Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1924)
- Date
- 1924-08-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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jette 6 Nr. 34 Der Israelit 21. August 1924 f Türkei Jüdische Emigranten aus Palästina zurückgesandt. Konstantinopel, 7. August. 43 Personen, denen die Erlaubnis zur Einreise nach Palästina verweigert worden ist, sind an Bord des „Novorossiisk" in Konstantinopel eingetroffen und werden hier einige Tage in Quarantäne gehalten. Man befürchtet, daß sie wieder nach Rußland geschickt werden. Man mißt die Schuld der Schiffahrtsgesellschaft „Gosschap" bei, die die Beförderung von Passagieren ohne Visen vornimmt und dann die Verantwortung ablehnt. Sie behauptet, die Emigranten wissen, daß sie auf eigene Gefahr reisen. Die Rückerstattung der Fahrpreise (90 Dollar) wird von der Gesellschaft verweigert. (J.T. A.) Die Zerstörung des jüdischen Waisenhauses. Konstantinopel, 7. August. Das türkische Hauptrabbinat in Konstantinopel hat den I. T. A.-Vertrteer ersucht, in seinem Namen an die jüdischen Gemeinschaften der ganzen Welt zu appellieren, daß man der in großer finanzieller Bedrängnis sich befindenden Konstantinopeler jüdischen Gemeinde dazu verhelfen möge, das vor kurzem durch einen Brand vollkommen zerstörte Waisenhaus wieder aufzubauen. Durch die Zerstörung des jüdischen Waisenhauses sind 1400 Waisenkinder obdachlos geworden. Die jüdische Gemeinde Konstantinopels ist absolut nicht in. der Lage, diese 1400 Waisenkinder unterzubringen, sie zu ernähren und für ihre Erziehung zu sorgen, damit sie späterhin auf eigenen Füßen stehen können. Der jüdischen Gemeinde Konstantinopels, die einst zu den reichsten Gemeinden der Welt gezählt hat, fehlen jetzt alle Mittel, um das zerstörte Heim der Waisenkinder wieder aufzubauen. Mindestens 100 000 türkische Pfund sind erforderlich dazu. Die Anstalt war auf 4000 Pfund versichert, von welcher Summe aber nur 60 Prozent ausgezahlt werden. Jntzaltsüverstcht. 1. Leitartikel: Gabija den Pestsa: Um die Selbständig keit der Orthodoxie. — 2. Wochenrundschau: Der Sabbat in Saloniki. Hans Herz! katholisch. — 3. Homiletik: Rabb. Dr. Winkler, Kopenhagen: Bemerkungen zum Wochenabschnitt. — 4. K keines Feuilleton: Beantwortung der zwei Fragen. Badebrief aus Brückenau. Aphorismen. Der Präsident der französischen Republik Beamter einer jüdischen Gemeinde. — 3. Au f- >ätze: Dr. Adolf Altmann, Oberrabbmer in Trier: Die Epochen des Niedergangs und die Genien des Aufstiegs in der jüdischen Geschichte. — 6. K orrespond en zen und Nachrichten. — 7. Aus aller Welt. — 8. Personalien. — 9. Farniliennachrichten. — 10. Briefkasten. — 11. Feuilleton-Beilage: S. Schachnowitz: Die Messiasbraut. — Sabbat in Jerusalem. wieder gutzumachen. — Im Dorfe Lupien, in der Nähe von Erhole wurde eine jüdische Familie, bestehend aus dem Ladenbesitzer David Patenko, seiner Frau und zweier Kinder, durch Banditen ermordet. Auch ein in der Wohnung anwesender christlicher Pole fiel den Banditen zum Opfer. Von den Mördern fehlt bis jetzt jede Spur. Rußland. Nach einem am 9. August in Riga eingetroffenen Bericht, find inder letzten Woche in dem Gouvernement Kiew 300 Zionisten und Chaluzim verhaftet worden. Personalien. Katholiken ins Grab gelegt werden, so hören wir nie auf, ge0 ^rnöerg V'ijf. uns als Juden zu fühlen. Im Verlaus der Jahrhunderte, Stuttgart, 17. Äug. Eben in der Stunde, da wir uns da wir unter dem Druck des Klerikalismus gelebt haben, j niedersetzten, um das alte n-'s-Lied anzustimmen, traf Die palästinensische Staatsbürgerschaft. London, 10. August. Der Vertrag, der 1923. in Lausanne unterzeichnet worden ist, trat am 6. August für das britische Reich, Italien und Japan, aber noch nicht für Frankreich in Kraft. Laut § 16 des Lausanner Vertrage verzichtet die Türkei auf alle Rechte und Ansprüche betreffend die außerhalb ihrer jetzigen Grenzen gelegenen Territorien. Diese Territorien schließen Palästina, Syrien, Transjordanien und den Hedschas mit ein. Das Inkrafttreten des Lausanner Vertrages ist auch auf die Frage der palästinensischen Staatsbürgerschaft von Einfluß. Denn erst jetzt wird es möglich werden, ein palästinensisches Staatsbürgerschaftsgesetz zu schaffen. (I. T. A.) Porkugiesische Marannen nach Palästina. Jerusalem, 8. August. Das von den Marannen aus Portugal an das palästinensische Hauptrabbinat gerichtete Gesuch, wieder in die jüdische Gemeinschaft ausgenommen zu werden, ist nun Gegenstand dauernder Erwägungen seitens des Hauptrabbinats. Es wurde beschlossen, mit den jüdischen nationalen Institutionen in Palästina bezüglich einer einverständlichen Regelung dieser. Frage in Verbindung zu treten. Wie die Palästinensische Telegraphen- Agentur erfährt, wird darüber verhandelt, daß eine Anzahl Marannen, hauptsächlich solche, die landwirtschaftlich vorgebildet sind, nach Palästina kommen sollen, um sich hier anzusiedeln. Das' Gesuch der Marannen war vom 25. Juni ’ datiert und wurde dem Hauptrabbinat durch die jüj dische Gemeinde von Lissabon zugestellt. Die Mehrzahl j der Marannen, heißt es in dem Gesuch, sind Landwirte;! die übrigen sind Aerzte, Rechtsanwälte, Gelehrte, Kauf-! lcute und Industrielle. Die Taufe unserer Ahnen, heißt! es weiter, war eine Scheintaufe als eine Folge der Inj quifitionsschrecken und der Autodafes. Wir sind in! unserem Herzen Juden geblieben und haben unsere Liebe ' und Treue zum jüdischen Volke durch all die Zeiten mit uns getragen. Wir heiraten nur unter Glaubensge-; nassen. Wenn wir auch als Kinder in der katholischen; Kirche getauft, nach katholischen Gesetzen getraut und als waren wir von jeglicher Verbindung mit den Juden abgefchnitten. Die jüdischen Gesetze sind uns fremd geworden. Durch Beobachtung der Mondphasen stellen wir fest, wann Jom Kippur ist, den wir nach den uns überlieferten Tradittonen beobachten. Unser Schmerz ist es, daß wir die hebräische Sprache nicht mehr verstehen. Wir verfolgen den Wiederaufbau des Landes unserer Väter mit Teilnahme und hoffen, daß es einst unseren Kindern vergönnt sein wird, nach Palästina zurückzukehren" Der Geist der Freiheit für alle Völker und Nationen, der jetzt in der Welt umgeht, hat auch bei den Marannen seine Wirkung nicht verfehlt. Die Toleranz und die moderne Kultur sind heutzutage auch in Portugal eingekehrt, und dies hat die Marannen dazu veranlaßt, Schritte zur Wiedervereinigung mit ihrem Stammvolke zu unternehmen. Das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee liquidiert. N e w y o r k, 15. August. Nach mehr als neunjähriger Tätigkeit hat das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee seine Büros geschlossen. Das Komitee hat viele tausende Familien unterstützt, über 4000 Kinder ernährt und bekleidet, ferner etwa 1000 000 Tons Nahrungsmittel nach Mitteleuropa gesandt. Das Komitee wurde am 25. Oktober 1914 gegründet; Herr Henry H. Rosenfeld hat das Hilfswerk die ganze Zeit hindurch geleitet. 63137 562 Dollar hat das Komitee in Amerika aufgebracht und durch das Joint Distribution Committee vertreiben lassen. Als in den ersten Kriegslagen die Leiden der Juden Europas bekannt wurden, berief Herr Louis Marfhall die Vertreter von 38 jüdischen Organisationen, mit deren Hilfe das amerikanisch-jüdische Hilfskomitee gegründet wurde. Der Präsident des Komitees war Herr Louis Marshall, der Sekretär Dr. Cyrus L. Sulzberger und der Schatzmeister Herr Felix M. Marburg. Aus aller Welt. Deutschland. Auf der am 15. d. Mts. in Weimar eröffneten Konferenz der Nationalsozialisten ergingen sich Ludendorff und Bartels in Beschimpfungen der Juden. — Die „Fränkische Tagespost" meldet, daß der völkische Landtagsabgeordnete Wiesenacher dieser Tage führend an dem Ueberfall und der Mißhandlung eines jüdischen Mitbürgers beteiligt war und dieserhalb wegen schwerer Körperverletzung zur Anzeige gebracht worden ist. — Rabbiner Dr. Felix Perles in Königsberg i. Pr. ist zum Honorarprofessor an der Albertus-Universität ernannt worden, um das neuhebräische und aramäische Schrifttum dort zu vertreten. — Die Gattin eines höheren Offiziers schreibt dem „Berliner Tageblatt", daß diejenigen, die in den Ostseebädern Erholung suchten, wegen des antisemitischen Radaugeistes, der dort herrschte, tief niedergedrückt nach Hause kehren. Es wurde versucht, den ganzen Ostseestrand zu einer „Völkischen Einrichtung" zu machen. Oesterreich. Die Verwaltung des „Spitals der Barmherzigen Brüder" in Wien, welches das größte Privatkrankenhaus Oesterreichs ist, hat festgestellt, daß die Spenden der letzten Sammlungen bis du 70 Prozent von Juden einfloffen. Der Leiter des Spitals, Prof. Dr. Sostartzyc hat angekündigt, das Krankenhaus werde zum Dank für die jüdische Opferwilligkeit ein großes Volkskonzert zugunsten der jüdischen Kranken Wiens veranstalten. Polen. Der Magistrat der Stadt Sosnowice hat einen Marktplatz der Stadt, auf welchem etwa 100 jüdische Händler seit mehr als 20 Jahren ihre Verkaufsbuden stehen hatten, an die antisemitische Gesellschaft Rozwoj verpachtet, die dort einen „judenreinen Markt" errichten'will. Der Friedensrichter des Ortes verurteilte die jüdischen Ladenbesitzer zum sofortigen Verlassen des Platzes und das Urteil wurde mit Gewaltanwendung vollstreckt. Nunmehr hat das Kreisgericht das Urteil des Friedensrichters ausgehoben. Trotzdem hat der Magistrat keinerlei Anstellung getroffen, um das Unrecht die hiesige Religionsgesellschaft die Schreckensbotschaft, daß unser langjähriges Vorstandsmitglied, seit mehreren Jahren erster Vorsitzender, Leo F e i n b e r g n"y plötzlich in Zürich einem Herzschlag erlegen. Aus einer streng orthodoxen Familie Memels stammend, brachte er stark ausgeprägten Kehillohsinn mit nach dem Süden, und gründete hier mit einer Tochter des bekannten Rabbi Mordechai Pinkowitz n";? aus Frankfurt ein Heim, in dem die Ideale der Thoratreue ihre Verwirklichung fanden. Freigebig und großzügig beanlagt, stellte er seine physischen und finanziellen Kräfte in den Dienst des orthodoxen Kreises und trug viel zur Erweiterung desselben bei. Um so mehr als ihm leider Kindersegen versagt war, wollte er nach dem Grundsätze tm npn Vs -pm kV« in höherem Sinne sich verewigen. Bauen und bauen wollt er, bauen in bildlichem Sinne, die Religionsgesellschaft vergrößern, wofür er in vorbildlicher Weise die größten Opfer brachte, bauen in buchstäblichem Sinne, weshalb er sich immer bemühte, sein stattliches noiDrt rpa zu schaffen. Ein Grundfond, den er in kritischer Zeit geschaffen, konnte von ihm leider nicht mehr ausgebaut werden. Hoffentlich finden sich weiter die Männer, die diese Arbeit fortsetzen, um damit auch den Namen des leider uns allzu früh im 51. Lebensjahr entrissenen Mannes zu ehren. In seinem Sinne wurde seine irdische Hülle auf das der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt überführt, wo Herr Rabbiner Ansbacher vor seinen Frankfurter Freunden und einer Anzahl hiesiger Herren, die dorthin gereist, dem Schmerz und Verlust der Familie und insbesondere der Religionsgesellschast mit beredten Worten Ausdruck verlieh. N"2rir» Berlin, 14. August. Der bekannte ehemalige Vorsteher der Synagogengemeinde Posen, Herr Manasse Werner, nunmehr in Berlin wohnhaft, begeht kommenden Samstag in erfreulicher Rüstigkeit seinen neunzigsten Geburtstag. Mosbach, 15. August. Als Bezirksrabbiner für den Rabbinatsbezirk Mosbach-Merchingen-Werth e i m wurde Rabbiner Jul. Greilsheimer von Friesenheim (zurzeit Freiburg) gewählt. Ichenhaufen, 15. August. Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, der 23 Jahre' bei der Religions-Gesellschaft in Bingen als Rabbiner wirkte, wurde als Rabbiner nach Ichenhaufen (Bayern) berufen. Bremen, 15. August. Als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Rosenak wurde Herr Rabbiner Dr. Aber aus Salzburg zum Rabbiner von Bremen gewählt. München, 14. August. Eines der geachtetsten und' angesehensten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Angela Feuchtwanger, feierte in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag. Angela Feuchtwanger ist der älteste Sohn des verstorbenen Jakob Löb Feuchtwanger, dessen Andenken in den gesamten Kreisen des deutschen, insbesondere des bayerischen gesetzestreuen Judentums als des Mitbegründers der Münchener orthodoxen Gemeine Ohel Jakob noch in lebendiger Erinnerung steht. Der. Jubilar Angola Feuchtwanger gehört selbst seit Jahrzehnten zu den eifrigsten Mitgliedern und bewährtesten Stützen dieser Gemeinde und ist auch in allen Fragen des jüdischen religiösen Lebens und der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege als unermüdlich tätiger Arbeiter und hilfsbereiter Förderer in weiten Kreisen bekannt. Seit mehr als 50 Jahren ist Herr Angela Feuchtwanger tätig in dem angesehenen von seinem Vater 1857 gegründeten Privatbankhaus I. L. Feuchtwanger, als dessen Seniorchef er mit nie versagender Schaffenskraft fungiert. Wir sprechen dem Jubilar unseren herzlichsten Glückwunsch aus. Burgreppach, 17. August. Herr Distriktsrabbiner Dr. Michalski hat sich in seiner Ansprache am letzten Sabbat in herzlicher Weise von der hiesigen Gemeinde verabschiedet. Herr Rabbiner Michalski war uns ein pK3 nm Seinen Schülern war er ein wahrhaft väterlicher Freund und Berater in allen Angelegenheiten. Während seiner sechsjährigen Amtszeit hat er für den ganzen Distrikt segensreich gewirkt, als Direktor und Leiter der Schule in schwerer Zeit bewunderswerte Arbeit geleistet. So sehen wir den Mann, dessen wahrhafte Herzensgüte in erfolgreichem Wirken sich ein unvergängliches Denkmal geschaffen, mit lebhaftem Bedauern scheiden; unsere besten Wünsche geleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. FamiUennachriLten. Barmizwo: Norbert, Sohn des Herrn Solomon Fulder. Würzburg, Ludwigstraße 23. ipy n^ns- Verlobte: Hedwig Wertheimer-Bretten mit. Bernhard Lehmann, Lehrer, Flehingen-Eschau.