitarbeiter des „Pesti Naplo", daß in der Angelegenheit der Leichenbelieferung für Studienzwecke keine Konfession eine Ausnahmebehandlung für sich in Anspruch nehmen dürfe. Die Leichen jüdischer Verstorbener, die keine Angehörigen hinterlaffen, müssen ebenso den anatomischen Instituten abgeliefert werden, wie die christlichen Leichen. Andererseits habe keine Universität das Recht, eine Junktur zwischen der Ablieferung jüdischer Leichen und der Teilnehmer jüdischer Hörer an den anatomischen Vorlesungen zu konstruieren. Es sei unzulässig, daß eine Fakultät jüdische Hörer mit dieser Begründung von den Vorlesungen ausschließe. Die Szegediner jüdische Kultusgemeinde beschloß im Zusammenhang mit der Lerchenfrage die sofortige Gründung eines jüdischen Spitals und eines jüdischen Sanatoriums in Szegedin. Die Szegediner Juden haben zu diesem Zweck bereits 100 Millionen Kronen aufgebracht. ttt Gegen den Raub der Staatsdürgerrechle Rumänien. Czernowitz, 24. Oktober. Unter dem Vorsitz des Bukowiner jüdischen Politikers Dr. Meier-Ebner fand im Czerneowitzer Rathaussaale eine Massenversammlung der Czernowitzer Juden statt, in welcher gegen den Raub des Staatsbürgerrechts Protest erhoben wurde. Es wurde in einer einstimmig angenommenen Resolution feierlichst Verwahrung eingelegt gegen die durch das Gesetz vom 24. Februar 1924 erfolgte Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte eines großen. Teiles der jüdischen Bevölkerung. Die Versammlung konstatierte, daß dieses Gesetz den klaren Grundsätzen des Friedensvertrages widerspricht, welcher durch Beschluß der verfassungsmäßigen Faktoren zum Reichsgesetz mit dem Charakter eines Staatsgrundgesetzes erhoben worden ist, und also durch kein anderes Gesetz unwirksam gemacht werden kann. Die Resolution schließt: „Die Versammlung apelliert an die Gerechtigkeit Seiner Majestät des Königs mit der ergebenen Bitte, die Regierung möge veranlaßt werden, die Anwendung des nichtigen Gesetzes zu sistieren und dem die Friedensverträge entsprechenden Reichsgrundgesetze vom 25. September 1920 Geltung und Achtung zu verschaffen." (J.T.A.) jetzigen Ministerpräsidenten und Justizminister Tumenas als Zeugen zu vernehmen und zu diesem Zwecke den Prozeß zu vertagen. (I. T. A.) Lnglan-. Die englische Konservative Partei und dir Einwanderungspolitik. London, 24. Oktober. In einer von Herrn Baldwin, dem Führer der Konservativen Partei, im ganzen Lande verbreiteten Kundgebung heißt es, daß eine scharfe Einschränkung der Einwanderung platzgreifen wird, sobald die Konservativen wieder zur Macht kommen. „Dieses Land", sagte Herr Baldwin, „kann nur dann gedeihen, wenn seiner Bevölkerung die Arbeit gesichert ist. Man wird die Gesetze und Verordnungen in bezug auf die Einreise von Ausländern in England einer Ueberprüfung unterziehen müssen, denn in Zeiten der Arbeitslosigkeit sollte kein aus dem nahen Städtchen Solömik vom Kol Nidregebet zurückgekehrt, als sie von den Banditen überrascht und abgeschlachtet wurde. — Der Prozeß gegen den jüdischen Studenten Stanislaw Steiger, der beschuldigt wird, das Attentat auf den Staatspräsidenten verursacht zu haben, wird erst in einigen Wochen stattfinden. Das Kriegsgericht, das über Steiger verhandelte, hat nach dreitägigen Beratungen den Prozeß abbrechen müssen, da sich die Verdachtsmomente gegen Steiger als schwer haltbar erwiesen. Oesterreich. Wiederholt kamen in den letzten Tagen in der Wiener Leopoldstadt nächtlich Ueberfälle von Hakenkreuzlern auf Juden vor. Es gelang der Polizei, fünf Burschen zur Feststellung ihrer Personalien festzunehmen. — In der vor kurzem in Wien abgehaltenen Plenarsitzung der Exekutive des Weltoerbandes der jüdischen Studentenschaft wurde einstimmig beschlossen, im Verein mit dem englischen Landesverbände während der Sommerferien eine Sommerschule der jüdischen Studenten aus verschiedenen Ländern in England abzuhalten, ferner an die Gründung eines Hauses der jüdischen Studenten am Oelberg zu Jerusalem heranzugehen. alästlna. In einer im Hause des Rabbiners Ausländer einem Angehörigen unseres Volkes den Platz Uhronson abgehaltenen Versammlung wurde die Er' wegnehmen dürfen." richtung einer modern ausgestatteten Jeschiwah in Tel-Awiw beschlossen. Ein Komitee wurde eingesetzt, das den Beschluß durchführen soll. — Der vor kurzem verstorbene Jakob Cohen aus Souchport hat in seinem Testament bestimmt, daß ein Viertel seines 54 555 Pfund betragenden Vermögens für die Errichtung eines Stipendiums für jüdische Gelehrte und Studierende an der hebräischen Universität zu Jerusalem verwendet werden soll. Rußland. Wie gemeldet wird, wurden dieser Tage Rußland. Wie die Juden in Rußland die jüdischen Feiertage begingen. Moskau, 27. Oktober. - ein über 100 Jahre alter Mann, der wegen seines hohen von Juden Alters bald wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Ungeachtet der antireligiösen Kampagne, zu der der Führer der jüdischen Kommunisten Merejin in einer in Pol"ozk 10 Mistze Kinderlehrer (Melamdim) unter öffentlichen Aufforderung im „Emes" den Anstoß gab, l der Beschuldigung, in illegaler Weise Unterricht erteilt zu wurden die jüdischen Feiertage in Rußland nach den Unter Jjen Verhafteten befindet sich alten Traditionen begangen. Die bewohnten Städte behielten ihr charakteristisches Feiertagsgepräge. Nur in einigen größeren Städten hatte die „Jewsektia" unter der kommunistisch gestimmten jüdischen Arbeiterschaft gewisse Erfolge zu verzeichnen. In Hömel z. B. wurde in einigen Betrieben, wo jüdische Arbeiter beschäftigt werden, gearbeitet. An den Abenden Personalien. Line Hundertjährige. Geilenkirchen, 24. Oktober. .. m Frau Jonas Gottschalk in Bauchen bei Geilenwurden antireligiöse Vortrage gehalten. Teilnehmer des'xirchen feierte bei bester Gesundheit ihren hundertjüdischen „pädagogischen" Technikums führten am Jom! j ä h r i g e n Geburtstag, aus welchem Anlaß ihr von Kippur die Burleske „Savinkos Al Chet" auf. der Stadt ein Fackelzug mit Serenade dargebracht wurde. In Tiraspol, G°u°—t Od°„°. wurde -in nnti-'L^ religiöses Seminar gegründet, welches die Aufgabe hat.; September 1824 zu Hartem (Holland) geboren und lebt Propagandisten für die antireligiöse Kampagne heranseit einem Menschenalter in Bauchen, ein Muster altzubilden. Etwa 30 jüdische Kommunisten besuchen das jüdischer Frömmigkeit Gottesfurcht und Menschenliebe. Seminar. (I. T. A.) Sie benutzt heute noch weder Stock noch Brille, ist eine fleißige Besucherin des Gottesdienstes und hält alle Fasttage. Gelnhausen, 6. Oktober. Lehrer Meier Strauß ist uns im 59. Jahre seines Lebens durch den Tod entrissen worden, vvyn onina dir )>v nson -pm- Aus der Trauerkundgebung kann man auf die Charaktereigenschaften des Entschlafenen schließen. Der Tod dieses Die jüdische Erziehung in Newyvrk. N e w y o r k, 20. Oktober. Im Hotel Astor zu Newyork fand dieser Tage die Jahresversammlung der jüdischen Erziehungsgesellschaft . nur in unserer Gemeinde, sondern auch in unserer statt. Den Vorsitz führte Herr Israel Unterberg. Aus dem Rechenschaftsberichte ging hervor, Unterrichtsgesellschaft im vergangenen Jahre m Stadt. Den Reigen der Redner eröffnete Herr Rechtsdaß die, anwalt Dr. Koref-Hanau als Vertreter der Loge. Herr i Lehrer Marx hier erging sich in längerer Ausführung weuere. ^r die Bedeutung des Heimgegangenen als Lehrer und 10 000 Kinder in jüdischen Religions- und Talmud Vorbeter in hiesiger Gemeinde, m der er länger als drei Thora-Schulen Newyorks untergebracht hat. Mehr als Jahrzehnte segensreich gewirkt hatte. Herr Gemeinde- Der Prozeß gegen den ehemaligen jüdischen Minister in Litauen. Kowno, 24. Oktober. Vor dem Kownoer Gericht fand am 22. Oktober der Prozeß gegen den früheren Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Rosenbaum, statt. Dr. Rosenbaum hat, wie erinnerlich, vor einigen Wochen als der Minister für jüdische Angelegenheiten den Jüdischen Nationalrat Litauens einberufen, der durch die Polizei auseinandergetrieben worden ist. Dr. Rosenbaum wird nun beschuldigt, sich widerrechtlich den Titel eines Ministers für jüdische Angelegenheiten beigelegt zu haben. Dr. Rosenbaum steht auf dem Standpunkt, daß er hierzu berechtigt war, da der Staatspräsident seine Demission nicht angenommen hatte. Diesen Standpunkt vertraten auch die Verteidiger Dr. Rosenbaums, die Rechtsanwälte Finkelstein und Dr. Robinson. Das Gericht beschloß, den 70 Prozent der neuaufgenommenen Schüler zahlten das Schulgeld. Richter Otto A. Rosalsky sprach über die zukünftigen Pläne der jüdischen Erziehungsgefellschaft. Diese wird nun u. a. auch ihre Kräfte der Hebung des physischen Zustandes der Zöglinge der Religionsschulen widmen. (I. T. A.) Aus aller Welt. Deutschland. Der Prozeß gegen die Organisation C o n s u l, der jetzt in Leipzig vor dem Staatsgerichtshofe zum Austrag kam, ergab, daß die genannte Orgasatton als Programm den Kampf gegen die Weimarer Verfassung und gegen das Judentum proklamierte. — Johann Jacobi war in den vierziger Jahren einer der berühmtesten Freiheitskämpfer in Ostpreußen und ihm wurde 1918 im Sitzungssaal des Königsberger Stadtrates mit einer aufgestellten Büste ein Denkmal gesetzt. In der letzten Sitzung schlugen die Völkischen Lärm gegen die Büste des „Juden Jacobi" und es kam sogar zur Absttmmung, ob sie noch weiter den Saal zieren soll. Nur der entscheidenden Sttmme des Präsidenten kann es der Jacobi in Gips verdanken, daß er bis auf weiteres bleiben durfte, denn die Absttmmung ergab gleich und gleich. Ungarn. Am Vorabend des Simchas Thora überfielen in Szegedin antisemitische Studenten jüdische Kinder auf der Straße, entrissen ihnen die Fähnchen und mißhandelten sie. Polen. Die polnische Regierung lehnte eine Legalisierung jüdischer Sport- und Wandervereine ab. — In der Jom Kippur-Nacht wurde in einem Dorfe in der Nähe von Wilna die Familie des jüdischen Gastwirtes Liebkind, sechs Köpfe, ermordet. Die Familie war gerade ältester Lorsch gab dem Schmerz der Gemeinde über das Hinscheiden des verdienten Führers, Beraters und Menschenfreundes beredten Ausdruck. Für die israelitische Lehrerkonferenz Hessens sprach Herr Lehrer Leoi- Bierstein ergreifende Worte. Herr Lehrer Ehrenreich- Langenselbold nahm als Klassenbruder im Namen der Klaffenbrüder von dem treuen Freunde schmerzbewegt Abschied. Herr Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt hier widmete dem Verblichenen im Namen der ehemalien Schüler rührende Dankesworte. Herr Lehrer Schmey hier, als Vertreter des Kreislehrervereins, rühmte die Lugenden des Heimgegangenen in erhebender Weise. Als Vertreter des Zentraloereins deutscher Staatsbürger und Freund der Familie Strauß entbot Herr Lehrer Halberstadt- Büdingen dem wackeren Vorkämpfer für Wahrheit und Recht, dem vorbildlichen Familienvater den letzten Gruß. Herr Lehrer Wingerton-Hanau, der unmittelbare Amtsnachfolger des Verklärten schilderte ihn als warmherzigen Freund und treuen Berater. Der Führer der Sanitätskolonne pries die Opferfreudigkeit und Hilfsbereitschaft des einstigen Vorsitzenden der Kolonne in den sturmbelOochenkalender. 1—8. Nov. ISA I 4.—11. Cheschwon 8688. Samstag Nov. 1 na 4 Sonntag 2 5 Montag 3 6 Dienstag 4 7 Mittwoch 5 8 Donnerstag 6 9 Freitag 7 10 Samstag 8 11