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Der Israelit · 1924-09-25 · Heft 39 (25.9.1924) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 39 (25.9.1924)
Date
1924-09-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 2 Nr. 16 25. September 1824 dringlicher Rede darstellte. Die Eröffnungsfeier hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Zu den geschloffenen Sitzungen hatte die Krakauer Kultusgemeinde ihre herrlichen Beratungsräume und Konferenzzimmer^ zur Verfügung gestellt, so daß die technischen Bedingungen der Tagung die denkbar günstigsten waren. Als eine bei derartigen Kongressen immerhin nicht alltägliche Aufmerksamkeit muß die Tatsache festgestellt werden, daß das Mitglied des Zentralrates, Senator Stempel, in dem ihm gehörigen vornehmen Hotel Royal sämtliche Delegierte während der ganzen Dauer des Aufenthalts unentgeltlich beherbergte. Zum Präsidenten der Geschäftstagung, die Dienstag vormittag begann, wurden die Vorsitzenden des Zentralrates Herr Oberrabbiner Lewin - Sambor und Rabbiner Dr. M u n k - Berlin gewählt, zu Schriftführern die Herren A. S. Friedmann-Warschau für Hebräisch, Friedensohn - Lodz für Jiddisch und Wolf Jacobson- Hamburg für Deutsch. Rabbiner Dr. Pinchas K o h n -Wien erstattete in freier Rede den Geschäftsbericht. Der Redner schilderte die bisherige Tätigkeit der Agudas Jisroel sowie ihre Entwicklung seit der Kenessio Gedauloh. Der Bericht führte an zwei Stellen zu einer Kundgebung, und zwar als Redner die Stellung des extrem rechten Flügels der Orthodoxie zu Agudas Jisroel streifte. Redner sprach die Hoffnung aus, daß auch diese Kreise bald den Anschluß an die Agudas Jisroel finden werden. Das zweitemal steigerte sich der Bericht Dr. Kohns zu einem Protest, als der Redner der von verschiedenen Seiten mit den verwerflichsten Mitteln geführten Angriffskampagne gegen Agudas Jisroel Erwähnung tat. Charakteristisch für diese Angriffe, sagte der Redner, sei es, daß die Gegner nicht Agudas Jisroel als Organisation der jüdischen Orthodoxie in der ganzen Welt sachlich bekämpfen, sondern die Führer der Aguda zu diskreditieren versuchen, um dadurchdie Agudas Jisroel-Weltorganisation in den Augen des jüdischen Volkes zu verkleinern. Die Führer der Agudas Jisroel schweigen und werden auch in Zukunft nie auf diese häßlichen Angriffe reagieren, sie werden durch ihre Tätigkeit für die Agudas Jisroel und dadurch für das ganze jüdische Volk den Beweis erbringen, wie unwürdig Diese Kampagne war und ist. Der zweistündige Bericht, der sämtliche Gebiete der Tätigkeit der Agudas Israel einschloß, wurde von Herrn Rabbiner Tobias Horovitz ins Jiddische übertragen. Vor der Eröffnung der Generaldebatte gelangten unzählige briefliche und telegraphische Der Israelit D l S t t i i : , Begrüßungen zur Verlegung. Von dm Mitgliedern des G. A., der fast vollzählig erschienen war, wurden insbesondere schmerzlich vermißt die Herren Jakob Strauß-Frankfurt a. M. uNd I. M. Lewin-Warschau, die beide aus gesundheitlichen GKttdert die MP nicht üMrMWM könnten; ebenso war Rabbiner Gtodsensky- Wilna, wie er in einem herzlichen Begrüßungsschreiben mitteilte, aus Gesundheitsrücksichten am Erscheinen verhindert. In der Generaldebatte übten die Herren Eber-Kalisch, Rabbiner Schuster-Sokolka, Rabbiner KalmaNorvitsch- Rakow , Rabbiner Mörgenstern-Sokolow und Rabbiner Lewin-Bendin teilweise Kritik an den Leistungen des GA. Insbesondere wurde bemängelt, daß die Begeisterung der Kenessio Gedaulo organisatorisch nicht genügend ausgenützt worden sei und daß man für Zeirei Emunei Jisroel, Poele Emunei Jisroel und Bes Jaakauv von der Zentrale aus kein genügendes Interesse gezeigt habe. Die Keren hathora-Verwaltung zeige, so meinten die polnischen Redner, unberechtigte Parteilichkeit für die litauischen Thorastätten, während die litauischen Vertreter das gleiche zugunsten Polens behaupteten. Einen breiten Raum nahmen in den Erörterungen der Redner auch die innerpolitischen Erez Jisroel- Angelegenheiten ein. Von seiten des G.A. wurde dem größten Teil der Beschwerden mit der Begiründung begegnet, daß die Landesorganisationen, die sich zumeist ihrer Steuerpflicht entzogen hätten, selber daran schuld waren, wenn der G. A. in Geldsorgen erstickte und die Menschen und die Mittel nicht gewinnen konnte, um den zahlreichen Aufgaben zu genügen. Den Höhepunkt erreichte die Vormittagssitzung in einer großangelegten Rede Dr. Nathan Birnbaums über das bedauerliche Nachlassen des Znius und der alten jüdischen Sittlichkeit in der Gasse des Ostens, dem nur durch die Gründung guter Mädchenschulen begegnet werden könne. Die Nachmittagssitzung schob durch den von Herrn Kommerzialrat B o n d i - Wien erstatteten Finanzbericht, das bereits in der Vormittagssitzung berührte Problem der Organisationsfinanzen in den Vordergrund der Betrachtung. Während die inzwischen gewählten Kommissionen 1. für K e r e n H a t h o r a, 2. für politische' Erez Jisroel-Fragen, 3. für wirtschaftliche Erez Jisroel- Fragen, 4. für Organisation und Finanzen ihre Tages- und Nachtarbeit begannen, setzte das Plenum die Generaldebatte fort, die erst in später Nachtstunde ihr Ende erreichte. Die Mittwoch-Vormittagssitzung fand in Anwesenheit des inzwischen eingetroffenen Gerer Rebbe statt, dem zu Ehren die Polizei im jüdischest Viertel in Galauniform zum Ortznungsdienst ausgerückt war. Den Beticht der Ke reit Hätör 6 h - Zentral? erstattet? Dk. D k ü t sch - länder, denjenigen der Palästina-Zentrale Dr. E h r m a n n. (Siehe Sonderberichtei) Alsdann referierte H. Pappen heim über die s o z i a l e Arbeit. Er entwarf ein ünschäuliches Bild von der Arbeit des „Jüdischen Hilfswerkes" der Aguda in Berlin, das besonders auf dem Gebiete der sanitären Fürsorge und Stellenvermittlung geradezu musterhafte Arbeit leistet. Das „Jüdische Hilfswerk" in Wien hat durch Schaffung der Lehrwerkstätten das Problem der Umschichtung der jüdischen Jugend zu lösen versucht. Die Zöglinge der Lehrwerkstätten lernen sowohl Thora wie ein Handwerk und verwirklichen so das alte jüdische Ideal. Die Kriegswaisenfonds der Aguda in der Schweiz, Deutschland, Österreich arbeiten auf dem Gebiete der Waisenfürsorge vortrefflich. Auch die Emigrationsfrage beschäftigt die Fürsorgestellen eingehend. Soweit der Emigrationsstrom über Wien ging, hat das „Jüdische Hilfswerk initiativ und mit großen Opfern zur gedeihlichen Lösung beigetragen. Referent schlug die Gründung von Hilfswerken in allen LandesorganisatiöneN vor, die miteinander in engem Zusammenhangs arbeiten sollen. An der Debatte über das Keren Hatorah-Referat beteiligten sich hauptsächlich die Jeschiwahleiter vom Wilnaer Gebiet und der Sokolower Rebbe, wie Dr. Niemczewiez- Bialystock. Die Jeschiwohleiter schilderten in eindringlichen Worten die gewaltige materielle Krise, in welcher sich die Jeschiwoth befinden und haben praktische Vorschläge für den Ausbau des Keren Hatorah gemacht. Dr. NieMczewicz beschäftigte sich mit dem Erziehungsprob l e m in Polen; an der Hand eines erschöpfenden statistischen Materials wies er den großen Verlust nach, den die thoratreue Judenheit an ihren Kindern erfährt, die Schulen besuchen, deren Geist vom religiösen Standpunkte verwerflich ist. Er schlug die Schaffung einer Organisation zur Gründung von Volksschulen und die Schaffung einer Lehrerorgänisatiön vor und begrüßt freudig den Vorschlag einer Lehrerkonferenz, die aber mit Rücksicht auf die Verschiedenheit des Problems in den verschiedenen Ländern in der Form von Landeskonferenzen abzuhalten wären. Die Nachmittagssitzung brachte ein glänzendes Haller Brief. Ein sonniger Sonntagmorgen, wie er in diesem mit Regen reichgesegneten Sommer zu den Seltenheiten zahlte, und nach dem aliHekannten Sprichwort am Trefftag der jungen Orthodoxie einschließlich einiger Rabbonim besonders verwunderlich war —, leuchtet über das schöne Städtchen Schwab. Hall. Die Züge bringen von ollen Richtungen Jungens und Midels, zum Teil von Eltern begleitet, ganz nach modernem Schnitt, selbst die Gruppentafeln fehlen nicht, 7-'>in so hat es des Frankfurter hochehrwürdigen Dajans -Posen »"j Sohn angeordnet, wer wollte sich da nicht wgen? Sinds nicht Wandervögel oder dergleichen? Allerdings. Aber ihr Ziel ist nicht die schwäbische Alb, nicht Sport und Tummelplätze, sondern iw 'n 'o bs Sie scharen sich um das Banner der Tauro. Es war keine leichte Arbeit, die der stets rührige Sekretar für Württemberg, „u nl e r Herr Posen" aus Heilbronn, in wenigen Wochen geleistet, in allen Srößeren Gemeinden des Schwabenlandes Orts- und ugendgruppen der Aguda zu gründen, die sich heute hier treffen und beweisen sollten, daß auch hier noch Begeisterung für echt jüdische Lebensanschauung lebt. Nahezu 200 Köpfe waren es, die sich zu einer Kenessio Ketanoh, die schon äußerliich wirklich an Wien erinnerte, zusammengetan, und begeisterte und begeisternde Worte des Bezirksfekretärs, des Oberratsmitglieds Mofes Herz, und des Ortsrabbiners Dr. B e r l i n g e r, der sogar eine geplante Reise aufgefchoben — sollte dem Umstand das schöne Wetter zu Lanken sein? — begrüßte die Erschienenen und feierten die Bedeutung des Zusammenschlusses unter der Fahne der nur«- Sodann begannen die offiziellen Referate. Als pis an erster Stelle Herr Rabbiner Kahn -Mergentheim, der in reif durchdachten Worten uns darlegte: »Wie man nach der neuen jüdischenVerfassung in Württemberg für die Orthodoxie wirken könne". Wenn schon die jüngste von 1912 eine Verbesserung gegen das alte System war, indem der einzelnen Gemeinde und somit auch jedem Mitglied mehr Autonomie zugestchert war, so sei die neueste unter der Aera der demokratischen Republik geschaffene ein weiterer Fortschritt, den die Orthodoxie weidlich ausnützen möge. Reicher Beifall von Alt und Jung dankte dem Redner, und bewies, daß alle Anwesenden von dem Willen durchdrungen seien, das thoratreue Judentum auch innerhalb der schwarz-roten Grenzpfähle zu fördern. Das offizielle Agudoh-Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Ansbacher -Stuttgart, der unter der Ueberschrist „Unsere Jugend am Scheidewege" die Notwendigkeit des Zusammenschlusses unserer Jugend bewies, sodann in sachlicher Form mit den bestehenden Organisationen — der liberalen, neutralen Und zionistischen — sich aueiandersetzte. Alle Anwesenden konnte er überzeugen, daß dieJugend nur in einer thoratreuen Organisation uns erhalten bleiben könne, und dies fei Agudas Jisroel. Nicht enden wollender Beifall dürfte wohl gezeigt haben, daß feine Ausführungen auf fruchtbaren Boden gefallen und auch in Württemberg ein segensreiches > Arbeitsfeld der Agudoh und damit der Thoratreue sich erschließe. Nach einer Mittagspause mit schönen nun »*m von verschiedenen Seiten setzte die Tagung bald wieder fort — denn naii» n3«*>aa das Programm ist noch groß, wsn i»rsi hier H. Sekretär-Pofen — pnii- Herr Siegfried Stein-Berlin bringt uns in schönen Worten die Größe des O.V., ebenso Herr Josef A l t m a n n - Karlsruhe die der badischen Agudoh, indem er sich offen als sir bekennt, der gekommen sei, um möglichst viel für die demnächst geplante Treffahrt für Baden auzugucken, und gern zugesteht, daß man dort manches von den Schwaben lernen könne. Sehr lehrreich und eindrucksvoll ist auch das folgende Referat des Herrn Hauptlehrer W i ß m a n n - Künzelsau über Ludwig Stern, als Vorkämpfer für die Orthodoxie in Württemberg. In der härtesten Zeit uNtoleräntesten jüdischen Kirchenregiments hatte es der jugendliche fromme Stern gewagt, unter dem Pfeudenym Gabiju bei Pezisa eine Lanze für die Orthodoxie zu brechen, und damit den Anstoß gegeben, die „Allmacht" der zerstörenden Zwangsörganifation allmählich abzubauen. Da in seiner Zeit von Erfolg noch nicht viel zu merken war, fei ihm das dankbare Arbeitsfeld in Würzburg an der Schule und Lehrerbildungsanstalt wohl zu gönnen gewesen. Nachdem noch Herr Jakob Kohn die Grüße der Nürnberger brachte und die. Bedeutung des niwn pp beleuchtet, war der offizielle Teil zu Ende. — Herr Posen setzt sich zur Kennzeichnung dieses hochwichtigen Moments den Zylinder aufs Haupt — und man war noch einige Stunden sehr gemütlich beisammen bei wohlgelungenen Aufführungen, unter denen besonders die Heilbronner Gruppe glänzte, die ihre höchste Leistung erreichte, in dem „von den schönsten Babatim" vom Städtel, dem Schneider, Prawalzek (Schmied) und dem Baal Agoloh (Fuhrmann)) gefeierten Chason. In später Abendstunde nach gemeinsamem Minchogebet ging man ausemander, in der Ueberzeugüng, daß der Tag tatsächlich ein rwn «mp war, daß auch Württemberg besser ist, und besser werden will, als zeitweise sein Ruf war. Und aus dem romantisch gelegenen Kocher- Städtchen, wo so mancher sich leibliche Kräftigung an den heilsamen Solquellen holt, möge auch die jüdische Jugend — und auch die Aelteren könnens brauchen —- an dem m>» ann dem Bundessalze der Thäuro geistige Stärkung und Auffrischung mitgenommen haben. Dr. A.

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