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Der Israelit · 1924-08-21 · Heft 34 (21.8.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 34 (21.8.1924)
Date
1924-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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21, August 1924; yy> da man doch das gesetzliche Recht hat, zu protestieren? Wer übernimmt die halachische Verantwortung dafür, daß gesetzsstreue Derwaltungsmitglieder ihren Namen unter Schriftstücke setzen, in denen für verbotene Institutionen Geld verlangt wird? Wer übernimmt die halachische Verantwortung dafür, daß gesetzestreue Männer durch Mitberatung Reformgemeinden Förderung angedeihen lassen, da sie doch verpflichtet wären, sie zu bekämpfen? Wer übernimmt die halachische Verantwortung dafür, daß unter dem Doppelsystem -Akten von Rabbinern, diej'7 '"svungeeignet ITO1? *7103 sind, als gültig behandelt werden? Wie kann ein System gut sein, das gesetzestreue Rabbiner in Abhängigkeit von neologen Vorständen bringt, die notwendig auf Wahrung der Parität bedacht sein müssen! Und wenn es die reinsten und stärksten Charaktere sind. Besser als ’on '2N2 n oder p TMZwv' 'i ist kein heute Lebender. Und diese Tannaiten sagten von sich aus, dah sie durch Gaben, die ihnen zukamen, auf die sie Anspruch hatten, zugunsten der Geber beeinflußt worden sind. (rrp *1*7 Y121N2) Diese Fragen, die noch nicht erschöpfend sind, zeigen, daß das System der Gemeindeorthodorie an einem unheilbaren inneren Widerspruch leidet. Ihre moralische Daseinsberechtigung kann sie nur aus der Zurückdrängung der Neologie schöpfen, tatsächlich trägt sie, oft auch aktiv, zu ihrer Stärkung und Entwicklung bei. Am krassesten zeigt sich dieser innere Widerspruch bei der für die Gemeindeorthodorie so heiklen Frage, was sie tun will, falls sie Majorität wird. Die Frage wurde gestellt, die Wahrheit hat Einlaß begehrt, sie wurde abgewiesen. Wie befreiend hätte es gewirkt, wenn geantwortet worden wäre: wirsehen unsere historische Mission in der Verdrängung der Neologie, die auf jüdischem Boden kein Recht hat. Die Antwort fiel anders aus,- sie sicherte G ewissensfreiheit durch Autonomie zu. Mer trägt die halachische Verantwortung für dieses Wort Gewissensfreiheit? Gewissensfreiheit im politischen Gemeinwesen ist eine sittliche Forderung. In einer R e l i g i o n s gemeinde ist sie Preisgabe der Wahrheit,- es sei denn, daß es mehrere Wahrheiten gibt. Das will aber die Gemeindeorthodorie nicht. Geschickt freilich war die Antwort, während die oben skizzierte unmöglich gewesen wäre. Wre brüchig ist aber ein System, dessen einzig . Der Israelit mögliche Antwort unwahr und dessen einzig wahre Antwort unmöglich ist! Hier trifft das alte Wort zu: rrin *jnavD, es ist gewiß eine hehre Absicht, der min Boden zurückzugewinnen, aber pn Dr>K das Stiftern ist in sich unhaltbar, widerspruchsvoll. Die mm ist und muß ohne mtr»« und mit nm d. h. durch ein System des na« verteidigt werden. Aus dem Wunsche, zur Klärung der wieder aufgeworfenen Frage beizutragen und dem Frieden zwischen den vor Gott und Menschen zusammengehörenden Gesetzestreuen zu dienen, sind diese Ausführungen entsprungen. Frieden kann nur auf der Grundlage von Wahrheit und Klarheit entstehen und bestehen. Man kann wahrlich von den Selbständigkeitsfreunden nicht Selbstpreisgabe verlangen. Für sie gilt doch auf jeden Fall mmn iN'Vvm 'w, für sie ist Zugehörigkeit zu einer Reformgemeinde ein Wäre es aber so unmöglich, daß die Gemeindeorthodorie in die Prüfung der Frage eintritt, ob sie den bisherigen Weg, der ihr das Odium der Stärkung der Neologie durch das Parallelsystem aufiädt, weiter gehen oder neue Wege suchen will? Ich glaube, es ist unter Umständen Pflicht, das VN» pn i'X, von dem unsere Weisen bei erregten halachischen Debatten sprechen, als Forderung aufzufassen und zu erfüllen. Der Meinungsaustausch sollte fortgeführt werden, bis er eine Grundlage für dmnin iVVi Pv2*?für wahren Frieden geschaffen hat. Wochenrundschau. Der Sabbat in Saloniki. Saloniki ist eine Stadt mit 80 000 Juden (80 Prozent der Gesamtbeveölkrung), also eine jüdische Stadt in jeglichem Sinne. In allen Handwerkerzünften sind die Juden nach diesem Prozentsatz vertreten; die Straßenarbeiter, Gepäckträger, Droschkenkutscher stellen die Juden, insbesondere aber ist das jüdische Element unter den Hafenarbeitern vorherrschend, so daß es unter dem türkischen Regime in all den vielen Jahren als Selbstverständlichkeit galt, dah die Hafenarbeiten am Sabbat ruhten, die Droschken wie die Straßenbahnen ihren Verkehr einstellten, ja so- Nr. 34 Seite» gar der Bahnverkehr eingeschränkt war. Der Ausgang des Krieges brachte Saloniki unter das griechische Banner, und nun haben die griechischen Regierungsbehörden nichts Eiligeres zu tun, als mit dem Halbmond auch den jüdischen Sabbat aus Saloniki zu verdrängen. Es geht im Ganzen hier wie anderswo in Europa. Die Griechen sind ein gelehriges Volk. Man spricht nicht viel vom Sabbat, sondern nur vom Sonntag. Es wird die Sonntagsruhe zwangsweise für alle Konfessionen, also auch für die Juden, die hier die erdrückende Mehrheit der Stadtbewohner bilden, eingeführt, und damit ist der Sabbat vernichtet, ohne daß ein Wort darüber verloren wurde. Ueberdies wird natürlich daraus gesehen werden, daß die Hafenarbeiten, der Straßenbahnverkehr und andere öffentlichen Betriebe nicht zwei Tage in der Woche ruhen. Die Juden hätten dann die Wahl, entweder ihren Sabbat oder ihre Stellen und Arbeitsstätten aufzugehen. Das ist n e u g r i e ch i s ch. Wer die Tragweite dieser Maßnahme erfassen will, der lese die Proteste und die Notrufe der Saloniker Juden, höre das Echo, das dieser Aufschrei in den Gemeinden Palästinas und der Levante gefunden hat. In allen größeren Gemeinden Griechenlands sammelten sich die Juden zu Protestkundgebungen. In Saloniki selbst führte die Erbitterung zu einem Beschlüsse, den wir von hier aus auf seine Zweckmäßigkeit nicht beurteilen können. Für den Fall, daß das Parlament den Gesetzentwurf annimmt (es hat ihn inzwischen angenommen), will die Verwaltung der Gemeinde sämtliche Synagogen schließen und dem Gouverneur die Schlüssel mit dem Bemerken überreichen, daß, nachdem man den Juden den Sabbat genommen, die Bethäuser für sie den Inhalt verloren hätten. Der Sabbat sei die Seele der jüdischen Ration; ohne Sabbat keine Religion und kein Gotteshaus! Die Schließung der Synagogen dürfte nun erfolgt sein. Auch vom OberrabbinatinJerusal e m ist im Namen der palästinensischen Judenheit ein Protest gegen ifiefe unerhörten religiöse Vergewaltigung an die griechische Regierung abgegangen. Man kann sich dabei des wehmütigen Gefühles nicht entschlagen, daß durch gewisse Vorgänge in Palästina selbst (Siehe „Doar hajoin", wo in jeder Nummer Sport- und Spielveranstaltungen für Sabbatnachmittag angezeigt sind), diese Kundgebung für den Sabbat in ihrer Wirksamkeit sehr abgeschwächt werden muß. Man muß aber immer noch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die obersten und letzten Instanzen in Griechenland durch all diese Aeußerungen und Kundgebung zur Besinnung geweckt werden und eigentümliche Rundung läßt uns vermuten, daß es sich um behauene Steine handelt. Mit Hilfe unserer Bergstöcke gelingt es uns, die oberste Erdschicht zu entfernen. Da erscheinen einige Ritzen im Stein, und als wir sie betrachten, tritt die Form der Buchstaben v"ü deutlich hervor. Unsere Vermutung ist bestätigt: In diesen Boden haben Glaubensgenossen vor Jahrhunderten die Ueberreste ihrer teuren Toten gebettet. Die älteren Mitglieder der Gemeinde haben von diesem Friedhofe wohl erzählen hören. Aber man hatte im Lause der Zeit die Oertlichkeit vergessen. Das mag daher gekommen fein, daß man Jahrzehnte hindurch den Juden den Wohnsitz hier untersagt hatte. Als sich wieder welche hier ansiedelten, mußten sie ihre Leichen nach dem Bizirksfriedhose im benachbarten Altengronau bringen. Erst vor einigen Jahren ist hier ein Gelände für einen eigenen Friedhof angekaust worden. Die jetzige stattliche Gemeinde hat die gesamte Gemeinde des nahen Dorfes Zünderbach in sich ausgenommen. Die alte Synagoge, die sich im Gebäude einer frommen Familie befand, ist ein Raub der Flammen geworden. Aber noch heute erinnert eine Stiftung an jene stammen Brückenauer, die sich um Die Erhaltung der Gemeinde große Verdienste erworben haben. E. Aphorismen. Es gibt Bücher, die man besitzen mutz, es gibt Bücher die man lesen muß, und es gibt Bücher, die man beMen und lesen mutz. Das Falschspiel mit Worten wird von den Menschen weniger verurteilt als das Falschspiel mit Karten, und doch kann das erstere den Nächsten seiner Ehre berauben, das letztere nur des Geldes. * Die Wünsche umkreisen wie Möven das große Lebensschiff junger Menschen. * Wer an einen Zufall glaubt, aus einen Glücksfall hofft und den Beifall liebt, bleibt zeitlebens ein Tor. Salo Leiter. (Aer Präsiden;! der französischen Aepnvttk Beamter einer jüdische» Gemeinde). Der Präsident der ftanzösischen Republik M. Gaston Doumergue bekleidete in seiner Jugend einen bescheidenen Richterposten in döm Städtchen El Arba in Algier, das meist von Juden bewohnt ist. Der junae Richter verkehrte in den Kreisen der dorttgen jüdischen Intelligenz und war oft Gast bei jüdischen Familien. Als bei der jüdischen Gemeinde von El Arba die Stelle eines Sekretärs ftei wurde, erbot sich Herr Doumergue, der als Richter im ganzen 120 Francs monatlich verdiente, die Stelle des Sekretärs bei der jüdischen Gemeinde im Nebenberuf auszufüllen. Das Amt wurde dem beliebten Beamten gern übertragen. Der Sekretär Gaston Doumergoue verfaßte und unterschrieb alle Zirkulare der Gemeinde über religiöse und soziale Angelegenheiten und verstand es mit der Zeit, sich, wo nöttg, der hebräischen Termini zu bedienen. Die älteren jüdischen Bürger von El Arab erinnern sich, daß der jetzige Präsident der französischen Republik damals für die jüdischen Sabbat- und Feiertagsgerichte eine besondere Vorliebe hegte. (Ate jüdische Presse in Bolen). Das letzte Bulletin des Innenministers enthält eine Statistik über die fremdsprachige Presse iu Polen. In Dolen erscheinen 83 periodische Druckschriften in Jiddisch und zwar: 11 Tageszeitungen, 26 Wochenschriften, 2 Zweiwochenschriften, 13 Monatsschriften und eine Vierteljahrs-Zeitschrift. In Warschau sind 23 jüdische Redaktionen' in Lodz 7, Wilna 5, Krakau 2, Lemberg 3, Czenstochau 3, je eine in Lowicz. Lublin, Rowno, Bialystok, Siedlez usw. Fünf Zeitungen erscheinen in hebräischer Sprache. Der Richtung nach sind 12 Zeitschriften unparteiisch, 9 zionisttsch, 5 solkistisch, eine kommunistisch. In Polen erscheinen ferner 3 jüdische Tageszeitungen in polnischer Sprache, darunter die beiden zionistischen Tageszeitungen „Rewy Dziennik" (Krakau) und ..Chwila" (Lemberg), sowie die unparteiische „Rasz Pszeglond" (Warschau). Wochenkalender. 23. - 30. August 1821 / 23. - 30. Ab 5681 Samstag Ang. 23 3j?? 23 SH Rasch-Chaudesch-Benschen Sonntag 24 24 Montag 25 25 Dienstag 26 26 Mittwoch 27 27 Donnerstag 28 28 Freitag 29 29 Samstag 30 am 30 1. Rosch.Lhaudesch'Tag

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