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Der Israelit · 1924-09-18 · Heft 38 (18.9.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 38 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 38 Frage handelt: zionistis ch e oder a g u - d i st r s ch e jüdische Politik mehr als bisher beherzigt zu sehen. /Wie der Schatten neben dem Lichte nimmt sich neben diesem Zeitbilde der Zentrumspolitik das Verhalten der Völkischen und der Kommunisten aus. Bei den ersteren eine rein triebhafte, von sittlich-religiösen Momenten völlig unbeeinflußte und daher kopflos Orgien des Hasses feiernde „Politik", die das Primat des Dreschflegels über das Gehirn verkündet. Und bei den K o m m u n i st e n — fast noch abstoßender wirkend als das gehirnlose Toben der Kuntze-Männer — die bewußte Abtötung jeder sittlichen Solidarität mit den Volksgenossen, die Austreibung des Herzens, des natürlichen menschlichen Empfindens aus der Politik, und die disziplinlose Durchbrechung aller gesellschaftlichen Ordnung und Bindung — alles Wirkungen, die unfehlbar eintreten, wenn die Religion als bestimmender Faktor aus der Welt des Politischen schwindet und nicht einmal mehr, wie es bei den anderen Parteien der Linken immerhin noch der Fall ist, ein Gefühl der schweigenden Ehrfurcht vor dem Unersorschlichen mehr auszulösen vermag. Daß schlechthin ehrfurchtlose rüde Patrone, vom Schlage der Katz, Schalem und Genoffen von jüdischen Müttern geboren worden sind — sonst haben sie mit dem jüdischen Wesen nichts gemein — ist eine von der religiösen Judenheit als tiefste Schmach empfundene Tatsache, die man nur an Hand des altjüdischen Weisheitsgesetzes begreifen kann, daß gerade das Heiligste, w e n n es einmal der n»»v' der Unreinheit, anheimfällt, zu den tiefsten Graden dieser nxvv herabsinkt. „Wenn es steigt, das dem Dienst der Sittlichen Geweihte, steigt es zu Himmelhöhen, wenn es sinkt, versinkt es in die Gruft tiefster Entartung." Wir wiederholen: Weder Propaganda für das Zentrum, noch Stimmungsmache gegen andere politische Parteien ist die Absicht dieser schlichten Bemerkungen. Es sollte nur an einigen Beispielen gezeigt werden, daß Gott, der Schöpfer des Weltalls und der ewige Lenker der Völkergeschicke, sich auch in unseren Tagen nicht ungestraft in die vier Wände einer „Kultusstätte" einsperren und aus der Fülle des geschichtlichen Lebens ausschalten läßt. D e r :3 s r o e 1 i t Slo/cfi-ha-Jcftono- Sfückwünfcfic Können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe 110 Zeilen Ispaltig zu Mk. 3.— Größe n 15 Zeilen Ispaltig zn Mk.4.60 Größe H110 Zeilen Lspaltig zu Mk.6.— Die Beträge wolle man aus Postscheckkonto Nr. 19802 überweisen, den Text durch Postkarte emsenden. Texte, die bis zum 23. September morgens in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer. später eintteffende in der Nummer 40/41 veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Israel avzutöse« wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbettag eine Gebühr von so Pfennig für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. Frankfurt a. M.. 4. September 1924. Verlag äer „Israelit44 m. v. st. Wochenrundschau. Der Völkerbund und die jüdischen Minoritäten. Während der Tagung des Völkerbundes in Genf,hat Prof. Gilbert Murray in einer längeren Darlegung über das Problem des Schutzes d er M ind erh eiten in den Ostländern ein Wort gesprochen, das der Gesinnung nach, aus der es fließt, dankbar aufgenommen werden müh und das doch in seinen praktischen Konsequenzen schwerste Bedenken wecken muß. Murray meinte, der oft gehörte Einwand, daß man sich nicht in die inneren Angelegenheiten der a n de r e n Völker einmischen könne, dürfe im Völkerbund nicht gelten, denn es sei umnöglich zu fordern, daß man sich gegenseitig helfe und .ILMeptencher 1P24^ schütze, „ohne daß es andererseits erlaubt wäre, aufeinander Einfluß zu neDnem?^^^/ , Grundsätzlich ist das... gewiß richtig/ und dennoch: soweit das SchiWl W E^üch chn in Betracht kommt, kann eine gutgemeinte Einmischung der Völkerhundinstanzen in dle Mittoritätenpolitik von Ländern wie Polen/ Rumänien, Ungarn schweres Unheil heraufbeschwören. So tragisch die Lage unserer Brüder in diesen Ländern oft genug war — und zwar gerade in den Jahren der Nachkriegszeit — es ist doch noch immer besser, im Heimatlande auf dem Boden der inneren Verfassung um gleiches Rechts um Schutz von Leben und Eigentum zu ringen und mit der allmählichen Gesundung der kränken Volksseele zu rechnen, als in den Augen der Staatslenker und der nationalistischen Massen als die Schutzbefohlenen fremder Staaten dazustehen und so zum Sturmbock für die nationalen Leidenschaften der jungen Staatsvölker zu werden. Es wird noch langer Zeiträume bedürfen, bis wir soweit sind, daß der Völkerbund von den Völkern in der Tat als neutrale, überstaatliche Autorität anerkannt und feine Intervention von den auf ihre Souveränität eifersüchtigen Staaten ohne schweren Schaden für seine Schützlinge willig ertragen werden wird. Bis dahin wird es großen Taktes und besonderer Vorsicht auf seiten des Völkerbundes und insbesondere absoluter Zurückhaltung von seiten der Minoritäten bedürfen, wenn nicht aus dem Schutz ihrer Interessen eine Preisgabe ihrer Existenzgrundlagen werden soll. Die Sowjetrussischen Kolonisationsbestrebungen. Der von Sowjetrußland gehegte Plan einer jüdischen Massenansiedlung in der K r i m ist auf dem Wege seiner Verwirklichung, nachdem der Joint, nach einer Mitteilung des I.T.A., 400 000 Dollar für diesen Zweck bewilligt hat. Die jüdischen Organisationen in Amerika zeigen sich sehr gewillt, an der Realisierung des großzügigen Planes noch weiter kräftig, mitzuarbeiten. Das Vorgehen der amerikanischen Hilfsorganisationen ereklärt sich aus dem Elend, das, durch das Einwanderungsverbot in Amerika heraufbeschworen, die Dringlichkeit der Schaffung neuer Einwanderungsgebiete klar vor Augen führt. Immerhin machen sich in amerikanischen Zeitungen Bedenken geltend, die wir durchaus teilen und die den amerikanischen Geledgebern sehr zur Vorsicht mahnen sollten. Die Untaten der. „Jüdischen Sektion" innerhalb, der bolschewistischen Regierung in Moskau und ihre inquisi- Anmerkungen zum Wochenabschnitt. Von Rabbiner Ar. Winkler in Kopenhagen. I. nhm "f? slm 'n iw« pKn Vx xian 'a N'NI _ -na narp'i nnm*i na «pi nnw-ni nVni ..Was du ererbst hast von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen".— II. 27, 8: .'w nvb nan „Moses sprach. lieber den Inhalt dieser Unterredung weiß Ialkut Schimeoni solgendes zu berichten: Unsere Väter waren an Moses mit dem Vorwurf herangetteten, die Tauro zum Prioilegdes Priesterstandes gemacht zu haben» vgl. 31, 9. Wollt ihr nun. fragte er. daß auch ungehinderte Zulassung für jeden Thorasuchenden unter euch ftmtzr1 ^>a bio) feierlich zugesichert werde? Ja, sagten sie- Das geschah sogleich, worauf auch sie ihrerseits schworen, daß keiner von ihnen sich dem Studium der Lehre entziehen würde. Da rief Moses aus: ap n’Vtt ntn ov»n „diesen Tag wirst du in Wahrheit zum Volke deines Gottes!“ — NI. nxi ^>n Va tu «Auch jeglicheMrankheit und jegliche Plage, die nicht geschrieben ist in dem Buche dieser Lehre. —" Hiermit soll nach einem (übrigens bisher noch nicht aufgefundenen) Midrasch das Ableben hervorragender Frommen gemeint sein. .Die Erklärung dazu ist, daß, während in allen anderen Büchern der Tauro vom Tode stommer Persönlichkeiten berichtet wird, das fünfte Buch bis auf diesen Abschnitt keinen einzigen solchen Bettcht aufzuweisen hat; und auch die in einem späteren, Abschnitt vorkommende Anmerkung über sein eigenes Ableben mochte Moses» der in seiner Bescheidenheit sich nicht für fromm äenug hielt, nicht als einen n'P’is nn’Q ansehen. Wenn demnach die Tauro von solchen Plagen spricht, die nicht in diesem Buche geschrieben sind, so kann sie dabei nur den Tod der Gerechten im Auge gehabt haben, vgl. nyi» *?n« ly Daß die Strafandrohungen aus «an 'a 'S gerade vor Rosch Haschouo gelesen werden sollten, ist eine Anordnung, die von Esra herrührt, 'a x^ nru»' und als Schutzmittel zur Abwehr dieser hundert Klolaus (incl. na» *?ai *^n ^a nämlich) sollen die hundert Br och aus dienen, die wir alle Tage sagen.»» '•»o.rnx 'a r» mm»* * * * Eine Anmerkung zur Liturgie. Im Beginn der ersten Slicho zum ersten Slichostage: a^s i^xa- Die Bedeutung des Wortes •ftxa wird von den Meisten falsch ausgesaßt; sie denken an i^x „diese". Das ist aber ein Irrtum. Das Wort ist vielmehr zusammengesetzt aus i^x-'xa und bedeutet „mit welchen (pl.j" Nach der Analogie von nt’X «welcher4, irx „welche" (fg. fern.) wird der »welche" (plural) gebildet. — Es finden sich unter den Hebräisch-Schreibenden noch sehr viele, denen dies unbekannt ist und daher z. B. „einige Männer" mit inx oder a'wax nr»x wiedergeben, — eine Schreibweise, die dem Kundigen ganz ungeheuerlich erscheinen muß! Kleines Feuilleton.; . . ■; ///■ Erlauscht und erlebt auf einem kleinen Bahnhof.' Wie ich zusammen mit dem Platzregen 7 Uhr morgens in H. ankomme, erfahreich, daß der nächste Zug nach K. erst um 1/a9 aofahre. Da bleibt nichts ' anders übrig, als im Bahnhofe,.der wenigstens Schutz vor dem sttömenden Regen bietet, sich umzufchauen. Die kleine Menschenflut, die der Morgen-Arbeiterzug gebracht. ist rasch abgeebt. Es ist füll und dunkel und dumpf unter der niedrigen Kuppel^ und Johannes Büchner hat nun Zeit und Mußez sich seinem Frühstück zu widmen. Er kann auch anders heißen. Ich nenne, ihn nur so, weil er so gelehrt ausschaut. Büchner ist der Bahnhofsbuchhändler oder vielleicht nur angestellter Verkäufer. Er hat ein schlechttastertes volles Gesicht und trägt eine Brille. Auf knochigen Schul-

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