Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1924)
- Date
- 1924-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Teile 2 Nr. 34 D e . Israelit 21. Auqust 1824 mit der Hingabe ihres Lebens bekämpft. Man kann doch Worte wie v'S'Vvn w Vs? vmvis DMX ’na ns? nicht aus *pn streichen. Ebensowenig wie die Prophetenworte des Jehu nn«r» 'h ’KSffVi nns?V ysnVn „Willst du dem Gesetzlosen Helsen, Gotteshasser lieben?", mit denen doch auf das entschiedenste die Verbindung mit Achab verurteilt wurde. Und wenn jemand auf die unglückliche Verteidigung verfiele, zwischen dem Baaldienst und dem Abfall unserer Tage zu unterscheiden, so wäre da nach, dem oben zitierten Rambam eine Widerlegung kaum erforderlich. Mag der Abstand zwischen dem Baaldienst und dem Liberalismus unserer Tage noch so gewaltig.sein, hier kommt es ja nur auf die grundfätzlicheVerleugnung der Thora an. D a s a l l e i n ist entscheidend. So haben es unsere trasn an der zitierten Stelle als Gebot überliefert, so hat es uns Rümbam erläutert. Darum trifft das Wort Elijahus, ebenso wie das Wort Iehus, das Doppelsystem, das Thora und ihre Entgöttlichung gleichstem. Wie darf man behaupten, die Propheten drängen nicht auf reinliche Scheidung des Religiösen vom Thoragegnerischen? Und auch die anderen Propheten! Man sollte meinen, die Worte (ra ♦BKj?) arrVk iict kV nnn Y’Vk nan 1212?' „Sie sollen (oder werden) zu dir zurückkehren, du aber sollst nicht zu ihnen zurückkehren", die Gott dem über Vereinsamung klagenden Jirmijohu zuruft, klängen nicht grade wie eine Anweisung zur Verbindung. Man mutzte die Geschichte des Abfalls im Judentum und seiner Abwehr schreiben, um hier im einzelnen das Verhalten der Propheten zu würdigen. Aber auch die kurzen Andeutungen verbieten die Behauptung, die Propheten seien Zeugen gegen Selbständigkeit der Thoratreuen. Und auch die geschichtlichen Beispiele der Kuthäer, Sadduzäer und Karäer zeigen, datz man niemals Verbindungen mit dem Abfall eingegangen ist, sondern ihn mit entschiedenster Folgerichtigkeit verneint und schließlich auch verdrängt hat. Es wäre ganz überflüssig, alle die Einrichtungen und Maßnahmen anzuführen, die getroffen wurden aynx Vs? pVa K’nnV, um gegen Irrlehren zu demonstrieren, oder wie man selbst an sich wertvolle ninpn unterließ naijnn ’ssa ö’S’an, um den D’ra keine Stützpunkte zu geben. Das alles zeugt mit solcher entschiedenen Klarheit gegen jede Verdunklung religiöser Standpunkte, datz man es als Beweis gegen das verdunkelnde Doppelsystem betrachten mutz. Wenn man aber sagt, die Propheten seien nicht vom Volke weggegangen, sondern hätten auf dasselbe einzuwirken gesucht, dann mutz zunächst entgegnet werden, daß nicht' die Gesetzestreuen,. die treue Wacht bei , der alten Fahne halten, die Weggehenden find. Ferner.aber..ist die Selbständigkeit' nicht ein Weggehen vom, Volke, auch nicht vom irrenden Teil desselben) Absonderung vom irrenden Volke wäre Heiratsverbot, Verweigerung von r>2V2 nV'a oder ähnliche Bestimmungen. Keiner hat energischer als Hirsch V"t betont, datz seine Separation eine religiöse ist. Er hat stets die Irrenden als Brüder bezeichnet. Es gibt keinen Separatisten, der sich dem nicht von ganzem Herzen anschlietzt. Alle wollen wir auch denen, die leider unserem wahren nationalen Leben, dem Leben nach der Thora entfremdet sind, brüderliche Gesinnung wahren und sie in Leid und Freud bekunden im Sinne desa^a^der Irrende dadurch niinn jri’KV *r»ma zur Thora zurückführen lehrt. Aber diese liebende Duldsamkeit gilt nur dem Menschen, unter keinen Umständen aber seinem Abirren von der nun. Gewiß ist die religiöse Trennung etwas sehr Schmerzliches. Sie ist aber das einzige Mittel, unserem Volke die Katastrophe der Doppelkonfefsionalisierung zu ersparen. Setzt sich im Bewußtsein des Volkes durch das Doppelsystem die Berechtigung der „zwei Richtungen" fest, dann ist die Iudenheit in zwei Teile zerrissen. Während durch die Absonderung immerfort der Mahnruf ertönt: ihr seid zwar Juden, euer Judentum ist aber kein Judentum. Und es gibt keine zweierlei Judentum er. Auf diesem Wege, auf dem Wege rücksichtsloser Bekämpfung der Irrlehre und liebevoller Rücksichtnahme auf die Individuen besiegte D"2a“j den Karäismus in Aegypten. Ob allerdings nicht mehr als bis jetzt geschehen müßte, um den geschichtlichenriuwy- Prozetz herbeizuführen bezw. zu fördern, das ist eine sehr prüfungswerte Frage, die aber hier nicht am Orte ist. Jedenfalls bieten sich auch bei religiöser Selbständigkeit Möglichkeiten. Auch die Gemeindeorthodorie geht nicht in die Schulen und Synagogen der Liberalen. Errungenschaften von N1-NV2-Einrichtungen bedeutet aber nicht Rückgewinnung von Menschen für dienim- 7. Gemeindeorthodorie und selbständige Orthodoxie unterscheiden sich in ihrer Auffassung des religiösen Abfalls. Als nach langen geistigen Kämpfen in den Gemeinden Deutschlands sich immer klarer herausstellte, datz zwar die äußerste Reform gescheitert, ihre dem Wesen nach gleiche, gemäßigtere Schwester, die evolutionistische Form, es aber verstanden hat, einen Teil der deutschen Juden an sich zu reißen, rechneten die grüßen Führer. beXv- GesetzeMeuen in Preußen mit dieser betrübenden a b g e,sAl offen e n ^geschichWcheM^ Vorgang. Die Zelt^ der,nn2M, der.Debaiten^Kar. vorüber; es blieb nur die nuna, der Protest in Form der Absonderung, dfe zugleich die Sicherung des eigenen religiöses Daseins war. Man strebte ein Trennungsgesetz -an und führte die Selbstständigkeit durch. v v;. Anders die Gemeindeorthodorie: Sie glaubte einem noch in Fluß befindlichen Vorgang gegenüberzustehen; einer .Erscheinung die vielleicht rasch zu beseitigen sein wird. Für sie ist also folgerichtig die Zeit des geistigen Kampfes noch nicht da. . Will sie nnvvV, um einen talmudischen bequemen Terminus zu gebrauchen, nach ihrer eigenen Auffassung von ihrer geschichtlichen Mission nicht abgehen, dann muß sie den Kampf gegen die Reform fortführen, sonst hat sie keine Daseinsberechtigung. Die Gemeindeorthodorie hat aber ein Doppelgesicht. Die eine Seite ist der Neologie zugewandt, die andere der selbständigen Orthodoxie. Sie bedeutet nicht nur R e g a 1 i o n d e r Reform, sondern sie kam zur Weltals Instrument gegen die Selbständigkeit. Der Würzburger V"t m hat sie unzweifelhaft in ihrem ersten Sinne gedacht; ihm ist sie als Zurückdrängung der Neologie erschienen. Hat er doch seinen Anhängern das Verbleiben in der HirschMen Gemeinde anbefohlen. Hirsch V"r sah aber die seiner Gemeinde sich zuwendende Seite und erkannte, daß die Gemeindeorthodoxie eine ungeheure moralische Stärkung der Neologie bedeutet. Er hat recht behalten. Nach fast fünfzig Jahren muß festgestellt werden, daß die Gemeindeorthodorie den Intentionen des Würzburger V"r 22 nicht gerecht geworden ist. Sie tritt nach fünf Jahrzehnten mit deutlicher Kampffront gegen die Selbständigkeit auf, während sie von neologer Seite als Friedensheld gefeiert worden ist und gefeiert wird. Diese Tatsache ist mit ihrer selbstgestellten historischen Aufgabe nicht vereinbar und bildet die schwerste Belastung für sie. Der selbstgestellten Aufgabe nach müßte sie die neologe Lehre innerhalb der Gemeinden auf das entschiedenste bekämpfen, wie Schimon ben Schetach seine „Neologen" bekämpft hat. Das Gegenteil geschieht. Wer übernimmt die halachische Verantwortung dafür, daß das Gemerndebudget bewilligt oder durch Stimmenthaltung stillschweigend bewilligt wird. Heißt das nicht Bemerkungen zum WochenaLschnitt. Von Rabbiner Ar. Winkter in Kopenyagen. 7. 14: ipy *p 'vp „Es wird unter dir kein Unfruchtbarer sein", hierzu Naschi: rVia IS'KL? ..der nicht erzeugt". Was will er damit sagen? Ist es doch nicht das erste Mal, daß das Wort ipsr in der Schrift vorkommt! — Nach ani«? ’m '0 wollte Raschi damit eine Frage erledigen: Unsere Lehrer sagen nämlich, Gott höre so gern Seine Frommen beten: darum auch ließ Er unsere Stammütter unfruchtbar sein, damit sie fich betend an Ihn wenden sollten. Ist dem so, wie läßt sich damit die Verheißung allgemeiner Fruchtbarkeit an die Frommen in Einklang bringen? Keiner unter ihnen wird ja dann um Kindersegen zu beten haben! — Darum bemerkt Raschi: T»Via IS'KV Mit „unfruchtbar" sei hier gemeint „die niemals erzeugen", solche werden unter euch nicht sein, aber Unfruchtbare für eine bestimmte Zeit nur wird es wohl geben. Meines Feuilleton. Beantwortung der zwei Fragen. Die zweite Stelle (aus nisvw) ist leicht zu entziffern: Das Wort jviVifm nämlich ist hier aus Versehen ausgefallen. Dann stimmt die Berechnung: jnVsmn imaa, mit allen Wows geschrieben, — bas meint er mtt K*ij?aV QK 2?’ — hat den gleichen Zahlwert wie [k] irr» nt D’riKa. Schwieriger allerdings ist die erste Frage nach der Meinung des V"2nna- Ich glaube indes, daß V"2nna auf jene Stelle in Jecheskel Kap. 10 (vgl. auch Tal. Zoma 77 a) hindeuten will, wo von dem Engel (— , vgl. Daniel 10, 6) die Rede ist, der mit den Händen Opt») Feuerkohlen aus bem Räderwerk (’V’V^VlVi) heroornahm. Dies eben soll mit dem der mm in einen Zusammenhang gebracht werden. W. (In dieser Sache ging uns noch eine große Reihe von Zuschriften aus aller Welt zu, die in der Hauptsache die Fragen im gleichen Sinne beantworten. D. Red.) Badebrief aus Brückenau. Brückenau Stadt, 13. Juli. Ein tiefblauer Morgenhimmel wölbt sich über dem reizenden Tale der Sinn, an deren Ufern sich zu Wiese und Wald Heilquellen in beträchtlicher Zahl gesellen, um Menschen» die sich an Klagen gewöhnt haben, zum Loben und Preisen zu veranlassen. Sie vergessen die Schmerzen, die den langen Winter über ihre Glieder und Gelenke durchzuckt haben, durch den Gebrauch des heilkräftigen Mineralwassers und freuen sich, datz sie nun wieder die Herrschaft über ihren Körper erlangen und sie sogleich in einer so wunderbaren Gegend ausüben können. Und der Jude, dem seine Religion Leitstern fürs ganze Leben ist, empfindet es noch als besonders dankenswert, daß eine fromme Gemeinde und ein neues zuverlässig geführtes jüdisches Hotel es ihm ermöglichen, aller dieser Segnungen ohne jede Entbehrung teilhaftig zu werden. In der herrlichen Synagoge hat er soeben seine Morgenandacht verrichtet, und nun ersteigt er den Hang, der das Tal nach Norden eingrenzt, um vor dem Frühstück noch eine kleine Wanderung zu unternehmen. Bald erhält er Gesellschaft. In der Nähe des Bergkammes steht er auf verschiedenen Pfaden Bekannte in gleicher Richtung emporsteigen. Sie erfreuen sich gleich ihm des wunderbaren Morgens, der würzigen Luft — die Stadt B.ückenau liegt 311 m hoch — und des herrlichen Ausblickes. Viele Bänke laden am Waldesrand zu kurzer Ruhe. Manche Gedenktafel erinnert an bekannte Persönlichkeiten, die gleich uns den Reiz der Gegend genossen haben, wie z. B. der berühmte Reichs-Postmeister Stephan. Nachdem wir lange genug den Blick in die Runde haben schweifen lassen, suchen wir die Orte, die uns besonders lieb geworden sind: die Synagoge mit dem Davidstern über ihrem Kuppeldach und das freigelegene gastliche Hotel mit seiner saftig grünen Gartenanlage. Dann untersuchen wir aber auch unsere nächste Umgebung Und was gewahren wir zu unserer Ueberraschung? —. Aus dem Erdreich am Randedes Waldes ragen zwei Steine etwa zehn Eentimeter hoch heraus. Die.