Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 37 Der I sr a e l i t Gesetzestreuen nicht um die Eroberung - einer titel „Organisation,, trägt. Das zweite Lager fordert Aenherungen und Korrekturen am Gemeindegesetz, die die Gewähr bieten, , daß wir in absehbarer Zeit zu einer wahren guten Organisation gelangen. Eine dritte Kategorie hat längst alles Vertrauen zu den Organisationsversuchen verloren und lehnt es ab, sich noch irgendwie an ihnen zu beteiligen. Und wem danken wir das alles? Wer entfachte diesen Kampf zwischen den Religiösen und Nationalen in unserem heiligen Lande? Wer tragt die Verantwortung dafür, daß im Kreise der Gesetzestreuen eine Spaltung eingetreten ist? Wer anders als die Nationalen mit ihrem extremen Radikalismus, den sie schon gleich zu Anfang bekundet hatten? Doch möchte ich nicht von der Vergangenheit sprechen, auch nicht vom Verlust an Zeit und Kraft, ich wünschte nur, daß die bösen Erfahrungen der Vergangenheit, die nutzlose Kraftverschwendung und die Erfolglosigkeit der letzten fünf Jahre uns endlich die Augen öffnen. Mißerfolge können, wenn sie beachtet werden, die besten Lehrmeister sein. So suchen Sie wenigstens jetzt nach all den bitteren Erfahrungen in die Seele der Religiösen einzudringen. Sehen Sie doch endlich ein, daß die Religiösen wohl mal imstande wären, auf das Leben zu verzichten, aber nie und nimmer auf des Lebens Inhalt, der ihnen allein das Leben wert macht. Jeder Versuch von Zwang in solchen Angelegenheiten wird auch dann, wenn er vorübergehend Erfolg bringt, zu einem Zusammenbruche führen. Bringet ins Statut die nötigen Aenderungen hinein, schaffet die Bestimmungen, in denen die Gesetzestreuen die Grundlagen ihres Seins und der Existenz des jüdischen Jischuws in Erez Jisroel, insbesondere der Thorainstitutionen sehen. Diese religiösen Institutionen, unser Heiligstes, für das wir in all den Jahrhunderten den Tod auf uns nahmen und worüber wir auch nach Zerstörung des Landes und Tempels so treulich gewacht, seien ganz aus dem Bereiche der profanen Macht auszuschalten, es muß ausdrücklich betont werden, daß die Thorainstitutionen unter der Leitung der Rabbiner und Träger der Thora stehen. Bringet wenigstens jetzt den Frieden und die Organisation, nicht mit Worten, sondern mit Taten. In aller Hochachtung f Jechiel Michael Tukocinsky. Wenn wir auch leider wenig Hoffnung haben, daß dieser Appell auf die nationalen Instanzen Eindruck macht, so bringt er doch im eigenen Kreise vollste Klärung. Es geht auf Seiten der Machtstellung?sondern^ - unsere. Selbsterhaltung.! Wochenrnndschau. Vom Katholikentage. Die deutschen Katholiken bilden nicht nur eine religiöse, sondern, im Zentrum organisiert, auch eine politische Macht. Darum können ihre Konferenzen, in denen von hoher Warte aus Stellung zu den politischen Fragen des Tages genommen wird, uns nicht gleichgültig sein. Der jetzt zu Ende gegangene Katholikentag in Hannover brachte eine volle Bestätigung dessen, was wir schon bei früheren Gelegenheiten konstatieren konnten, nämlich, daß das katholische Zentrum wie kaum eine andere Partei volles Verständnis und aufrichtiges Interesse für die Rechte der Juden bekundet. Das Eintreten des Katholikentages für die konfessionelle Schule geschieht zwar nicht mit Rücksicht auf die Juden, begegnet sich aber vollkommen mit den Wünschen und Bestrebungen der religiösen Judenheit in Deutschland. Es ist aber auch sonst manch schönes Wort auf der Tagung gefallen, das verdient, weithin gehört zu werden. Reichskanzler a. D. Dr. Wirth sagte in seiner gegen den Radikalismus in jeder Form gerichteten Ansprache, das Zentrum habe die Aufgabe, Deutschland vor der Vergötterung der Gewalt zu bewahren. Es gelte sowohl gegen den verstiegenen kommunistischen Idealismus wie auch gegen die Sozial-Reaktionäre anzukämpfen. Es muß wieder ein Deutschland der Tat und der Liebe aufgebaut werden. Noch schärfer gegen den Radikalismus von rechts wandte sich I o o ß in seiner Rede über „Nationalismus und Pazifismus". „Wir kennen keinen Nationalismus, wohl aber Liebe zur Nation. Es gibt keine Vaterlandsliebe ohne Religion, aber Vaterlandsliebe widerstreitet nicht der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Zu unserem Volke zählen wir alle, die in seinen Grenzen wohnen und die Gemeinschaft des Schicksals mit u n s t e i l e n. Es gibt keine Gruppe des Blutes, des Stammes, des Besitzes, Bemerkungen zum Wochenabfchnitt. Von Rabbiner Ar. WinKter in Kopenhagen. 1'3'18 hx nnnhüb 82N ’S ..Wenn du zum Kriege ausziehst gegen deine Feinde und der Ewige dein Gott ihn in deine Hand gibt". Der Satz fängt in der Mehrzahl an und schließt in der Einzahl?! — Vom Standpunkt des Menschen aus gesehen, sind es der feindlichen Mächte viele, die ihm auflauern und ihn zu überfallen drohen; vom göttlichen Gesichtspunkt hingegen sind sie alle Erscheinungen eines einzigen; Formen eines und desselben bösen Prinzips, das feindselig dem Guten entgegentritt. Eine erhöhte Bedeutung erhält unser Schrrstwort in den Tagen, die der Rückkehr geweiht sind, j'ffvrj?) Y'nx’ *ra» mm mm 8? uio '3 K'o. Wenn du nur ernstlich zum Kampfe gegen deine inneren Feinde, Leidenschaften, sündhafte Triebe und Untugenden aller Art, ausziehst, dann wird dein Gott ihn, den Iezer Hora nämlich, der in all diesen mannigfachen Erscheinungen sich äußert, schon in deine Hand geben. 21. 21: iht*» 1VQD' I'3ij?2 jnn mni „Du sollst austilgen das Böse aus deiner Mitte, und ganz Israel soll es hören und sich fürchten". ’iV rwnp zitiert eine Erklärung zum Koheletworte: •YiTa pean nasm „Die Weisheit des Armen ist verachtet und feine Worte werden nicht gehört". Die belehrenden Weisheitsworte des Tugendarmen, dessen Führung nicht mit seinen Lehren übereinsttmmt. sind verachtet, verhallen wirkungslos, weswegen unsere Lehrer ermahnen: arnn« vwp D"mo *p2» mp T"j? »"3 „Beginn mit den Verbesserungen an dir selbst, dann kannst du solche an Anderen vornehmen". Eben dies sagt auch die Tauro hier: -s'31,7» »in mjni »Tilge vorerst das Böse aus deinem eigenen Innern, ihyi ivvv' Vintt’ toi, dann werden alle auf deine Worte hören und sie in Ehrfurcht in sich aufnehmen." i'in' amwsi 182 nvvV tsaVn xb .Dusollst nicht anlegen Zeug von zweierlei Gewebe, Wolle und Leinen zusammen". Rabbi Iosua ben Korcho sagt: „Der Heilige, gelobt sei Er, sprach nämlich: Nie und nimmer, auch nicht im Gewebe eines Kleides, dürfen die Gaben Kains und Abels mit einander vermengt und vereinigt werden." 8"3 /s 8"lis- — * * * Bemerkungen zur Jomim-noroim-Liturgie. 1. Im >,1'3V '2, zum Schluß, hört man allenthalben sagen: inanm ’inans’V Das ist falsch. Es muß na- ,_ 11. September 1924 der Macht, die besonders berüf^Wäre. Haß Macht^blind^-^rHuletzi^samMel^-che^MMertige Äsch.:LiL.MrLste.Mach1-rMM^stch^L)ie^xsh^Mwalt ist nicht das-Wesen des wahrhaften Maünes, sondern feine Bestimmung ist Leben zu föi-dexn." Eine Entgleisung erlitt der letzte Redner, Fürst Alois zu Löwenstein, der ist feiner sonst sympathischen Rede über „den Frieden und die Eintracht unter den Menschen" sich n a. den Satz leistete: „Völkischer Geist ist mit dem jüdischen Geiste zu vergleichen, da er wie dieser an der Auserwähltheit des eigenen Stammes festhält." Diese Parallele ist in jeder Beziehung ein! Mißverständnis, da entgegen dem Rassenwahnsinn der Völkischen das religiöse Bekenntnis des Juden seine Auserwähltheit durchaus als Pflicht zu Liebe und Frieden, als Berufung, die höchsten Ideale der Menschen zu verbellen auffaßt. Aber auch diese Rede war voll der ehrlichen Mahnungen zum konfessionellen Frieden. Die geistigen und religiösen Probleme, die auf dieser Tagung zum Austrage kamen, gehören mehr zur interenen Struktur des Katholizismus und entziehen sich unserer Meinungsäußerung. Aber auf alle Fälle werden die katholischen Deutschen aus diesen Verhandlungen gelrnt haben, wohin sie in der politischen Arena mit ihrer Tat und Gesinnung gehören. Kommunisten und Nationalsozialisten. Kommunisten wie Nationalsozialisten stürmen von links und rechts gegen den Staat und seine Verfassung an. Den ersteren ist der Staat reaktionär, den letzteren revolutionär. Wie sich im politischen Lebn die krassesten Gegensätze berühren, zeigte die Debatte über das Dawesgesetz im Reichstag, bei der Kommunisten und Nationalsozialisten durch dick und dünn zusammengingen und sich sogar gegenseitig Komplimente machten. Das würde uns auch weiter nicht überraschen. Einigermaßen überraschend ist höchstens, daß sich auch an dem Judenpunkte die Geister von rechts und links nicht scheiden. Bei der wüsten Schlägerei, die es vor der Abstimmung absetzte, schwirrte das Wort „Jude" mit dem übrigen Zubehör durch die Luft und war gerichtet gegen den Demokraten Brodaus, der, von unverfälschter arischer Abstammung, bei jeder Gelegenheit für Obdachlosmachung der in Berlin wohnenden Ostjuden eingetreten ist. Auch das ist nicht neu, aber bezeichnend genug, daß der „Jude" die Begeleitmusik auch für kommunistische Schlägereien abgibt. Cs mutet fast symbolisch an, daß die parlamentarischen Raufbolde von der äußersten Rechten wie von der extremen Linken sich in der Mitte mit dem Schlagworte türlich lnanrpi heißen. Das n hier mutz aus demselben Grunde wie das n in mrDi ein Dagesch haben. 2. Im tp-m namr a) N22j? *jmnnv Kizwo ist falsch, es muß vielmehr, analog ns2l ,.i3V3 Kizbo heißen. 3. Dasfelbst: npy*» •»ai ■>}$;■> •>a. diese Form ist grundfalsch! Nirgends in dem ganzen hebräischen Schrifttum wird für „Reich-und Armwerden" die Nisalsorm, -sondern entweder die Kal- oder Hisilsorm gebraucht, elftere in Hosea 12, 9, Jjob 15, 29. letztere bei weitem häufiger. In der Bibel: 1 M. 14. 23; I Sam. 2. 7; 17. 25; Ierem. 5. 27; Zach. 11, 5; Ps. 49. 17. 65. 10; Spr. Sal. 10, 4; 21, 17; 23. 4; 28, 20; Daniel 11. 2. ferner in Ml sch na und G mpro: Schkolim 3, 2; Ksubos 68a; Nedorim 38 a; B. Basro 25b; Erechin 17 b; Negoim 14, 11; Toras Kohanim Behar 78 und schließlich im Midrasch: Breschis rabbo 70: Schemas rabbo 46 und Tanchumo Haasinu 4. Es muß hier also richtig heißen: t»»’ '»i ’:»•> ’»* Kleines Feuilleton. Erste Schofartöne. Wann wären wir wohl sonst erwacht? — Auf unserm Leben liegt die Not. Aus unserm Wege brütet die Nacht. Wir tasteten im Dunkel bis in den Tod . . .