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Der Israelit · 1924-10-30 · Heft 44 (30.10.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 44 (30.10.1924)
Date
1924-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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'Cfits 6 Nr. 44 Der Israelit 30. Oktober 1924 rvegten Tagen der Kriegszeit. Ergriffen und ergreifend dankte als Schlußredner der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Stern, dem geliebten Vater für die der Familie stets bewiesene Liebe und Güte. Die Sonne hatte bereits den Zenith überschritten, als wir die stille Stätte des Friedens verließen. maxan Düsseldorf, 24. Oktober. Der Schachet Israel A n f ü b e l ist im Alter von erst 43 Jahren gestorben. Israel Anfübel ms war ein Jude im besten Sinne des Wortes, und faßte sein Amt als xnpn nrm1?» auf, dem er mit unvergleichlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue oblag. Sein Andenken wird uns stets voranleuchten. rrasjn Randegg, 19. Oktober. Herr Elias Wolf und Frau feierten am 20./ Oktober in körperlicher und geistiger Frische das Fest der Goldenen Hochzeit. Eberbach (Baden), 21. Oktober. Die jüdische Gemeinde in Eberbach hat in diesen Tagen das 40jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers, Herrn Abraham Frohmann, gefeiert. 22 Jahre dieser langen Zeit hat der verdienstvolle Jubilar in unserer Gemeinde gelebt und gewirkt. In die denkbar schwierigen Verhältnisse, auf einen außerordentlich schwierigen Vorposten gestellt, hat Herr Frohmann es in mustergültiger Aufopferung verstanden, Gegensätze zu überbrücken und eine seltene Harmonie unter den Mitgliedern der Gemeinde zu schaffen; nicht zuletzt ist seinem in jeder Hinsicht tadellosen Charakter die geachtete Stellung zu danken, die die jüdischen Bürger in unserer Stadt einnehmen. Deshalb ist es verständlich, daß nicht nur die gesamte jüdische Glaubensgemeinschaft, sondern auch die christliche Gemeinde freudigen Anteil an dem Freudentage des Jubilars genommen hat. Besonders die Direktion der Oberrealschule, an der unser Lehrer schon seit 22 Jahren wirkt, hat in einem erfreulich herzlichen IBetreiben ihrer Freude darüber Ausdruck verliehen, dem allseits verehrten Lehrer ihre aufrichtige Anerkennung aussprechen zu dürfen. Die größte Genugtuung dürfte der Jubilar aber wohl aus der Tatsache schöpfen, daß alle seine Schüler, die heute zum großen Teil in der Welt zerstreut sind, dankbar der jüdischen Erziehung gedenken, die sie in ihrem Unterricht genossen haben. Wohl keiner von ihnen wird wohl je in seinem Leben ganz die Worte vergessen können, die ihnen von dem jüdischen Lehrer mit aus den Lebensweg gegeben wurden. Zu einer Feier von ganz besonderer Würde wurde der Gottesdienst am Schlußfest der Sukkothfeiertage, als der Jubilar in einer zu Herzen gehenden Predigt zu seiner Gemeinde sprach. Mit ihm wollen wir hoffen, daß es dem Jubilar noch recht lange vergönnt sein möge, zu wirken und zu schaffen, ein unübertreffliches Vorbild treuer Hingabe an Pflicht und inneren Beruf. n ■■ r’iiif i.jiiwn— m Berlin, 29. Oktober. Die Eröffnung des Winterhalbjahres am Rabbinerseminar zu Berlin fand heute Mittwoch, den 29. Oktober (1. Marcheschwan), 4 Uhr nachm, statt. In der üblichen Weise gab Herr Dr. I. Wohlgemuth vor den Schülern die Veränderungen in der Hörerschaft, sowie den Stundenplan und sonstige Mitteilungen bekannt. Der h a l a ch i s ch e Eröfsnungsoortrag des Herrn Rabbiner Dr. I. Weinberg wird am Sonntag, den 2. November (5. Marcheschwan), 9 Uhr vorm, stattfinden. Rees am Rhein, 1. Oktober. Am Schabbos Parfchas Nizowim wurde hier eine Sefer Thora eingeweiht, deren Geschichte eine besondere eigenartige ist. Ein russischer! Soldat raubte während des Krieges in Rußland eine Sefer Thora, die er auseinandergetrennt nach Deutschland brachte, wo er schon einen Teil derselben verkauft hatte. Den noch vorhandenen Teil der Sefer Thora brachte Herr Louis Marcus in seinen Besitz, der das Fehlende (es waren nicht mehr vorhanden Bamidbor und Doworim) in Slonim in Rußland schreiben ließ und am vergangenen Schabbos anläßlich der Brismiloh seines Sohnes die Sefer Thora in die Synagoge brachte, nachdem am Abend vorher dieselbe von den hiesigen Gemeindemitgliedern in der Wohnung des Herrn Marcus vollendet worden war. Die Sefer Thora ist, sowohl was Pergament als auch Schrift betrifft, von einer seltenen Schönheit und es mußte das Fehlende von einem russischen Szoser zugeschrieben werden, um eine ähnliche Schrift zu bekommen. Herr Lehrer Levisohn- Rees und Herr Kantor Hellmann -Dinslaken nahmen die Weihe vor. Sämtliche Thorarollen wurden ausgehoben und empfingen die neue Sefer Thora am Eingang der Synagoge. Nachdem mehrere Umzüge gehalten waren, wurde aus der neuen Thora die Sidra verlesen, zu der sämtliche Anwesenden aufgerusen wurden. Hamburg, 27. Oktober. Aus Ansuchen des Kuratoriums der I e s ch i w a h Hamburg hat der Vorstand und das Repreäsentantenkollegium der hiesigen Deutsch- Israelitischen Gemeinde einstimmig eine Subvention in Höhe von 5000 Mark für das Jahr 1924 bewilligt und ist Aussicht vorhanden, daß auch in den folgenden Jahren ein gleich hoher Zuschuß erfolgen wird. Die Fortführung der Jeschiwah ist auf diese Weise in den jetzigen schweren Zeiten ganz erheblich erleichtert worden. kesmark, 10. September. Unsere Gemeinde beherbergte am jüngsten Sabbat Ehrengäste, die uns alle in gehobene Stimmung versetzte. Unsere Gemeinde stellte den Grabstein für die vor mehreren Monaten verewigte Gattin unseres großen Rabbiners Aus diesem Anlässe eilten herbei die Söhne und Schwiegersöhne (5 Rabbiner) unseres unvergeßlichen Rabbi und entwarfen uns nochmals ein Bild dieses Räbbinerhäuses, welches durch ein ganzes Menschenalter den Mittelpunkt für min und wwv d’»vsi nisn in unserem Kreise bildete und welches — wie der älteste der Schwiegersöhne, Herr Rabbiner Horooicz, ausführte, in dem würdigen Nachfolger, dem derzeittgen Rabbiner, ebenbürtige Fortsetzung findet. In dem Vortrage des Herrn Rabbiner Horooicz, den er am Schabbos in der großen vollgefüllten Synagoge hielt, behandelte er das wichtigste Problem, welches die jüdischen Gemüter in und außerhalb von Erez Jisroel beherrscht. Unter herrlicher Ausdeutung tiefsinniger Talmudstellen an der Hand der Trosthaftorah sprach der Redner von der organisatorischen Zusammenfassung des jüdischen Volkes in feinem Gefamtleben als historische Fortsetzung der alten jüdischen Gemeinde, der in und durch die Thora geeinten Kehal Adaß Jeschurun. Jede einzelne Kehilla in Israel bilde ein Glied der großen jüdischen Einheit., In all den langen Jahrhunderten seit der Zerstreung des jüdischen Volkes ist auch seine historische Einheit stets gewahrt geblieben. Die von allen Teilen unseres Volkes anerkannte Herrschaft des Thoragesetzes hat in all den Jahrhunderten der Zerstreuung faktisch wie organisatorisch die Einheit unseres Volkes garantiert. Erst als in gewissen Kreisen unseres Volkes Bestrebungen aufkamen, das jüdische Eemeindeleben von der verfassungsmäßigen Verbindlichkeit des 'Thorarechtes organisatorisch zu befreien, geriet die im und durch dieses Thorarecht allein gesicherte Einheit des Judentums in Gefahr. Aber nicht die thoratreuen Kreise, sondern die thoraentfremdeten Kreise haben diese Gefahr der Zersplitterung über uns heraufbeschworen. Es läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß auch die Vorbedingungen für ein friedliches Zusammenarbeiten vorhanden wären, und daß auch heute der Kampf, an dem Tage aufhören würde, an dem die bekannten Führer, deren Bemühungen um das „nationale Heim" keineswegs unterschätzt werden dürfen, sich aus ihre ursprüngliche Aufgabe beschränken und lediglich den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas erstreben würden. Wenn aber die mit behördlicher Zwangsautorität ausgestatteten jüdischen Gemeinden und Landesinstanzen statuarisch auch seine Gebiete umfassen, welche weil aus dem religiösen Leben fließend, lediglich nach dem Thorarecht geregelt werden müssen, dann möge man auch für die eigene Person welcher Richtung immer angehören — dann ist die thoratreue Judenheit nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, zu fordern, daß in der Grundverfassung eine Bestimmung sestgelegt werde, nach welcher dieses Thorarecht in gegebenen Fällen nicht immer aufs neue zum Gegenstand von Beschlüssen seitens der Instanzen gemacht werden können. Unmöglich hat die Vorsehung, haben die Völker der Erde unser versprengtes Volk so wunderbar in neue Beziehung, zu unserem Land, zu unserer alten Mutter Zion, gebracht, damit das Jsraeloolk im Jsraelland für die Anerkennung, für die Verwirklichung seines nationalen Thorarechtes bei jüdischen Instanzen, in steter Angst leben sollen. Die Predigt machte großen Eindruck und mit dem Wunsche, daß die programmatischen Ausführungen an den führenden Stellen nach Gebühr gewürdigt werden, dankte die Gemeinde dem verehrten Redner. Garmisch-Patenkirchen. 30. Oktober. Das hiesige „Tageblatt" bringt folgende Mitteilung der Pressestelle des B. Bauern- und Mittelstandsbundes: „Ludendorff möge uns gestatten, heute einmal das Sprachrohr des vernünftig gebliebenen Volksteiles zu machen oder einen davon herauszuziehen, damit er es dem großen Heerführer und dem kleinen Politiker selbst sagt. Dieser Mann aus dem Volke würde heute ungefähr fo reden: „Exzellenz! Sie sind ein großer Feldherr und das ganze deutsche Volk hat vor Ihnen Respekt gehabt. Aber mit ihrem lärmenden und polternden Patriotismus und erst mit ihren politschen Kunststücken haben Sie diese Sympathien gründlich verscherzt. Was hier an Sympachien Sie hier verloren haben, hat unser prächtiger Hindenburg gewonnen. Der hat all die Jahre her geschwiegen, hat sich nicht auf der politischen Arena herumgetummelt, ist nicht mit den erhitzten Massen auf die Straße gegangen und hat nicht geputscht. Und so groß Hindenburg noch ist, so groß könnten auch Sie, Herr General Ludendorff, noch heute vor uns stehen. Sie mit allen Völkischen haben unserem Vaterlande schon viel mehr geschadet als genützt. Wenn Sie unserem Vaterlande schon wirklich nützen wollen, dann um Gottes willen machen Sie es Hindenburg nach, beißen Sie nur auf die Zähne und schweigen Sie. Und wenn Sie unserem Vaterlands noch eigens nützen wollen, dann bitte kaufen Sie sich bald eine Fahrkarte irgendwohin nach Pommern. Aber ohne Rückfahrt!" Dr. Gr. in W. Wir besitzen die gewünschten homiletischen Bücher nicht» doch können Sie sie von den bekannten hiesigen hebräischen Buchhandlungen beziehen. Wegen des von Ihnen genannten Werkes setzen Sie sich am besten mit dem Autor. Herrn Rabbiner Dr. F. Kanter, Zwittau, Mähren in Verbindung. Ueber die bei uns erschienenen Erzählungen geht Ihnen ein Verzeichnis zu. H. Str. München. Wir können zu der Sache nicht eher Stellung nehmen, als bis wir beide Teile gehört haben. frankfurter Berichte. FeiertagsspeifrmL. Der Verein „Wohltätigkeit" veranstaltete an den verflossenen Neujahrsfeiertagen erstmalig in den Räumen des jüdischen Flüchtlingsheimes Speisungen für bedürftige Glaubensgenossen. Dieselben wurden reichlich mit Speise und Trank versorgt und dürften dadurch sorgenlos frohe Stunden verlebt haben. Den güttgen Spendern, die durch ihre Gaben dies ermöglichen, sei auf diesem Wege im Namen aller Teilnehmer und des veranstaltenden Vereins herzlicher Dank gesagt. Der Verein beabsichtigt gleichfalls an den bevorstehenden Chanukkatagen eine Feier für arme Kinder zu veranstalten, wenn ihin von wühltätiger Seite die dazu erforderlichen Mittel zufließen. Freundliche Spenden werden von jetzt ab auf das Postscheckkonto 55 477 Leopold Frohmann, Vereinskonto entgegengenommen. Geschichtsvorträge im Mekor Chajim. Die Geschichtsvorträge im Mekor Chajim, die sich in den letzten Jahren so große Beliebtheit erwarben, werden diesen Sonntag wieder ausgenommen. Der Zyklus lautet in diesem Wintesemester: „An der Schwelle unserer Zeit." Während Herr Redakteur S. Schachno witz im letzten Winter speziell die F r a n kfurter Größen bis zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts behandelt hat, soll die Vortragsreihe in diesem Winter die Lichtgestalten, die um die gleiche Zeit vom Osten her die gesamte Diaspora leiteten, umfassen. Die ersten Vorträge gewähren einen Einblick in Lehr und Leben des Wilna er Gaon. Der Eröffnungsvortrag („Aus der Jugend des Wilnaer Gaon") findet diesen Sonntag, den 3., abends 6 Uhr in den Räumen des Mekor Chajim, Längestraße 18, statt. Gäste willkommen Vom Mikrsssrtrag im Mekor Chajim. Der Mikrovortrag im Mekor Chajim am kommenden Freitag abend nach Schul im Hörsaale Friedberger Anlage ist Rabbi Elia Laps an aus Kelm übertragen worden, der durch feine zündenden Reden in letzter Zeit hier größte Aufmerksamkeit erregt hat. Als eine Neueinrichtung des Mekor Chajim in diesem Winter ist zu verzeichnen, daß nunmehr alltäglich von 2—7 Uhr nachmittags ein beständiger Dozent, und zwar Herr Herz Holpern, in den Vereinsräumen anwesend sein wird, wodurch Jedermann Gelegenheit geboten wird, innerhalb dieser Nachmittagsstunden zu l e r n e n. Agrrdas IiZrsel-Octs- und J^gendgruppe. Nächsten Sonntag, 2. November, abends %9 Uhr präzise, wird Herr Hauptlehrer A. Mannheimer,. Dettelbäch, in der Aula der Realschule, Am Tiergarten 8, einen Vortrag über das Thema „Aus dem Schatze unserer Brochaus" halten, wozu die Vorstände alle Mitglieder sowie Gäste, Damen und Herren, herzlich einladen. Jüdische Frauenvereiniguns CB. Sonntag, den 2. November, abends 6 Uhr pünktlich,, im Hörsaale Friedberger Anlage: Beginn des Vortrags des Herrn Dr. Joseph Breuer: Jüdische Lebensweihe im Zeichen des wachenden Morgens, Dienstag, den 4. November, pünktlich 4,15 Uhr im Cafe Milan! (Friedberger Anlage): 1. gemütliche Zusammenkunft. Der Kursus des Herrn Dr. Joseph Breuer und de Zusammenkünfte finden dreiwöchentlich statt und werden im „Israelit" bekanntgegeben. Die Jüdische Fräüenvereinigung E. V. wird diesen Winter eine umfässtndere Tätigkeit in bezug auf Pflege geistiger und geselliger Interessen entfalten. Außer dem dreiwöchentlich stattsindenden / Kursus des Herrn Rabbiner Dr. Josef Breuer und der dreiwöchentlich sich wiederholenden gemütlichen Zusammenkünfte mit ernsten und heiteren Darbietungen, sind monatlich Einzelvorträge bewährter Redner vorgesehen; eine größere Chanukkafeier zu Gunsten unserem Kinderhilfe soll all unseren Mitgliedern Freude und Befriedigung gewähren. Merei« Mekor tzßajivr. Merei« Mekor tzßajivr. Freitag abend nach Schluß f>er Synagoge im Hörsaal Friedberger Anlage „Mikro" Herr Rabb. Elia Lapjan» Kelm. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim"; Herr Rektor Falk, —,®/44 Uhr in der Frauensynagoge der Klaus ryptf ip-|b; Herr Professor A. W eyl. — nachm. 3/44 Uhr im Ve reinslokale Langestraße,: „Tefilokur s"; Herr Dr. Hofmann. — abends d Uhr Lange- .... n ** Die glückliche Geburt eines Töchter- ■ chens zeigen in dankbarer Freude an Jerome Dreyfuß u. Frau Hertha geb. Grünberg Berlin, den 27, Oktober 1924 Holzmarktstr. 4 29. Tisehri 5685

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