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Der Israelit · 1924-07-24 · Heft 30 (24.7.1924) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 30 (24.7.1924)
Date
1924-07-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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24. Juli 1924 Der Israelit Blätter Nr. 12 Seite 3 undAboda gestellt,: hier die Resultate erreichen, welche die moderne Pädagogik lediglich für profane Dinge anstrebt. Das vorhin Erwähnte gilt auch von der nationalen Tendenz, - der jene Schule dient. Mag dieselbe auch weit entfernt von dem sein, was die geschriebene und mündliche Thora über unsere nationale Bestimmung lehrt. Die-Mittel, mit welchen sie die Jugend für diese Irrlehre zu gewinnen suchen, müßten durch thoratreue Lehrer in den Dienst der jüdischen Wahrheit gestellt werden. Dazu gehört auch die Hebung des jüdischen' Selbstbewutztsems und die Förderung, die dieses Bewußtsein durch den Hinweis erfährt, daß Lehrer und Schüler sich bereits auf dem nationalen Boden des heiligen Väterlandes bewegen, in dem die Neuerstehung der jüdischen Gottesnation sich dereinst vollziehen wird. Die dadurch geweckte Liebe zum heiligen Lande muß in den kindlichen Herzen ganz anders Wurzel schlagen, wenn sie durch eine vom Geiste des Judentums und wahrer Gottesfurcht getragene Erziehung und Ausbildung erfolgt. Dasselbe gilt auch von der Pflege der heiligen Sprache., Mag den anderen ihr ganzes Judentum darin ausgehen, so soll uns das doch nicht abhalten, die m die Augen springenden Vorteile dieses Sprachunterrichtes uns zu sichern. Wenn man die Erhebung unserer totgesagten Sprache zu einer lebenden selber erfährt, sieht und hört, wie kleine Knaben und Mädchen korrektes Hebräisch wie im jüdischen Altertum sprechen, so sollen wir dieses geschichtliche Geschehen in thoratreuem Sinne nur wärmstens begrüßen. Für uns bleibt die hebräische Sprache, wie in der Vergangenheit so auch in aller Zukunft, die alte heilige Sprache der Thora. Zu diesen Neuerungen müssen wir uns mit voller Ueberzeugung entschließen, wenn wir dem Verfall steuern wollen, "der dre von ihm zu erziehende Jugend bedroht. Und zwar darf sich diese Fürsorge nicht lediglich auf die Knaben beschränken, sondern muß auch auf die Mädchen ausgedehnt werden. Es müßten auch besondere Töchterschulen ins Leben gerufen werden und so der Mißstand beseitigt werden, der in der Vereinigung der Geschlechter besteht. Es hat einmal eine Zeit gegeben, in welcher das Haus den Töchtern alles das besser gewährt hat, was eine Schule ihnen heute zu bieten vermag. Damals waren besondere Töchterschulen überflüssig. Heute sind sie auch in Erez Jisroel ein unabweisliches Bedürfnis, wenn das junge Geschlecht vom Geiste der Thora durchdrungen in aufrichtiger Gottesfurcht heranwachsen soll. Freilich tonnten hier auch Töchterschulen nur mit Zustimmung der Rabbinen errichtet werden. Zur Gründung solcher Schulen, die den Anforderungen des überlieferten Judentums und denjenigen der modernen Pädagogik genügen, find nun in erster Reihe Lehrer erforderlich, die diesen doppelten Ansprüchen entsprechen. Diese zu finden wird derzeit allerdings schwer sein. Die Heranbildung von Lehrern, welche die jüdischen Bewohner des heiligen Landes mit von Thora erfüllten und mit dem nötige« unb zulässigen profanen Wissen ausgerüsteten Lehrkräften versorgt, bedeutet daher auch die Lösung einer dringlr'chen, vielleicht der dringlich st en Lebensfrage. Vorläufig werden wir uns auch allenfalls mit minderwertigen Lehzrkrästen begnügen müssen. . Im allgemeinen muß unser Augenmerk zunächst auch mehr auf die Qualität als auf die Quantität der zu gründenden Schulen gerichtet sein und wenn es auch zunächst nur zu ermöglichen wäre, in einer Kolonie, eine solche Anstalt ins Leben zu rufen. Es wäre also zunächst eine solche Kolonie ins Auge zu fassen, die am meisten auf die Wohltat einer Schule angewiesen ist und erst später auch an Schulen für die übrigen Kolonien zu denken. Jedenfalls müssen wir darauf bedacht sein, daß das Wenige, das unsere gegenwärtigen Mittel zu erreichen gestatten, vollständig und mustergültig nach jeder Seite hin ist und uns hüten, durch das Streben möglichst vieles in Angriff zu nehmen, unsere Kräfte zu zersplittern. Eine eknzige von uns gegründete Anstalt, die uns vielleicht auch Nachwuchs für die erforderlichen Lehrkräfte sichert, wird sich von unschätzbarem Segen erweisen. Aber deshalb müßte schon jetzt etwas geschehen, um eine Institution ins Leben zu rufen, die uns in absehbarer Zeit auch mit Lehrern versorgen wird. Sie wird das Arsenal werden, das uns die erforderlichen Mittel zu unserem Kampfe für Thora und Mizwos liefert. ' 4-4-4- Vor 16 Jahren, kurz nach meinem Amtsalltritte als Leiter des Palästinaamtes der Pekidim und Amarkalim zu Amsterdam, habe ich diese Ausführungen in einem an die Amsterdamer Zentrale erstatteten Bericht niedergeschrieben. Sowohl die Palästinakommission der Freien Vereinigung als' auch die mit ihr in Schulfragen kooperierenden Pekidim zu Amsterdam haben diesen leitenden Grundsätzen beigepflichtet und den Beschluß gefaßt, sich diesen bedeutungsvollen Aufgaben zu widmen. Nachdem wir im Vereine mit den rabbinischen Autoritäten Jerusalems Rabbi Chaim Berlin wm,n pa Rabbi Chaim Sonnenfeld -pnd Rabbi Sorach Bravrmann, ein Schulprogramm für die Kolonien festgestellt, wurde mit der größten Kolonie P e t a ch - T i k w a h ein glücklicher Anfang gemacht. Die von dem Verein Schomre Thora gegründete Talmud Thora wurde von der Palästinakommission übernommen. Dr. Moses Auerbachs damals Seminarlehrer in Köln, wurde als Leiter der Schulen nach Palästina entsandt und schon nach einem kurzen Zeiträume von zwei Jahren war ein blühendes thoratreues Schulwerk entstanden, das in der neuesten Geschichte Palästinas ideell noch lange mustergültig bleiben wird. Aus Mangel an Mitteln konnten nur wenig gediegene Schulmänner aus Europa bestellt werden. Auch mußte das Schwergewicht auf die hervorragenden Thora- und Talmudkenntnisse der heimischen Lehrkräfte gelegt werden, die von dem Leiter des Schulwerkes in Abendkursen eine gute pädagogische und didaktische Ausbildung erhielten. Das Schulwerk in den Kolonien umfaßte in der Blütezeit 12 Schulen mit insgesamt 50 Lehrkräften und etwa 1200 Zöglingen. Die praktischen Erfolge und Fortschritte, die der gesamte Schulbetrieb aufwies, verdienen eine besondere Würdigung. Hier sei kurz gesagt: Sie waren außerordentlich erfreulich. Was Jerusalem betrifft, erfreuten sich die Unterrichtanstalten der Pekidim nicht minder allgemeiner Beliebtheit. Außer der sephardischen Doresch-Zionschule mit zirka 300 Schülern, hatte auch die der Förderung des intensiven Thora st udiums dienende Lehranstalt Jeschiwas-Zion mit nahezu 100 Zöglingen einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen. Durch die obere Abteilung „Apirjon" wurden beide Anstalten zu einer Hochschule für tiefgründiges Talmudstudium erweitert. Der Lehrplan umfaßt die Hauptgebiete von Sachs und Poskim. Der Ausbildung für den Handwerkerberuf diente die Handwerkerschule Darke Chaim, die über Wunsch von Oberrabbiner Salant Vs* schon zu Beginn des Reorgattisationswerkes unter Verwaltung von Pekidim errichtet wurde. Ihr Programm umfaßte Schlosserei und Schmiederei, sowie Kurse für Thoralernen, Geometrie, Physik und Zeichnen. Diese Anstalt mußte schon vor dem Kriege wegen Mangels geeigneter Meister aufgelassen werden. Den gewerblichen Verband der Ritualien - schreiber und Pergamentarbeiter, den Pekidim mit sehr erheblichen Investitionen zu Beginn des Krieges gegründet, in dem über hundert Familien eine Reihe von Jahren, in ehrbarer Weise ihr Brot verdienten und der auch sonst einen vielversprechenden Aufschwung genommen hatte, war eine Sofrimschule und eine große Werkstatt für kunstgewerbliche Olivenholzarbeiten angegliedert, in der über dreißig Schüler und Lehrlinge beschäftigt wurden. Dem Unterrichtswesen der Jemenitengemeinde wurde durch erhebliche materielle Opfer und in ideeller Beziehung durch zeitgemäße Umgestaltung des Schulbetriebes, durch Anstellung geeigneter Lehrer, Bestellung freundlicher Schulräume in gesunder Lage und ärztliche und hygienische Aufsicht ganz besondere Fürsorge zugewendet. Während des Krieges wurde auch ein Waisenhaus für jemenitische Knaben eröffnet, welches 30 Schützlinge beherbergte. Die Jemenitenschule „Dr Thora" Zählte 150 Schüler. An diese Hauptanstalten lehnten sich als Vorbereitungsschulen noch an: die Talmud-Thora-Schulen der Bucharim, Grusim- und Maarawim-Gemeinden, mit zusammen 350 Schülern. Ungefähr 50 Lehrkräfte — unter diesen eine ganze Anzahl von hervorragenden Gelehrten und Chachamim — betätigten sich mit idealer Hingabe auch an dem Jerusalemer Schulwerke, das berufen war, dem thoratreuen Jischuw und in weiterem Sinne dem gesamten jüdischen Volke einen würdigen Nachwuchs zu retten und zu erhalten. Von diesen Heiligtümern — die Feder zittert beim Niederschreiben dieser Zeilen — sind nur noch die sephardische Doresch-Zion-Schule und die Aschkenasische Jeschiwas-Zion im Besitze der Pekidim geblieben. Im letzten Jahre vor dem Zusamemnbruch der anderen Schulen hatte auch die Palästinazentrale der Agudas Jisroel an dem Rettungswerke teilgenommen. Die Katastrophe konnte nicht aufgehalten werden. Die unter dem Namen „Bnei Zion" vereinigte Bucharimschule wurde wenn auch nicht unter dem Protektorate von Pekidim, anderweitig gerettet. So hat die Entwertung der Mark auch in Erez Jisroel ungeheure Verheerungen angerichtet. Q’TiD\ Wenn wir aber in ernster Selbstprüfung finden, daß nur diese es verursachten, daß ein großer Teil der von Pekidim und von der Palästinakommission gegründeten mustergültigen Lehrstätten der Thora geschlossen werden mußten und damit zugleich die sichtbaren Stützpunkte des thoratreuen Jischuw, die Würde und das Ansehen der westeuropäischen Orthodoxie, die Würde und das Ansehen der ältesten westeuropäischen Zentrale für Erez Jisroel, die in schweren Kriegsjahren, dank der opferwilligen Zionsliebe unserer deutschen, holländischen, skandinavischen und amerikanischen Zionsfreunde, ihre höchsten Siege auf geheiligtem Väterboden feierte, erschüttert wurden, dann sollte es in Anbetracht der nunmehr gebesserten valutarischen Verhältnisse nicht schwer fallen, einige von den Trümmern wieder neu aufzubauen, die das Trümmerfeld unserer einst so reich gesegneten Erez Jisroel-Tätigkeit bedecken. Der Rückblick auf diese jüngste Vergangenheit, die Größe des Gegenstandes und die ganze Konstellation in Palästina, läßt wünschen und hoffen, daß die historische Zionsliebe in unseren eigenen, heimischen Reihen, auch unter einer völlig veränderten, verbesserten politischen Lage in Palästina, ihre alten Triumphe durch gesteigerte Hingebung und Opferfreudigkeit für Erez Jisroel feiern wird. mv'2 uniaff* Haderech. Die neueste Nummer des „Haderech" (Siwan- Tamns) bringt neben aktuellem politischen Material einen warmherzigen Aussatz des Herausgebers, Towija H o r o w i tz , über die Steigerung der Einwanderung nach Erez Jisroel, einen Artikel von Dr. Pinchas K o h n über den Grmeindekampf in Wilna, eme Abwehr gegnerischer Angriffe von Ch. Eiß. eine Betrachtung über die Polemik Arnold Zweig - Robert Weiß in ihrer Bedeutung für die Jugend. Der aus dem alten Haderech Wohlbekannte pvvipi'rr vvv nimmt seine historischen Skizzen wieder auf. 'Eine ganze Reihe Uebersetzungen machen wertvolle Artikel der deutschen orthodoren Presse der Hebräisch lesenden Welt zugänglich. Breiten Raum nimmt der „Keren H a t h a u r o " in dem Hefte ein; Ausrufe des.Wilnaer Raw und des Chofez Chajim werden ioiedergegeben. Ein großer Bericht der Palästina-Zentrale und zahlreiche Nachrichten bilden den Schluß. Feuiiletonmaieria! und Besprechungen ergänzen den reichen Inhalt. Erez-Jisroel Arbeit. Bericht Nr. 2 (3jct 5684) der Paläslinazenlrale der Agudas Jisroel. Im Laufe dieser Berichtsperiode erhielten mir von unserem Jerusalemer Büro einen Bericht über die Tätigkeit der Agudas Jisroel im Winterhalbjahr seit der Kenessioh Gedaulo. Bei dem allgemeinen Interesse, welches dieser Bericht finden dürfte, lassen wir denselben in Uebersetzung auszugsweise folgen: Die Tätigkeit der Agudas Jisroel in Erez Jisroel im Winterhalbjahr 6684. Sechs Monate sind feit der Kenessioh Gedaulo vergangen und die bedeutsamsten Beschlüsse derselben in bezug auf Erez Jisroel fangen an, sich zu verwirklichen. Nach der Kenessioh Gedaulo hat die Agudas Jisroel angefangen, ihre Tätigkeit in Erez Jisroel auf eine weitere Basis zu stellen, so daß im öffentlichen Leben ihre Tätigkeit sich überall zeigt, wenn auch nicht alle Beschlüsse der K.G. in bezug auf Erez Jisroel verwirklicht sind. Trotzdem, wenn man mit dem Stande der Agudas Jisroel in Erez Jisroel vor der K. G. rechnet und ihre heutige Lage betrachtet, wird man finden, daß die Aguda große Fortschritte gemacht hat und daß wir zu der Hoffnung berechtigt sind, daß die Arbeit weiter schreiten wird zur Freude aller Gottesfürchtigen. 1. Mädchenerziehung. Eine der Hauptaufgaben der Agudas Jisroel ist die Chinuchfrage. Zu unserem großen Leidwesen haben die verschiedenen Organisationen, die nicht auf dem Boden der A. I. stehen. Schulen eingerichtet, die dem alten jüdischen Geiste entfremdet sind und wir müssen gestehen, daß sie dies mit großem Erfolge getan haben. Ihr Einfluß auf das Heranwachsende Geschlecht ist in den Städten wie in den Kolonien sehr groß. In Jerusalem stehen noch die Orthodoxen ihnen entgegen und haben nicht die ganze Jugend von sich wegnehmen lassen. Nur die Töchtererziehung

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