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Der Israelit · 1924-09-25 · Heft 39 (25.9.1924) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 39 (25.9.1924)
Date
1924-09-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Kerausgegeben vonäer JCandesopganifafion 6er flgudas-Jisroel in ©euffcfifand. ij O: Jahrgang Frankfurt a. M> den 25. September 1924 / 26. Ellul 568^ Nummer \6 AGUDAS JISROEL WELTORGANISATION für die jüdischen Gesamt-Interessen Berlin, Wien, Halberstadt, Frankfurt a. Main, London, Zürich, New-York, Jerusalem Zentrale für Deutschland: Landesorganisation der„Agudas Jisroel“. Halberstadt. — Postscheckkonto 18901 Berlin. D i e j ü d i s c h e We 11 o r g a n i s a t i o n „AGUDAS JISROEL“ bedarf zur Erfüllung ihrer Aufgaben: Pflege und Schutz aller wahrhaft jüdischen Interessen in allen Ländern, bei Regierungen und. Behörden Förderung jüdischen Wissens in Schulen, Tora-Anstalten u. Gemeinden Anstellung von Wanderlehrern Jugend - Organisation Ertüchtigung der Jugend für Lehre und Leben und für späteres kraftvolles und gesinnungs reines Wirken im Dienste der Gesamtheit Waisen - Fürsorge besondere, großangelegte Aktion (Pogromwaisenj Soziales Hilfswerk auf allen Gebieten allgemeiner Not: Flüchtlinge, Arbeitslose, IPogromopfer Hilfe für das Heilige Land” durch Entfaltung sorgfältig geleiteter Kolonisation, wirtschaftlichen Aufbau, Schulen, soziale Hilfe großer Mittel. Zahlreich sind die Anforderungen, die aus jedem der genannten Gebiete an die Ortsgruppen und Zentral - Organe der „AGUDAS JISROEL“ herantreten. Die Not der Zeit und die eigene Not machen zur Pflicht oft und reichlich zu spenden Die Arbeit der „AGUDAS JISROEL“ kommt der Allgemeinheit und den Einzelnen zu gute! Sonder-Wünsche zur Förderung bestimmter Zwecke, auch Landkauf in Palästina, Stiftungen, beliebe man evtl, zu bezeichnen- -— Dieselben werden von den zuständigen Abteilungen sorgfältigst berücksichtigt. Nach der Aitzimg des Zcutralrates. Die. erste Sitzung des Zentralrates nach der Kenefsio Gedaulo hat naturgemäß in demjenigen Lande stattgefunden, das mit seiner jüdischen Millionenbevölkerung geradezu den Grundpfeiler des organisatorischen Aufbaues der „Agudas Jisroel" bildet, in Polen. Das altehrwürdige Krakau hat gezeigt, daß es die Bedeutung der „Agudas Jisroel" aufs tiefste begreift. Von den staatlichen Behörden und der Kultusgemeinde bis zu den Jüngsten der Jugendgruppe wetteiferte alles in dem Bestreben, der Tagung einen würdigen Rahmen zu geben und ihre praktische Arbeit zu fördern. Es war eine rechte Arbeitstagung und das Demonstrative, Propagandistische verschwand hinter stiller und ernster Beratung. Ernst und still, aber nicht nüchtern. Denn hinter jedem phrasenlosen Wort der Kritik oder der Anregung glühte das Feuer der Liebe zu Gott und seinem Volke. Im Mittelpunkt standen Fragen der Organisationdisziplin, namentlich in finanziellen Angelegenheiten. Man sagte sich gründlich die Wahrheit, und es besteht alle Veranlassung zu glauben, daß die Erkenntnis der a g u d i st i s ch e n S t e ü e r p f l i ch t als Kriterium der Zugehörigkeit zum organisierten Klall Jisroel erhebliche Fortschritte gemacht hat. Die ruhige Weiterarbeit der Äguda scheint mit Gottes Hilfe gesichert. KerenHathora hat nunmehr seine feste Satzung. Die Klärung des polnisch-litauischen Gegensatzes hinsichtlich der Verwaltung jber Keren Hathora-Gelder ist zum guten Teil gelungen, und der vom Zentralrat angenommene Plan der Ausgabe von Zertifikaten des Keren Hathora, so groß er auch angelegt scheint, dürfte gelingen, wenn vor allem die Rabbon i m ihre Autorität im Interesse des Limud Hathora dafür vorbehaltlos einsetzen. Gut die Hälfte der Beratungen waren Erez Jisroel gewidmet. Die wirtschaftliche Arbeit der Äguda hat durch den Vodenkaus in Emek Israel eine neue Grundlage erhalten und es ist erfreulich, daß eines der wirtschaftlich hervorragendsten Mitglieder des G. A. dafür gewonnen worden ist, seine Energie und seine reichen kaufmännischen Erfahrungen fortan intensiv dem ökonomischen Erez Jisroel-Ressort der Äguda zu widmen. Die Einzelheiten des nächsten wirtschaftlichen und kulturellen Irsch uv- Programm es der Orthodoxie ergeben sich aus den gefaßten Resolutionen. Zu teilweise leidenschaftlichen Erörterungen führten die i n n e rp o l i t i s ch e n Erez J i sr o e l - P r o b l e m e. Der Zentralrat erblickt in dem Gemeindegesetz des Waad leumi die schwerste Gefahr, die dem jüdischen Leben in^Erez Jisroel seit langer Zeit gedroht hat, und er ruft die ganze Diaspora auf, durch rücksichtlose Bekämpfung dieses Entwurfes, die Zukunft der Thora in ihrem Lande zu retten. Der Gegene n t w u r f, den der G. A. Herbert Samuel eingereicht hat, fand, von einigen Einzelheiten abgesehen, d i e Z u st t mmung des Zent ralrates und der anwesenden Mitglieder des Rabbinischen Rates. Einmütig war die Versammlung in dem Entschluß, den ganzen Einfluß der organisierten Orthodoxie für die Unabhängigkeit und Gleichberechtigung der Sonnenfeldschen Gemeinde in Jerusalem einzusetzen, deren Unterdrückung, wie sie sich zurzeit vollzieht, den elementarsten Grundsätzen der religiösen Gewissensfreiheit Hohn spricht. Die Zusammenfassung der in Wien, Berlin und anderen Großstädten bereits reich entwickelten sozialen Institutionen der Aguda, zu einem einheitlichen H i l f s - werk, macht gute Fortschritte. Dieses'Hilfswerk soll sich einstweilen, nach dem Willen des Zentralrates in vollkommener Selbständigkeit weiterentfalten, wenn man auch gegen die vorläufige Teilnahme des lokalen Wiener Hilfswerkes an dem Karlsbader Welthilfsverband nichts zu erinnern hatte. Ein großer Teil außerpolnischer Teilnehmer an der Zentralratssitzung hatten zum ersten Male Gelegenheit, die von Frau Sarah Schenierer ins Leben gerufenen Bes I a a k a u v - Töchterschulen— es sind jetzt in Polen 26 an der Zahl — kennen zu lernen. Unter dem erhebenden Eindruck dieses wahrhaft aus dem Nichts ins Dasein gerufenen geistigen Rettungswerkes, von dessen Fortführung die zukünftige Erhaltung der polnischen Jugend für die Thora abhängig ist, wurde beschlossen, die Mädchengruppen der Agudas Jisroel in der ganzen Welt zur Organisation energischer Geldsammlungen für die Mädchenerziehung im Osten zu gewinnen. Zu einer Sondersammlung, für die man die jüdischen Frauenvereine mobil machen zu können hofft, gaben endlich die erschütternden Nachrichten Änlaß, die aus der Ukraine über die dort während der Wirren der letzten Jahre fast gänzlich z e r st ö r t e n M i k w o a u s Vorlagen; man darf hoffen, daß der Hilferuf, der in dieser Angelegenheit von Wuna und Radin aus an den Zentralrat erging, in der ganzen jüdischen Welt Widerhall finden wird. Die Leitung der Agudas Jisroel wird aus der Krakauer Tagung überreiche Antriebe zu fruchtbarer Tätigkeit schöpfen; möchte ihr die innere Kraft und die allseitige Unterstützung nicht fehlen, die zur Umwandlung dieser Antriebe in greifbare Erfolge notwendig sind/ 'Ul 13% .13313 13’T» Nwpvl 13% 71 VP13 'N'1 Der Verlaus der Zentralratssitzung. Nach einer während des ganzen Montag stattgehabten Plenarsitzung des GeschäftsführendenÄusschusses, die auch während der Nacht zu Dienstag fortgesetzt wurde, fand die von der Bevölkerung mit großer Spannung erwartete E r öffnungssitzung des Zentralrates in dem überfüllten Saale des jüdischen Theaters zu Krakau statt. Die draußen sich stauende Menge erzwang schließlich die Oeffmmg der Saaltüren, um von den Worten der Redner wenigstens einiges zu erhaschen. Die Regierung war durch den Wojwoden, Rabbinat und Kultusgemeinde durch Delegierte vertreten. Eine außerordentlich eindrucksvolle längere Eröffnungsrede in jiddischer und polnischer Sprache hielt der Vorsitzende des Zentralrates Sejmabgeordneter Oberrabbiner L e w i n - Sambor. Alsdann ergriff der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses Rabbiner Dr. Kohn-Wien das Wort zu einer kurzen Ansprache. Ihm folgten die Vertreter des Rabbinates sowie der Ortsgruppe Krakau. Das Programm der Tagung entwickelte Herr Jacob Rosenheim-Frankfurt, worauf Sejmdeputierter Kirschbraun -Warschau die Bedeutung und die Notwendigkeit der finanziellen Kräftigung der Agudas Jisroel durch die Leistung der obligatorischen Kopfsteuer in ein-

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