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Der Israelit · 1924-08-21 · Heft 34 (21.8.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 34 (21.8.1924)
Date
1924-08-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Israelit Nr. 34 Seite 8 21. August 1924 _ gelangte eine Entschließung zur einstimmigen Annahme, die sich unter allen Umstünden gegen die Erweiterung des jüdischen Friedhofes und gegen die willkürliche Abänderung des Bebauungsplanes wandte. Vom Israelitischen Landesverband Baden. Berlin, 17. August. Der Voranschlag des Etats der Israeliten Badens, welchen Oberrat und Synodalausschuß zur Vorlage an die Synode beschlossen haben, sieht für die Zeit vom 1. 4. 24 bis 1. 4. 26 (also für 2 Jahre) vor: Als Zuschuß -für Gehälter der Rabbiner und an leistungsschwache Synagogenbezirke 20000 Mark, als Zuschuß für Gehälter der Religionslehrer und Kantoren 70 000 Mark. Zurzeit find für 43 Lehrer zirka 35 000 Mark Zuschuß zu leisten. Für Aufwand für Religionsunterricht in Nachbar- und Filialgemeinden 6500 Mark, für Ausbildung von Rabbinern und Lehrern 5000 Mark, für Ferienkurse, Ausbildung und Fortbildung 5000 Mark, für Zuschüsse an den Religionsschul- und Pensionsfonds 90 000 Mark, zur Bestreitung des laufenden Aufwandes und zur Verstärkung dieses Fonds 32 000 Mark, für soziale Zwecke 10000 Mark, für die Ausstellung der Steuerregister, Erhebung und Betreibung 12 500 Mark. Die Gesamtausgaben betragen 303 800 Mark, denen nur 20 440 vorhandene Beträge gegenüberstehen, worunter sich noch der Staatsbeitrag von 15 440 Mark befindet. Es sind also durch Steuern 282 360 Mark zu decken. (J.T.A.) Die Lage in Memel. Berlin, 15. August. Wie aus Memel mitgeteilt wird, befindet sich die dortige Judenheit jetzt in einer schlechten Lage; sie steht zwischen zwei Feuern. Bekanntlich gehören die Urheber der Ausstandsbewegung, die einen Freistaat Memel nach Danziger Muster proklamieren wollten, den rechtsradikal ausgesprochenen antisemitischen Kreisen an, und die Judenheit mußte von einem Gelingen des Aufstandes Schwees für sich erwarten. Trotzdem hat Die litauische Regierung nach dem Mißlingen des Aufstandes eine Reihe Haussuchungen bei prominenten jüdischen Bürgern durchführen lassen und sie hat auf diese Weise aus das jüdische Clement den Verdacht gelenkt, als ob dieses die Ausstandsbewegung unterstützt hätte. Jüdische Einbürgerungen vor dem Reichsrate. Berlin, 16. August. Unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern Dr. Jarres fand am 14. August nachmtiatgs eine Sitzung des Reichsrats statt, in welcher u. a. über Einbürgerungsgeusche zweier ausländischer Juden verhandelt worden ist. Gegen die Einbürgerung, die bei der preußischen Regierung beantragt und von dieser genehmigt worden war, hat Bayern auf Grund des 8 9 des Staatsangehörigkeitsgesetzes Einspruch erhoben, so. daß die beiden Fälle zur Entscheidung des Reichsr a t s gebracht worden sind. Die Ausschüsse des Reichsrats haben den Einspruch Bayerns für begründet erklärt. Namens der preußischen Regierung ersuchte Staatssekretär Meister um eine namentliche Abstimmung. Die preußische Regierung legte in beiden Fällen besonderen Wert auf die Einbürgerung wegen der kulturellen Stellung der Einzubürgernden. Vor der Abstimmung beantragte der Vertreter von Braunschweig die Vertagung, damit die Vertreter der Einzelländer noch genauere Informationen einziehen könnten. Die Vertagung wurde angenommen. Iudenfrage und Parteipolitik. Berlin, 16. August. Der Verband nationaldeutscher Juden wendet sich in einer Erklärung gegen ein auf Briefbögen einer Berliner Aktiengesellschatf an jüdische Kausleute versandtes Rundschreiben, in dem dazu aufgefordert wird „den Kampf der U. S. P. D. gegen die antisemitische Reaktion mit zu finanzieren". Der Versender des Rundschreibens führt aus, daß er selbst „gewiß kein Sozialdemokrat sei" und daß„Kaufleute an sich keinen Grund hätten, eine Arbeiterpartei zu unterstützen", daß er aber trotzdem die Unterstütznug der U. S. P. D. empfehle ,weil die jüdischen Verbände (Zentral-Verein, Frontbünd) bei der Bekämpfung des Antisemitismus versagt hätten und wie -es in einer Anlage des Rundschreibens heißt, „der Kampf gegen die judenfeindliche Bewegung wirksam nur von einer politischen Partei geführt werden könne, welche jüdische Interessen als solche nicht vertritt." Der Verband nationaldeutscher Juden verwahrt sich in seiner Erklärung auf das Entschiedenste gegen den Versuch, „Parteipolitik mit der Judenfrage zu verquicken", Die Erklärung schließt: „. . . Wer also Fragen der deutschen Politik gegen seine Ueberzeugung ausschließlich unter jüdischem Gesichtswinkel betrachtet, handelt genau ebenso gewissenlos, wie die Rechtsradikalen, die von dem entgegengesetzten Standpunkte aus die Judenfrage als parteipolitisches Kampfmittel benutzen." — Als ob Herr Naumann verhindern könnte, daß gewisse Parteien die Judenfrage zum Mittelpunkte ihrer Parteipolitik machen! «Juden gehen nicht nach Bayern". München, 14. August. Die Vorstandschaft des Vereins des Gastgewerbes von Garmisch-Partenkirchen stellt in einer Zuschrift an die Presse fest, daß neben verschiedenen Ursachen auch die Hakenkreuzbewegung große Schuld daran trage, daß der Besuch in den bayerischen Kurorten in dieser Saison so schwach ist. Es heißt in dieser Zuschrift wörtlich: „Die Juden gehen nicht nach Bayern, sie lassen sich nicht beschimpfen, anpsbeln und selbst schlagen. Der gemeine Ueberfall auf Kommerzienrat Fraenkel, die Anpöbelung der jüdisch aussehenden Menschen in München, die gemeine Beschimpfung in einem Teil der Presse, das hat eine Gegenbewegung verursacht: den absoluten Boykott Bayerns durch dieJuden und eines Teiles von Nichtjuden. Der Feldzug gegen die Juden kann mit einem wirtschaftlichen Fiasko enden, den zwar die Vernünftigen vorausgesehen haben, den aber die Gewerbetreibenden und alle, die von dem Ertrag ihrer Arbeit leben müssen, bezahlen werden." Zum Schluß heißt es: „Die Vorstandschaft des Vereins für das Gastgewerbe trifft keinen Vorwurf, denn sie hat die Dinge kommen sehen und bei allen Stellen, selbst beim Minister Dr. Schweyer, oft darauf hingewiesen. Leider vergeblich... Die gleiche Klage wie Garmisch-Partenkirchen erheben München, das leer aller Besucher ist, ausgenommen den durchgehenden Touristenverkehr, den gleichen Schmerz haben Nürnberg und alle Orte, die nicht ausgesprochene Heilbäder sind." (I. T. A.) psleii Das Warschauer Rabbinat gegen die heutige Frauenmode. W a s ch a u, 14. August. Das Warschauer Rabbinat hielt soeben eine Sondersitzung ab, in welcher eine energische Kampagne gegen die Auswüchse der heutigen Frauenmode beschlossen worden ist. Es wurde ein Aufruf an die jüdischen Frauen abgefaßt, in welchem diese aufgefordert werden, der jüdischen Tradition treu zu bleiben, nach welcher die jüdische Frau lange Kleider und lange Aermel tragen soll. Diese Aufrufe werden in allen Synagogen und Bethäusern angeschlagen werden. Am vergangenen Sonnabend, den 9. August, haben die Warschauer Rabbiner Predigten gegen die neuen Moden gehalten. (J.T.A.) Amerikanische Kredithilfe für Galizien. Lemberg, 8. August. Dieser Tage ist der Direktor der Lemberger jüdischen Kaufmannsbank, Herr Osias Schreck, aus Amerika zurückgekehrt. Herr Schreck hat in Amerika 146 000 Dollars Aktien der Bank untergebracht und eine Anleihe von 150 000 Dollar einer amerikanischen jüdischen Bank zu einem Zinsfuß von 3% Prozent jährlich, sowie ferner 100 000 Dollar von einigen galizischen Landsmannschaften in Amerika zinsenlos erhalten. Die Lemberger jüdische Kaufmannsbank hat auf diese Weise ein Kapital von 400 000 Dollar hereinbekommen und geht nun daran, eine Reihe von Filialen in verschiedenen galizischen Städten zu eröffnen. (I. T. A.) Rumänien. Exzesse in Ren-Rumänien. Bukarest, 14. August. Angriffe auf Synagogen sind jetzt in Transsylvanien an der Tagesordnung. Zum erstenmal fanden Exzesse in den „Transsylvanischen Alpen"statt. In vier Städten, Resitza, Boksan, Dicui und Saint Martin sind in den Synagogen die Fensterscheiben eingeschlagen und die Häuser angesehener jüdischer Einwohner beschädigt worden. Die nichtjüdischen Einwohner von Resitza haben an den Stadtmagistrat eine Abordnung entsendet, um gegen das Treiben gewisser antisemitischer Hetzer, die die Bergbewohner in einen schlechten Ruf bringen, Protest zu erheben. Die Abordnung wies darauf hin, daß man nie vorher von antisemitischen Exzessen in der Alpengegend gehört habe. Hier hat die Bevölkerung stets in Frieden und Freundschaft mit ihren jüdischen Mitbürgern gelebt. Wenn die Behörden nicht sofort gegen die Holigans einschreiten, würde die Bevölkerung selbst gegen die Ruhestörer vorgehen. Bukarest, 14. August. In der Gegend von Aradna (Siebenbürgen) üben schwere antisemitische Ausschreitungen statt. Größere Trupps Schüler und Hooligans zogen durch die Gaffen, schlugen in zahlreichen jüdischen Häusern die Fensterscheiben ein und demolierten Geschästsläden. Wiederholte Versuche des Militärs, die Demonstranten auseinander zu treiben, mißlangen, so daß sich die Tumulte bis spät in die Nacht hinzogen. Die Regierung verfügte am Morgen darauf die Ausdehnung des Belagerungszustandes auf Dorohoi. Klausenburg, 15. August. In der Gegend von Aradna (Siebenbürgen) üben die Antisemiten einen solchen Terror aus, daß die gesamte jüdische Bevölkerung dieses Gebietes die Dörfer und kleinen Städte verläßt. So haben u. a. sämtliche Juden der Stadt Vilagos, wo wiederholt Exzesse stattgefunden haben, ihre Heimat verlassen. Als letzter verließ der Rechtsanwalt Dr. Jacob Vajda Vilagos. Als sein Zug sich in Bewegung setzte, sprang der Ortspriester in Dr. Vajdas Wagenabteil und hieb auf den Flüchtling ein. (J.T.A.) Kritische Lage der neuen jüdischen Siedler in Rußland. Riga, 8. August. Schon jetzt zeigt es sich, daß das regellose Zuströmen der wirtschaftlich zugrunde gerichteten städtischen jüdischen Mitttelschichten zur Landwirtschaft zu einer Katastrophe für die Betreffenden führen muß. Die neuen Siedler bekommen oft einen Boden zugestellt, der seit vielen Jahren oder überhaupt noch nicht bearbeitet war. Es fehlen Maschinen, Saat, Viehfuttter und vor allem Wohnungen. Dazu kommt, daß die neuen Siedler, meist gewesene Handwerker und Kleinhändler, in der Landwirtschaft nicht erfahren sind. Es macht sich das Fehlen von Instruktoren sehr fühlbar. Als Beispiel kann die Lage der zwei kollektivistischen Siedlungen „Progreß" mit 33 Familien und „Samledeletz" mit 30 Familien, beide im Kreis Kriworeg gelegen, dienen. Die Mitglieder dieser Siedlungen hungern buchstäblich. Cs wird schon das Letzte veräußertem Brot zu beschaffen. Trotzdem wächst der Strom jüdischer Kleinstädter zur Landwirtschaft unaufhörlich. (I. T. A.) Die britische Regierung und das Salonikier Zwangs-Sonnlagsruhegeseh. London, 17. März. Zwischen dem „Joint Foreign Committee of Jewish Board of Deputies" sowie der „Anglo Jewish Association" und dem Ministerpräsidenten Macdonald fand ein Briefwechsel betreffend das griechische Zwangs-Sonntagsruhe-Gesetz, von dem die Salonikier Juden schwer betroffen sind, statt. Macdonald wurde aufgefordert, dem Kabinett zu Athen freundschaftliche Vorstellungen zu machen, „damit den Juden auch weiterhin eine gerechte Behandlung, wie sie bisher genoffen haben, zuteil wird." Das Komitee schlug vor, die Angelegenheit dem Völkerbundsrat zu unterbreiten und drückte die Hoffnung aus, daß die britische Vertretung im Rat die Sache unterstützen werde. Nunmehr hat das britische Auswärtige Amt Herrn Lucien Wolf, dem Sekretär des „Joint Foreign Committee" mitgeteilt, daß „die Regierung Sr. Majestät nicht in Erwägung ziehen kann, sich in eine ausgesprochen rein griechischen Angelegenheit einzumischen.

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