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Der Israelit · 1924-09-18 · Heft 38 (18.9.1924) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 38 (18.9.1924)
Date
1924-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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65. Jahrgang. Frankfurt «. M., den 18. September 1924 19. Lllul 5684 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Nr. 38 'Abonnement ab Januar- 198t Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Viertel- " Inlandspreis zuzüglich Kosten des Etreifband-Ber» — m-» i Dollar; --- ' " * *' Iandes)DäItMLsterreich: AÜm Arrin^: Amerika l Aollar; Englandt Frankreich 18 Fr.; Belgien 18 Fr.: Holl "" " -- ' *■ « «.*- 7.60 Lit.;^ Rumänien 100 Lei; ‘ ""^'^OäSIOttuiw ist» «(uncn; «nyuvn suuuv nvuntn < Norwegen 8 Krone«; Schwede« 8.80 Krone«. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldofennige, für Stellensuchende 80 woldpf., für die stebengespattene Nonpareille-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertsette 1.80 Mk., vorletzte Tertseite 3.- Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriestiortos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferatauftragen tartfm. Breiserk""— , v—" ' " " ' " “ ' Eeschäftsanz/igen^J^ Schmidt, Langeftrabe 7, ll/'Matzvorfchriften ohne Berkindlichkett. - Zahlungen direkt an de» Verlaa.auf Postscheckkonto Frankfurt (Main)_ _ Zürich Nr. vm 738t — Inkasso-Bank Rotterdam — Böhmische «nionbank in Prag — ) Nr. 19803. — Außerdem an: Postsparkasse Wie» Nr. 79808 — Postsparkassenamt Budiwest Nr. 1848t — Postscheckamt Banca Marmarosch, Blank «i Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. zrr Pvclfon für 3srac(if»Slbonncnf ctt: Hirsch, Pentateuch 5 Bde geb. Hirsch, Gebete ...... (nur noch wenige Exemplare) Lehman«, Samuel Ha-nagid Schachnomitz, Merelatka „ Luftmensche« „ Jenseits „ Sm Judenstaat der Chasaren „ Salomo, der 38.- 9.— 80.— 7.— i,- drosch. 2.— geb. 2.80 And aus, Baälfchem oo« chelstadt Lieferung, gegen vorherige Einsendung des Betrages zuzüglich Bersand-Porto oder gegen Nachnahme. Frankfurt a. M. Berlag des Israelit G. m. b. H. Religiöse Anmerkungen zur Tagespolitik. Wir pflegen an dieser Stelle nur selten ein allgemein politisches Thema anzuschlagen. Denn es ist eine alte und unseres Erachtens gute Tradition der gesetzestreuen jüdischen Presse, ihre Leser hinsichtlich der Form und der Wege, in der und mit denen sie dem religiös geheiligten . Grundsatz des wn n« wnder Hingabe an das Gemeinwohl,, entsprechen zu sollen glauben, nicht zu beeinflussen. Auch d e r Ausschnitt aus der allgemeinen Tagespolitik, der uns als Juden ganz besonders betrifft, der A n t i s e - mitismus, wird von uns seit Jahrzehnten bewußt in den Hintergrund gedrängt, weil die ausschließliche oder vorwiegende Beschäftigung mit den Niedrigkeiten und Tollheiten dieser psychischen Dauerkrankheit die jüdische Seele mehr als ihr zuträglich von den pofttiven Ausgabe n r e l i g i ö s e r N a t ü r ablenkt, die ihr Heute wie allezeit gesteckt sind. Allein die Motive für diese relative Selbstbeschränkung in politicis sind mit den hier angegebenen Momenten in der Tät erschöpft. Nicht rin Betracht kommt für uns der oft gehörte und beider auch in manchen orthodoxen Kreisen geradezu populäre Gesichtspunkt, Religion und Politik seien Gegensätze, und ein religiösen Interessen gewidmetes Blatt versündige und verunreinige sich gewissermaßen, wenn es der Politik, noch dazu nicht der jüdischen, sondern der allgemeinen Politik Raum und Nachdenken widme. Ein solcher Gedanke wäre für jede Religion auf Erden diskutabel, nur nicht für die jüdische, nur nicht für die Thora. Der Jude, der nur ein einziges Mal seine Freitagabend-Liturgie mitdenkend und mitfühlend durchlebt, die Donnerworte des Pfalmisten von dem „Gotte, der kommt, der kommt, die Erde zu richten, die Menschenwelt nach dem Rechtsideale zu formen und die Bölkernach der Ihm zu gewandten Treue" in Wahrheit und Liebe auf fein Gemüt hat wirken lasten und der nun all seine Arbeitswochen mit ihrer Sabbatsehnsucht als ein verjüngtes Abbild und Vorbild der p o l i t i s ch e n Arbeit, für den Anbruch des Reiches der p o l i t i s ch e n S i t t l i ch k e i t aus Erden begreift — dem wird Politik in diesem einzig begriffsgemätzen, reinen Sinne schlechthin der höchste und heiligste Gegenstand des religiösen Wirkens, sein und bleiben. Im Geiste dieser Wisch-religiösen Auffassung wäre es also an sich eine der hehrsten und bedeutungsvollsten Aufgaben der jüdischen Presse, die Politik der Völker und Staaten fortlaufend zu verfolgen und an den Maßstäben der überlieferten biblisch-rabbinischen Weisheit die politischen Ideale und Ereignisse zu messen, die der Tag gebiert und verschlingt und zu denen auch die Juden als treue Bürger ihrer Wohnstaaten tagtäglich Stellung zu nehmen haben. Welche.Rücksicht an der Erfüllung dieser an sich wohl begründten literarischen Aufgabe im allgemeinen hindert, ist einleitend bemerkt. Nicht daher um irgendeine politische Wirkung auszuüben, sondern um der zu schöpfenden religiösen Belehrung willen, möchten wir heute auf zwei Momente in der Geschichte der jüngsten deutschen Politik Hinweisen, deren ganzen historischen Gehalt erst die Zukunft wird recht erkennen können. Wir meinen die Rolle, die in diesen schicksalsschweren Tagen das Zentrum einerseits, die radikalen Parteien rechts und links andererseits gespielt haben. Das Ergebnis der letzten Reichstagswahlen war ein typisches Beispiel für die ungeheuere Macht des natürlichen Triebes des Egoismus, der Auflehnung gegen erlittene Unbill im Völkerleben, der Reaktion des nationalen Selbstgefühles auf eine unendliche Reihe von Kränkungen und Demütigungen, unter deren Wirkung ein Volk fogut wie der Einzelne das seelische Gleichgewicht nur allzuleicht verlieren kann. Aus welchen Gründen in denjenigen Volksschichten, die von der Sozialdemokratie und der Demokratie vertreten werden, diese Empfindungen, die Deutschland zu einer Außenpolitik der Verzweiflung hätten verleiten können, weniger Verheerung anrichteten, als in den übrigen Schichten des Volkes/hat im wesentlichen ökonomische Ursachen, die hier ununtersucht bleiben sollen. Fest steht jedenfalls, daß sowohl bei den Wahlen selber, als insbesondere nachher in den Tagen der schwersten Prüfung, die der Londoner Konferenz vorangingen und nachfolgten, die R e t t u n g des deutschen Volkes entscheidend der einzigen Partei zu danken ist, die in religiösen Momenten die tragenden Grundlagen ihrer Existenz erblickt, dem Zentrum. Wer vermöchte darin einen Zufall zu erblicken! Innerhalb des Zentrums sind die gleichen geistigen und wirtschaftlichen Strömungen lebendig, die auch weiter rechts die blinde politische Leidenschaft, das unkontrollierte zum Nationalgefühl erweiterte persönliche Selbstgefühl als Inspirator der politischen Entschließungen betrachtet. Aber im Zentrum erhebt sich in sieghafter Macht »der religiöse Gedanke in seiner sänftigenden, zur Selbstbesinnung geleitenden Weihe über das Chaos der politischen, der nationalen Leidenschaften und läutert so das falsche, das triebhafte Nationalgefühl, das uns den Völkermord gebracht hat und den Völkerhaß verewigt, zur echten, in Weltgefühle getauchten Vaterlandsliebe. Diese Vaterlandsliebe gibt der Seele bei aller Wärme des Gefühls die innere Freiheit, mit dem Blick ins Weite zu entscheiden und die nationale Enge zu überwinden, die den Patriotismus so leicht in Chauvinismus wandelt. Das Primat der Religion auf dem Gebiete der Politik tritt in dieser Erfahrung so handgreiflich zutage, daß man wünschen möchte, es auch im inneren jüdischen Kreise, wenn es sich um die f i MT Der heutigen Gesamtauflage liegt » j Bogen 8 (S. 113—128) von Mosche S j C'h aji m Lnzattos v'IV" in der j j Uebersetzung Dr. I. Wohlgemuths j S für unsere Abonnenten bei. -

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