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Der Israelit · 1924-09-25 · Heft 39 (25.9.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 39 (25.9.1924)
Date
1924-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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25° SMember 1924 .; - ♦•/• - ‘ ’ ' ' *** 1 —> “nmwriHn r » * düng von der jüdischen Gemeinschaft als Gottesvolk — im Elternhaus. Dem Vater, der Mutter verdankt man es, wenn man Jude bleibt. Wir aber sehen die. unheimliche Kluft zwischen uns nnd der Jugend und stellen die Frage: Wodurch können wir Einfluß, gewinnen auf unsere Kinder, damit sie in der Bahn der Treue zu Gott wandeln? Warum vermögen wir nicht, was unsere Ahnen noch zustande brachten? Da hören wir gleich eine Fülle von Gründen, die die heutige Verwirrung erklären sollen — zugleich solls eine Verteidigung derer sein, die am Erziehungswerk scheiterten! Zunächst: anders sind die Zeiten geworden und zu groß wären die Opfer aller Art, die die Jugend bringen müßte, um niinn 'S bv zu leben. Sa sprechen die „Guten", um das Wohl der Nachkommenschaft Besorgten, und sind doch nur die Sklaven des Materialismus, der unberechtigten Lebensfreude. Wir aber erwidern ihnen: Was ist denn die Entbehrung eines treuen Juden heut, gemessen an dem Leidensweg unseres Volkes durch die Jahrtausende? Ja, wie gering wäre selbst der Verzicht der heutigen Jugend, die meist behaglich aufwächst, im Vergleich zu der Askese und der Kargheit unserer, der Aelteren, Jugendzeit, die wir mit geringsten Summen auf die n3'V'geschickt wurden, um nun zu lernen, und doch war auch schon damalsmin keine „Karriere" mehr. Andere, suchen in einer mehr geistigen Ursache den Grund. Sie glauben, daß die Bildung unsere Jugend den Idealen des Glaubens entfremde und stehen ihrer Meinung nach machtlos diesem Fortschritt des jungen Geschlechts gegenüber. Aber auch diese Meinung ist unhaltbar. Zunächst widerlegt eine nicht unbedeutende Gruppe in der . deutschen Judenheit, die Frömmigkeit mit Bildung vereinigt, diese Annahme. Und ferner — ist es nicht eine Schande, eine Beschmutzung der Väter und unserer selbst, zu behaupten, daß das Judentum als Religion, als Weltanschauung nur durch Unbildung und Blindheit erhalten blieo? Hieße das nicht, daß es nun, da die Bildung überall ihren 'Einzug hält, kein Daseinsrecht mehr habe, feine Todesstunde gekommen sei? Auch das dürfen wir nicht behaupten, daß unsere Jugend weniger opferwillig sei, als frühere Geschlechter. Die Jugend, die für ihre Ideale jedes Opfer bringt, straft diese Anschuldigung Lügen. Ueber das Verhältnis zwischen Vätern, und Söhnen, über Mißverstehen und Einklang der Generationen lohnt es sich nachzudenken, weil daran die Zukunft hängt. Insbesondere fördert mi zu dieser Betrachtung auf. Im Mahnruf ~ —.Der I st o e I i t des isiV ... liegen Lehren, die die Weifen in mannigfachen Sätzen zum Ausdruck bringen. Der erste besagt: nVs?» ’jht Vw isw3 ippn »3»23; n8 »nipsr i^'83 »3'!w. „Blast vor, mir auf einem Widderhorn, und ich will es euch anrechnen, als wäret ihr selbst auf dem Altar gebunden gewesen." Und zweitens: tVjütLTi rw Vvj3.iV 113?»'ppir> .i»V » Warum bläst man? Um den Satan zu schrecken!" Was vermag denn der fvV und welche Kraft wohnt dem ibw inne, um die Gefahren zu beschwören, die jener birgt? Nun kennen wir das alte Wort: V'2'N 8V» svv. der Satan hat überall seine Augen, überall ist er im Spiel, wo es gilt, das Gedeihen zu stören und an seine Stelle Verwesung und Verfall zu setzen; er sät allerorten Zwietracht und Zersetzung. Ja, er dringt mit Vorliebe in den Kreis, der am geeignetsten ist, die Ideale des Guten und Edlen zu hüten und die Gottesfurcht zu pflegen: in den Kreis der Familie und sprengt hier - die Glieder auseinander, trennt Väter und Söhne und Pflanzt Entfremdung. Eins ist gewiß: das Recht der Jugend auf Eigenart muß anerkannt werden. Absolute Gleichheit zwischen Eltern und Kindern kann nicht gefordert werden, und das Judentum hat diesen Anspruch der Jugend anerkannt, indem es die Erhöhung und Veredlung des menschlichen Geistes fordert. Vor unseren Augen aber vollzieht sich etwas ganz anderes; eine Tragödie furchtbarster Art spielt sich in der Familie ab; längst hat. der Vater aufgehört, bestimmend einzugreifen in die Entwicklung des Kindes. Zwar hat sich die Elterngeneration nicht kampflos in diese Situation gefügt. Der Kampf zwischen »'Ml ni38 ist schon eine Reihe von Jahrzehnten alt und zu Beginn haben die Väter gekämpft für ihre Heiligtümer. Nun hat man sich längst mit der Entfremdung abgefunden und sieht einen naturnotwendigen Prozeß darin. Man fühlt gar nicht die Erniedrigung, die darin liegt, nur der Ernährer der Kinder zu sein, rechtlos und nur pflichtbeladen vor der Jugend zu stehen, nickt einmal sich für die Angelegenheiten der Kmder interessieren zu dürfen! Unmöglich darf das andauern, denn es würde zu den schwersten Katastrophen führen. — Heute am n"i soll in allem Ernst von dieser Stelle besonders betont werden, in welchem Gegensatz dieser Zustand zum Judentum und seinen Förderungen steht, das den Einklang zwischen Ahnen und Nachkommen verlangt: V>n hk .112' 1V8 fvaV nur deshalb erwählte Gott Abraham zum Stammvater seines Volkes, weil er in ihm die Fähigkeiten ruhen sah, seinen , Nr. 39 Seite 3 Sohn zu den Lehren Gottes zu erziehen und diese Erkenntnisse und Eignung auf die Nachkommenschaft zu vererben. Die erzieherischen Eigenschaften der Eltern haben das jüdische Volk durch alle Stürme erhalten, der jüdische Vater war die Gewähr für die Unsterblichkeit der Judentums. Unsere zeitgenössischen Juden haben dieses pädagogische Talent eingebüht. Doch finden wir, wofern wir nur zurückschauen, in den Lehren undSprüchen der V"m die Geheimnisse der Erziehungskunst. Die ni'py, die am .i"i verlesen wird, ist die Bibel der Pädagogik. In der Erklärung, die unsere Weisen dazu gegeben haben, wird sie zu einer erhabenen Lehre der Erziehung, und ich möchte den Predigern raten, statt ihrer wohlgesetzten Reden an diesem Tage lieber unsere alten Meister, die bis äuf den Grund der menschlichen Seele schauten, zu. uns mit ihrer unvergänglichen Weisheit sprechen zu lassen. Wenden wir uns der ni'pV zu. In den Sprüchen unserer Weisen geht ihr eine Erzählung voran, daß auch 381» iV» sw» seinen Sohn opferte. Aber gerade die Gesinnung, mit der er es tat, beweist den Kontrast. Er opferte blind und grausam; und weil er glaubte, seinem Gott damit ein Geschenk zu machen und dessen Gunst zu erkaufen, ist seine Tat ohne, jeden moralischen Wert. (Vgl. die Akeda-Erzählungen in Talmud und Midrasch.) In gewaltigen Bildern zeigen uns die Midraschweisen das Bedeutsame der nippst. Nicht das Opfer als solches ist das Große — das brafyen auch andere von *]V» jw» 381» bis zu den Patrioten der Gegenwart — die Gesinnung entscheidet. Jene wunderbare Mischung von Kraft, Entschlossenheit und Demut, von Unbeugsamkeit und Zartheit ist das Zauberhafte. Der Vater — alle Befehle vollführt er — er bindet den Sohn — und vergießt Tränen, die mit des Sohnes Tränen sich mischen — höchster Schmerz — und doch Freude, Gottes Willen zu erfüllen. Und der Sohn? Gern gibt er sein Leben hin, um seine Liebe zu Gott zu beweisen. Nur um den Schmerz der Mutter bangt er und es tut ihm weh, daß der Vater Kummer hat. — Auch die »'38b» sind von diesem Bild gerührt. Sie haben oft Blut und Tränen gesehen, bei der bi3» und dem .-uVsn in, aber diese Tragödie des unschuldigen Jünglings ergreift sie. Hier liegt das wahre Helden- und Duldertum. Nach der .ii'pv, so erzählt der Midrasch, schickt Abraham seinen Sohn sofort ins als eine einzige große Gesamtheit zusämmenschließen. Ein Gott, eine Thora und ein Israel, — das muß unser Glaube und unser Bewährungsanker in unserem Leben bleiben, — damit unsere Gebete um die Verbrüderung der Menschen und um die Erlösung Israels Erhörung finden vor dem Herrn droben. Möge Hänaas Wort uns leiten, uns läutern und alle Parteien in Israel zur Besinnung bringen: . ... 82' nnsa nnnx-rmn i»in V8 Redet nicht so stolz, redet nicht so hochmütig!" Taten und nicht Worte! Leisten wollen wir zur Ehre Gottes, im Lichte unserer Thora, unserm Judentum zum Ruhme und auch der ganzen Menschheit zum Heil. Dieser Wille verbürgt die Erfüllung unseres Herzenswunsches: i3N3N N3iv nawV! DerSchofartonnnd unser Leben. Eine kurze Festbetrachtung von Bernhard S. Jacobson. Auch das Wort ist Symbol für Psychisches, aber bildhafter, plastischer ist eine symbolische Handlung. Jede Religion bedient sich dieses Tatbestandes, um ihren Grundwahrheiten wirksame Ausdrucksformen zu schaffen. Die jüdische Religion * ist reich an symbolischen Handlungen. Ganz besonders im Reiche der Musik ist der Ton Symbol, aber ein jüdisches .Gef.ch erhebt auch .den Ton zum Symbol — wir meinen den Schöfarton. Män^ pflegt ihn im Allgemeinen. als Ausruf zur Rückkehr zu Gott auszusassen, „als Aufrüttelung aus dem Schlafe der Gedankenlosigkeit". wie ihn Maimonides bezeichnet. Im Folgenden, fei einer symbolischen Deutung des Schofartones Ausdruck gegeben, wie sie der berühmte Rabbi Jonathan Eibenschütz in feinem Werk isai msr’ andeutet. Don dreifacher Art find die Töne, die wir zu blasen verpflichtet find, lange, einfache Töne nuppn» scharf abgebrochene Töne, ö’13P und schwankende» zitterige, kurze, wellenartige rmnin* In dreifacher Abwandlung soll nach traditioneller Auffassung geblasen werden. »'13V .Iv'pn I nrpn .Ipiin w'pn nsppn nsmn-p'i3w wpn imppn. Fassen wir die Töne symbolisch, so kann nsr'pn Bild sein für das gerade, zielbewutzte Leben, das ohne Abirrungen und zweifelnde Schwankungen verläuft. wie fein Name besagt, ist „Bruch", bedeutet das vollkommene Aufgeben einer bestimmten Lebenslinie und nsnin kann Bild bedeuten für das Schwanken, das Unentfchloffenfein, bald ein wenig so. dann wieder anders. Nach diesen Symboldefinitionen ist der Sinn des Schofarbläfens in Folgendem zu sehen. Es ruft uns au: du Mensch hast am Beginne des Jahres den Beschluß gefaßt, dein Leben sollte gradlinnig verlaufen, sollte dich in diesem Jahre deinem Ideal ein Stück näher bringen, du wolltest dem Leben,, seinen lockenden Verführungen keine Konzessionen machen, das Bild der geraden Linie, des einfachen, schlichten Tones, sollte Wahrzeichen für dich sein, dev nyprt wolltest du gleichen. Das war dein Wollen. Aber überblicke ehrlich prüfend dein Herz, deine Gesinnungen und Handlungen, und du mußt gestehen, in vielem bin ich mir untreu geworden, in mein Wesen ist ein Bruch gekommen, ich bin abgewichen von meinen Idealen, mein Leben glich »'13V.' Selbst da, wo du nicht vollkommen deine Aufgabe und dem Heiligstes verleugnet hast, da bist du schwankend geworden, lässig, matt und schlaff, statt Straffheit und Geschlossenheit ist dein Weg wankend geworden, gleichend dem zitternden Ton, der nyiin. Ja, in vielem bei dir ist zum Teil schon ganz der Bruch vollzogen, in so manchen Dingen bist du lax und schwankend geworden, gelockert ist die Bindung an das Ideale. Dein Leben ftleicLsmn »'13V- Es darf bei der Feststellung unserer Schuld nicht bleiben, das Gefühl unseres Versagens muß sich umsetzen in neue, kraftvolle Entschlüsse, es wieder neu zu versuchen, das Gute und Schöne zu verwirklichen, ohne Abirren dem Ziel entgegen zu streben, daß diensppn» der gerade, schlichte Ton Symbol unseres Wesens fein kann. Anmerkungen zum und zur '2 "-Liturgie. Von Rabbiner Ar. Winkker in Kopenhagen. I. Dt. 29, 17: „Daß nicht unter euch fei Mann oder Weib, Geschlecht oder Stamm, dAen Herz heute abwendig ist vom Ewigen, unserem Gotte, um den Göttern rener Völker" — den Nawrmüchten — „zu dienen; daß nicht unter euch sei eine Wurzel von Gläübensverneinung und Naturanbetung, „die Giftkraut und Wermut treibt“ und ansteckend und irreführend wirkt. „Es könnte sein, wenn er die Worte dieses Dereioigungsfluchs hört, so wird er sich gesegnet dünken in seinem Freidenkertum (— “H3Ö -nir» ir »333V '1N8 133V3 113NN1) indem er sagt, mir wird es Wohlergehen, denn ich wandle nach meiner eigenen Weltanschauung l'3V N11'1V3 1^8), nach welcher alles Natur ist. ohne Schöpfer,

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