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Der Israelit · 1924-10-09 · Heft 41-42 (9.10.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 41-42 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Teile 4 Nr. 41/42 Der Israeli: 9. Oktober. 1924 erhöhte Stufe durch das Losungswort: „In Hütten sollt Ihr wohnen!" Sie hält zunächst die Hütte im Vordergründe, setzt aber den Menschen hinein und fügt für ihn die Forderung des wohnhaften Aufenthalts bei. Und schließlich steigert sie den Gedanken der Sukkoh zu seinem Gipfelpunkte, indem sie das Gebot des Wohnens mit vollem Nachdruck voranstellt. Auf dieser Stufe erscheint der Begriff der Mizwoh vollkommen für Israel ausgeprägt. Die Tauroh wendet sich infolgedessen hier unmittelbar an Israel, das sie zur Erfüllung der Mizwoh mit den Worten aufruft: „Jeder in Israel Eingeborene wohne in den Hütten!" — Die geistige Hochburg des Judentums. Von <£. Boischko in Montreux. (Schluß.) Der Schrei ertönt aber von alleine und geht in die Tiefen des jüdischen Herzens, mahnt uns an unsere heilige Pflicht, den Trägern unseres hohen Geistes, deren Schicksal in unsern Händen liegt, in ihrer Bedrängnis zu helfen und die Lehistätten vor Zertrümmerung zu retten. Bilden doch die Ieschiwojünger von Litauen bis Palästina, etwa 25 000 an der Zahl, wie seinerzeit die Schüler Rabbi Akibas, unsere nati onale Armee. Nicht mit dem Schwert, sondern mit den Waffen der Idee, 'fma ax '2 rb2 xV mit der starken Kraft der traditionellen Kultur und der sittlich hohen Intelligenz, mit der Reinheit ihrer Seelen und der Lauterkeit ihres Charakters, schützen und stützen sie das Volksgut, das seit Jahrtausenden erhaltene Erbe. In den Jeschiwos leben die heroischen Matrosen. die das jüdische Schiff in gefahrvoller Stunde vom Versinken retteten. Die jüdische Jugend ist es, die heldenhaft für uns darbt und kämpft, in ihr allein liegt die Gewähr für unsere Zukunft. Und es ist Ehrenpflicht eines jeden Juden, diese geistige Elite, diese genialen Kräfte unseres Volkes dem Volke zu erhalten. Aber selbst wenn wir ihnen nichts schuldig wären, wo bleibt denn das tn Vs? *nas?n x?» wo das Vrudergefühl, wo das menschliche Erbarmen bei diesem herzzerreißenden Elend? Die Thora, die »n Va dx, die Mutter aller Ideen und Kulturen, und die erste leuchtende Fackel, die die Finsternis der Welt erhellte, steht heute inmitten aller strahlenden Kulturen wie eine lichtlose Sonne und klagt ob ihrem Elend und ihrer Beschämung. vnV 'ix :nnaa Vix> na m' Vaa mm Vs? nmVs?» Vxns?'V. Haben wir je gesehen, daß Universitätsprofessoren in die Fremde gingen, um etwa für die materiellen Bedürfnisse ihrer Schüler zu sorgen? Ist es nicht ein trauriger Anblick, sehen zu müssen, wie bedeutende Männer, Thorafürsten wie Rabbi Look, Rabbi Mordochai Epstein von Slobodka und der Kownoer Raw Schapiro, vor dem Pesachfest ihr Heim verlassen mußten, um nach Amerika zu wandern? ’nixaa Vixs? np nVas?a a’pVx tsi rrm nV'n Vp ts? Vs •••iTnnn Während alle Hochschulen und Universitäten in neuer Blüte stolz auf uns herabschauen, stehen unsere Jeschiwos verkümmert und in einem elenden Zustande da. nvit pj?a nnna rrnnn Die Thora, in Trauerflor gehüllt, liegt in einem Winkel und weint ob ihrer Verlassenheit; sie klagt über das traurige Schicksal ihrer Getreuen, die infolge Kälte und Hungers erkranken, darben und zu Krüppeln werden. Die Kenessio Gedaulo hat es nun zu ihrer heiligsten Pflicht gemacht, diesem Uebel abzuhelfen. Sie gründete zu diesem Zweck den Keren- Hathora. Diese Institution sollte einem unparteiischen Direktorium unterordnet werden und die zufließenden Mittel sollen einzig und allein für die Jeschiwos bestimmt sein. Diese Institutionen zu unterstützen, ist Pflicht jedes Juden, welcher Partei er auch angehoren mag; denn die Thora steht über den Parteien und ist das historische Band, das alle Söhne Israels umschlingt. Wenn das Dach eines vielstöckigen Hauses brennt, so würde wohl keiner der unten wohnenden Mieter so o icht sin. zu wähnen, daß dieser in den oberen Stockwerken ausgebrochene Brand ihn nichts ängehe, denn bald können die Flammen auf das ganze.- Haus übergreifen und eine jede Rettung unmöglich machen. Nun ist die Thora das Dach, welches das große Volkshaus Israels deckt und beschützt vor Regen, Kälte und allen Stürmen! Wer kann und darf sich dieser seiner heiligen Pflicht entziehen? Das große Feuer des Weltbrandes hat verheerend auf das jüdische Haus gewirkt. Ein großer Teil unserer Jugend ging uns ideell verloren. Sie ging ins fremde Lager, suchte neue Ideen, neue Kulturen und neue Götter; sie fand wohl nichts, das ihren Geist befriedigen konnte, doch kehrte sie nicht mehr zu uns zurück und ging dem Judentum unrettbar verloren. Ein Teil dieser Jugend steht noch am Scheideweg; sie hat sich verirrt und findet den Weg nicht mehr. Ein Teil wiederum vertauschte das Ideelle mit dem Materiellen, verkaufte die miaa für ein Q'snj? ttj. Sie verließ das. Beshamidrosch und warf sich in den Kessel des materiellen Lebens und des materiellen Glückes, sei es durch Arbeit oder durch profanes Studium. Und so gestaltet sich die Verbrüderung des Ostens und Westens zum großen Fluch des O st e n s7 Was im Westen leider schon längst Tatsache ist, soll nun auch an andern Orten ausgeführt werden. Im Westen opfert die Jugend ihre besten Jahre und Kräfte auf einem fremden Altar. Aber vom Judentum wissen sie nichts. Das mmxn as? herrscht sowohl in .den frommen wie in den nichtfrommen Kreisen. Höchstens zur msa lernt das Kind etwas jüdisch lesen, manchesmal in lateinischen Buchstaben und zusammen mit dem Vater spricht auch das Kind das '2-ivss? pa aus ... Und selbst die Rabbiner im Westen' widmen doch den größten Teil ihres Studiums der profanen Wissenschaft. Was verlangen denn die westlichen Gemeinden von ihrem Seelsorger? Daß er eine Universität absolviert hat! Aber ob er auch genügend Thorawissen hat, das kümmert sie gar nicht. Nur noch eine kurze Weile und bald werden wir dasselbe Bild auch im Osten sehen, denn auch dort beginnt der Schulzwang allgemein zu werden; dann wird auch Polen keine Rabbonim, sondern Rabbiner haben, keine a'nxa und keine a'aan 'TaVn, Rabbinerseminare anstatt Jeschiwos mm rrrnsn ♦ViOtt?’» i"n nrons?ns? und so droht der Thora die Gefahr, in Israel vergessen zu werden. Können und dürfen wir diese schwere Verantwortung vor Gott, vor der Geschichte und den späteren Generationen auf uns lasten lassen? In dieser ernsten Stunde müssen wir die herrschende Not erkennen und der herannahenden katastrophalen Gefahr mit unserer ganzen Kraft entgegentreten.'Die Jeschiwos retten und erhalten bedeutet das Judentum retten und erhalten. Keren Hajischuw und Keren Hajessod sind nur unserem Lande geweiht, aber was soll uns Erez Iisroel ohne Thora fein? Der Niedergang der Thora hat uns aus unserem Lande verjagt, «'min nx aanr Vs? pxrr max na V» Wenn wir also des Heils unseres Landes denken, müssen wir in erster Linie an uns selbst denken und bestrebt sein, die kranke Volksseele gesund zu machen und vor Vxi«?' px müssen wir haben ein historisches ganzes Vxns?' ns?, dessen Lebensnerv und lebenspendende Quelle die Vxmr?'min ist, so wie sie es immer war und immer sein wird. Abrahamitisches oder mosaisches Judentum? Girre AuscinaUdersehnng mit zeitgenöfstsche« Strömungen. 7.; . Bei den Heim kehr enden. Der sechzigste Geburtstag Nathan Birnbaum s hat naturgemäß Anlaß zu Auseinandersetzungen über die erfreulicher Weise stark zunehmende Heimkehr-Bewegung unter der jüngeren Generaiion der deutschen Juden gegeben. Einer dieser jugendlichen nais?n 'Vp> der, selber itt' gänzlich unjüdischem Milieu erzogen. in Gesinnung und Leben den Weg zum Gottesgesetz zurückfand, feierte Birnbaum als den Wegweiser, der die gänzliche innere Leere des forma^-nalionahüdifchen zionistischen Ideals klar erkannt und das erlösende Wort gesprochen habe: nur die alte Thora, Lehre und Gesetz geeint, vermag auch heute noch den Enkeln Abrahams. Isaaks und Jakobs das ersehnte, aulochthon jüdische Kulturideal und damit Lebensinhalt und ewige seelische Verjüngung zu gewahren. Dieses Bekenntnis veranlaßte Arnold Zweig als Hüter der zionistischen Religions-Neutralität in die Schranken zu treten und die ganze religiöse Renaissance-Bewegung im Kreise seiner jungen Parteigenossen als Symptom seelischer Schwäche abzutun. Die „ungeheure religiöse Entfremdung des West uden und die kommende und im Werden begriffene des Ostjuden" müsse „ihren Sinn gehabt haben" und könne „nicht zum Irrtum gestempelt werden:" Man brauche nicht die „alten Formen", nicht „Fasten, Tauchbad und Gemara", sondern „neue Worte von Gott", die aber nicht im Ghetto, sondern nur aus dem Boden des neuen Palästina wachsen könnten. Inzwischen solle die Jugend lieber das Gefühl der Leere aushalten, als sich der „Aguda-Kirche" zu verschreiben. Der also abgekanzelte junge Zionist — Dr. Robert Weiß — ist die Antwort nicht schuldig geblieben, sondern hat in "Worten, die offensichtlich aus dem wahrhaftigen Erleben jüdischer Werte im Lernen und Ueben fließen, Herrn Zweig klarzumachen gesucht, daß auch für den zur Thora Heimgekehrten nicht alle Probleme gelöst und das Streben nach höchster Wahrheit für ihn keineswegs in ödem Banausentuin erstickt sei, daß aber das beglückende Bewußtsein ihn geleite, in harmonischem Verein mit den aus dem eigenen Blute zu ihm redenden Vätern und Müttern den Weg des jüdischen Geistes und der jüdischen Tat auf dem sicheren Fundamente der Tradition mit fester Zielsetzung weiter zu beschreiten. Eine andere Antwort kam von pseudonymer Seite, hinter der wohl Hans Goslar zu vermuten ist. Hier wurde das Schwergewicht auf die Bedeutung des jüdischen Gesetzes als national aufbauendes Element gelegt und die Verpflichtung des Einzelnen zur Thoratreue aus dem Interesse der nationalen Selbsterhaltung und der Unterordnung des Individuums unter dieses Gesamtinteresse hergeleitet. Inzwischen hat aber ein Dritter aus diesem Kreise, zweifellos der bedeutendste innerhalb der Gruppe, Franz Rosenzweig, das Wort ergriffen; allerdings nicht zur Abwehr der Zweig'schen Auseinandersetzungen, wohl aber in der an sich merkwürdigen Wochenkalender. 11. — 18. Okt. 1824 / 13. - - 20. Tischri 5685. Samsiag Ott. lifu’Txn 13 nwn sonntag 12! 14 JTDD Montag 13 15 niacn -x ai' Dienstag 14j 16 maai 7a ai* Mittwoch 17 njnön *>irn n m» Donnerstag 46 18 Unnrt Vim 'i si» Freitag 17 19 isivn '1 DT> Samstag 18fa*liW 20 is?ia«T Vin nas?

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