Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1924)
- Date
- 1924-09-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 38 Der Israelit . 18. September 1924 Palast erblüht ist, haben die anderen, die keine Mühe noch Opfer üüf sich nahmen ein Recht zu kommen und also zu sagen: Wir haben Teil an diesem großgewordenen Erbe des Vaters? Israel, das den Wechsel des Fremdseins eingelöst, hat sich das alleinige Recht auf den Boden und seinen reichen Segen erkauft. Das ist es, was der jüdische Landmann, den ersten Fruchtkorb als Bikurim-Spende auf der Schulter, mit seinem Bekenntnis sagen will: Wir erfreuen uns des Landes, das Gott uns zum Erbbesitz gegeben ha 121 awn *?22 nnai7V „das Er unseren Vätern zugeschworen hat uns zu geben" n*? nnv i3'ni28i> ymn 1178- Nun wohl bekenne ich, indem ich diese erste Fruchtgabe auf dem Altar Gottes niederlege, w i e unsere Väter sich ihr Alleinrecht auf dieses Erbe erkauft haben. Haben sie doch all die Wehen und Leiden des Uebergangs willig auf sich genommen. Hoch war der Kaufpreis schon von Jakobs Zeiten her. '121 D'ixan iani8 ip'i '28 1218 'ai8* Die Leiden mehrhundertjähriger Fronarbeit zeugen davon. Bis der Tränenkelch überlief und das Maß der Leiden voll war, und wir uns nun des Landes erfreuen, das von Milch und Honig überfließt, 17211 2*?n tut p8 7187.1 pan mt p'1. Und somit bringe ich das Erste meiner Bodenfrucht, das mir mit dem Gedanken an die Vergangenheit, mit dem Gedanken an Gott den Herrn des Bodens und Lenker der Weltgeschicke auch den Gedanken an die Gemeinschaft und an die Bruderhilfe nahelegt. iam '1^.11 .1718 "DiTinasr? 1’21p2 1178 Auf dem gleichen Geleise liegen die Gedanken und Empfindungen, die u n s e r e Bikurim zu Ende und zu Anfang des Jahres, die den Morgen weckenden Slichoth-Gebete, in uns auslösen; sie erinnern an den Tribut, den wir Ihm schulden, an die Pflicht, die wir gegen die Gemeinschaft zu erfüllen haben, richten die Mahnung an uns .selbst, im letzten Augenblicke noch mit rasch nachgeholten Posten eine moralische Unterbilanz zu verhindern. Wo die Slichoth Morgen für Morgen in den Tagen des Iahresüberganges diese Bedeutung haben, da darf bei dem Sündenbekenntnis auch der frohe Ton des Bikurim- Bekenntnisses mitklingen, sicher des segnenden Gottesblickes aus heiliger Höhe. ^8117' 718 ias 718 1121 Ü'ai7.i p 1171p |iyaa NS',117.1 Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen des Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe und. soweit"«» stch uni größere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. > « „Na sie, die Judde, wer denn sonst"? Sein Mund ist vollgefüllt, denn der letzte Schluck Kal den Bissen noch nicht heruntergespült, lund die „Judde" hören sich an, als hätte er ein ganzes Dutzend großer „D" dabei verschluckt. „Aber erlauben Sie mal, die Juden haben auch den Rathenau umgebracht? ..Natürlich, alles die Judde". .Aber Rathenau war ja selber einer." ..Da haben wirs jo, alles und überall nichts wie Judde, Judde ..." Um ein Uhr setzte ich mich in K. in das mir von meinem Freunde zur Verfügung gestellte Auto nnd landete nach einer halben Stunde vor meiner Wohnung in Frankfurt-Ost. Und ich dachte: Was doch alles im Zeitalter des Automobil unserem Ohre und Auge verloren geht!.. _ -tz. König Salomo und sein Wunderschloß. Unter der Ueberschrist rrrwni i^an ha^i7 Tissyan ist im Omonuth-Verlag. Franksurtfoskau-Odessa ein prachtvollesKinderbuch erschienen, dem eine der bekannten Salomolegenden von der Meisterhand CH. N. Bialiks eine pädagogisch künstlerische Bearbeitung findet. Das Buch in der ihm vom Verlag gegebenen kunstvolleu Aufmachung mutz eine Freude für Jung und Sllt fein, nicht zuletzt durch die Illustrationen, die ihm der bekannte Frankfurter Maler N. Je idel beigegcben hat. Außer Titelbild und Schlutzvignerte wird uns in diesen Korrespondenzen « ßacbricbten. Die Zentralratssitzung der Agudas Jisroel. (Prioattelegramm.) Krakau, 17. September. Die Plenarsitzung am Montag abend nahm einen grandiöfen Verlauf. Die Staats- und Stadtbehörden waren vertreten. Die Eröffnungsansprache hielt, mit Jubel begrüßt, der Präsident der polnischen Landesorganisation, Oberrabbiner L e w i n - Sambor. Es hielten weitere Begrüßungsreden Rabbiner Dr. K 0 h n - Wien, Jacob R 0 s e n h e i m - Frankfurt a. M., Sejmabgeordneter Kirschbraun -Warschau, ebenso Vertreter des Krakauer Rabbinates und der dortigen Ortsgruppe. Dienstag wurde nach dem Geschäftsbericht des Herrn Rabbiner Dr. P. Kohn die Generaldebatte eröffnet, die mit Schlußworten von Dr. Kohn und Rosenheim ihr Ende erreichte. Den Finanzbericht erstattete Kommerzialrat B 0 n d i - Wien. Herr Rosenheim rügte sehr stark die Difziplinslofigkeit vieler Landesorganisationen in finanzieller Hinsicht. Es wurden Beschlüsse gefaßt, energische Maßnahmen zur Beibringung der Beiträge zu ergreifen. Soeben traf der Gerer Rebbe ein, dem die Versammlung einen warmen Empfang bereitete. Deutsches Reietz Die Arage der jüdischen Lehrer vor der Berliner Schuldeputation. Berlin, 12. September. In der letzten Sitzung beschäftigte sich die Berliner Schuldeputation mit der Frage der Ernennung jüdischer Konrektoren an Berliner Schulen. Es wurde beschlossen, an evangelischen Schulen jüdische Konrektoren zu ernennen. Der Antrag wurde von dem Stadtverordneten Goß damit begründet, daß Berlin eigentlich keine konfessionellen Schulen habe, daß jüdische Lehrer an evangelischen und katholischen Schulen unterrichten, katholische Lehrer an evangelischen Schulen und evangelische Lehrer an katholischen Schulen beschäftigt werden. Es wäre angebracht, den jüdischen Lehrern die Möglichkeit des Aufstiegs zu geben. Da Berlin jüdische .Schulen nicht besitzt, müßten jüdische Lehrer also an evangelischen und katholiischen Schulen Konrektoren werden können. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Demokraten wandten sich scharf gegen diese Ausführungen, auch der juristische Dezernent führte aus, daß es gesetzlich nicht zulässig wäre, an Schulen, Bildern der Flugtepp ich Salomos mit all seinem phantastischen Beiwerk gezeigt. Man sieht ferner den mächtigen König in Unterhaltung mit den Insekten und staunt vor dem Zauberschloß, das voll märchenhafter Türme aber ohne Türe ist. Die Lektüre des Textes, in gutem lichtvollem Druck und punktiert, wird durch diese Illustrationen dem Kinde noch wesentlich erleichtert. Man kann diesem mit viel hingebender Liebe hergestellten Buche wie den anderen Erzeugnissen des Omonuth-Verlags nur wünschen, daß sie auch im Westen mehr Beachtung finden. Wochenkalender. 20.-27. September 1924 , 2l. — 28. Ell^ 5654 Samstag Eept.!2o!8271'2!2lI^ir! Sonntag!21 22 r,':R’i>D5 Montag H!23i Dienstag 23! '24i Mittwoch M |25 Donnerstag 25! 26 Freitag 27]n '22 [27 Frankfurter Fasttag Samstag |28 die einen konfessionellen EhArakter lragen,^jüWchei; Konrektoren, die im Vertretungsfälleanüliche Leistungsbefügnisse Habens zu ernennen. Bei' der Abstimmung über den Antrag Goß herrschte Stimmengleichheit. Der demokratische Turnlehrer Zobel enthielt s^ch der Stimme. Der Vorsitzende, Stadtschulrat Paülsen, stimmte für den Antrag und gab so den Ausschlag für dessen Annahme. Die Entschlüsse der Berliner „Ose"-Tagung. B e r l i n, 9. September. Die Tagung des Zentralrates und des Verwaltungs rates des Verbandes für jüdisichen Gesundheitsschutz „Ose" ist nach Annahme einer Reihe von Organisationen geschlossen worden. Die Resolution über den Bericht der Zentralverwaltung drückt aus, daß sowohl die Propaganda — als auch die sozialhygienische Aufklärung auf einer sehr hohen Stufe standen und daß der Hilfsarbeit in Rußland auch weiter die Hauptaufmerkfamkeit gewidmet werden muß, aber auch die Arbeit von anderen von jüdischen Massen bewohnten Ländern muß auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Der Arbeit der Zentralverwaltung wird volle Anerkennung ausgesprochen. Der Zentralrat drückt seinem Hauptvertreter in Rußland, Dr. M. Gran, sowie seinen Mitaarbeitern' die tieffte Anerkennung aus. Der Zentralrat der „Ose" hat die folgende Resolution angenommen: 1. In Anbetracht der Wichtigkeit der physischen Erziehungsarbeit als den vorzüglichen Teil der prophylaktischen Arbeiten des Gesundheitsschutzes beschließt der Zentralrat, daß mindestens 5 Prozent des Gesamtbudgets der „Ose" lediglich für physisch-kulturelle Zwecke verwendet werden sollen. 2. Die diesbezüglichen Ausgaben werden lediglich nach den Direktiven des Makkabi-Weltverbandes gemacht. Der Makkabi-Weltverband ist als solcher Mitglied der „Ose" und seinerseits verpflichtet, die Organisationsarbeit der „Ose", namentlich die Einrichtung von „Ose- Wochen" in den einzelnen Orten, zu unterstützen. (J.T.A.) Die rheinisch-westfälischen Rabbiner und die Ostjuden. Köln,12. September. Die diesjährige Tagung des rheinisch-westfälischen Nabbinerverbändes fand nach zweijähriger Pause in Köln statt. In den Beratungen stand die O st j ü d e n - Frage obenan. .Die neue Welle der jüdischen Wanderbewegung hat ostjüdische Glaubensgenossen^ in nicht geringer Zahl in die. Gemeinden des rheinisch-westfälischen Industriegebiets, nach Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Duisburg, aber auch nach Köln und Elberfeled gebracht, und die Eigenart ihrer sozialen und kulturellen Läge hat die dortigen Rabbiner, vor neue, fast unlösbare Probleme gestellt. Angesichts der anhaltenden Arbeitslosigkeit soll jede Beihilfe zur —owanderung geleistet werden. Die Versammlung hält , es für „ empfehlenswert, daß bei hervortretenden Wünschen die Gemeinde die Fürsorge für den ostjüdischen Gottesdienst 'sowie für vermehrten Unterricht übernehme. Der Rabbiner soll zwischen Ost- und Westjuden vermitteln und bei wertvollen Elementen den Vermischungsprozeß fördern. Der Norddeutsche Rabbmerverband zur Agunoth- Frage. Königsberg, 12. September. Bor kurzem tagte im Sitzungszimmeer der Synagogengemeinde Königsberg die Jahresverjammlung des Norddeutschen Rabbinerverbandes. Der Vorsitzende Röfel-Tilsit gab einen Ueberblick über die Tätigkeit des Verbandes im letzten Jahre. Jacobvwitz -Königsberg erstattete ein ausführliches religionsgesetzliches Referat über die Frage der A g u n a. Die Frage ist durch den Krieg aktuell geworden, weil in vielen Fällen keine Todeserklärung erfolgt ist, in anderen Fällen die Todeserklärung des Regiments sich nachträglich als Irrtum erwiesen hat. Referent beleuchtete an Hand des Talmud und der Dezisoren die Frage nach allen Seiten. Sodann werden geschäft-j liche Angelegenheiten behandelt. Dem Allgemeinen Rab-, binerverband in Deutschland und dem Ostpreußischen Synagogenverband wurden verschiedene Resolutionen unterbreitet.