Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1924)
- Date
- 1924-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 35 Der 3sra.el.it so geben wir unserer jüdischen Gemeinde eine gerechte Besteuerung. Diese kann nur dann erfolgen, wenn auch der Besitz besonders besteuert wird. Der wirtschaftlich Starke kann höhere Lasten tragen als der wirtschaftlich Schwache — der Besitzlose, in'vv viSVD pnxi* Mit Recht fordere ich daher eine alsbaldige Revision der jüdischen Steuergesetze für den Freistaat Preußen. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutscher Reich. mm Ein neues Immigralionsangebot. Berlin, 25. August. In einem Interview mit dem Leiter der I. T. A. in Newyork äußerte sich der gegenwärtig in Europa weilende neugewählte Präsident der Republik Mexiko, Calles, zu der Frage einer Einwanderung jüdischer Flüchtlinge nach Mexiko dahin, Mexiko würde eine starke jüdische Einwanderung mit Freuden begrüßen. Die mexikanische Regierung will die Einwanderung nicht allein von landwirtschaftlichen Arbeitern, sondern auch von Industriearbeitern und anderen jüdischen Schichten gestatten. Präsident Calles sagte, er verhandele gegenwärtig in Amerika mit der Exekutive des. amerikanisch-jjüdischen Kongresses, der Emigranten- Hilfsgefellfchaft „Hias" und den jüdischen Arbeiterorganisationen in der Frage der Einwanderung der heimatlosen jüdischen Flüchtlinge nach Mexiko. Das Angebot des Präsidenten Calles lautet: Das amerikanische Judentum garantiert die Summe von 2 Millionen Dollar, die für die Ansiedlung der jüdischen Flüchtlinge nötig sind. Die mexikanische Regierung will ihrerseits das notwendige Land für eine jüdische landwirtschaftliiche Siedlung in großem SÄ zur Verfügung steellen, ferner den neuen Siedlern die Bodenfteuer vollkommen erlassen und die Fahrtspesen reduzieren, ferner den Kolonisten auch sonst helfend zur Seite stehen. Die mexikanischen Konsulate in der ganzen Welt würden angewiesen werden, keinerlei Gebühren für Einreisevisen von den jüdischen Emigranten entgegenzunehmen. einen Namen; auch von ihm sind viele Bilder erhalten, namentlich von Freiburger Professoren. — So zeigten uns die Genannten, wie Kräfte sich entwickeln, wenn man ihnen Raum gibt. Literarische Notiz. „HamUon Hofchalem" von M. D. Groß. Hebräischer Verlag Menorah Wien, Heinestraße 16. Interessenten, die das neue lebendige Hebräisch erlernen wollen, wird das neue Wörterbuch von M. D. Groß, das mit Liebe und Sachkenntnis zusammengestellt ist, die besten Dienste leisten. Als Reisebegleiter nach Palästina wie als Hilfsbuch bei der Lektüre neuhebräischer Werke kann dieses „Milon" ebenfalls nur bestens empfohlen werden. Ausstattung und Einband find schön und handlich. Dem Wörterbuch ist ein willkommenes Verzeichnis der geläufigen hebräischen Abreviaturen beigegeben. Sch. Wochenkalender. 30. August bis 6. September 1924 / 30. Ab bis 7. Elul 8884 Samstag Aug. 30 nm 30] 2« 1. Rosch-Chaudesch-Tag Sonntag 31 IW* 2. Rosch-Chm»desch-Tag Montag Sept. 1 2 Schoferblasen Dienstag 2 3 Mittwoch 3 4 Donnerstag 4 5 Freitag 5 6 Samstag 6 L'vSV 7 Geftevueieh. Proteste gegen die Beschränkung der Palästina- Einwanderung. Wien, 21. August. Im Chaluzheim in der Rossauer Kaserne fand eine von der Arbeitsabteilung des Wiener Palästina-Amtes einberufene Versammlung der in Wien vorhandenen Palästina-Wanderer, deren Zahl sich auf über 500 Personen beläuft, statt. Die Referenten besprachen eingehend die traurige Lage der Palästina-Wanderer, die, obwohl in Erez Israel Mangel an Arbeitskräften vorherrscht, gezwungen sind, hier zu bleiben, da, ihnen die nötigen Zertifikate zur Einreise nach Erez Israel nicht zur Verfügung stehen. Die Versammlung faßte eine Resolution, in der gegen die Absperrung Palästinas vor den jüdischen Massen, die am Wiederaufbau des Landes Mitarbeiten wollen, protestiert wird. Diese Einschränkung der Immigration stehe im Widerspruch gegen der Balfour-Deklaration. In der Resolution wird ferner gegen das Verhalten der englischen Palästina-Verwaltung gegenüber der jüdischen Einwanderung schärfstens protestiert. Die Resolution schließt mit einem Appell an alle maßgebenden Faktoren, die freie Einwanderung der arbeitenden jüdischen Massen zu erwirken. Die Jüdische Wetthilfskonferen,. Karlsbad, 26. August. Die Jüdische Welthilsskonferenz wurde am 23. August eröffnet. Anwesend sind 140 Delegierte. Am Vorstandstische sitzen Rosenbaum - Litauen, David I e l l i n - Jerusalem und Regierungsrat Dr. Wiesmeier -Tschechoslowakei. Den ersten Bericht erstattete Leo M o tz k i n über die bisherige Tätigkeit der Welthilsskonferenz, die in erster Reihe in der R e g e l u n g der Emigration bestand. tcttlanb. Die russischen Emigranten in Lettland. Riga, 20. August. Der Ausenthaltstermin für die auf ihrer Reife nach Amerika infolge des Einwanderungsgesetzes in Lettland fitzen gebliebenen Emigranten sollte am 20. August abgelausen sein. Da es jedoch für die Emigranten unmöglich ist, derzeit irgendeine andere Zufluchtsstätte zu finden, hat die jüdischamerikanische Jmmigranten-Hilfs- und Schutzgesellschaft „Hias" ein Ersuchen an die lettländische Regierung gerichtet, den Aufenthaltstermin für die Emigranten zu verlängern. Die „Hias" hat die Verantwortungfür die Kosten des Aufenthaltes übernommen. (J.T. A.) Polen. Die Rabbinerkonferenz in Krakau. Krakau, 14. August. Ueber die am Dienstag und Mittwoch den 6. und 7. Tammus in Krakau abgehaltenen Distriktkonferenz von ungefähr 30 Rabbinern, berichtet der „Jüdische Weg", Zweiwochenblatt der Zeirei Agudas Jisroel, folgendes: Die Versammlung fand im Beth-Hamidrafch Zeirei b'nei Emuno statt. An der Versammlung haben u. a. die Rabbiner von Tarnopol, Bendzin, Stryj, Prabusno teilgenommen. Am zweiten Tag nahm auch der Tarnower Rabbiner, Oberrabbiner Maier Arak, an der Konferenz teil. Die Hauptprobleme der Beratung waren religöse Erziehungsfragen, so „Chisuk Hadas", „Schmiras Schabbos", „Reinheit der Familie" und die jüdische Erziehung der Mädchen. Im Namen der Krakauer Gemeinde hat Herr Isaak Bauminger die anwesenden Rabbiner begrüßt. Nach verschiedenen Anregungen wurde nach einer längeren Diskussion beschlossen: Eine allgemeine Rabbinerversammlung von ganz Polen einzuberufen; bis zur Einberufung dieser allgemeinen Rabbineroersammlung sollen die jetzigen Teilnehmer der Konferenz eine Agitation in Wort und Schrift gegen Prizus, Chilul Schabbos usw. entfalten. Die Unsicherheit in den polnischen Osiprovinzen. Warschau, 16. August. Wie bekannt, nimmt in der letzten Zeit das Banditenunwesen in den polnischen Ostprovinzen überhand. Sehr .28. August 1924 stark hat darunter die jüdische Bevölkerung zu leiden. Zu den bereits bekannten Banditentaten gegen Juden find noch die folgenden hinzugekommen: Am ' 8. August mittags wurden in einem Walde hinter Tomaschow- Masow vier Juden aus Nowo-Miasta von Banditen überfallen; einer wurde getötet und drei schwer verwundet. Die Banditen nahmen die ganze Habe der Juden mit sich. Auf dem Wege vom Wochenmarkt in Tomaschow-Rawski wurde der Jude Guydelsack von Banditen erschossen und'der mit ihm im Fuhrwerk fitzende Jude Schwarzkopf durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Schwartzkopf kam nur deshalb mit dem Leben davon, weil er sich tot stellte. (I. T. A.) Registrierung der Pogromschäden in der Ukraine. Riga, 20. August. Vor einem Monat hat sich in Kiew eine Gesellschaft für Hilfe an die Opfer der ausländischen militärischen Interventionen in Rußland gebildet. Die Gesellschaft forderte alle diejenigen, die durch Militär- und Räuberbanden Denikins, Petljuras usw. Schaden gelitten haben, auf, die Art und die Höhe ihrer Schäden anzumelden. Ein großer Teil Juden des Gouvernements Kiew verhält sich sehr skeptisch zu dieser Aktion und unterläßt es deshalb, die Schäden anzumelden. Diese Juden sind der Ansicht, daß das Ganze auf ein bolschewistisches Propagandamannöver hinausgeht. Gegen diese Zurückhaltung eines Teiles der Judenheit zieht nun der Moskauer kommunistische „Emes" scharf zu Felde und beschuldigt die Zionisten, sie hielten aus Sympathie für die Ententemächte und für die Balfour-Deklaration die Juden von einer Anmeldung der durch die alliierten Interventionen heroorgerufenen Schäden zurück. Schweiz. Gegen die deutsche Hakenkreuz-Seuche. Zürich, 20. August. Der in Brunnen erscheinende „Bote der Urschweiz" berichtet: „Am letzten Sonntag konnte man an mehreren Stellen unserer jetzt so viel besuchten Axenstraße an den Felsen große schwarze Hakenkreuze erblicken mit der darunterstehenden Inschrift: „Los von den Juden!" Diese Gemeinheiten, die wahrscheinlich während dev Nacht oder am frühen Morgen hergemalt wurden, werden wohl von irgendeinem deutschen Kurgast oder Passanten herrühren, der einem Hakenkreuzlerverband angehört und meint, uns Schweizern mit dieser antisemitischen Hetze zu imponieren. Er irrt sich aber sehr, denn bei uns sind alle ehrbaren und ruhigen Leute willkommen. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den Schmierfink zu ermitteln. liumantiMt. Der Massenmörder Morarescu vor dem Iafsyer Kriegsgericht. Jassy, 20. August. Der gewesene Grenzoffizier Oberleutnant Morarescu, dem 40 schwere Verbrechen an russischen Flüchtlingen nachgewiefen wurden, hatgegen das Urteil, des ersten Kriegsgerichtes, das eine mehrjährige Gefängnisstrafe gegen ihn verhängt hatte, Berufung eingelegt. Dieübergeordnete Instanz hob das erste Urteil auf und überwies den Fall zu neuerlicher Aburteilung an das Kriegsgericht in Jassy. Bis heute wurden 500 Zeugen verhört, die alle für Morarescu belastend aussagten. Morarescu hat in der Regel seine Opfer, meist jüdische Flüchtlinge, ausgeraubt und in den Dnjester geworfen, wo sie ertranken. Er selbst aber, obwohl er Grenzoffizier war, leitete eine Schmugglerbande. Morarescu verantwortet sich, dahin, daß er gegen die russischen Flüchtlinge in höherem Auftrag gehandelt habe. Die Angelegenheit wird noch das Parlament beschäftigen. (I. T. A.) E-Sl-ud. Um Hans Herzl. London, 20. August Herr Hugh Angreß, ein getaufter Jude und Vor-- sitzender der „Katholischen Jsraelsgilde", einer Körperschaft, die im Jahre 1917 gegründet wurde, um die Lehre der Kirche unter den Juden zu verbreiten, hat im.