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Der Israelit · 1924-07-24 · Heft 30 (24.7.1924) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 30 (24.7.1924)
Date
1924-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Der Israeli! -Nr. 3V Seite 7 24. Juli 1W4 fceif Bereich der jüdischen Wohlfahrtspflege fallen werden. Sie betont die Notwendigkeit, eine zuverlässige Feststellung über die Lage der jüdischen Kriegswaisen zu treffen, damit Vorsorge getroffen werden kann, datz nach dem Wegfall der Reichsfürsorge, die insbesondere für Erziehung und Ausbildung große Summen aufgewendet hatte, die private jüdische Wohlfahrtspflege in Ergänzung der öffentlichen gerade nach dieser Richtung hin die sehr günstige Entwicklung fortführt. Die Referent! r über das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz, Fräulein Dr. Berent, gab ebenfalls e,inen lleberblick über die hauptsächlichen Bestimmungen des Gesetzes und sprach den Wunsch aus, datz möglichst allenthalben für eine wirksame Vertretung der jüdischen Wohlfahrtspflege bei derZusammensetzung derJugendämter Sorge getragen wird. Es sei in dem Gesetz vorgesehen, datz im Jugendamt ein Rabbiner, der in dem betreffendem Bezirk wohnt, die Vertretung der betreffenden jüdischen Gemeinschaft übernehmen soll. Von inneren jüdischen Fragen der Wohlfahrtspflege wurde der Ausbau der Zentralen und im Zusammenhang damit die Lösung der Finanzfrage von Herrn Dr. S e g a l l und von Dr. Frank, Frankfurt a. M. behandelt. . Die Ausführungen beider Referenten gipfeelten darin, daß schleunigst einAusbau der Wohlfahrtspflege, sowohl im Hinblick auf eine geographische Zusammenfassung, wo sie bisher noch nicht besteht, erfolgen mutz, als auch insbesondere eine fachliche Gliederung in einen Verband der Jugend- und Erziehungsfürsorge einerseits und der Gesundheitsfürsorge andererseits, wozu Vorarbeiten bereits vorhanden sind, durchgeführt werden mutz. Zur Behebung der gegenwärtigen Notlage wird eine grotze Sammlung unter der Führung der Zentralwohlfahrtsstelle, der Landesverbände und örtlichen Zentralen in die Wege geleitet werden müssen. Eingehend wurden die Aufgaben geschildert, die gerade nach dieser Richtung hin der Zentralwohlsahrtsstelle für reichswichtige Einrichtungen zukommen. Zum Schlüsse erörterte Herr Berger die Stellung der Zentralwohlfahrtsstelle zu den ausländischen Hilfsorganisationen. Er beleuchtete insbesondere die Tätigkeit des Joint Distribution Committee und der jüdischen Welthilsskonserenz, die bekanntich Ende August eine zweite Konferenz einberufen hat, mit Vorschlägen, die noch aus ihre Bedeutung für Deutschland geprüft wereden müssen. Herr Berger betont insbesondere, datz die Wohlfahrtspflege in Deutschland, nachdem die Liquidation des Joint nunmehr erfolgt ist, vom Ausland absolut keine Spenden mehr zu erwarten hat, es mutz also in Deutschland selbst mit Nachdruck dafür gesorgt werden, die Bedürfnisse der Wohlfahrtspflege selbst zu befriedigen. Gleichzeitig mit der Tagung der Landesverbände der örtlichen Zentralen fand jeine Sitzung des Reichsausschusses der jüdischen Gemeinden zur Verteilung von Auslandsspenden statt, in welcher die letzte Joint-Spende in Höhe von 100 000 Dollar aus Grund eines vorher sorgfältig ausgearbeiteten Planes zur Berteilung gelangt ist. Dem ^Wunsch des Joint entsprechend und auch ans den Zeitbedürfnissen heraus, wurde ein großer Betrag (50 Proz.) für die Bedürfnisse der offenen Fürsorge bereitgestellt und ein werterer großer Betrag für die Erholungssürsorge von Kindern und Erwachsenen. Konferenz konservativer Gemeindevertreter. Berlin, 10. Juli. Hier hat unter Vorsitz des Herrn Moritz A. L o e b eine Konferenz konservativer Gemeindevertreter stattgefunden, die eine Fühlungnahme der konservativen Kreise innerhalb der Großgemeinden vorbereiten soll. Die Grundlage der Beratungen bildete ein Referat des Herrn Dr. Wiener, der davon ausging, daß es sich für die Gemeindeorthodoxie darum handele, den wesentlichen Inhalt der vor einem halben Jahrhundert vom Würzburger Raw aufgestellten Forderungen zu verwirklichen und zu ergänzen. Hiernach legte er folgende Leitsätze vor: 1. Die Gemeinde hat alle Institutionen einzurichten und zu unterhalten, welche nach dem Religionseiner nbnp obliegen. 2. Die für den gesetzestreuen Teil der Gemeinde bestimmten Einrichtungen müssen einer Kommission (Vorstand, Ausschuß u. dgl.) unterstehen, welche in ihren Maßnahmen selbständig ist, deren Beschlüsse demnach nicht der Genehmigung der Gemeindekörperschaften bedürfen. Mitglied einer j solchen Kommission soll aber nur sein, wer in Gesinnung und Tat auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums steht. 3. Die Entscheidung des oder der zuständigen Rabbiner, daß ein Beschluß' der Gemeindekörperschaften oder der Kommission (2) das Religionsgesetz verletze, muß die Annullierung dieses Beschlusses zur Folge haben. 4. Zu den Einrichtungen zu 1. gehören: Der Gottesdienst nach altem Ritus, nvmv nebst Sorge für nnm. Quellbad, Friedhof und H rpn- Krankenhäuser, Waisenhäuser, Altersheime usw. sind in bezug auf oi-wv den hierfür zuständigen Kommissionen zu unterstellen. ö. Einnahmen der Gemeinde aus Steuern und Zwangsbeiträgen dürfen nicht gegen den Willen des Zahlenden für solche Zwecke verwendet werden, die er für relgionsgesetzlich verboten hält. 6. Die Grundsätze zu 2.—5. sind im Gemeindestatut sestzulegen. 7. Besondere jüdische Schulen sind zu erstreben. In jedem Falle muß jedoch dafür Sorge getragen werden, daß Kinder gesetzestreuer Eltern nur von solchen Lehrkräften unterrichtet werden, die in Gesinnung und Tat auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen. 8. Die Gemeinden find verpflichtet die Beschaffung von Ritualien und rituellen Lebensmitteln zu wohlfeilen Preisen zu ermöglichen und Minderbemittelte hierin besonders zu unterstützen. Herr Rabbiner Dr. Löwenthal erblickt in den Leitsätzen Wieners ein Maximalprogramm, Herr Jakob W o l f f - Frankfurt a. M. dagegen ein Minimalprogramm; der letzteren Ansicht ist auch Hans Goslar. Herr Wolfs fragte, was die Gesetzestreuen tun sollten, sobald sie einmal die Majorität in den Gemeinde st üben erlangt hätten. Vom religiösen Standpunkte aus feien die Gesetzestreuen dann gewiß verpflichtet, die liberalen Institutionen gänzlich zu beseitigen. Nachdem auch Herr Dr. Bernhard Kahn im Sinne Wolffs gesprochen, erklärte Herr Moritz A. Löb, die Frage entbehre zwar jeder Aktualität, doch seien hierfür „in unserem Programm" klare Richtlinien vorhanden: „Wir mühten in diesem Falle die absolute Autonomie religiösen Richtungen vertreten, um „so jedem Gewissenszwang unmöglich zu machen". Daß diese Richtlinien „klar" seien, schien der Versammlung nicht einzuleuchten. Herr Löb referierte dann über die Wahlen zum Landesverband preußischer Gemeinden, wobei er natürlich gegen den gesetzestreuen Gemeindeverband weidlich polemisierte. Die Judenfrage vor dem Verfassungsausschuß des bayerischen Landtags. M ü n ch e n , 20. Juli. Am 19. Juli befaßte sich der Versassungsausschutz des bayerischer Landtages mit einem Anträge des völkischen Blocks zur Judenfrage. Der Antrag verlangt, datz Angehörigen der jüdischen Rasse die Genehrnignng zur Aenderung des Fanrllien- oder Vornanrens nicht mehr erteilt wird, datz Erhebungen angestellt werden, wieviel Angehörige der jüdischen Rasse sich im Staatsdienst befinden, daß die Juden zu den Staatsprüfungen und zum Vorbereitungsdienst nicht mehr zngelasten , werden. Der Antrag will die Regierung ferner beauftragen, die Zahl der jüdischen Studierenden an den bayerischen Hochschulen im Verhältnis zu der Zahl der jüdischen Bevölkerung zu kontingentieren, ausländische Studierende jüdischen Volkstums überhaupt nicht mehr zuzulassen, an den bayerischen Hochschulen Juden als Lehrer nicht mehr wirken zu lassen, den Zugang zum bayerischen Staatsdienst für Juden zu sperren. Weiter soll durch gesetzliche Maßnahmen der landwirtschaftliche Grund und Boden vor dem Erwerb durch Juden sichergestellt und Enteignung vorgesehen werden. Endlich verlangt der Antrag die sofortige Ausweisung der seit dem 1. August 1914 zugewanderten Juden und die Beschlagnahme ihrer Wohnungen und ihres Vermögens. Der deutschnationale Frattionsführer. Dr. Hilpert, erklärte die grundsätzliche Zustimmung seiner Partei zu dem antisemitischen Vorstoß, verlangte aber genaue Definition des Begriffs „Jüdische Rasse". Der Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Volksartei, Dr. Wohlgemutst, machte darauf aufmerksam, datz der völkische Antrag eine Aenderung der Reichsversassung bedinge und den Reichstag anginge. Die Beschlußfassung wurde darauf auf Dienstag verschoben. Sonntagsruhe in Polen. Warschau, 20. Juli. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm brachten die jüdischen Abgeordneten einen Abänderungsantrag zum Sonntagsruhegesetz ein, der eine Erleichterung für die jüdischen Händler und Gewerbetreibenden vorsieht. Dep. Dr. Schipper begründete diesen Antrag und führte aus, es handelt sich nicht um ein jüdisches Privilegium, sondern darum, datz der Jude nicht gezwungen werden soll, zwei Tage in der Woche zu ruhen. Der Antrag wurde abgelehnt. In Anbetracht dessen, datz der Sejm in zweiter Lesung das Bevollmächligungsgesetz angenommen hat, aus Grund dessen die Regierung eine Revision des Konzessionswesens durchzuführen gedenkt, macht sich unter der jüdischen Bevölkerung die Sorge gellend, datz die Regierung ihre Vollmachten dazu ausnützen wird, um die jüdischen Konzessionsinhaber zu entrechten. Die jüdischen Deputierten werden aufgefordert, ihre Aufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, datz nicht tausende jüdische Existenzen vernichtet werden. Konferenz der französischen Rabbiner. Paris, 15. Juli. Die hier stattgehabte Jahreskonferenz des französischeu Rabbinats faßte eine Resolution, durch die das Präsidiunl beauftragt ward, mit den rabbinischen Autoritäten der Welt wegen Erwägung von Maßnahmen zum Schuhe verlassener Ehefrauen und irnöllP in Verbindung zu treten. Ferner wurde die Eingabe des Zentralkonsistoriums gegen die Kalenderreform des Völkerbundes bekräftigt. Die Juden in Turkestan und Buchara in einer Existeuzkcifo. Samarkand, 30. Juni. Die Juden, die seit undenklichen Zeiten in Tnrkestan und in Buchara leben, sollen aus Persien eingewandert sein, wohin sie zur Zeit des ersten Eriks aus Palästina gekommen sein sollen. Ihre Sprache ist ein persischer Dialekt. Ihre Zahl ist heute 100 000 Seelen. Die größten Gemeinden befinden sich in Samarkand, Taschkent, Buchara. Sie beschäftigen sich meist mit Handwerk und Handel. Früher war dort der Wohlstand beträchtlich, aber seit der russischen Revolution wurde ihre Lage eine sehr prekäre. Der Handel liegt darnieder, da auswärtige Verbindungen fehlen. Alte Traditionen fallen. Die jüdische Frau kämpft für ihr Recht, sich den Mann zu wählen, den sie will. Vor kurzem fand eine Konferenz jüdischer Frauen statt, es wurden Resolutionen angenommen, die eine Gleichstellung der Frau im jüdischen Gemeindeleben forderten. Bis 1922 war hebräisch die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen, zuletzt wurden persisch und russisch eingMhrt. Es herrscht Mangel an jüdischen Lehrern. In Samarkand wohnen 12 000 jüdische Seelen in einem besonderen Viertel, das „Machne Israel" genannt wird. Es existiert dort ein Arbeiterklub, ein Theater mit hebräischem Repertoire, eine hebräische Zeitung, eine Bibliothek, ein Museum, 40 Synagogen, 'sowie drei Schulen mit 500 Schülern. 1500 Kinder können aus Mangel an Schulen keine Erziehung erhalten. In Taschkent wurde unlängst ein jüdisches Lehrerseminar eröffnet, das von 150 Hörern besucht wird. In der Nähe von Taschkent wurde vor kurzem eine jüdische Kolonie gegründet, die den Namen des ersten jüdischen Dichters in Buchara „Jescha" führt. Die Lage ist eine solche, datz, wenn die Isolierung dieser Indien von der übrigen Judenheit fortdauert, ihre nationale Eristenz vom Untergang bedroht ist. (I. T. A.) Briefkasten. L. N. in Stockholm. Leider nicht möglich, da ein Sonderbericht nicht erschienen ist. Owiw. 1/6 Jeschurun neue Folge herausgegeben von I. Hirsch können wir Ihnen leider nicht besorgen. Wenden Sie sich an einen Antiquar. Hirsch Pentateuch für Abonnenten kostet Mk. 30.—.

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