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Der Israelit · 1924-08-07 · Heft 32 (7.8.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 32 (7.8.1924)
Date
1924-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Ü2LI 7. August 1924 -"biguscheZ ssortrschen Wir gelangen nun zu der nach' unserer Aufstellung letzten, übergroßen Bedrohung und Erschütterung, die über den nnxtt hereingebrochen i|t; zu 'dem Judentums-Martyrium Unserer Tage. Der gewaltige Krieg, den viele gewonnen und viele verloren, erwies sich nur für eine Klasse in der Völker Mitte als unbedingter Verlust, für die Juden. Wir, die yiir dieses Morden ohne Ende am wenigsten gewollt, müssen es am teuersten bezahlen. Krieg und Kriegsausgang haben alles über den Haufen geworfen und auf den Kopf gestellt, aber alles renkt sich langsam wiederum ein, nur der Hatz gegen uns nimmt nicht ab und wenn der endliche wahre Frieden aller mit allen mit unserer Preisgabe erkauft werden könnte, wahrlich, manche der Beteiligten am Widerstreite wären da sofort dabei. Was in den sechs Jahren nach Kriegsende sich über unser an Leiden erprobtes Haupt ergötz und noch ergießt, übersteigt jedes Matz und jeden Vergleich. „Sündenbock" und „Sündflut" find Bilder der Spielerei gegenüber dem, was mit uns getrieben wird an Frevelmut und Beschuldigung. Die Scheiterhaufen und Folterkammern des finsteren Mittelalters sind in den Schatten gestellt und abgelöst durch ein neues, weit fürchterlicheres Geitzelwerkzeug, durch den Pogrom. Dieses Wort bereichert das blutgeschriebene Sprachregister der Judenleiden aller Zeiten mit einem Schreckensausdruck ohnegleichen. Wo der Hauch dieses Wortes hinweht, da erstarrt alles jüdische Leben und wie Blätter vom Sturmwinde getrieben, stiebt alles auseinander, was in der Gemeinschaft alle zusammenführt, wenn die Furien in dieses Wortes Gefolge losgelassen werden. Und das Gigantische der schweren Tragik dieses fürchterlichen Wortes ist es, daß gerade die größten Zentren, die ältesten und zahlreichsten Ansatz gebiete der jüdischen Zerstreuung gleich einem Pesthauch berührte. Wenn wir an auserwählten Tagen der einzelnenv''Vinp und der V? tws: iivvv «nipn niVnj? 'ti ftump aus alter mtb ältester Zeit gedenken, so müssen wir uns täglich weinend und wehklagend zu Bewußtsein führen, was der^X"»V'^2 an rnsmp mVnpi hwöa unter den grausamsten Umständen in den letzten Jahren verloren hat. Und auch wo es rra nur bei der bloßen Drohung des fürchterlichen Wortes bleibt, weil Kultur und Gesittung der Ausartung des Hasses einen Riegel vorschiebt, mutz sich doch das solidarisch gerichtete jüdische Herz zusammenkrampfen und den Stich verspüren, der sich in das Lebensfleisch und -Blut unseres Volkskörpers bohrt. Und dieses umso eher, als zu den Pogromen, die das physische jüdische Leben z. St. Nach meiner Deutung erklärt sich dies einfach aus dem Umstand, daß er im Gegensatz zu seinem Ahnherrn nicht das Oberhaupt des ganzen, sondern nur eines Teiles des Stammes Josef war. In der heutigen Sidro übrigens erscheint der Name munir» das einzige Mal in der Schrift, mit einem zweiten Wov. Dieses sollte, nach pa tzma T'ö nnm nnon «mal aus die sech s Auszeichnungen Hinweisen, die Josua in jener Stunde zuteil wurden: Schönheit, Kraft, Reichtum, Weisheit. prophetische Begabung und Fürstenwürde. Jüdische Tränen. Betrachtungen zu ptn rm maa^ ny. Gemäß diesem salomonischen Weisheitsspruch hat das jüdische Volk sich immer, gleich leidenschaftlich und aber auchgleich stark, in der höchsten Freude, aber auch im tiefsten Schmerze gezeigt. Und das Judentum kennt keine „unmännlichen" Tränen, es kennt nur Unrechte, und darum unjüdische Tränen; und nichts was unsere Weisen mehr verpönt hätten alsvrnw'aa. Aber ein echtes, aufrichtiges Weinen wissen unsere bvn wohl einzuschätzen und sie sagen: n?» p"»na anm mns mraa ’iw \byu nVati, daß uns ständig die Tore der Tränen geöffnet bleiben; in dem Sinne flehen wir auch bei den mm-v: „Ueberbringer der Tränen, überbringet unsere Tränen dem König, der sich durch Tränen versöhnen läßt." Und trotz all dem hört man immer noch die naivsonderbare Frage stellen: muß man am 2x2 nywi weinen? Ein Sohn des Ostens lächelt bei dieser Frage, und er kann sich es nimmer vorstellen, daß wir für den?"»na pan Der Israelit_ ausgelöfcht haben und auszulöschen drohen, sich ununterbrochen Pogrome gesellen, die auf das Geistige losgehen, auf die Erdrosselung der Seele, der alten jüdischen Lebensart. Radikalismen über Radikalismen von rechts und von links, die sich in Ost und in West gegeneinander austoben, wüten wie verbunden miteinander gegen den Lebensnerv Jisroels. Und das traurigste ist, daß aus Jisroels eigener Mitte ein wüstes Anrennen des Radikalismus gegen die Schlagader des eigenen Volkes vor sich geht. Die Tauras Mausche, die Newiim, das Gottesheldentum, das Bet Hamidrasch, die Kehillo und die Jiroh, diese fünf mächtigen Genien aus den fünf mächtigsten Erschütterungsepochen, einst die Ecksteine unseres Bestandes, werden von vielen, auch von denen, die unsere eigenen Brüder sind, zum Steine des Anstoßes gemacht, oder zumindest zum raian ivx» px zum Steine, den die Bauleute verschmähen. Wo ist jetzt der Genius» den Haschem erweckt, der sich aus der tiefsten physischen Not und geistig-seelischen Bedrohung losringt und zur Erhebung und zum Aufstieg mitreißt? maa mn mn nte» finv„von außen rafft hin das Schwert der Bedrohung, und innen ist es wie der Tod." Haß von außen, Verblendung und Unfrieden von innen. Was ist jetzt der verheißungsvolle Aufstiegsschimmer, der uns inmitten des gewaltigen Niedergangs winkt? Bleibt diesmal der Genius aus? Wir dürfen antworten: Nein. Nicht verzaget, Juden, der Genius ist auch diesmal da. Gerade mit dem tiefen Verfall hat ihn der ewige Hüter des Leidensvolkes erweckt und auf den Plan gestellt. Fest wurzelt er im teuersten Boden unseres Volkes und schon treibt er die herrlichsten Blüten. Es ist der jungjüdische Mensch, es ist die jüdische Jugend. Seit Rabbi Akibas Zeit, wo lausende und abertausende junge Juden sich vom höchsten Ideal Jisroels, der Tauroh, angezogen fühlten, hat man kaum in einem solchen Maße von dem Erwachen des jungen jüdischen Menschen gehört wie in den Jahren und Tagen unserer Zeit. Wie ein Verwunschener vom Wunderstabe berührt wird, so ist die vorher hindämmernde Jugend von Judentumsidealen ergriffen, auferstanden zum Judentumsbewußtsein. Unsere Söhne und unsere Töchter haben die Hingezogenheit und Liebe zum alten Stamme, die so vielen Alten aus dem Herzen, geschwunden, wiederum gefunden. Gleichviel von welchem Lager aus, wollen sie junges, frohes, frisches Geistesblut in die fast verdorrten Adergänge unseres am Boden siegenden Volkskörpers bringen. Mit der Glut der Begeisterung, die nur der Jugend eigen so wenig übrig haben, daß wir noch fragen, ob inan weinenmuß. Man kann gewiß niemanden befehlen „zu weinen", aber hat er keine Träne mehr zu vergießen um den Verfall unserer nationalen Selbständigkeit, „so möge er weinen darüber, daß er nicht mehr weinen kann." Weinen möge er darüber, daß er still bleiben kann, beim Vernehmen der furchtbaren nnx der Belagerung der Stadt beim grausigen Miterleben des Martyriums dermal» 'rian napy, beim Anhören der herzzerreißenden na'«-Klänge, das soll sein Anlaß zum Weinen sein. Und kannst du immer noch nicht weinend dein Herz ausschütten vor n"apn dann laß unsere jetzigen ma* alle am vor deinem geistigen Auge Revue passieren, und bringe dir zum Bewußtsein, die vielen Austreibungen deiner jüdischen Brüder, das Unheil, daß eine „jüdische Sektion" in Rußland verursacht, die polittsche Verhetzung der Parteien in Erez Jisroel, die zu einem grauenhaften Morde geführt haben, der in der nik-Geschichte der jüdischen Nation, des Volkes, das das rann xb am feuerflammenden Sinaiberge aus Gottes Munde vernommen hat, einzig dasteht. Deine Tränen, die dann fließen werden, sie werden auch dazu beitragen, „den Tränenschlauch Gottes zum Ueberfließen zu bringen", der unsere einstige nVix ermöglichen wird. •••n"apn wa maivn ».v-vh anix wi'-n» onxs? aiyaan *>a i'nr rraa an'wi vwvv ay . . . Gott bewahrt gleichsam die jüdischen Tränen in seiner Schatzkammer auf; und jede Träne, die um die Z e r st ö r u n g d e^s vap» geweint worden, hilft auch an seinem Ausbau mit. — Und nur wer getrauert um Verfall, wird auch der Freude ihres einstigen Aufbaues teilhaftig werden. Seht ihr dort den alten Juden, wie er im Synagogenwinkel kauert, sehrt ihr wie die ergreifenden mi’p Nr. 32 Seite 3 ist. will sie ihr Bestes tun, ein starkes, nach innen und außen widerstandsfähiges Judentum zu schaffen. Nicht alle, vielleicht nur sehr wenige, gehen freilich einstweilen von dem Punkte eines Judentumsbewußtseins aus, der allein als der archimedische Punkt der jüdischen Welt angesehen werden mutz, von dem Punkte, in dem sich alle Linien schneiden, und der Tauroh heißt. Aber, wenn inmitten der Nacht ein mächtiger Schall ertönt und alle Schlafenden, jäh erweckt, so wird jeder Aufgewachte zunächst auf seiner Lagerstätte, auf der er einschlief, regsam werden. Erst dann wird er von seinem Lager dem Erweckungsschalle näher nachgehen und ihn begreifen lernen. — Man darf nicht vergessen, welche Lager es waren, auf denen die Jugend vorher eingelullt war. Assimilation und Reform haben der Jugend den Schlaftrunk gegeben. Wenn sie nun erwacht, so ist sie vorerst immer noch auf dem Lager, auf das man sie gebettet; aber wartet nur, sie wird sich ganz den Schlaf aus den Augen reiben und sie wird dem Weckrufe auf den Grund gehen, der jetzt seit Jahren an sie ergeht. Auch der junge Schmuel hat erst zum vierten Male gemerkt, daß Haschem ihn erweckt hat und ihn als seinen Boten ruft. Laßt uns die Jugendbewegungen, wo immer sie sich regen, nicht verachten, sondern sehr wohl beachten, als die trostreichsten Lichtbilder inmitten aller Zerstörung und des bangen Niedergangs, der sich breit macht. Der junge Schmuel, auch ein Genius der Zeit, den Gott rief, hat sich dreimal um Deutung der ihm gewordenen Erweckung an den vor Haschem Dienst tuenden alten Gottesboten Eli gewandt. Er hatte eben vor Haschem gestanden und, Haschem ergeben, den Schlaf im Heiligtume angetreten. Die heutige jüdisch' erwachte Jugend befindet sich zumeist außerhalb aller Heiligtümer und nur selten steht ihr ein Eli zur Seite. Aber wenn nicht sie immer jene Berufenen um Deutung befragt, die die Esis der Zeit sind, so mutz ein anderes geschehen. Die Elis der Zeit müssen zu den Jugendlichen gehen und ihnen sagen und geduldig immer wieder sagen: „Jüdische Kinder, Haschem hat euch gerufen und er will euch zu seinen Sendboten machen an Jisroel und für Jisroel." (Fortsetzung folgt.) BAD HOMBURG LoulsenstraOe 16 Ellsabethensfr. 40 (am Markt) Telefon 29J (am Kurgarten) Melodien sein armes, gepeinigtes Herz packen, und sich leise eine heiße, bittere Träne aus seinem Auge stiehlt und langsam fällt, den Boden düngt mit schmerzlicher Saat, aber laixp’ nana nyaaa ö’yaain er, dieser alte, gramdurchfurchte Jude hat darum auch das Recht sich in der Zeit der Freude, voll und ganz der nn»«? hinzugeben. Das, ist der Typus des „himmelhoch jauchzenden, zu Tode betrübten" Juden, dessen Tränen es letzten Endes sein werden, die die Zeit herbeiführen, von der es heißt -un-a ,aan»a ,o'as ba byn nyaa 'n nn»i S. S. Meines Feuilleton. Dr. Nathan Birnbaum in Warschau. Zu einer erhebenden Kundgebung gestaltete sich der große Tmpsangsabend, den die Warschauer Agudas Jisroel dem zur Zeit auf einer Dortragstournee befindlichen Dr. Nathan Birnbaum veranstaltete. Der Empfang fand im Zentralbüro der Aguda statt und versammelte so ziemlich alle führenden Persönlichkeiten der Warschauer Orthodoxie. Die Herren S. Aw rach. I. M. Lew in, Senator Deutscher, Gemeindevorsseher Lerner, A. S. Friedmann, M. Oliwenstein sowie der Sochatschiner Rabbiner, T. I. Gutentag und viele andere begrüßten den gefeierten Gast mit einer Herzlichkeit, wie sie nur aus dem Gefühle tiefsten Dankes für all das Wertvolle, das Birnbaum in seinen Vorträgen und durch seine ganze Persönlich

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