Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1924)
- Date
- 1924-08-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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mx°=9i o 0—0 ofe) 3üdiscf(cv -O 0—0 o- EUDS 1) oth sfrc und Verlese $um Isr-ndit Organ des'Vereins für die jüdijehen 3nfcre/fen [Rheinlands e.D. »ott D<r. rvslf in Lsin a. Rtz. WH -O tlö^ -ojro- -ol o- 18. Jahrgang Frankfurt a. M., 7. August 1924 / 7. Ab 5684 Nr. 5 tragen zu Lehen das herrlichste Gut, den Mittelpunkt der Erde, die sein Wort erschaffen in sechs Tagen, auf daß der Mensch sortwirkend die Schöpfung erneuere, sind Einsassen nur dessen, der am Schabbos sein Werk krönte, um aufzuhören am siebenten Tag. Sieben Tage sollen es sein. Mit dem Gedanken will uns die Zählung durchdringen, siebenmal vollkommen zur Vollkommenheit uns führen, zu jenem 6. S i w a n, da auch unsere Seele am Sinai gestanden, auch wir gewürdigt wurden, diesen größten Moment der Menschheitsgeschichte mitzuerleben. mitzuschauen. Von jenem6.Siwan an war das Suchen nach Wahrheit nicht mehr in Gottes linker, die Wahrheit selber in Gottes rechter Hand, von jenem 6. Siwan an war der Menschheit die Wahrheit gegeben, greifbar deutlich, in fest umrissener Satzung. Und seltsam, kaum hat Gott befohlen, den Altar nicht auf Stufen zu beschreiten, — denn nicht kampflos leicht führt der Weg zur Hohe, — da wird die glückselig stumme Ergriffenheit des Volkes iah unterbrochen, da folgt nicht, wie es der große Augenblick hätte erwarten lassen, der Befehl zum Bau des Heiligtums, nmnn, sondern M schpotim trockene Nechtssatzungen: wenn du einen hebr. Knecht kaufst, 6 Jahre soll er dir dienen, aber im siebenten geht er frei aus, da folgen all die Bestimmungen, die jeden Tag auf der Gasse ihre Anwendung finden. Da spricht die Tauroh von dem Schaden, den ein Nachbar dem andern zufügt, von dem Schaden, den das Tier des Nachbars dem Tier des Nachbars zufügt. vop dem Dieb, der beim Einbruch betroffen wird, von all den vielen Begebenheiten des täglichen Lebens. Seltsam, und doch so klar: erst dann hat Therumo, die Weihe des Heiligtums. Bedeutung, wenn das soziale Leben des Staates jenem Ideal entspricht, das Mischpotim für das Leben des Einzelnen fordert, nur dann hat der jüdische Staat Bestand, wenn vom Auszug aus Aegypten durch die Wüste wir zum Sinai gelangt, wenn Zion durch Recht sich die Möglichkeit der Erlösung geschaffen. Werden unsere Tage zu Wochen, unsere Wochen zur Tauroh, wir sollten lernen, um durch unser Leben die Völker auf das rechte segensreiche Ziel zählen zu lehren. Haben wirs vermocht? Die Völker haben es nicht gelernt. Mord, von Völkern begangen, ist kein Mord, lehrt das Völkerrecht, denn ein Volk, das seinen Platz an der Sonne behaupten will, muß sich vergrößern. muß mehr Land haben, muß seinen Nachbarn verdrängen, denn Land ist Macht, und Macht ist Recht» und der Mensch ist das Oblekt seiner Ländersucht. Und so hat denn mehr als vier Jahre hindurch der sichtbare Mord gewütet, mehr als diese Jahre hindurch ist kein Gedanke gedacht, der nicht auf Mord gesonnen, mehr als vier Jahre hindurch sind die Ergebnisse der Wissenschaft, sind die Errungenschaften der Technik mißbraucht worden zum Mord,- grausiger und entsetzlicher als damals der Aegypterkönig, hat im erleuchteten 20. Jahrhundert — um eines Stückchens Erde willen — Mord gewütet. Die Sommerzeit. Bortrag, gehalten auf der Bezirkstagung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands zu Neuenahr am 13. Juli 1924 von Rabb. Dr. A. Jacobs. Meine Damen und Herren! Wenn wir uns eine kurze Weile über die Sommerzeit unterhalten wollen, fo heißt das nicht etwa, daß ich Ihnen Ratschläge erteilen wollte über die körperliche Ertüchtigung unserer Jugend, oder etwa, daß ich Ihnen den Unterschied zwischen mitteleuropäischer und westeuropäischer Zeit klarlegen möchte, etwa mit dem Hinweis darauf, daß für uns die mitteleuropäische Zeitberechnung besser ist. weil sie uns ermöglicht, uns am 17. Tamus eine Stunde früher zum Abendessen zu setzen, sondern ich lade Sie ein, mit mir zurückzuwandern in graue Vorzeit, um aus den Ereignissen, deren Erinnerung wir im Sommer begehen, Belehrung, Trost und Wegweiser für die Zukunft zu finden. Drei große Abschnitte wollen wir betrachten, die ."N'Sv-Zeit, die drei Wochen zwischen dem 17. Tamus und dem 9. Aw und den Monat Elul. Die Tauroh sagt:'i3ia2^v7nsv',:und Ihr sollt Euch zählen vom zweiten Tag des nvs- Festes, vom Tage, da Ihr das Aumer bringt, sieben volle Wochen sollen es sein. Vom zweiten Tag des Prßach-Festes: noch essen wir das Brot der Armut, das unsere Väter 190" Jahre lang, nicht nur bei ihrer Befreiung vom drückenden Sklavenjoch Tag für Tag atzen, weil seine Herstellung einfacher und darum eine größere Ausbeutung de? Arbeitszeit ermöglichte, an dem Abend, da unser Herz die ganze Schwere des Joches miterlebt, da wir Einblick gewinnen in die Grausamkeit eines kulturell hochstehenden Voltes, das sich nicht scheut, auch sein eigenes Familienleben zu zerstören um dynastischer Machtgelüste willen, an dem Abend, der Gottes waltende Gerechtigkeit machtvoll uns zeigt, da sprechen wir zuerst den Segensspruch: der uns geheiligt durch seine Gebote und uns die Aumerzählung befohlen. Gottes Volk, aus seiner Hand hervorgegangen, von ihm ins Leben gerufen, von ihm bestimmt, Führer der Völker zu sein, — nach seinem Willen. Denn der Tag ist's, an dem wir das Aumer bringen. Zum ersten Male wieder zieht der Schnitter aus, die Sichel zu schwingen über das neue Getreide. Des Winters starres Cis ist gebrochen, Gottes Natur hat wachsen und sprießen lassen, sein Segen steht bereit, wogend in Halmen, reif zum Schnitt. Wes Mannes Herz schlüge nicht höher, wessen Gedanken dächten nicht: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand schafften mir all diese Fülle! Mein Ertrag auf meinem Lande. Doch nein, die Tauroh befiehlt, noch nicht in die Scheuer den vollen Segen einzuheimfen, nichts darf genossen werden, bis nicht das Beste, das Erste Gott geweiht ist. Denn nicht unser ist das Land, nur von Gott uns zu Lehen gegeben, seine Vasallen sind wir. Dev Vertag dev Vrbkiotbeb des judifefien Dofftsfpeundes wurde Oktober 1909 begründet * Gr hat vor dem '"Kriege erscheinen taffen: 1. SraueCDopfcficifren 2. Docfeficificn für die 3. Speifegefefje (t. Teil) 4.Speifegefetze 5. SpPiicfie Salomos 1. Teil (Kapitel 1-9) 6. Spvücfte Salomos 2. Teil (Kapitel 10-24) 7. Spimcfie Salomos 8. Teil (Kapitel 25-31) Die 'Kriegsbeil hat die Grfebeinungen einsletten taffen Erst 1925 ' wurden die V eröffen l f iefiungen fortgesetzt, und zwar mit der verausgabe von: 8. 2KT Trotz der wirtschaftlichen Ungunst der Zeiten' hat sich der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands entschlossen, eine größere Arbeit in fortlaufenden Broschüren der Oeffentlichkeit zu übergeben. Es soll ein P e n t a t e u ch-Commentar mit Ueb ersetzung zum Pentateuch in Druck gehen, der, aus Beachtung der Grammatik und der Tonzeichen ausgebaut, versucht, die Ueberlieserung derMidraschimsür den einfachenWortsinn zu verwerten und der an den erforschten Tatsachen nicht vorbeigem, sondern sie im Licht der Tauroh bewertet. Der Commentar soll in einzelnen Wochenabschniiten in Broschürenform erscheinen, jede Broschüre soll Mk. 0.60 kosten. Wan aöonnierl durch Einzahlung des ISe- Irages aufdasAostscheckkonto des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands E- D-, Höln 50648. Nur ioenn genügend Eubfcribenten zeichnen oder Förderer von Verbreitung jüdischen Wissens ihr Interesse ausreichend bekunden, kann der Versuch gelingen.