Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit 17. Juli 1924 Das Echo des Jerusalemer Mordes Die ' Erfolglosigkeit der Jerusalemer, Polizei bei ihren Bemühungen um, die Eruierung des Mörders gibt der Presse natürlich willkommene Gelegenheit, je mach ihrem Parteistandpunkt mehr oder minder subjektive V e r in U t u n g e n über dir Urheber des Verbrechens Ausdruck zu verleihen. Man wird es den Aguda-Kreisen nicht übelnehmen» wenn sie auf Grund der vorliegenden Dokumente, insbesondere der allgemein bekannten D r o H b rief e, mit denen, der. Ermordete verfolgt wurde, bei der natürlichen Annahme bleiben müssendaß diejenigen de Haan ermordeten, d i e d e n Willen und die Absich.t d azu unzw eid eut ig genug selb e r.s chr ift l i ch b e k und e t hab en. Darüber hinaus aber ist es ja sonnenklar, daß diese Absichten nur in einer Atmosphäre systematisch genährten Hasses bis zur Tat reifen konnten. : •; Am offensten gibt die „W i euer Morgenzeit ung", ein -zionistisches Schimpfblatt von besonderer Massivität, dieser Sorte von Haßgefühlen auch jetzt noch Ausdruck, indem sie dem Ermordeten folgendes Gedenkblatt widmet: „Er schuf in sich den Typus des jüdischen Hochverräters, bevor es noch einen jüdischen Staat und ein jüdisches Strafgesetz gibt." Mit Recht bemerkt dazu die „Jüdische Presse,, in Wien: - „Also es gibt keinen jüdischen Staat und kein jüdisches Strafgesetzbuch, aber die zionistische Presse ist berufen,, alle jene, die zu den Handlungen der zionistischen Organisation nicht Ja und Amen sagen, als Hochverräter zu stigmaüsieren. Daß es dann auch an Exekutivorganen nicht fehlt, die die Strafe an den Hochverrätern prompt vollziehen, beweist de Haans Ermordung.* Hier ist in der Tat derCausalnexus zwischen dem Treiben der zionistischen Presse und der furchtbaren Tat in Jerusalem von einem der Nachstboteiligtett selber ist unübertrefflicher Klarheit ans Licht gestellt. Wir müssen in diesem Zusammenhang leider auch das Zeugnis eines anständigen Organs, .das wir dem „Jewish Chronwle" vorige Woche gegeben hatten, zurücknehmen. Was sich dieses Blatt an unpärlamentarischen Beschimpfungen an, die Adresse der englischen „Agudas Jisroel" leistet, weil sie in einer Resolution Die zionistische Presse für ihre Saat Des Haffes verantwortlich gemacht hat, übersteigt alle Begriffe. Wir registrieren diese Ausbrüche mit dem alten Wort: ni.itfn m nVpbj?» n«3ff. sonstigen toten Luxus, dafür aber mehr Tiere und mehr „Pflanzen"-und Luft, die ein, verwöhnter Städter, ach, so lieb gewinnen kann, so lieb wie seine Brüder. — Dem Juden, dem thoratreuen besonders, kann man nur raten, in die Rhön zu fahren, die sich nicht umsonst auf „schön" ireimt. In - Ge r s fei d i. d. R h ö n, das zwischen weiten Wiesen und grünen Bergen ungestört friedlich und tief schlummert— schlummert und „doch" lebt! — sinöet der miv die ihm unentbehrliche fromme rbnp, die täglich pünktlich früh morgens und abends in der schönen Schul ihr „Minjan" hat. (In manchen „Kurorten" chat man selbst unda-nin kein pw). Der Chasan-Lehrer ort und lei'ent ebenso vollendet — auch kann man -sich einen wp einrichten — wie man es von — Frankfurt .gewöhnt ist. Nachdem so die jüdische Freiheit — mmVniurn'nn — gesichert ist, genießt man umsomehr das menschliche Freisein, das sich voll und überschwenglicheinemschenkt. . Freiheit auf den Wiesen Duft zu genießen,. „den Gott gesegnet", und die Macht der «sonne; oder rings die Berge zu erfteitzen, in wenigen Stunden hin und zurück*). Und — last not last — bei Grünebaums wahr- und nahrhafte vollste Freiheit und — Städter, du weißt, was das heißt! — Freundlichkeit, und Fröhlichkeit, zu speisen, was und wie es — an Menge und Güte — das Herz begehrt — milch- und "fleischding — zu jeder Tageszeit; Zwang höchstens seitens igrendwelchen wohlwollenden Mitgastes,, m e h r zu essen und ja nichts von den — für das anfängliche Gefühl — etwas erschreckend voll gefüllten „Fleischtöpfen" „stehen" zu lassem Da über allerorten noch durch den Magen die Liebe geht, gewinnt man sie lieb, die Wirtin und ihre . . *) Auch gibt es genügend — Gersfeld ist „Kreisoöllig städtisch-bequem und sauber eingerichtete 'Zimcher aych auf dem Lande,Mcht zit verachtM! V;, Nr. 29 Seite 3; Die Arewuth-Borschrift in der Auffassung Ves Rabbi Izchok Elchonon Spektor ^"sr« Bon I. A. V. in Hamburgs Keiner der zahlreichen Gedaulim, die seit mehr als fünfzig Jahren pro oder contra zur Frage des Gemeindeaustritts Stellung nahmen, hat hierbei von der Arewuth- Jdee auch nur eine Silbe erwähnt. Herrn Dr. Unna blieb es Vorbehalten, aus dem Arewuth eine Verpflichtung zum Verbleib in der Gemeinde zu folgern. Er stützt sich dabei auf ein Gutachten fces (SaoiryxT pnmpniP '1 das die Arewuth-Jdee auch gegenüber einer Abtrünnigen zur Anwendung bringt . Daraus folgert dann Herr Dr. Unna, daß eine Pflicht zum Verbleiben in der Gemeinde bestehe, selbst wenn diese auch gesetzwidrige Einrichtungen unterhältdenn das Arewuth-Prinzip heische Rücksicht gegenüber solchen, „die aus Irrtum, aus Leichtsinn oder auch aus prinzipieller Leugnung von Grundwahrheiten des Judentums sich mit den Geboten der Thora in Widerspruch setzen". Enthält das Gutachten des «"'i tatsächlich Momente, welche diese Folgerung rechtfertigen? Wir glauben unbedingt verneinen zu müssen. Der Inhalt des Gutachtensiipn p« phn -PN2' s'v « ^0 sei hier kurz wiedergegeben, da die diesbezüglichen Angaben des Herrn Dr. Unna recht unklar gehalten find. Eine Jüdin hatte ihren jüdischen Ehemann und ihren väterlichen Glauben verlassen und lebte mit einem Andersgläubigen. Sie lehnte es entschieden ab,den ihr angebotenen öa zu empfangen. entschied, daß der Ehemann ohne weiteres heiraten könne, da der A"i'nin (Verbot mehrere Frauen zu heiraten) in einem solchen Falle (gemäß den Gutachten des p'^ins und des man) nicht zur Anwendung käme. Dennoch sollte ein vAbei einem Dritten hinterlegt werden, der ihn für-sie, auch gegen ihren Willen, erwirbt, denn infolge des 711217 feien wir verpflichtet, sie, obwohl sie abtrünnig sei, vor der Strafe des Ehebruchs zu bewahren,' wozu wir die Möglichkeit durch die Hinterlegung des ba hätten: Machten wir von dieser keinen Gebrauch, so wären wir infolge des-711127 gleicher Strafe schuldig wie sie. Selbstverständlich standen der vA-Hinterlegung kin er lei fr gendwi e g e a rte t e n Bedenken in religiöser Hinsicht entg e g e n , zumal, wie bereits bemerkt, der A"i Bin nicht in Betracht kam. In seiner Beweisführung für die Notwendigkeit der Anwendung des Helferinnen, die weder Nerven noch starre Steifheit kennen, je mehrGäste, desto gastlicher, froher, sich zeigen, und. fühlt sich wohl und gesättigt und lernt, was jüdische „Gastfreundlichkeit" bedeutet.— Es ist-die „Natur", die die Menfchenherzen öffnet und — nebst innerer Ruhe und Frieden —.Güte und Liebe gebiert. Eben darum find — wie bereits bemerkt — die Ferien auf dem Land auch eine ethische Forderung. Schreiber dieses freut sich, hierin mitden andern „Kennern" sich einig wissend, die „Stadt" Gersfeld i. Ö. Rhön nur bestens empfehlen zu können. Arewuth-Gedankens bemerkt...folgendes im 't (inhaltlich kurz wiedergegeben) Die Ausdehnung des Arewuth-Gedankens auf unsere Beziehungen zu einem Sünder bringen uns in Konflikt mit dem als Norm bestehenden Grundsatz '12 «vn m«V iV B’iöis s'»« l’ian rrarw „Du darfst nicht fündigen, um : einen anderen vor Sünde zu bewahren." Denn infolge deb Arewuth würde die Sünde des anderen uns selbst in Mitleidenschaft ziehen, so daß wir im eigenen Interesse alle Veranlassung hätten, eine kleine Sünde zu begehen, um den anderen und Damit auch uns vor den Folgen der größeren zu bewahren. Es sei daher festzustellen, daß die Arewuty-Verpflichtung nicht so schwerwiegend sei —'man iant 2"2, zumal sie eine solche der Gesamtheit sei, von der nur ein minimaler Anteil auf dem Einzelnen ruhe. Infolgedessen könne sie niemals zur Anwendung kommen, wenn dem einiiv'« entgegenstehen würde. Soweit «"»1. Diese Ausführungen schließen eine Anwendung des ni2l3 auf die Austrittsfrage völlig aus. Herr Dr. Unna wird nicht in Abrede stellen, daß diese auch heute noch nicht endgültig in seinem Sinne entschieden ist. Rach wie vor besteht unwiderlegt die Ansicht des isio ann Hirschs und Hildesheimers sowie der 400 Räbbinen — einschließlich des vormärzlichen Würzburger Raw —, die das Verbleiben in Gemeinden, die vom Thorawege abweichen, unbedingt als verboten bezeichnen, im Gegensatz zu der des Würzbuburger Raw, der das Verbleiben in solchen Gemeinden unter gewissen Voraussetzungen gestattet. Für diejenigen nun, die zufolge der Entscheidung der erwähnten d^iia in dem Verbleiben in den Gemeinden einen w»* sehen, kommt das Arewuth-Prinzip gerade auf Grund der Ausführungen des tr'i für die ganze Frage nicht in Betracht, das feine Anwendung infolge des entgegenstehenden iio'« vollkommen enfällt. Für diejenigen aber, die sich auf den imn des nachmärzlichen Würzburger Raw stützen, ist der Hinweis auf das Arewuth-Prinzip völlig belanglos, da für sie ja gar kein Grund zum Austritt vorliegt, solcher für sie sogar nön* wäre. Rach alledem läßt sich aus dem Arewuth-Prinzip nach dessen Auffassung durch tr'i nicht der geringste Gesichtspunkt für die Entscheidung in der Austrittsfrage konstruieren.— Wir müssen aber auch Hinweisen auf die seitens des Dr. Unna mit einigen nichtssagenden Worten beiseite geräumte Ansicht des^rriV' ^o^V pi, des im i j?"0 K"3p> 7o i"i' Nach seiner vom .1221» Viai (Vers, des ,11in'2 siia) interpretierten Ansicht ergibt sich folgendes: Zustand seiner Geige, der das warme Wetter nicht gut tut..Der Schyffner tritt hinzu,, kassiert, und muß auf eine Rentenmark herausgeben. Dabei päffiert es Einstein, daß er. einen Fünfzigmilliardenmarkschein für einen Hundertmilliardenmarkschein hält. Er macht den Schaaffner auf den vermeintlichen Irrtum aufmerksam. Der Schaffner rechnet ihm aber umständlich vor, daß er richttg herausgegeben habe. Professor Einstem entschuldigt sich. Der Schaffner lächelt mitleidig und sagt, ehe er sich dem nächsten Fahrgast zuwendet: „Kopfrechnen schwach!^ (2.P.Z.) Marienbader Quelle» in Palästina. In Nr. 23 weist Herr Dr. Kanter auf Sabbat 110 a hin, wo von B'^pl in Palästina die Rede ist, die dieselbe Wirkung wie Marienbader Quellen haben, und schließt mit dem Wunsche nach einer Ausgrabung der -Quellen. — Warum denn in die Feme schweifen? Diese sollen erst gefunden werden, und die Mineralquellen von Tlberias find schon da!. Die «'12B haben ja nach der Mischnah i»s j'l'ttra» und Rambam vn rV2iK nsaiB '^nB genau dieselbe Wirkung wie die oder die Marienbader Quellen! sDer schwache Kopsrechner.j Die „Berliner Morgen-, post" berichtet:. Ort der Handlung:- Hintere Plattform eines Wagens der' Straßenbahnlinie 7. Am Bayrischen Platz steigt Professor Albert Einstein, der Entdecker Der Relatvitätstheörie, mit' GaMn und Tochter'' auf. Der! Profeffor unterhält sich: mit seiner Gattin über den sVom Pennal.j „Es wäre mir schon lieber, wenn unser Ordinarius rein Hitlerianer wäre!" „Warum? Das kann uns doch gleich fein!" „O nein, der macht lauter Bierer, weil er beim Notengeben immer ins Hakenkreuz 'neinkommt!" („Jugend", München.) tVochenkalender. 18. - LS. Juli 1981 / 17. - 2A. Tammus 5681 Samstag Juli 19 p^2 17 rinn Sonntag 20 18 Montag 21 19 Dienstag 22 20 Mittwoch 23 21 Donnerstag 24 22 Freitag 25 23 Samstag 26 Qftm 24 lnniz) nana •w» nyaw I