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Der Israelit · 1924-10-09 · Heft 41-42 (9.10.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 41-42 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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AusWeff un<{ JLete Ülluslrierfe Beilage zum,, Osraelif Die neue Synagoge der Isvaeliliseken DekgionsgeseWekost in Züviek (Mit Bildern.) Ueber die Errichtung und Einweihung der neuen prachtvollen Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinde haben wir bereits berichtet. Ueber die Geschichte dieser ersten selbständigen orthodoxen Gemeinde in der Schweiz entnehmen wir der 1.9ß. Z. folgende Angaben: Es waren die jetzigen Mitglieder der Gemeinde Josua Goldschmidt und Josef Ettlinger, aus Frankfurt a. M. kommend, wo sie im Milieu der Religionsgesellschaft gelebt und den Geist S, R. Hirsch's eingeatmet hatten, die iy Gemeinschaft mit dem inzwischen verstorbenen Isidor Kohn aus Baden bei Wien das erste Minjan gründeten. Diese jungen Leute, die in Zürich in Stellung waren, sahen sich vor der Unmöglichkeit, ihre an Gemeinsamkeit ' gebundenen jüdischen Pflichten zu erfüllen. Am Gottesdienst der bestehenden Gemeinde konnten sie nicht teilnehmen, weil in deren Synagoge ein kirchliches Musikinstrument und ein gemischter Chor von Herren und Damen es ihnen unmöglich machten. Eine.Stätte des Thoralernens zur Erlangung der jedem bewußten Juden . lebensnotwendigen geistigen Nahrung fanden sie nirgends und selbst ihre leibliche Nahrung mußten sie, damit solche dem Thoragesetze entspräche, auswärts einnehmen oder von dort beziehen. Sie fanden Verständnis und Gesinnungsgemeinsamkeit in dem verehrten Nestor unserer Gemeinde, Herrn Leopold Weil. Um die Einrichtung eines Gottesdienstes nach Thoragesetz und Vätersitte zu ermöglichen, stellte Herr Weil! einen Raum in seiner Wohnung zur Verfügung und im Februar 1890n»Vtfi rurns wurde darin ein solcher erstmals abgehalten. Daß sich dafür die nötige Zehnzahl fand, beweist das damalige Vorhandensein einer Anzahl Gleichgesinnter, die nur des Anstoßes und der Gelegenheit zur Betätigung ^bedurften. Das Minjan verblieb einige Monate im Hause des Herrn Leopold Weill und wurde dann in den Saal des damaligen „Schützengartens" verlegt. Die Grundlage für, eine besondere gesetzestreue Gemeinde war mit diesem den Anforderungen der Thora und Tradition entsprechenden Gottesdienste, dem sich regelmäßige Lern-Schiurim anschlossen, gelegt und führte im August 1895 zu der Gründung einer Religionsgesellschaft durch die Herren Gabriel Vernheim. Leon Bloch, A. Gutmann, Raphael Lang, Hermann Weill, Joseph Weill und Leopold Weill. Dreißig Jahre sind seitdem verflossen. Es waren Jahre der steten Weiterentwicklung, rein zahlenmäßig wie in ideellem Sinne. Heute zählt die Züricher Religionsgesellschaft ihre Mitglieder nach ' Hunderten, besitzt eine prächtige Synagoge und in den Herren Lewenstei n und Kornfein zwei Rabbiner, die bestrebt sind, sie weiter zu führen mwn todVi * * * Dem religiösen Weiheakt, über den wir bereits berichtet haben, schloß sich abends ein Festmahl im großen Saal „Zur Kaufleuten" an, das einen herrlichen Verlauf nahm. Alle Gemeinden der Schweiz waren vertreten und viele überbrachten kostbare und sinnige Geschenke. So stiftete die Israelitische Kultusgemeinde Zürich ebenso die Gemeinden Baden, Lausanne und Luzern Thoraschmuck und Pokale, die alte Muttergemeinde Lengnau eine Thorarolle. Eine große Anzahl guter Reden wurden gehalten. Fast alle Gemeinden der Schweiz entsandten durch ihre Vertreter ihre Grüße. In großangelegter Rede hob der Präsident der Kultusgemeinde, Herr D. Charles B o l l a g, das fried iche, herzliche Verhältr.is zwischen Ku tusgemeinde u d Religionsgesellschaft hervor. In gleichem Sinne sprach Herr Rabbiner Dr. L i t t m a n n, während die anderen Redner, zuletz > der Präsident der Religionsgese'lschaft, Herr Teplitz, die Aufgaben der Gemeinde zur Verbreitung von n«*n min unterstreichen. — In einem Lande und einer Sladt, die den staatlichen Zwang in religiösen Angelegenheiten des Judentums nicht kennen, konnte sich dieses friedliche Nebeneinandersein in der Tat in dieser idealen Form entwickeln, in der Weise, daß sich die Kult« sgemeinde niemals als die Gemeinde aufspielte und nie den Versuch machte, der Entw'cklung der Religionsgesellschaft irgend ein Hindernis in den Weg zu legen, was Teilnehmer aus Deutschland sehr wohltuend berührte, im Vergleiche zu den Verhältnissen in manchen Staaten und Städten Deutschlands, wo die Reformgemeinden sich als „Hauptgemeinden" gebärden und auf die Gesetzestreuen, die von ihrem religiösen Gewissen gezwungen, sich in einem eigenen Gemeindeverband finden, wie auf eine Die neue Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich. "-y-:

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