Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 41-42 (9.10.1924)
- Date
- 1924-10-09
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Nr. 17 Zs r ’3L 9. Oktober 1924 Herz blieb verschlossen, und auch die eines Ehofez Chajim vermochte es nicht zu rühren. Vergeblich War lein ergreifend^. Eintreten Mr die?Möra, vechebe^Wxm MrhOK zum Einstellev der, ZroistigMen,.. KergechtzM^eMe flehentliche Bitte, die gegenseitigen Verunglimpfungen ünd die Zwietracht, die selbst im Lager "der Gottestreuen erschreckender Weisewütet, fahren zu lassen. Der Kampf und der Streit hat sich im Gegenteil noch verschärft, und eine drohende Gefahr, welche im Anzug ist, will die Gesetzestreüen in Stücke zerreißen. Im Osten wie in Erez Israel haben sich die verschärft und auch im' Westen, der sonst bisweilen ein Musterbild vonrnnn« und Eintracht war, wird jede Stimme der Vernunft übertönt von dem Geschrei um den —"nnnrr« .. - . . Durch diesen erbitterten Kampf ist selbstverständlich sehr viel reale, praktische und nutzbringende Arbeit für den Klall lahmgelegt worden. Uns Ausländem steht nicht das Recht zu, uns in interne Angelegenheiten eines fremden Landes einzumischenwir können uns jedoch des Gefühles des Bedauerns nicht erwehren, das uns erfaßt, wenn wir an die heftige Diskussion gedenken und an die Zwistigkeiten, die sich innerhalb der deutschen Orthodoxie Bahn gebrochen haben. Das Bedauerlichste daran ist, daß unmittelbar nach der Knessio hagdaulo und vielleicht als ihre direkte Folge, sich diese trennende Kluft innerhalb' der deutschen Orthodoxie auftat. Die Knessio hagdaulo, die versucht hatte, ihre Kette durch neue Glieder zu verstärken (Aufnahme der ungarischen autonomen Orthodoxie) hat die Kette selbst zerbrochen, und viele gute und treue Söhne und tüchtige Mitarbeiter haben sich von ihrer Mutter (Agudas Iisroel) losgetrennt. Wir stehen vor schwierigen, schwer entwirrbaren Problemen und sind ratlos und machtlos. Von allen Seiten schwer bedrängt, von innern und äußern Schwierigkeiten eingeengt, ertönt aus unserer sehnsüchtigen Bmst der Ruf an affe: Tschuwo!!! Freunde von gestern, Gegner von heute, besinnt euch, haltet ein und überprüft die Gegensätze, die euch trennen und von denen ihr glaubt, daß sie unüberbrückbar seien, narpa lpna svVn Wohin sollen die hochgehenden Wogen, das Schifflein, das uns beide trägt, schleudem? Wohin sollen die endlosen Diskussionen über mn*»? führen und was sollen sie nützen? Auf ein Haus gibt es erste, zweite und dritte Hypotheken. Die irnny (Bürgschaft), wie sie die "rvnrw« -Partei vertritt, ist im besten Falle eine zweite oder dritte Bürgschaft. Es gibt aber eine erste Bürgschaft, die aus sich selbst für sich selbst bürgt, und wir wollen uns alle bemühen, zuerst diese sicherzustellen und den nas und den bei uns einkehren zu lassen. Wir neutralen Schweizer dürfen keineswegs gleichgültig zusehen, wie gute und ehrliche Gesinnungsgenossen sich gegenseitig Herunterreißen und befehden. Wir haben genug Argumente für und Fegen nmjr gehört. Beide sind in ihrer Art gerechtfertigt ö’pVK ’W i!?rr aber aus eben demselben Grunde auch ungerecht. Die Einen, weil sie sich lossagen, sich 'trennen im Namen der „Einigkeit" und eine Wunde in den Volkskörper schlagen und die andern, weil sie direkt oder indirekt den Anlaß hierzu gegeben haben und nicht ernstlich versucht haben, die entstandene Wunde rechtzeitig zu verbinden. Die Debatten, die sie eröffneten, nachdem die Tat geschehen war, 'sind nutz- und fruchtlos. Auch ist der Umstand, daß manche Eiferer sich erdreisten, die Grenze der gegenseitigen Achtung zu überschreiten, wirklich eher dazu angetan, die bereits bestehende Kluft zu erweitern als zu überbrücken, sodaß sie nicht der Sache des Guten, sondem der des fvn dienen. Dieser trennende Riß hätte eigentlich schon bereits an der Knessio hagdaulo in Szene gesetzt iKdeNsoWi. GMe . .. ersanintWe siMkn ÄUrerW WuppW uWMM größere, oppositionelle Gruppe zu schaffen, die HrMMisiert vtzrMer^HstksM Kagdgulv Mftretetz ReKtsströmungen äufnehmen. PerSchrewer dieser Zeilen hat sich jedoch bemüht, die Opposition von ihrem Vorhaben zurückMhalten>'UM die Ehre der ersten Knessio hagdaulo zu retten und zu schonen. ' - ' : Als nach Schluß der Knessio hagdaulo die erste Gründungsversammlung des Zentralrates stattfand, ließ sich die Opposition nicht mehr zurückhalten. Die Sitzung nahm einen stürmischen Verlauf. Ohne auf unliebsame Einzelheiten einzugehen, stelle ich jedoch fest, daß die „Achdut" nicht in Berlin, noch in Frankfurt, sondern in Wien gegründet wurde und daß bereits Keime davon auch in andere Länder übertragen wurden. Diejenigen, die dieses vielleiicht unwollend bewirkten, mögen dessen eingedenk sein. An ihnen liegt es dann, eine andere Atmosphäre zu schaffen, wo die Luft rein Und gesund ist, zur endlichen Gesundung der Aguda und zur Gesundung aller Interessen der Gesetzestreuerl. Möge das einkehrende Iahr uns mehr Trost, mehr Glück und mehr Erfolg bringen als das scheidende und möge es vör allem den wahren Frieden herbeiführen, wenigstens unter den Iereim. v'aiv ü'd onnn ppoii nsn iron Bericht des Vorstandes der Jugend-Organisation über die Arbeiten imletzten halbenJahre. (Wegen Raummangels verspätet.) Bezirkssekretariä t e. unsere Veranlassung in oldenburgischen Gemeinden den Unterricht von Kindern, die sonst diesen hätten entbehren müssen. Obwohl die Erteilung von Religionsuntrericht nicht Mfl WEM WSOsVÄG wjt WGAM den Notrufen aus den hier genannten Bezirken Gehör das, jüdische Leben in den von dieser Tätigtest erfaßten Orten vollkommen erloschen wäre. v ' .. - ^Presse: * "" ''~ Die A. I. I. O. gab in der^ Berichtsperiode zwei Organe heraus; und zwar das, Nachrichtenblätt und das Tendenzblatt. Das' Nachrichtenblätt vrintzt regelmäßig Berichte über die Vorgänge im jüdischen Leben, ferner Berichte über die Gruppentätigkeit. . Das Tendenzblatt bringt zu Propagandazwecken geeignete Artikel. Es besteht die Absicht, um der Zersplitterung in der ägudistischen Presse nach Möglichkeit vorzubeugen, beide Organe miteinander zu verschmelzen. Obwohl über einen Mangel an Abonnenten ' bei beiden Blättern nicht geklagt werden kann, wäre : zu wünschen, daß das darin enthaltene wichtige Material noch mehr Verbreitung auch unter den einzelnen Jugend- und Ortsgruppenmitgliedern fände. Soziale. Tätigkeit. Hs wurde hier gearbeitet auf dem Gebiete dev Stellenvermittlung, der Kinderfürsorge und der Ferienheime. Die Stellenvermittlung arbeitet unter Leitung des Herrn Joel Sänger.in Frankfurt in vorbildlicher Weise. Leider hat sie-besonders unter der Not der Zeit, zu leiden, da das Angebot von .Stellen im Augenblick ganz. Minimal ist. Es ist zu verwundern^ daß trotzdem eine ziemliche Zahl" von Stellen durch ihre Vermittlung besetzt wurde, Dringende- Pflicht eines jeden orthodoxem Arbeitgebers ist es, zunächst die Stellen, die vakant, find, unserer Stellenvermittlungszentrale zu . melden, damit in den Schabbos geschlossenen Häusern m eftter Linie- Schaumre Schabbos Unterkommen, da diese in den heutigen Zeitläufen natürlich besonders große Schwierigkeiten haben. Die Stellenvermittlungszentrale. kann augenblicklich jederzeit tüchtige Bewerber namhaft. Machen. Die Kinderfürsorge ist heute für unsere Großstadtgruppen ein unbedingt nötiges Arbeitsgebiet,' da dft heutigen Verhältnisse es vielen Familienvätern nicht, mehv erlauben, ihren Kindern den notwendigen Ferienaufenthalt, den diese aus gesundheitlichen Gründen oft dringend benötigen, zu gewähren. Wir brachten Kinder unterin Davos, in Kolberg, Elmen u. a. Orten. Unsere Land- . f. .E-m folgenbe _ ©efretariate: D°- 'WliVNLL L LL dem Sitz m HLllbroNN, das fäch-idjgg bisher in hanfensmerter Ntaiie fiorotf« riet (hebert Kt slsche mit dem Sch IN Leipzig, das ostfriestsche Mlt dem Sitz in Emden. 1. Das württembergische Sekretariat wird verwaltet von Herrn Marcus Posen. Dieser hat bisher sehr zu unserer Zufriedenheit gearbeitet und u. a. viele neue Gruppen ins Leben gerufen. Er unterhält einen regen Konnex mit den dortigen jüdischen Gemeinden und Lehrern. Seine Arbeit hat auch bei den ortsansässigen Agudisten regen Anklang gefunden. Am 18. d. M. wird in Schwäbisch-Hall der erste Bezirkstag der württembergischen Gruppen abgehalten, der die ganze dorttge Arbeit auf eine breitere Basis stellen soll, und der, soweit man bisher übersehen kann, guten Besuch erhalten wird. 2. Das sächsische Bezirkssekretariat lag in der vergangenen Berichtsperiode in den Händen des Herrn Sußmann. Herr Sußmann mußte sich leider bisher im wesentlichen auf die Bearbeitung der Leipziger Jugend- und Ortsgruppe beschränken, während er organisatorisch in der Umgegend weniger hervortrat. Er leitete, wie uns berichtet wird, die Schiurim der Jugendgruppe und hielt in Leipzig einige Vorträge. Herr Sußmann verläßt uns Mitte dieses Monats. Es ist zu hoffen, daß sich bald ein geeigneter Nachfolger finden wird, damit die Ansätze, die das agudistische Leben dort gezeitigt hat, nicht wieder verfallen. Es ist für die nächste Zeit in Aussicht genommen, auch den sächsischen Bezirk organisatorisch sehr stark zu bearbeiten, da dort für die Agudas Jisroel guter Boden vorhanden ist. 3. Dem ostfriesischen Bezirkssekretär, Herrn Boley, stehen in der heutigen Zeit erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Zwar ist dort auch ein größerer Kreis von Jereiim vorhanden, aber das Schulwesen liegt in diesem Bezirk sehr stark im Argen, und unter den heutigen Verhältnissen verschlimmert sich die Lage auch insofern, als auch von den vorhandenen Lehrerstellen wichtige abgebaut werden sollen. Herr Boley richtete seine Tätigkeit vor allen Dingen darauf ein, daß er dafür sorgte, daß der Schulunterricht dort möglichst gefördert werde. Er selbst erteilt auch an verschiedenen Orten Religionsunterricht, um so den nicht vorhandenen Lehrer nach Möglichkeit zu ersetzen. Selbstverständlich ist Herr B. auch organisatorisch für uns tätig und hat in feinem Bezirk ebenfalls einige neue Gruppen gegründet. Der am 31. ds. stattfindende ostsriesische Bezirkstag, zu dem auch aus dem benachbarten Oldenburg und Emsland Anmeldungen vorliegen, wird sich vor allen Dingen mit der Lehrerfrage zu beschäftigen haben. Zu gleicher Zeit findet auch eine Lehrertagung-.statt, aus der wir durch Herrn Boley und einen unserer Herren vertreten sein werden. Nebenamtlich für uns tätige Herren. Herr Lehrer Fein in Boppard erteilt in unserem Auftrag Religionsunterricht in den umliegenden rheinischen Gemeinden. Herr Lehrer Meyberg in Oldenburg übernahm auf dies bisher in dankenswerter Weift bereits, geschehen ist. Ferienheime, in denen Angestellte aus kaufmännischen Betrieben zu. verbilligten Sätzen ihren Erholungsurlaub verbringen können, bestehen bisher in Herrenalb, Salzbrunn, Brückenau, Bad Reinerz u. a. Auskunft überalle näheren Details erteilt die Stellenvermittlungszentrale jederzeit. Es ist geplant, diese Institution inr nächsten Jahr nach Möglichkeit auch Angehörigen von Angestellten zugänglich zu machen. Bisher 'war diesaus Mangel an finanziellen Mitteln nicht möglich. Propaganda. Hier ist in erster Linie die gute'Unterstützung zu erwähnen, die wir von dem Verband gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine in Bayern in der A. J.J. O. erhalten haben. Die Verbandsleitung, der leider bisher noch kein vollamtlich tätiger Sekretär zur Seite gestellt werden konnte, hielt in ihrem Bezirk zahlreiche Versammlungen und Vorträge mit gutem Besuch und Erfolg ab. Leider liegt die Organisation von Vortrags-Tourneesgeeigneter Redner bei uns noch sehr im Argen. Trotz unserer Bemühungen sind hier nur wenige Vortragsreisen zuständegekommen. Wir werden unsere Hauptaufmerksamkeit auf dieses wichtige Tätigkeitsgebiet in derkommenden Zeit zu richten haben. Ritualien. In der Berichtsperiode war hier vor allem erwähnenswert, daß es gelungen ist, unsere Mitglieder in weitgehendem Maße mit stark verbilligten Sforim zu beliefern. Hier verdient vor allen Dingen das Entgegenkommen zahlreicher Verlagsanstalten und Buchhandlungen dankenswerte Erwähnung. Wenn von dieser Einrichtung noch größerer Gebrauch gemächl würde, d. h. also, wenn unser Umsatz an Büchern noch größer wäre, so wäre es uns ein Leichtes, da wir den Buchhandlungen viel Arbeit ersparen, noch billigere Preise zu erzielen. Wir belieferten auch im letzten Halbjahr unsere Gruppen, vor allem auf dem Lande, mit billigen Tefillaus, Tefillin, Mesusaus, Zizis usw. Leider ist hier zu erwähnen, daß die Bezahlung der gelieferten Ritualien, vor allen Dingen der gelieferten Mazzaus, nicht immer mit der genügenden Promptheit vorgenommen wird, so daß wir hier gezwungen waren, Darlehen auszunehmen, die unsere Ritualienkasse aber auch nicht ganz über Wasser zu halten vermochten. Finanzen. Leider ist auch hier festzustellen, daß die Gruppen genau wie in den Jahren der Inflation mit ihren Beiträgen erheblich im Rückstand sind. Auch der Spendeneingang bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Hier liegt es an den Gruppen, für baldige Abhilfe zu sorgen, was trotz des allgemeinen Abbaus bei den heutigen stabilen Geldverhältnissen nicht allzu schwierig sein dürfte.