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Der Israelit · 1924-07-24 · Heft 30 (24.7.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 30 (24.7.1924)
Date
1924-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 Nr. 30 D e r Israelit 24. Juli 1924 Liber das Verhalten gegen Karäer: Wenn der Uebertretende die Handlung, die er begeht, nicht als verboten ansieht, wie z. B. die Karäer das Verbot von :6m nicht anerkennen, dann ist die Beihilfe zu einem solchen Vergehen nach allen Ansichten in jedem Falle mim ]a verboten. Auch das trifft hier zu. Die Liberalen betrachten ihre Einrichtungen und die Verbreitung ihrer Lehrmeinungen religiös als durchaus statthaft, ja geboten. Somit ist ihre Unterstützung, auch wenn sie unser Geld gar nicht brauchen, auch ’mxr nna ’sp r6rn rnrni verboten minn Nach Ansicht mancher wpviv trifft ferner die Unterscheidung von man 'rny 'in nur für den Fall zu, daß man dem Üebertretenden von dessen eigenem Gute gibt, z. B. man reicht ihm ihm gehörendes verbotenes Fleisch zum Essen. Hier ist zu unterscheiden, ob er es sich selbst nehmen könnte oder nicht. Was aber der Unter st ützende dem Uebertreter aus seinem, des Unterstützenden Gut gibt, gilt immer als Verletzung des biblischen Verbotes. Es scheint, daß auch der p'ö *r» 'n p"0 roj? dieser Ansicht folgt. Aus diesen drei Gründen muß also das Steuerzahlen an die Reformgemeinde als 87i"-»irn iiv'rr bezeichnet werden. Damit sind die s'uvn alle gegenstandslos. Die Epochen des Niedergangs und die Genien des Aufstiegs in der jüdischen Geschichte. Don Dr. Adokf Ättmanu- Oberrabbiner in Trier. (Fortsetzung.) Lebte einst ein braver Mann im fernen Indien, der an Buddha glaubte und ein Weib begehrte. Er ging in den Tempel seiner Gottheit und betete: „Herr, gib mir ein Weib zur Seite, denn nicht kann ich sein ohne eine Stütze meines sonst einsamen, hilflosen Lebens". Sogleich ward dem frommen Manne Gehör geschenkt. Ein tüchtiges Weib gesellte sich zu ihm und hob die Oede und Leere seines Daseins auf. Der Mann nun aber, statt sich seines Weibes zu freuen und froh zu werden der Gehilfin, fand alsbald einen Haken an der Sache. Er fand, daß die ihm half, eigentlich über ihm zu stehen gekommen sei und sein eigenes Leben verkleinere, statt erweitere. Es dünkte ihm, als ob das Weib, das ihm zu seiner Stütze gegeben, auch eigene Ziele verfolge und die Zügel des Hauses, die dem Manne zustehen, an sich zöge, ihn selber aber nur als Werkzeug ihrer Strebungen gebrauche. Und verdrossen ward er der Frau und Haß stieg in ihm auf gegen das Weib, das er einst so heiß begehrte, und fraß an seinem der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß Männern wie Mänzer die Gefolgschaft versagt bleibe und nur solchen wahrhaften v'vvv ’-rafrn die Führerschaft im jüdischen Volke zuerkannt werde, von denen es heißt: o'vvn atf’E’ D’aia. U)ochenkalender. 26. Juli bis 2. August 1924 / 24. Tammus bis 2. Ab 8884 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Juli A»g. 26 VN^'S 2? 28 29 30 131 1 2 me» 'yvv 24 25 26 27 28 29 1 2 ««Ml hx Rofch-Chaudefch-Benscheu Rosch-Chaudesch Familiennachrichten. Barmizwo: vrn'S riBnDjp“ip. Max, Sohn des terrn Gustav Ansbacher & »rau. Cöln a. Rh.. igelbertftraße 7. — Oskar, Sohn des Herrn Jacob Feuchtwanger in Hamburg. Herzen. Flugs eilte er in den Tempel; seiner Gottheit und bat: „Herr, der du mir das Weib gegeben, nimm es wieder; ich kann mit ihm nicht leben". Und wiederum ward ihm willfahrt, denn er war ein braver, frommer Mann und allein stand er da, ohne das lästige Weib. Aber es ging nicht lange so zu seiner Zufriedenheit. Die gewohnten schönen Tage lösten selige Erinnerungen aus und der Verlust der Stütze und Tröstung machte sich bemerkbar. Die Sehnsucht nach der Verstoßenen stellte sich ein und rang mit der Verdrossenheit und dem Hasse. Und abermals ging er in den Tempel und betete also: „Herr, der du mir die Frau gegeben und die Frau genommen, ich will ihretwegen zu dir beten und weiß nicht wie. Ich kann nicht leben mit ihr und ich kann nicht leben ohne sie. Gib sie mir wieder, aber nimm sie auch zugleich, nimm sie und laß sie mir. Ob du das vermagst? Ich weiß es nicht. Aber du bist ein Gott, du mußt und wirst wissen, wie es zu machen, daß ich sie habe und auch nicht habe." — Das mag ja nicht bloß in Indien vorgekommen sein und kann sich in modifizierter Weise überall ereignen, wo Männer und Frauen leben und auseinander angewiesen sind. Jedenfalls, mit den Völkern der Welt und Jisroel hat es ähnlich sein Bewenden. Sie l ieben uns Juden, wenn sie uns braechen, und Haffen uns, wenn sie unserer überdrüssig geworden. Sie können nicht leben ohne uns, aber sie mögen auch nicht leben mit uns. Sie schreien: „Nehmt sie uns" und flehen: „Gebt sie uns". Luther nannte die Juden eine schwere Last, eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück, stellte sie den Zigeunern gleich und forderte zu ihrer Verteibung auf. Werner Sombart wieder läßt sie wie die Sonne sein, die über Europa aufgeht. „Wo Israel hinkommt," sagt er, „sprießt neues Leben hervor, von wo es wsgzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte." (Sombart, Die Juden und das Wirtschaftsleben.) Die Fürsten des Mittelalters vertrieben sie, aber sie holten sie in der Regel fast immer wieder zurück Die Geistlichkeit haßte sie, aber sie begehrte sie. Die Päpste gaben sie Preis, aber sie schützten sie auch wieder mitunter. Der Pöbel lynchte sie, aber er verlangte stürmisch nach ihnen, wenn sie ihm fehlten. Wahrlich, es ist das reinste Wunderwesen, dieses Volk. Es zieht an wie der Magnet, und stößt ab wie der Magnet, und allen die es lieben und Haffen, zu ihm neigen und von ihm wegstehen, bleibt es, wie das letzte Geheimnis der magnetischen Kraft, Reibt unerklärlich. Aber in seiner Unerklärlichkeit liegt Jisroels Erklärung, in seiner Rätselhaftigkeit ist die Lösung enthalten und diese heißt wieder fl'tna nmim: Vorsehungsweisheit. Wie wir diese in der Natur erst dann mit aller Gewißheit zu entdecken pflegen, wenn wir mit unseren Erklärungen zu Ende sind und aus uns selbst heraus nicht mehr ein noch aus wissen, so führt uns die Wunderbarkeit des jüdischen Schicksals wie von selbst auf den Gedanken, den nämlich gerade, in dem uns sonderbar Erscheinenden einen weisen Plan der Vorsehung zu suchen. Solange wir die Dinge im Leben mit sogenannter Natürlichkeit zu verstehen meinen, sehen wir eben das Natürlichste nicht, vor lauter Erklärungen geht uns die Klarheit verloren. Was uns als Zwiespalt im Schicksalswesen Jisroels erscheint, ist in Wahrheit die Ausgeglichenheit seines Bestandes. Wäre es nur geliebt, dann würde es die Verweichlichung töten und wäre es nur gehaßt, dann würde es die Verfolgung umbringen. Aber als Spielball der Wellen des Haffes und der Liebe geht es weder in den Stürmen völlig unter, noch hat es bis zur entnervenden Ueppigkeit im Sonnenscheine Platz. Der Haß drängt es zur Tiefe, und bie Liebe hebt es wieder hoch. Das Interesse an seinem Bestand sorgt, es zu erhalten und der Neid, der sofort zur Hand ist, stößt es in den Abgrund. So entsteht das, was Uns paradox erscheint, sein Abstieg inmitten der höchstenErhebung, und sein Aufstieg inmitten des tiefsten Verfalls. Beides st nicht im Zufall begründet und ist deshalb auch!ein Rätsel, sondern ist Ausfluß eines Planes in der Hand Haschems und ist deshalb im höchsten Sinne klar. Damit erhellt sich uns auch noch eine weitere staunenswerte Seite der behandelten Erscheinung am Lebenswesen Jisroels: Seine Produktivität an großen Genien, an Uebergestatten, an grundlegend eingreifenden Persönlichkeiten und Taten erfolgt in der jüdischen Geschichte zumeist in den Zeiten der sogenannten Tiefstände und umgekehrt, seine Hervorbringung bloßer Epigonen in den Zeiten der sogenannten Hochstände. Bei andern Völkern der WRt ist dies anders. Ihre bedeutendsten überragenden Größen brachten diese in den Zeiten ihres Glückes und Glanzes ihres Friedens und Wohlstandes hervor. Die Juden aber haben in den Perioden, da ihnen die Sonne des Wohlergehens schien in nur sehr geringem Maße jene Gestalten und Genien hervorgebracht,, die den Stempel der Ewigkeit und Unvergänglichkeit in sich tragen. Das taten sie vielmehr in den Epochen, da es ihnen sehr schlecht ging. Wir werden das gleich an der Hand der Geschichte sehen. Man kann aus diesem Grunde von dem behandelten Standpunkte der Geschichtsbetrachtung aus sagen: Unsere Niedergangsepochen waren in Wahrheit kein Unglück für unser Volk, wurden im Gegenteil gewaltige Erhebungen zu seinem Heile und umgekehrt, unsere sogenannten Aufstiegszeiten waren faktisch Epochen des tiefen Verfalls. Denn wenn man die Geschichte von der Ewigkeitsperspektive aus nimmt, ist die Höhezeit eines Volkes nicht danach zu bemessen, ob und inwieweit es sich nach Herzenslust frei ausleben kann, wohlgelitten und geduldet ist, reichlich zu essen und zu trinken hat und gute Geschäfte macht, — wiewohl das auch keineswegs zu verachten ist — sondern darnach bemißt sich eines Volkes Höhezeit, ob und inwieweit es sich seiner Berufung als eines höheren Waltens Werkzeug bewußt ist, über das eng begrenzte augenblickliche Wohlergehensziel hinaus sich für bleibende hochzielige Ewigkeitswerte Sinn und Schaffenskraft zu bewahren weiß und in Ueberwindung aller, wenn auch noch so schmerzensreicher Hemmnisse, Genien und Vorkämpfer für das Große auf den Plan zu stellen vermag. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « Nachrichten. X>cutfd»e» Reich. Aentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Berlin, 4. Juli. Aus vielfach geäußerten Wunsch fand am 30. Juni d. I. eine Tagung der Vertreter der örtlichen Zentralen und Landesverbände zur Beratung praktisch-wichtiger Fra» gen der jüdischen Wohlfahrtspflege statt. Es waren Vertreter von allen Landesverbänden (Preußen, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Nassau), sowie von den meisten örtlichen Zentralen (Altona, Berlin, Bremen. Breslau, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Gleiwitz, Halle, Hamburg, Hannover, Leipzig, München, Stuttgart, Würzburg) erschienen. Um die Bedeutung der neuen Wohlfahrtsgefetzgebung für die jüdische Wohlfahrtspflege zu beleuchten, war an den Anfang der Tagung, die unter der Leitung des Vorsitzenden der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, Herrn Eugen Caspary, stand, die Besprechung der Verordnung über die Fürsorgepslicht und des Reichsjugertdwohlfahrtsgesetzes gestellt. Die erste Referentin (Frau Wronsky) gab eine kurze Darstellung des Inhalts der Verordnung über die Fürsorgepslicht und wies daraufhin, daß in Zukunft, die jüdischen Kriegsbeschädigten, Hinterbliebenen und Kriegswaisen, die Sozial- und Kleinrentner, die Wöchnerinnen in viel stärkerem Maße, als es bisher geschehen ist, in

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