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Der Israelit · 1924-10-09 · Heft 41-42 (9.10.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 41-42 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 41,42 Per I s r a e l i t 9. Oktober 1SÄ sondern besagt lediglich: jüdischer Geist, das heißt Thorageist und Thoralicht, siegen im Leben der Völker. Und diesem Siege gelten Palme und Gesänge unseres Sukkausfeftes. mm Wochenrrmdscha«. Zentralverein, Zionismus und preutzischer Landesverband. Der „preußische Landesverband von Synagogengemeinden", der den Ehrgeiz hat, seine Delegiertenversammlung zum Parlament der preußischen Juden und damit ungeachtet seiner religiösen Farblosigkeit zur Vertretung des preußischen Judentums selber werden zu lassen, ist eifrig mit der Vorbereitung der Wahlen für diese erste Delegiertenversammlung beschäftigt. Während die religiösen „Parteien"- die in diesem Wahlkampf en miniature um die Palme ringen, Liberale und Gemeindekonservative auf der ganzen Linie zu Kompromissen geneigt scheinen, hat der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" die Welt mit einer Kampfansage überrascht, die man diesem seit längerer Zeit in vornehmer Neutralität verharrenden Vereine nicht mehr zugetraut häfte. Die Parole, die der Verein ausgibt, soll — wenn man den zionistischen Duellen trauen darf — lauten: 1. Für deutsches Judentum und gegen den Zionismus. Keine Stimme für eine Liste, auf der ein Zionist steht. 2. Für jede Liste, orthodoxe oder liberale, stimmen, wenn sie keinen Zionisten enthält und keine Listenoerbindung mit einer Liste zuläht, die Zionisten enchält. 3. Sind im einzelnen Wahlkreis aussichtsreiche Listen gegen die Zionisten vorhanden, so unterstützt der Centralverein solche Listen. Sind solche Listen nicht vorhanden, so soll der Centrolvprein entweder die Aufftellung solcher Listen veranlassen oder eigene Listen aufstellen. Die Entscheidung hierüber bleibt den betreffenden Landesverbänden im Einvernehmen mit dem Hauptvorstand überlassen. 4. Die Frage des Zusammengehens mit dem Perband naiioncildeutscher Juden für den Wahlkampf wird der Entscheidung der Berliner Mitglieder des Hauptoorstandes überlassen. Zur Durchführung dieser Entschließung ist eine neungliedrige Kommission gebildet worden. Die Kommission wird weitere Anweisungen ergehen lasten: Meines Feuilleton. Kalenderbetrachtnng zum Jahre 5685. Während wir uns anschickten, einige kalendarische Notizen über das beginnende Jahr 5685 niederzufchreiben, fällt unser Blick auf den Aufsatz der „Frankfurter Zeitung" „vor 25 Jahren" der die damalige großzügige Feier zu Goethes 159. Geburtstage (27- und 28. August) dem Gedächtnisse der Zeitgenossen zurückruft. — Eine interessante Kakender-Remiszenz taucht beim Lesen dieses Aufsatzes vor uns auf. Dieser 27. August (Sonntag) bildet ein Unikum in der Geschichte des jüdischen Kalenders. Denn an diesem Tage war damals — 1899 — der eiste Selichottag, also an einem so frühen Termin, der seit Bestehen unserer Kalenderberechnung kaum oft oorgekommen sein dürfte, und soweit wir feststellen konnten, in den nächsten 100 Jahren sich nicht mehr er-, eignen dürfte. In dem beginnenden Jahre fällt wa vrri reichlich spät, am 29. September, immerhin kany er noch 6 Tage später fallen, und zwar im Jahre 1929,wo es erst am 4. Oktober gefeiert wird. Dieses späte Datum gehört ebenfalls zu den Seltenheiten, nun wird es bis zum Jahre 2000 nicht mehr Vorkommen. Das neue Jahr beginnt an einem Montag, es dürfte interessieren, in welchem Zahlenverhältnis die vier Tage, an welchen rr-s fa,en kann — Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag — stehen. Für diese recht eindeutige Stellungnahme gibt es eine sachliche und eine taktische Erklärung. Die erste besagt, daß das laute Bekenntnis des Zionismus zu einer fremden politischen Nationalität die staatsbürgerlichen Rechte der Juden gefährde» der Verein daher, dessen ratio essenäi eben bet ufc dieser staatsbürgerlichen Rechte ist, im Zionismus seinen Todfeind erblickest müsse. Der taktische Grund ist aber wohl die unangenehme Konkurrenz derer um Naumann, der „nationaldeutschen" Juden, die kein größeres Vergnügen kennen als die Anzweiflung der deutsch-nationalen Loyalität des Zentralvereins, und der insbesondere jede Duldung zionistischer Ansprüche als Hochverrat am Deutschtum plakatiert. Was uns betrifft, so müssen wir offen gestehen, daß wir zwar die entschiedensten Gegner des Zionismus sind, den wir nicht nur aus religiösen, sondern auch aus politischen Gründen bekämpfen, daß aber die vom Zentralverein angewandte Methode uns nicht besonders glücklich erscheint. Kurzerhand „deutsches Judentum" und „Zionismus" einander gegenüberzustellenals ob das Bekenntnis zum jüdischen Volksgedanken oder die Anerkennung des Baseler Programms mit der Treue der deutschen Juden zu ihrem Vaterland unvereinbar sei, ist eine Angerechtigkeit, die nur äußerste Verbitterung wecken, auf die Dauer aber an ihrer inneren Anwahrtzastigkeit scheitern muß. Will der „Zentralverein" die zionistische Strömung auf dem Delegiertentag möglichst zurückgedrängt wissen, so ist das sein gutes Recht, ja man kann sogar die möglichste Dämpfung der nationalistischen Strömungen, die das Judentum aus einer religiösen in eine poliittsche Gemeinschaft zu umwandeln drohen, als feine Pflicht befrachten. Aber Anstand und Klugheit fordern, daß man die Grenzlinie gegen Naumann dann ehenso zweifelsfrei zieht wie gegen die zionistische Politik, indem man diese wegen ihrer Uebertr-eihungen in her Gegenwart und ihrer Konsequenzen für die Zukunft, insbesondere bei der Jugend ablehnt, die staatsbürgerliche Treue aber und die deutsche Kulturgesinnung der Gegner. ausdrücklich bescheinigt. Wir selbst sind sicher, daß der Zionismus die aktivste ustd wohl die beherrschende Kraft auf dem Delegiertentag sein wird — das ist die weltgeschichtliche Rache der post den Liberalen und den Könseryativen auf die. zweite Rangstufe herahgedrückten religiösest Idee, die auf diese Werse von den vielgepriesenen ^gemeinsamen", blut- und rassenmäßigen Einheitsmomenten naturgemäß erdrückt Es beginnen am Montqg 28 Prozent aller Jahre, „ Dienstag 1? „ „ „ „ Dopnerstag 32 „ „ „ „ Samstag 32 „ „ „ also am meisten gm Donnerstag, am seltensten am Dienstag, letzteres nur dünn, wenn der vorausgegangene nvs an na» fiel. Das neue Jahr wird ein sogenqnntes „volles fein, d .h. es hat 355 Tage und ist ein Gemeinjahr. Das Verhältnis der 6 möglichen Jahresarten ergibt .folgende Tabelle. Es sind Gemeinjahre Schaltjahre mangelhaft . . 18 Prozent regelmäßig . . 46 „ ungefähr 33 */§ Proz. überzählig . . 24 „ Die regelmäßigen Gemeinjahre kommen also verhätnismäßig am häufigsten vor. Sonst wäre von dem neuen Jahrs kalendarisch noch wenig Bemerkenswertes zu sagen, wenn nicht das große Ereignis demselben sein besonderes Gepräge gäbe, es ist das erste der 28 Jahre umfassenden Sonnenperiode, und wird am Mittwoch, 8. April 1925 — naa ai» — dieses Ereignis durch Sprechen der nanar n'vrna n»s» rour gefeiert. Zu erwähnen wäre noch, haß mit beginnendem Jahre eineneue Schmittohperiode anfängt, nur zwar — stach Berechnung des Rambam — die 813. Periode. Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht, daß das neue im Hermon-Verlag erschienene Luach, das eine verdienstvolle Arbeit darstellt, in den verschiedenen für Frankfurt a. M. festgesetzten Zeiten mit dem Rödelheimer Luach nicht übereittstimmt. — So ist z. B, an Zaum Gedaljoh wird. Diese r e l i g i ö s e Idee des Judentums in ihrer Historischen Reinheit wird nicht von dem seiner „Größe" sich rühmenden Berliner „Landesverband^ repräsentiertsondern von seinem so bitter gehaßten und verfolgten Gegner.' dem Halberstädter aub gesetzestreuer preußischer (Mmesstden." Die Kinder oder.dieEntel her zioniMch-liberal-konservativen Arrängeüte des Berlister jüdischen „Geckeindeparlaments" werden zu? Erkenntnis dieser Wahrheit sicherlich heranreW. T>re BüÄve det Erwqchendßn. In einer ungarischen Stadt haben Erwachende Ungarn in einen Tanzsaalin deck sich jüdische Jugend zu einem von der dortigen Frauenoereinigung veranstaltetest Ball zusackmengefunden hatte, eine Bomhe histeisttzeworsest und zum Platzen gebracht. Es gab Tote und Verwundete. Das ereignete sich im Dezember 1923. Oktober 1924 standen die Bombenwerfer, die all die Zeit ihre Freiheit genossen und diese weidlich zu weiteren großen Plänen und Unternehmungen ausnutzen, konnten, vor Geriet und wurden samt und sonders freigesprochen. Dem Urteil ist natürlich eine länge Motivierung angehängt, wie von jeher üblich ünd schicklich in den Stätten des Rechtes aller Länder, M Mst äNr in diesem Fälle nicht zu lesen braucht... Die Begründung ergibt, sich klar von selbst: Die Attentäter sind ungarische RatiönLlhelden, und die BetrÜffenest sind Juden ... Als ob das nicht im neuen von der österreichischen Reichshälste getrennten Ungarn der Nachkriegszeit genügte! Es gibt Gegenstücke in Ungarn, die einem das Blut in den Adern stick Stocken bringen. Man hat unter der Hürthy-Herrschaft unschuldige Menschen, Männer und Frauen wegen eines Verdachtes, den die Denunzianten nie be-- legen und beweisen konnten, jahrelang in Gefängnissen unter Martern, die die Foltermaschinest der Inquisition in den Schatten stellen, verkommen lassen. Man hat junge Männer ihren Frauen entrissen, Söhne aus dey, Elternhause weggeführt und sie wurden , nicht mehr gesehen. Keine Stickme der Anklage erhob sich, und wo Richter zu einer Gerichtssitzung überhaupt in solchen Fällen zusammentraten, gab es harte Sttafen für geringfügige Vergehen, und» auch für solche, die gärnicht erwiesest werdest roynren. Hier waren eben die Beschuldigtest I ud est. ' ' ' ' ' " nach dem Röd^heim°^äch^F^^^gm^^^Fasten^ ende 6.42. nach dem Frankfurt-Luach Fastenbeginn 4.50, Fastenende 6.50 Jaum Kippur nach dem RLHeleheim-Luach Fastenbeginn 5.51, Fastenende 6.29; : nach dem Frankfurt-Luach Fastenbeginn 5.55, Fastenende 6.35, also relativ beträchtliche Differenzen. Es wäre zu begrüßen, wenn, mst Verwirrung beim Gebrauch zu verhüten, im nächsten Jahre eine gleich« förmige Berechnung durch gegenseitige Verständigung Platz greifen würde. Frankfurt a. M. Josef Bender. Etwas Kittel oder Von L. tzorwih in Cassel. Welcher jüdisch fühlende Mensch kann sich des tiefen Eindruckes erwehren, den eine betende Gemeinde auf ihn an den ehrfürchtgebietenden Tagen macht, wenn die Gebetstube mit den mit weißen Gewändern bekleideten Besuchern gefüllt ist, ihr Heyz vor Dem auszuschüttender das Gehet und Flehen erhört. Wer-das Festgewand noch nicht trägt, hat wenigstens'stur eine weiße Kopfbedeckung — ein sogenanntes Mützchen oder Käppchen — auf feinem Kopf. Auch Frauen Pagen weiße Festkleider, und dp meisten Plätze sind mit weißen Tüchern bedeckt — Thorarollen, Vorhänge-, und Decken zum Almemor sind ebenfalls in Hellen, weißen Farben. — So ist es.heute noch, in vielen Gemeinden; In einigen ist die geheingte Sitte geschwunden — sie ist ja nicht modern —; nur vereinzelt

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