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Der Israelit · 1924-09-11 · Heft 37 (11.9.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 37 (11.9.1924)
Date
1924-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 Nr. 37 Der Israelit 11. September 1824 Zentralverwaltung und des Zentralrates des Verbandes für jüdischen Gesundheitsschutz „Ose" statt. Professor Dr. Rofenthal erhob in feinem Berichte Anklagen gegen die Welthilfskonferenz. Sie habe den Vertrag, wonach sie allmonatlich 10000 Dollar für „Ofe"-Zwecke beizusteuern hätte, nicht eingehalten. Von den 120 000 Dollar, die im letzten Jahre zu leisten gewesen wären, wurden im ganzen 17 000 gezahlt. Andererseits war „Ose" durch die Abmachung mit der Welthilfskonserenz daran gehindert, eine selbständige Sammlertätigkeit zu entfalten. Dadurch geriet die russische Arbeit der „Ose" in eine plötzliche Krisis, die nur durch die Energie des russischen Bevollmächtigten Dr. Gran behoben werden konnte. Gewisse Beträge flössen von Joint, War Victims Fund und anderen zu. Es wurden in diesem Jahre in Rußland 400 000 jüdische Patienten behandelt und 200 000 Rezepte ausgegeben. Einen großen Raum nahm die Arbeit zugunsten der Kinder ein. Das Arbeitsfeld wurde immer weiter ausgedehnt, immer neue Aerzte und Organisationen wurden herangezogen. 15 ausklärende Schriften in zusammen 267 000 Exemplaren wurden verbreitet, davon drei Viertel allein in Rußland. Große Wirkung hatten die Ausklärungsplakate, sowie die populären medizinischen Kurse. Jetzt wurden 15 Serien Lichtbilder mit jüdischen Aufschriften für die Auf-1 klärungsarbeit verbreitet, sowie ein medizinisch-hygienisches Wandermuseum. (I. T. A.) Die katholische Studentenschaft gegen den antisemitischen Hochschulring. Hannover, 3. September. Während des Kacholikentages in Hannover fand ein Bertretertag des Kartells der nichtfarbentragenden katholischen Studentenvereine (K. V.) statt. Der Versammlung lag ein Antrag vor, der den Verband in ein Freundschaftsverhältnis zum Hochschulring deutscher Art bringen wollte. Dieser war von den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Dr. Krohn mitunterstützt. Nach einer eingehenden Aussprache ist der Antrag a b g e - lehnt worden. Provinzral-Verband für jüdische Wohlfahrtspflege. Hannover, 8. September. Im Sitzungssaals der Synagogengemeinde zu Hannover fand am Mittwoch, den 3. September, die Gründung eines Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in der Provinz Hannover und den Freistaaten Braunfchweig und Oldenburg nach ausgezeichneten Referaten der Herren Landrabbiner Dr. Freund- Hannover, Landrabbiner Blum- Emden, Dr. S e g a l l - Velin und nach eingehender Aussprache statt. Der Verband ist bestimmt, ein Mittelglied zwischen den einzelnen Gemeinden und Institutionen und der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin zu bilden, um die vorhandenen Kräfte zu gemeinsamer, fruchtbringender Arbeit zusammenzufassen. Zu der Versammlung hatten 45 Gemeinden mit 66 Prozent der gesamten Seelenzahl der drei Provinzen, sämtliche jüdische Prooinzialvereinigungen, die Logen, alle jüdischen Wohlfahrtsanstalten der Provinzen und alle Vereine der Synagogengemeinde Hannover Vertreter entsandt. Vorsitzender des Verbandes ist Herr Alfred Fürst yon der Zentralstelle für Wohlfahrtspflege in der Synagogengemeinde Hannover, die Geschäftsführung hat Herr Grünbaum. Tschechs«Sts«»t»kei «Ort" und »»Ose" und Hilfskonferenz. Karlsbad, 1. September. Der Permanenzausschuß legte der Hilfskonferenz eine Resolution bezüglich der Zentralisierung der Sammlungen vor, in der die Jüdische Welthilfskonferenz es für zweckmäßig und notwendig erklärt, daß die Exekuttve ihre Arbeit auf dem Gebiete jener Aufgaben, auf welchem jüdische interterritoriale Spezialorganisationen tätig sind und in den Ländern, wo diese durch gesellschaftliche Elemente arbeiten, durch diese Organisationen ausführen läßt. Die Konferenz beauftragt die Exekuttve, zwecks Verwirklichung der Zentralisierung der Sammlungen, unter Berücksichtigung der Bedürfnisie der interterritorialen Spezialorganisationen, eine Vereinbarung mit diesen letzteren zu suchen." Von den Gesellschaften „Ort" und „Ose" wurde darauf hingewiesen, daß sie nur dann der Zentralisierung der Sammlungen zustimmen können, wenn von der Welthilfskonferenz mit ihnen eine Vereinbarung getroffen wird, durch die sie einen festen Anteil an sämtlichen Einnahmen der Welthilfskonferenz erhalten. Sollte diese Vereinbarung nicht zustande kommen, so müßte ihnen das Recht gewährt werden, selbständige Sammlungen vorzunehmen. Die Resolutton des Permanenzausschusses wurde mit einer Mehrheit angenommen und der Zusatzantrag der Gesellschaften „Ort" und „Ose" abgelehnt. Darauf gaben Herr Dr. Silber färb im Namen des „Ort" und Herr Dr. R o s e n t h a l im Namen des „Ose" Erklärungen ab, wonach sich die Verbände an der Exekutive, solange eine Vereinbarung wegen der Geldsammlungen nicht zustande gekommen ist, nicht beteiligen können. Die letzten Referate auf der jüdifchen Welthilfskonferenz. Karlsbad, 5. September. Die Sejmdeputierte Frau Rosa Pomeranz-Melzer (Polen) hielt ein Referat über das Kinderhilsswerk; Herr Latzky-Bertholdi über Emigratton. Herr Leo Chasanowitsch legte noch einmal mit allem Nachdruck Verwahrung dagegen ein, 'daß etwa zwischen dem Vereinigten Jüdischen Emigrattons-Komitee und der Jca ein Abkommen über eine Vereinigung der Arbeit zugunsten der jüdischen Flüchtlinge stattfinde. Der Vertreter des „Hilfswerkes" der Agudas Jisroel, Herr Professor Eisler, hielt ein Referat über die Hilfsaktion für die intellektuelle Klaffe in Rußland. Die Lage der jüdischen Stubdenten in Rußland schilderte Professor Eisler als grauenvoll und unerträglich. Wenn nicht schnelle und ausreichende Hilfe komme, stehen die jüdischen Studenten und die jüdischen Intellektuellen in Rußland vor dem restlosen Untergange. Dr. Oskar Cohn, Mitglied des preußischen Landtags, referierte sodann über das Problem Hilfe durch Arbeit. Der Redner behandelte das Problem des Wiederaufbaus des jüdischen Lebens in den osteuropäischen Ländern in einer eindrucksvollen Weise und legte dar, daß das jüdische Volk den Mangel eines eigenen Staates durch vereinte freiwillige Tättgkeit der verschiedenen jüdischen Bevölkerungsschichten ersetzen könne. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee sprach sodann über die Wichttgkeit der Aufbauarbeit zum Unterschiede von philantropischer Tätigkeit. Der Vertreter der amerikanisch-jüdischen Emigranten - Hilfsgesellschaft „Hias", Herr Benjamin, teilte unter großem Beifall der Delegierten mit, daß die Hias ihr Tätigkeitsfeld beträchtlich zu erweitern gedenke. Insbesondere ist die Hias bereit, in Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation ein Werk der Unterstützung der jüdischen Emigranten, die nach Palästina reisen wollen, in die Wege zu leiten. Die Konferenz beschloß, eine Delegation nach den Vereinigten Staaten zu entsenden, die die Aufgabe haben soll, das dort erschlaffte Interesse für die Hilfsarbeit zugunsten der verelendeten Massen in den osteuropäischen Ländern durch entsprechende Aktionen wieder anzuregen. Die Beendigung der Konferenz verzögerte sich infolge einer im Permanenzausschuß entstandenen Krise in den Verhandlungen mit den Vertretern der Verbände „Ort" und „Ose". Diese in der Aufbauarbeit tätigen Verbände forderten, daß ihnen von den der Welthilfskonferenz zufließenden Geldern ein fester Prozentsatz zugesichert werde. Sollte diese Forderung nicht bewilligt werden, so seien die Verbände entschlossen, unabhängig von der Welthilfskonferenz Sammelakttonen für ihre Aufbauzwecke zu veranstalten. Die Auseinandersetzungen über diese Frage nahmen einen ganzen Tag in Anspruch. Die Mehrheit der Delegierten, insbesondere die der amerikanischen Organisationen, traten für eine Zentralisierung des Kapitals ein. Die Delegierten der „Ort" und der „Ose" beanspruchten ferner die Hälfte der Sitze in der Gesamtexekutive. Dieser Antrag wurde mit Sttmmenmehrheit abgelehnt und beschlossen, daß die Mitglieder der Exekuttve von der Gesamtheit der Delegierten gewählt werden sollen. Karlsbad, 5. September. Die Konferenz beschloß noch in einer der letzten Sitzungen den folgenden Appell an die gesamte jüdiische Wett zu richten^ . - Die Konferenz betrachtet es als ihre -heilige Pfmyt, sich aip das Judentum der ganzen Welt zu wenden, um ihm zum Bewußtsein zu bringen, daß die größte jüdische Gemeinschaft, das Ukrainer Judentumnoch immer von den zahlreichen Folgen der furchtbaren Katastrophen bedeut wird, die im Laufe der letzten Jahre seine materielle und geistige Existenz ruiniert haben. Das moralische und materielle Elend der jüdischen Kinder, der Waisen und Obdachlosen, die schreckliche Not der jüdischen Intelligenz, die physische Entartung eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung, all diese traurigen Folgen der durchlebten Schrecken (Krieg, Pogrome, Bürgerkrieg und Hunger) stellen das russische Judentum vor die Gefahr des Unterganges. Die Aufgaben der Hilfsaktion gegenüber dem russischen Judentum sind: 1. ihm schnell materielle und medizinische Hilfe für Kinder und Erwachsene zu gewähren. 2. die deklassierten jüdischen Massen in ein produkttves Wirtschaftsleben überzuführen (Industrie und Landwirtschaft) und denjenigen, die an Ort und Stelle keine Arbeit finden können, die Auswanderung auf legalem Weg zu ermöglichen und sie dabei materiell zu unterstützen. Marannen in Sowjetrußland. Riga, 27. August. Im Zusammenhang damit, daß das religiöse Element in Rußland in vielen Berufen zuEckgesetzt wird, hat sich ein neuer Typ Marannen ausgebildet. Die jüdische Bevölkerung bezeichnet jene jüdischen Kreise, die, obwohl religiös und national gesinnt, dennoch sich als Kommunisten ausgeben, um ihre soziale Positton nicht aufgeben zu müssen, als Marannen oder Anuffim, wie einst in Spanien und Portugal die jüdischen Scheinchristen genannt wurden. Gewöhnlich handelt es sich um Schullehrer, Unioersiitätsdozenten, Bibliothekare usw. Nach einer kürzlich herausgegebenen Bestimmung des Zentralkomitees der russischen kommunisttschen Partei sollen in den Lehrerberuf möglichst viele Mitglieder der kommunistischen Partei zwecks schnellerer Durchführung des kommunistischen Erziehungsprogramms eintreten. Nichtkommunisten und religiös Gesinnte sollen möglichst dem Erzieherberufe ferngehalten werden. (I. T. A.) Die Zentralbehörden gegen die „Jewsektia". Riga, 29. August. In den führenden Kresen der russischen kommunisttschen Partei gibt sich eine Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der jüdischen Sektionen kund, die oft den Unwillen der jüdischen Bevölkeung erregen, ohne auf größere positive Leistungen Hinweisen zu können. Wie der Rigaer I. T. A.-Vertreter aus sicherer Quelle erfährt, hat Sinowiew während der 13. Konferenz der russischen Kommunistischen Partei an die Führer der „Jewseektia" die Frage gestellt, was diese eigentlich an positiver Arbeit leiste. Die Gefragten wurden verlegen und erwiderten: „Wir verwirklichen den Plan eines jüdischen Territoriums in der Krim". Todesurteil gegen Pogrombandenführer. Moskau, 2. September. In U m a n fand dieser Tage der Prozeß gegen eine Pogrombande statt, die unter dem Namen „Dereschtschukbande" zahlreiche Junden abgeschlachtet hat. U. a. hat die Bande auf eine Landstraße eine achtköpfige jüdische Reisegesellschaft erschossen. Der Bandit Kalasiuk pflegte sich einen Sport daraus zu machen, je zwei Juden aneinanderzustellen und mit einem Schuß beide zu durchbohren. Das Haupt der Bande Dereschtschuk und zwei weitere Anführer wurden zum Tode, die übrigen Mitglieder der Bande zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. (J.T.A.) Oie kommunistUsche Internationale gegen den Antisemitismus. Moskau, 3. Septembe. Soeben wurden die Resoluttonen des 5. Kongresses der kommunistischen Internationale veröffentlicht. Eine dieser Resolutionen lautet: Angesichts des starken Anwachsens des Antisemitismus in den neuentstandenen Staaten, insbesondere in Polen, Rumänien, Ungarn, sowie augesichts der Bestrebung der herrschenden Klaffen, die Aufmerksamkeit der arbeitenden Klaffen von. den wahren Schuldigen yy ihrer Not abzulenken und die Schuld den Juden zuzuschieben,

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