Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 41-42 (9.10.1924)
- Date
- 1924-10-09
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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fiepausgegeßen nondeplandesopganifation der Agudas>Jtseoe( ln Deutfekkand. | ^0. Jahrgang * Frankfurt a. A7., den 9. Oktober ^924 / \\. Tischri 5685 Nummer J 1 Erez Jisroel-Erde. Zweitausend Jahre sind es her, daß. wiw den Erez Jisroel-Boden verlassen haben, die Erez Jisroel-Erde hat der Jude in seiner Wandertasche mit hinaus genommen in die Golusfremde und nimmt sie mit ins Grab, um so seine , innige Verbundenheit mit dem heiligen Boden über den Tod hinaus in sinniger Weise zu dokumentieren. Von einer altem besonders geweihten Synagoge in Babylon erzählt uns der Talmud, daß sie aus Erde, Steinen und Ziegeln hergestellt war, welche die Ausgekriebenen aus der Palästinaheimat mit ins Eril genommen hatten. Zu „betreuen ihre Steine und ihre Erde, zu liebkosen", pirfri N'^arr his*^ «nsjr max bei Wunsch und der Drang, die Israels Dichter und Denker durch Länder und Meere, Mühen und Gefahren ins Heilige Land trieben. Der Besitz des Häufleins Grez Jisroel-Erde für Tod und Grab war indes nur ein Symbol für den Erwerb des Erez Jisroel- Bodens für die Bauarbeit des Lebens. Wer wird sich einer günstigen Gelegenheit entziehen wollen, das Symbol der Erez Jisroel-Erde zu einem solchen des Erez Jisroel- Bodens zu steigern? Die „Agudas Jisroel" hat in „Emek Jsreel" im Norden Palästinas, zunächst 4000 Dunäm Boden erworben, um ihn in kleinen Parzellen zu billigen Preisen an Interessenten und jüdische Palästinafreunde weiterzugeben. Der Dunam kostet 50 Mark, aber schon für fünf Reichsmark kann man sich ein Stückchen Boden vonmvrr^i erwerben, das, wenn auch nur von symbolischer Bedeutung, das Hochgefühl in uns erweckt, Bodenbesitzer in Erez Jisroel zu fein. Man kann ja schon für eine Reichsmark sich einen Quadratmeter Boden erwerben und sich die angrenzenden Parzellen reservieren lassen, um den Kauf nach' und nach zu vergröbern. Ein Dunam Boden kommt für landwirtschaftliche Zwecke nicht in Betracht, ist aber als Baugrundstück schon brauchbar, was freilich erst später, wenn Ansiedlungen auf diesem Komplex geschaffen sind, seinen praktischen Wert erhält. Vorerst kann nur zweierlei ins Auge gefaßt werden: Interessenten, die über größere Summen verfügen, um mehrere hundert Dunam zum Zwecke der landwirtschaftlichen Bebauung zu kaufen, haben die Möglichkeit, sich in Erez Jisroel auf zukunftsreichem Boden anzusiedeln, und dabei der Spekulation und den hundert Formalitäten, die dem Privaten den Bodenankaüf in Palästina erschweren, zu entgehen. Tausende und Abertausende werden aber freudig die Gelegenheit wahrnehmen, mit geringen entbehrlichen Mitteln sich kleine Teile heiligen Bodens zu sichern, die von höchster moralischer Bedeutung für ihr jüdisches Bewußtsein, von größtem Einfluß auf ihre Liebe zu Erez Jisroel, auf ihr Interesse für die Erez Jisroel-Arbeit sein werden. Gäbe es wohl ein sinnigeres Geschenk für Leute, die man aus irgend einem Anlaß ehren und erfreuen will, als ihnen eine Urkunde über ein ihnen zugedachtes Stückchen Boden auf den Tisch' zu legen, die den Spender nicht mehr kostet als ein besseres Blumenbükett, das nach einem Tage vergilbt, verwelkt und auseinander fällt?! Tschuwo. Von einem schweizerischen Agudisten. Wir sind jetzt in den Tagen der Tschuwo, in der Zeit des stillen Nachdenkens, der innern Reue, des erneuten Gelöbnisses zum Guten und Edlen und Her Rückkehr zur ehrlichen, reinen und wahrenf Vernunft. Wir Hallen Rückblick über das vergangene Jahr. Hallen Einkehr bei uns selbst, um aus gewonnener Erkenntnis unfern Weg für das neue Jahr 5685 festzulegen und ihn dann voll innerer Zuversicht zu betreten. Diese Tage sind bedeutungsvoll für den Einzelnen, wieviel mehr aber noch für den Klall (Allgemeinheit),- ist doch die Verantwortung des Klall viel weitgehender und einschneidender und ein Verschulden seinerseits viel schlimmer und verhängnisvoller als das des i'N' (Einzelnen). Unter dem Wort „ftlall" fassen wir die Gemeinden, größere und kleinere Organisationen und Vereine, soweit sie sich mit jüdischen Dingen und Fragen befassen, zusammen. Und so wie der (Einzelne) müssen auch die Gemeinde, die Organisationen und Parteien am vsvvn öy» (Gerichtstag) Rechenschaft über ihr Tun und Lassen vor dem sinn ba vsiv (Göttlichen Gericht) ablegen. Sie alle müssen den Beweis erbringen, daß sie ihren Prinzipien und Ideen die Treue gehalten und nach' ihnen gehandelt haben. Sie müssen Zeugnis davon ablegen, inwieweit sie sich bemüht haben, der Gesamtheit zu dienen und ihr nützlich zu sein. Sie müssen überprüfen, ob die Interessen, die sie glauben vertreten zu müssen, dem Sinne des wahren Judentums und dem Sinne der Gesetzesvorschriften entsprechen und ob die Mittel und Maßnahmen, die sie anwandten, um ihr Ziel zu erreichen, Erfolg hatten oder versagten. Dabei muß sich ihnen die Frage aufdrängen, ob nicht das eine oder andere Mittel allzu schärf und daher in seiner Wirkung schädigend war und ob sie nicht bisweilen das Objektive mit dem Subjektiven, das Gemeinschaftliche mit dem Persönlichen verwechselten. Tschuwo ist heute das Wort, das aus aller Mund ertönt und in aller Ohren erklingt und in alle Herzen eindringen muß. Sowohl der Einzelne als auch die Gesellschaft muß Einkehr bei sich selber halten, sich zu seinen Fehlern bekennen, um dann einsichtig den Weg zur Besserung einzuschlagen. Zwei Dinge sind es. aus denen Tschuwo besteht: narrt» Vs? rrt>aj?i‘nsrn mm die Reue über das Vergangene und die daraus sich' ergebende Verpflichtung für die Zukunft, nicht mehr in die alten Fehler und Jrrtümer zu verfallen. In der Tat, vieles wurde verschuldet, allseits wurde gesündigt und gefehlt, vernachlässigt Und versäumt zum Schaden der Gemeinschaft. Aber wir wollen nicht den iLRvmrr nvn bp (Sündenbekenntnis) aus einem „fremden" nun» lesen, sondern aus unserm „eigenen" nun». Wir wollen nicht die Verfehlungen anderer feststellen, sondern unserer selbst. Das scheidende Jahr 5634 war ein Jahr voller Hoffnungen und Verheißungen und zugleich bitterer Enttäuschungen. Es war voll von gewaltigen, vielversprechenden Ereignissen, doch ebenso sehr begleitet von Erfolglosigkeit, politischer Armut, Apathie und Lethargie. Unser größter Erfolg, den wir im verflossenen Jahr aufzuweisen haben, ist ohne Zweifel die Knessio hagdaulo. Endlich, nach einer Reihe quäl- und leidvoller | Jahre, seelischer und körperlicher Leiden, wurde | uns die Knessio hagdaulo zum gewaltigen, liefen ß Erlebnis. Gleich einem Lauffeuer hatte sich | der Werberuf zur Knessio hagdaulo im ganzen | jüdischen Volke verbreitet. Aufatmend nach | langer Bangigkeit hat das Judentum die oer- | heißungsvolle Botschaft der Knessio hagdaulo 1 empfangM. Viele haben darin einen nvrta fia'j?, j den Auftakt zur Wiederbelebung des historischen | altjüdischen Geistes und den Willen zur Be- 1 freiung aus der moralischen Versunkenheit der I jüdischen Seele erblickt. Gerade nachdem Sokolow 1 den 13. zionistischen Kongreß einen ms» 12 -Konf greß nannte, kam die Knessio hagdaulo und | verkündete das "'Nvovr die Befreiung des J historischen Judentums von seiner moralischen fj Versklavung und von seinen Bevormundern, die | das Volk bisweilen irregeführt hatten. Breiteste ß Schichten des Volkes richteten ihre Augen in | glaubensvoller Sehnsucht auf die Knessio Hag- 1| daulo und erhofften von ihr die Erfüllung sehn- | suchtsvoller Wünsche zum Seelenheile des jüdi- If schen Volkes. Erfüllt von hoffnungsvollen Ge- | danken und in strahlender Begeisterung sind wir f zur Knessio hagdaulo gegangen. Als wir in Wien ankamen und all die »'»am -ärt>rn '»'»juu $ ban ’isp ^a», all die Großen und Weifen unf seres Volkes sahen, die von allen Richtungen | der Welt herbeigeeilt waren, wurden wir in J unseren Hoffnungen und in unserem Glauben | noch mehr bestärkt. Wir glaubten, an einer | neuen Aera der Geschichte angelangt zu sein. | Leider hatte uns das Wiener Organisations- 1 komitee einen Saal zur Verfügung gestellt, dessen | „Akustik" eine schlechte war. Und es will J scheinen, als ob diese schlechte „Akustik" des | Saales sich auch auf die innere „Akustik" der | Anwesenden und der übrigen Welt übertrug. | Viele von Herzen kommende und zu Herzen J gehende Worte sind zum Volke gesprochen wor- | den. Die Rabbeim, die Rabbiner und zuletzt % die Politiker, sie alle haben denselben Gedanken t ausgesprochen, der gleichen Ueberzeugung Aus- | druck verliehen und in gleichem Sinne an die Herzen des Volkes appelliert. Sie alle riefen | nach einer Einigung und Sammlung aller Volks- 1 teile, nach Einprägung und Verpflanzung der | Thoragedanken in das Innere des Herzens und b in die Tiefen der Volksseele und nach der Besiedelung und dem Wiederaufbau Erez Israels. J Aber die „Akustik" war leider zu schlecht. j»wn ntn oyn ab, es fehlte den breiten Volksmassen | ein sogenannter Radio-Apparat, der die Stim- | men der Großen Israels auffangen soll. Und f so stehen wir heute wie vor Jahresfrist v'bna P »'viai geistig verarmt und verwaist: rww1? imp | 1'Ri- Wir hofften auf Hilfe, aber vergebens. Ä Die Wichtigsten Probleme sind heute wie vorher | noch immer ungelöst, die innen- und außenpolitischen Krisen sind immer noch nicht behoben. | Unsere Sorgen haben sich vermehrt und unsere $ Hoffnungen verringert. An unserem politischen Horizont dräuen schwarze Wolken und der Aus- |j blick in die Zukunft ist recht düster. Weder in fj Erez Israel, noch im Golus ist es uns gelungen. $ unsere Lage und Stellung zu verbessern, wir $ haben weder materielle, noch« ideelle Fortschritte | aufzuweisen. Dem Streit über die Jewish fj Agency hat sich jetzt noch ein neuer ungeheurer;$ Kampf wegen des Gemeindegesetzes in Palästina | beigesellt, welches in seiner derzeitigen Fassung J der Orthodoxie geradezu jeglichen Boden unter 1 den Füßen wegnimmt. Aber auch in unsern | eigenen Reihen hat die Knessio hagdaulo nicht f den genügenden Erfolg gehabt. Das jüdische fj