Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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h Lina rzie re P 33031s zum Das hebräische Diktat. Ein Vorschlag von cand. phil. Bernhard S. Jacobson. Da vertraute Kenntnis der Thora und des jüdischen Schrifttums überhaupt für den gesetzestreuen Juden eine Forderung ist, an deren Erfüllung er sein Leben lang arbeitet, so können Erörterungen rein pädagogischer Natur ein Interesse beanspruchen, das über den Kreis der Rabbinen und Lehrer hinausreicht. An Kritik der gegenwärtigen Methoden des jüdischen Unterrichts aus allen Kreisen, von Seiten der Laien wie von Fachleuten fehlt es nicht,- sie ist genügsam bekannt. Auch an Vorschlägen zur Aenderung und Verbesserung ist kein Mangel. Jedoch diese Vorschläge kranken fast immer daran, daß sie mehr Programme, Postulierung von Forderungen sind als konkrete, ins Detail gehende Zielsetzungen mit genauester Wegangabe. Auch von gesetzestreuer Seite wird häufig — ganz unbeschadet zu ihrer Einstellung zum rein nationalen Judentum — eine Hebraisierung des jüd-ischen Unterrichts gefordert. Selbst bei Vorhandensein einer klaren Vorstellung von Umfang und Methode dieser Hebraisierung scheitert ihre praktische Durchführung in den Schulen an der mangelnden Befähigung der Lehrkräfte, den jüdischen Unterricht in hebräischer Sprache zu erteilen. Selbst wenn man aber die Hebraisierung prinzipiell als Lehrziel ablehnt, weil sie der Anerkenntnis einer neuen hebräischen Kultur irgendwie gleichkäme, so wird man dennoch unbedingt das von ihr anzunehmen haben, was die Kenntnis und Verlebendigung der Taurohkultur fördern könnte. Schon lange werden grammatikalische Kenntnisse der hebräischen Sprache als wesentliches Lehrziel gefordert. Das hebräische Diktat dagegen ist unseres Wissens noch nicht mit aller Energie als bedeutsames didaktisches Hilfsmittel gefordert und in seiner Bedeutung gewürdigt worden. Einen praktischen Vorzug hat dieser Vorschlag: seine Verwirklichung erfordert von den Lehrern keine besonderen Vorkenntnisse, es ist keine mühselige Arbeit erforderlich wie etwa beim Erlernen der modernen hebräischen Sprache. Es handelt sich nur um eine verhältnismäßig mühelose Umstellung in der Methode des Unterrichts. 2n den folgenden Ausführungen soll daher das hebräische Diktat nach seiner formalen und inhaltlichen Seite behandelt und die Einwände sowie die Bedeutung besprochen werden. Es wird dabei absichtlich mit gewisser Breite auf Dinge eingegängen werden, die für jeden ausgebildeten Lehrer selbstverständlich sind. Es könnte nämlich mancher Lehrende, der sich nicht mit Didaktik beschäftigt hat. von unseren Anregungen Gebrauch machen wollen. Man kann drei Arten von Diktat, cd: h. in unserem Zusammenhang, das Mederschreihen von Texten ohne Vorlage, unterscheiden: 1. Diktat eines bekannten Textes, 2. Diktat eines unbekannten Textes und 3. auswendige Niederschrift eines Textes. Jede dieser Arten übt bestimmte psychische Fähigkeiten des Schülers und führt ihn auf ihre Weise dahin, ein Stoffgebiet geistiges Eigentum werden zu lassen. Die Vorbereitung des Schülers auf das Diktat spielt eine große Rolle, ebenso die Art des Diktierens und 'die Besprechung der Fehler bei der Rückgabe. Häufigkeit und Dauer der Diktate sind zu beachten. Für die Praxis des hebräischen Diktatunterrichts ergeben sich aus diesen allgemeinen Bemerkungen gewisse Richtlinien. Im vierten Schuljahr etwa wird man hebräisch schreiben lehren. Hier sei eine nicht unbedingt zum Thema gehörige Bemerkung, die uns aber als nicht unwesentlich erscheint, ausgesprochen. Man hat an der Talmud-Thora-Schule in Hamburg zum Beispiel die Hebungen im Hebräischschreiben an deutschen Texten gemacht, so ließ man oft aus der Schulbibel abschreiben. Man lernte also „jüdisch-deutsch" zu schreiben. „Jüdisch-deutsch" äks schriftliche Verkehrssprache ist bei den deutschen Juden vollkommen außer Gebrauch gekommen, selbst deutsche Bibelübersetzungen in hebräischen Lettern sind aus der „Mode" gekommen. Es liegt kein Grund mehr vor, das Jüdisch-deutsche in den Schulen zu pflegen. Heute taucht ein neues Problem für den Unterricht auf: sollte man nicht eigentlich in der Schule systematisch einige Kenntnis des „Jiddischen", der Muttersprache von Millionen Juden, vermitteln? Selbst bei Bejahung dieser Frage käme aus Gründen, die jetzt zu behandeln nicht angebracht, ein Unterricht erst auf der Oberstufe, etwa im jüdischen Literaturunterricht, in Betracht Aus dem Gesagten geht wohl schon hervor, daß man die Schreibübungen lieber an hebräischen Texten vornehme. Man lasse zunächst einzelne Worte, dann kleine Sätzchen und endlich Abschnitte aus dem Gebetbuch abschreiben. Ist eine Sicherheit im Schreiben erreicht, so diktiere man in jeder Stunde 3—4 bekannte Wörter. Schon auf dieser Stufe lassen sich am Diktat gewisse sprachliche Erscheinungen, die man auf der Elementarstuse dem Schüler noch nicht Mitteilen konnte, besprechen. Schon im Leseunterricht mußte dem Schüler die Eigenart der hebräischen Sprache betreffs der untergeordneten Stellung der Vokale aufgehen. Viel schwieriger als im Deutschen wird es im Hebräischen für den Schüler sein, richtig orthographisch zu schreiben. Im Deutschen kann der Schüler sich beim Schreiben im großen und ganzen nach dem Gehörten richten; aber im Hebräischen liegt die Sache schwieriger. Manchmal wird ein Vokal nur durch ein Vokalzeichen wiedergegeben, dann wieder hat er als Träger die Konsonanten K oder y. Die Regel: sind schon drei Stammbuchstaben hörbarer Natur im Wort vorhanden, so wird der Vokal nicht noch einen stummen Konsonanten als Träger haben, im andern Fall wird wahrscheinlich ein K oder 5 stehen, kann durch die Diktatübungen sicher eingeprägt werden. In unserer gegenwärtigen Aussprache des Hebräischen werden eine ganze Reihe von Buchstaben gleich ausgesprochen. [#=» a=i '0=3 'ü=n '0==fc=n] Cs ist für den Schüler besonders am Anfang schwierig, den richtigen Buchstaben beim Schreiben zu verwenden, das mechanische Lernen kann hier auch nicht durch Regeln erleichtert werden, allmählich bildet sich aber wie bei jeder Sprache ein gewisses „Gefühl" aus, richtig zu schreiben. Cs kann schon für 10—11 jährige Kinder interessant sein zu erfahren, daß diese Erscheinung der phonetisch gleichen Buchstaben nicht in der Sprache selbst begründet ist, sondern daß nur wir nicht mehr imstande sind, den feinen Nuancen Ausdruck zu geben, wohl aber gibt es semitische Sprachen wie das Arabische, ja sogar Aussprachsweisen orientalischer Juden, die deutlich diese ähnlichen Laute zu differenzieren wissen. Von Worten gehe man zu Sätzchen über. Man lasse als Hausaufgabe kleine Texte buchstabieren lernen. Die erste Stufe des hebräischen Diktats sei das vorbereitete. Man gehe dann langsam zum Diktieren des bekannten, aber nicht ausführlich vorbereiteten Textes über, um es nach erlangter Sicherheit auf diesen ersten Stufen mit fremden Texten zu versuchen. Als letztes kommt die auswendige Niederschrift, die für den Schüler schwierig ist, da er ganz auf das visuelle Gedächtnisbild angewiesen ist ohne die Hilfe durchs Hören des Textes, der Vorzug für den Schüler liegt bei dieser Art darin, daß er die Möglichkeit hat. sich die zur Verfügung stehende Zeit individuell einzuteilen. Soll eine Sicherheit im Diktatschreiben erreicht werden, so muß mindestens jede Woche ein längeres und eins oder zwei kürzere geschrieben werden: alle 14 Tage etwa eine auswendige Niederschrift. Nicht nur größere Sicherheit, sondern auch Geläufigkeit ist anzustreben, d. h. schnelles richtiges Niederschreiben. Man lasse die Texte langsam steigend größer werden und diktiere immer schneller. Als Ziel des hebräischen Diktatunterrichts in der Schule kann man setzen: jeder nicht allzuschwierige Text der Bibel mutz richtig niedergeschrieben werden. Auch das spätere Hebräisch berücksichtige man. Bialiks .Yttxn nsv fei hier warm empfohlen, die Midraschtexte in der Form, wie sie sie dort haben, kann man den Schülern diktieren. Das hier aufgestellte Lehrziel gilt für Knaben und Mädchen. Die Diktate sind stets sorgfältig zu korrigieren und ausführlich bespreche man die Fehler. Der scheinbare Zeitverlust wird sich bald als Gewinn Herausstellen. Kann man aus Zeitmangel erst auf einer späteren Altersstufe mit dem hebräischen Diktat beginnen, so läßt sich' wegen der größeren geistigen Reife in kurzer Zeit oft sehr viel er-