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Der Israelit · 1924-09-18 · Heft 38 (18.9.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 38 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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18 Ueptemüer 1W4 - — - —- - .- .J>«I«t*. ... ' Unter dem Verdiacht der Attenkäterschaft auf - Präsident Vdjoischowsky. ' Lembe g, 111 September. Wie durch die Presse bekannt wird, ist während des Besuches des Präsidenten Wojoischowsky in Lemberg, nachdem der Präsident den Mariazkiplatz passiert hatte, auf diesen Platz eine Bombe geschleudert worden, die aber keinerlei Schaden angerichtet hat und sich bei der Unter-, suchung als ein ziemlich harmloses Geschoß erwiesen hat. Nunmehr wird bekannt, daß ein jüdischer Student, namens Stanislaw Steiner, der vor kurzem aus Wien eingetroffen ist, unter dem Verdacht, den Sprengkörper geworfen zu haben, verhaftet worden ist. Bei der Leidesuntersuchung soll man bei ihm eine Legitimition des Sportklubs „Makkabi" gefunden haben. Judenfeindliche polnische Zeitungen wie „ Dwa Grosze", Kurjer Poranni" und andere melden, daß Steiner der Zionistischen Organisatipn angehört. Der verhaftete Steiner leugnet, irgendwie mit dieser Tat in Verbindung zu stehen. Wie der I. T. A.-Vetreter nun erfährt, stand der Lemberger Student Steiner, der bis vor kurzem in Wien studiert hat, in keinerlei Beziehungen zu jüdischen Organisationen. Er verkehrte hier in Kreiseen der ostgalizisGen Ukrainer. * ... * Wien. 12. September. Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs in Polen, Dr. Leon Reich und die Deputierten Heinrich Reizes und Dr. Abraham Jnsler besuchten am 7. Septeumber. den polnischen Gesandten in Wien, Herrn Lasockie und sprachen ihm gegenüber ihre Entrüstung über den Ättentatsversuch gegen den Präsidenten Wojcischowsky aus. Der Gesandte dankte den Deputierten, und sagte,-er werde ihre Sympathiebezeugunyen dem Mästttenten übermitteln-- Er sei überze'ckgt^ öEver Ärigüfi dir! Tat eines Wahnsinnigen ist. Die Tatsache, daß der Attentäter ein Jude ist, trifft keinesfalls die Juden im allgemeinen. Ein solches Attentat widerspricht gewiß der jüdischen Ethik. Die polnische Regierung und die jüdische MnderhÄl. Warschau, 9. September. Der Presse ist das folgende halboffizielle ^Kommunique zugegangen: Die Regierung beabsichtigt, ihre mit den drei bekannten Minderheitsgesetzen eingeleitete Nationalitätenpolitik fortzusetzen und wird der Herbstsession des Sejm entsprechende Gesetzesprojekte vorlegen. Die Regierung hat auch die Durchführung ihres Programms betreffend die jüdische Minderheit begonnen und Wahlen in die jüdischen Gemeinden angeordnet; sie hat auch bereits die Frage der Bürgerschaft geregelt und dabei die weitgehenden jüdischen Postulats berücksichtigt. Angesichts der MeinunW-oerschiedenheit im jüdischen Parlamentsklub in bezug auf die erwähnten Probleme hat die Regierung ihre weitere Arbeit vorläufig eingestellt. Die Art, wie Grünbaum im Gegensatz zu der sachliche Haltung der Gruppe Dr. Reich die Probleme behandelt hat, machte es der Regierung unmöglich, mit der parlamentarischen Vertretung der jüdischen Bevölkerung eine Verständigung zu erreichen. Die Regierung wartet auf die Initiative des jüdischen Parlamentsklubs, daß dieser ihr Vorschsläge unterbreitet, die als Grundlage einer sachlichen Regelung des ganzen Problems dienen sollen. " Was das Emigrationsproblem betrifft, so erwartet die Regierung eine verstärkte Auswanderung nach Palästina als eine natürliche Konsequenz der Cinwanderungsbeschräkungen in Amerika. Jedenfalls beabsichtigt die Regierung nicht, den Juden Swierigteiten betreffs der Annahme der palästinensischen Staatsbürgerschaft zu machen. — Man muß abwarten, wie sich der Jüdische Klub zu dieser Erklärung stellt. Vom Komitee der jüdischen Delegationen in Karlsbad. K a r l s b a d , 12. September. In der Plenarsitzung des Komitees der jüdischen Delegationen, an derRichterMaok-Neuyork,sowie Vertreter des amerikanisch-jüdischen Kongresses, des Jewish Board ,.::r Der I s r a eilt—. öf Depüties (jüdischer Deputiertenrat) von Südafrika, Waad. .Leumi (Jerusalem), endlich Vertreter aus anderen (insgesamt 14) Staaten teilnahmen, wurde .eine Exekutive der Komitees der jüdischen-Delegationen mit dem Sitze in Paris gewählt. Zum Präsidenten der Exekutive wurde Nahutn Sokolow wkedergewählt. Der bisherige Generalsekretär Motzkin wurde zum geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt. Auf Antrag der Exekutive wurde Herr Zevi Abersen zum Vertreter des Comite des Delegations beim Völkerbunde bestimmt. (I. T. A.) Itttgavtt. Ihres Bodens beraubt. Budapest. 12. September. In der letzten Sitzung der Rafionalversammlung protestierte der Deputierte Drozdy gegen den Raub des Bodens jüdischer Landwirte bei der Durchführung des Agrarreformgesetzees. Der Deputierte brachte eine Reihe Tatsachen vor, aus denen erwiesen ist. daß die kleinen jüdischen Landbesitzer durch die Behörden enteignet worden sind, während die großen Güter ungarischer Magnaten unangetastet geblieben sind. Der Deputierte Paul Sander, der nach Drozdy das Wort ergriff, forderte, daß die Regierung die unter den sogenannten „christlichen Regime" gegen die jüdisiche Bevölkerung Ungarns eingeführtrn Rechtsbeschrünkungen wieder aufhebt. (I. T. A.) SumSttien. Vorsicht vor Auswandereragenten. Bukarest. 12. September. »-Dieser Tage brachte ein rumänischer Dampfer 20. aus Polen stammende Juden samt ihren Familienangehörigen nach Galatz zurück, denen der englische Hasenkapitän in Jaffa die Landung untersagt hat, weil sie nicht.im Besitz einer Einreiseerlaubnis waren. Die unglücklichen Familien hatten ihr Letztes ausgegeben, um die Kosten der Seereise zu. decken. Sie waren von gewiffenlosen Schiffsagenten! verführt worden» bis-, ihnen! eine sichere Landung in Aussicht stellten. Nun aber .mußten einige Mitreisende Paffagiere 38 000 Lei aufbringen, um für sie die Rückreise nach Galatz zu bestreiten. Dort wurden sie vom Palästinaamt in Obhut genommen. Man bemüht sich, für sie eine Einwanderungserlaubnis zu erwirken. Der englische Konsul in Galatz, Herr Robinson, hat die Angelegenheit dieser verführten Emigranten untersucht. (I. T. A.) Das Komitee für die jüdische Kolonisation. Riga, 12. September. Das Präsidium des allrussischen Zentralkomitees der Sowjets hat die Ernennung eines speziellen Komitees für die landwirtschaftliche Anfiedlung von Juden bestätigt. Dem Komitee gehören u. a. A. Smirnow, M. Litwinow (Vorsitzender der Außenpolitischen Kommission), L. K a s s i n (Kommissar für Außenhandel) an. - Wie man sieht, sitzen in diesem Komitee mehrere der führenden Persönlichkeiten Sowjetrußlands. Der „Emes" bemerkt, daß das Komitee eine höchste autoritative Macht besitzt. Es gehe schon aus der Zusammensetzung hervor, daß die kommunistische Partei die landwirtschaftliche Ansiedlung der jüdischen Mafien nicht als eine jüdische Angelegenheit, sondern als eine staatspolitische Aufgabe betrachtet. (Siehe auch Wochenrundschau.) ANnjamm in der Ukraine. R i g a, 12. September. Die „Jewsektia" in der Ukraine hat nach dem Bankerott der sogenannten „lebenden Synagoge" zu einem neuen Mittel gegriffen, um jüdische religiöse Einrichtungen dem Kommunismus dienstbar zu machen. Es wurden kommunistische „Minjanim" (Betergemeinden) geschaffen, wo in Jiddisch gebetet wird und auch der Thora-Äbschnitt während der Andachtsübung in jiddischer Sprache vorgetragen wird. Zu diesem Zwecke wurden die Bücher Mose von einem Kommunisten, einem gewesenen Thora-Schreiben, in Jiddisch übertragen. (J.T.A.) »ft. 38 Seite 5 Itol&ftiwt. Die Feiertage der drei Konfessionen in Palästina. Jerusalem, 12. September. Laut einer am 2. September bekanntgegebenen Verordnung werden in Palästina am Freitag, Sonnabend und Sonntag, d. h. an den Ruhetagen der mohammedanischen, jüdischen, und christlichen Gemeinschaften, keine Zahlungen fällig. Dasselbe gilt auch für die anderen religiösen Feiertage der drei Religionen. Anrevik«. Unterbringung der gestrandeten Emigranten in Palästina. N e w y o r k, 10. September. Hier fand dieser Tage eine gemeinsame Sitzung der Zionistischen Organisation und derHias statt, in welcher über einen Plan der Beförderung der in den Häfen sitzengebliebenen Amerika-Emigranten nach Palästina beraten wurde. Es wurde ein gemeinsames Komitee eingesetzt, das einen Aktionsplan ausarbeiten soll. (I. T. A.) Von der jüdischen Kolonisation in Tttegito. Chicago, 12. September. Der Orden Bnei Brith hat zwecks Durchführung der Vorbereitungsarbeit für eine jüdische Immigration nach Mexiko 20000 Dollar zur Etablisierung eines Büros in Mexiko bewilligt. Der B. B.-Orden war eine der ersten amerikanischen jüdischen Organisationen, die sich für die Möglichkeit einer jüdischen Immigration in Mexiko interessiert hat. Aus aller Welt. Deutschland. Auf der Tagung des Gesamtverbandes der „Bereinigung für. das liberale Judentum", die dieser Tage in Berlin stattfindet, wird die Stellung der Vereinigung zum Pr e u ß i s ch e y L a n d e s v e r.b a n d jüdischer Gemeinden im Vordergründe der Verhandlungen stehen. Man ist nicht gewillt, Wahlkompromiffe einzugehen, vielmehr den deutsch-vaterländischen Standpunkt zu betonen. — Das Organ des Richard Kunze, „Die neue Zeitung" fetzt ihr Hetzwerk täglich fort, unter Auftischung des Ritualmordmärchens. Ein Einschreiten, von amtlicher Seite ist bis jetzt nicht erfolgt. — Die Misrachi - Koyferenz, die in der abgelaufenen Woche in Berlin getagt hat, beschloß die Schaffung einer M i s - rachirErdarbeiter-Organisation in Pal äst i n a. Schweiz. Aus dem Büro der interparlamentarischen Union wird mitgeteilt, daß der lettlandische Deputierte Rabbiner Nur o k von der vor kurzem stattgefundenen Tagung der Interparlamentarischen Union in die Kommission für soziale Politik hineingewählt worden ist. Amerika. Felix M. Marburg wurde von der ungarischen Regierung der Orden des ungarischen Roten Kreuzers verliehen und mit einem ehrenden Brief von der ungarischen Gesandtschaft überreicht. — Die amerikanische Legion I l l i n o i t h wählte einen Rabbiner, und zwar Rabbi Meier Liepmann, der während des Krieges im amerikanischen Heere in Frankreich wirkte, zum Feldgeistlichen. — Von einer Gruppe jüdischer Aerzte in Amerika wurde ein umfassendes Lehrbuch der Medizin in hebräischer Sprache abgefaht, das für die jüdische Universität in Jerusalem bestimmt ist. Briefkasten. S. H. in Höchberg. Auf besondere Bestellung erhalten Sie eine solche Maschine bei ..Mercedes", Ludwig Gutmann, Preziosa, Kaiserstratze. E. A. in Kr. Besten Dank für freund!. Anregung und Angebot. Das Bild ist auch im ..Ozar Jisroel" von Emsenstein enthalten und auch sonst hier in verschiedenen Darstellungen zu haben. E. W. Ist für eine Zwölfiahriae eine sehr anerkennenswerte Leistung, zur Veröffentlichung fehlt aber den Gedichten noch die nötige Reise. R. N. in Berlin. Solche AnkundigunMi können nur im Inseratenteile erscheinen. Vermischtes. Würzburg. 12. September. Sonntag, den 21. September, vormittags 11 Uhr, findet auf dem Israelitischen Friedhöfe die Uebergabe der Ehrengrabstätte statt in Verbindung mit einer Gedächtnisfeier für die im Kampfe für das Vaterland Gefallenen. Berlin, 12. September. Am nix (i. Oktober) begeht Herr Benjamin L ö w y, Kantor in der Schaß Chervra, feinen 70. Geburtstag. Herr Löwy, der früher viele Jahre hindurch als anim in Rendsburg wirkte, ist wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit und seines aufrichtigen, bescheidenen Wesens in orthodoxen Kreisen Berlins und darüber hinaus bekannt. Mögen dem wackeren Jehudi noch viele Jahre segensreichen Wirkens beschieden sein. vnwi va’ 'n

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