Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1924)
- Date
- 1924-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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65. Jahrgang. Frankfurt a. M., den Nr. 37 \ fi Der Israelin Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. , , „ _; . uuwu dtiuutu« «iu^iuu x ^/vuui, u/uyiutsv * w.~., 16 Fr.; Belgien 15 Fr.; Hollands fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 70 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 100 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 6 Zloty; Schwei» 6 Fr.; Tfchecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn 90000Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 8.50 Kronen. . Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 30 Goldpfennige, für Etevensuchenve SO Goldpf., für die stebengespaltene Ronparetlle-Zeile. Die 75 mm breite Reklamezeiler letzte Textseite 1.20 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines doppelten Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inseratauftragen tarism. Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Inferatenannahme durch den Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt a. M., Gr. Eschenheimer Straße 88. Tel. Hansa 6848 sowie durch sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Alleinige Inferatenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestraße 7, ll. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zahlungen Zürich Nr. VIII 7234 — Inkasso-Bank Rotterdam — Böhmische Unionbank in Prag — » an: Postsparkasse Wien Nr. 79603 — Postsparkasfenamt Budcwest Nr. 18424 — Postscheckamt Banca Marmarosch, Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Slojch-fio-fcfiono- S(äckiofin|ehe Können in drei Größen veröffentlicht werden: Gtöße 110 Zeilen ispaltig zu Mk. 3 — Größe H15 Zeilen Ispaltig zu Mk.4.50 Größelll 10 Zeilen Lspaltig zu Mk.6.— Die Betrüge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 23. September morgens in unserem Besitzefind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer, später eintreffende in der Nummer 40/41 veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Israel aözutösen wiinscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von so Pfennig für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. Frankfurt a. M., 4. September 1924. Verlag Ser „Tsratlit“ 6. m. d. y. Z«m Gemeindegesetz in Palästina. Die offene Antwort, die auf den o f f e n e n B r i e f des Waad Haleumi Rabbiner T y k o c i n s k y an das Aktionskomitee des Waad Haleumi, zu Händen des Herrn Dr. Thon- Jerusalem, richtet, sei hier zur Klärung der Situation in wörtlicher Uebersetzung wiedergegeben: In Ihrem verehrten Antwortschreiben vom *7. Tamus konnten wir doch zum erstenmal mit Dank einen Schritt vorwärts auf dem Wege zu Frieden und Vereinigung konstatieren, eine Neigung zur Anerkennung des Rechtes auch der Religiösen im Lande, das die Wiege der Religion ist. Aber auch dieser eine Schritt ist ein sehr langsamer, bekundet sich nicht in Taten, sondern in Worten, und selbst das Wort bringt noch ganz und gar nicht den erwünschten letzten Ausdruck. 1. Sie sagen: Sie finden im Statut keinen Punkt, der den Verdacht aufkommen ließe, daß stch der Waad Haleumi zum Verwalter der Spenden vom Auslande aufspielen wollte. Hätten wir wenigstens gesehen, daß diese Erklärung auf Ihre Veranlassung ins Statut übernommen würde, so könnten wir sie als einen Fortschritt buchen. Da aber diese Worte nur in einem Briefe stehen, das Statut indes in seiner alten Fassung bleibt, das dem Waad die Oberaufsicht über die Verwaltung des kommunalen Vermögens und der Institutionen gibt, sowie die Oberaufsicht über die finanzielle Leitung der religiösen Institute und Asyle, die durch philanthropische Aktionen erhalten werden, so kann diese briefliche Erklärung, losgelöst vom Statut, an der Sache nichts ändern. 2. Die „finanzielle Oberaufsicht über die Thorainstitutionen", die das Gesetz dem Waad einräumt, legen Sie in dem Sinne aus, daß gemeint sei die öffentliche Kontrolle über die finanzielle Leitung der Institutionen. Selbst wenn der Paragraph in diesem Sinne geändert würde, was bis jetzt noch nicht der Fall ist, könnte er uns noch nicht befriedigen. Auch in dieser Fassung fehlt es nicht an verschlungenen Wegen zur Ausübung einer großen Macht. Wo nur der Wille dafür vorhanden ist, läßt die Fassung die nötigen Interpretationen zu. 3. Und bei all den Erklärungen, die Sie der allgemeinen nationalen Erziehungssteuer geben, wird der moralische Druck, den diese Steuer auf die Gemeinschaft ausüben und den Zentralpunkt der gerade auf dem Gebiete der Erziehung herrschenden Prinzipien belasten würde, nicht verringert. Allein ein gutes Wort ist in Ihrem Briefe enthalten, nämlich: „Wenn dies nicht klar genug ausgedrückt sei, so können durch geignete Ergänzungen Sicherheiten geschaffen werden, und der Waad Haleumi ist bereit, alle diesbezüglichen Aenderungsvorschläge zu prüfen." Damit hören wir zum erstenmale ein Manneswort, das geeignet ist, beruhigend auf uns einzuwirken und uns weitere Hoffnungen zu eröffnen; hier öffnet sich uns eine kleine Türe zu Verhandlungen im Interesse des Friedens. Und nachdem wir soweit sind, erachte ich es als notwendig, Ihren Blick auf die Vergangenheit zu lenken, die immer die beste Lehre für die Zukunft abgibt. Die Herren möchten doch zurückdenken an die ersten Tage der Gründungsversammlung im Tewet 5679 und die scharfen Debatten, die damals zwischen Rechts und Links stattgefunden haben. Als Vorsitzender der damaligen Versammlung müßten Sie, Herr Dr. T h o n, es noch gut in Erinnerung haben, daß wir damals als Vertreter der Jerusalemitischen orthodoxen Iudenheit, die damals noch ungeteilt war, im Rate saßen und im Namen dieser vereinten orthodoxen Iudenheit auf allgemeine und lückenlose Organisation drangen. Freilich wünschten wir Organisation und keine Machtherrschaft. Erinnern Sie sich unserer damaligen Worte: „In Ihrer Hand ist es, den ganzen Palästina-Jischuw zu organisieren, wenn Sie auch mit den Religiösen rechnen und sie nicht zwingen, auf ihre Grundsätze zu verzichten." Wir flehten Sie an, daß Sie die Stunde nicht verpassen, die Hand nicht zurückweisen, die die vereinten Gesetzestreuen Ihnen entgegenstrecken, daß Sie keinen Sprengstoff unter den Bau der Organisation der jüdischen Gemeinschaf in Palästina legen. Zwei lange Jahre vergeudeten wir mit Auseinandersetzungen über den Paragraphen über das Wahlrecht der Frau und erklärten Ihnen, daß Sie mit dieser Handlung die Türe vor den Gesetzestreuen schließen, daß diese sich überhaupt an Wahlen nicht mehr beteilgen könnten, und Sie damit Steine auf den Weg der Organisation legten, über die Sie selbst stolpern mühten. All diese Argumente und Einwendungen waren nutzlos. Der extreme Radikalismus proklamierte in seinem Rausch das Recht der Frau auf aktive und und passive Wahl und fand die Billigung bei der Majorität derer, die zur Versammlung geladen waren. Die wenigen eingeladenen Gesetzestreuen verließen die Versammlung gedrückten Herzens und mit der offiziellen Erklärung, daß die Verantwortung für den Ausgang denen zufällt, die in die Zukunft nicht sehen wollten. Und nun nach Verlauf von fünf Jahren, die eine volle Bestätigung aller unserer Voraussagungen gebracht haben, haben Sie noch den Mut zu behaupten, die Wahl sei ein getreues Spiegelbild der öffentlichen Meinung in Erez Iisroel. Nein, verehrte Herren, in der Art, wie die Wahlen vor sich gingen und angesichts der Lage, in der wir uns befinden, können die Wahlen ganz und gar nicht die Meinung des Jischuw widerspiegeln. Es gibt keinen Wahlmodus und auch keine dierekten Wahlen. Es sind einseitige Wahlen, vollzogen von Einzelnen, denen die Türe offensteht, und die „einigende Kraft" hat es bis heute nur fertiggebracht, klaffende Breschen in unsere Gemeinschaft zu schlagen, so daß wir uns nun in drei widerstrebende und widerstreitende Lager teilen: Das erste, das auf den Namen der Organisation hört, legt kein Gewicht auf Gestaltung und Zusammensetzung, wenn es nur den Ehren-