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Der Israelit · 1924-07-17 · Heft 29 (17.7.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 29 (17.7.1924)
Date
1924-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 29 Soll dieses unerwünschte Ergebnis vermieden werden, so fordert die a’»ff nm' fordert das am» v'vvaV 'an '3ö^ vva n'nn x!?i^a nviv n'nnv nrw nyv i^'S«- daß zum mindestens die letzten, an die Untergründe alles Seins rührenden Fragen aus dem Spiele gelassen, diese Fragen völlig der mint? nnn« überlassen bleiben und die wissenschaftliche Auseinandersetzung an die Peripherie verlegt wird, dort wo nicht Metaphysik Religionsphilosophie, Ethik und Aesthetik, sondern Geschichte und Philologie — exklusive Bibelkritik — das Wort haben. Diese Grenzziehung und Beschränkung der wissenschaftlichen Arbeit, braucht sich nicht im Hellen Lichte des Bewußtseins zu vollziehen, sie wird von dem gesunden religiösen Instinkt geschaffen, der alle Dinge an dem zu allen Zeiten als höchster im Judentum geltenden Maßstabe mißt: an der T r e u e zu Gott, seiner Lehre und seinem Gesetze. Während daher von Frankfurt aus Hirschs lebensvolle Ideen zwar ein jüdisches Gemeinschaftsleben, einen Massendurchschnitt mit zukunftfrohen Keimen schufen, in ihren theoretischwissenschaftlichen Auswirkungen aber, die einen Strom geistiger Belebung hätten schaffen können, aus Mangel an Schülern zunächst stecken blieben, wurden in der großen Korona des Berliner Schülerkreises aus einer durchaus dem Geiste der Tradition entsprechenden xvn n«i' heraus Philologie und Historie fast Alleinherrscher.^ Zwar fehlt es nicht an Ausnahmen, aber diese zeigen nur, wie in allem Geistigen die Grenzen fließen und das Leben nicht stillesteht. In den Berliner Kreisen hat W o h l g e - muth — das sollte auch der über das Fehlen der „Erneuerung" klagende Kritiker anerkennen — die Grenzen des Philologisch-Historischen in einer ganzen Reihe bedeutsamer Arbeiten erfolgreich überschritten und furchtbare Vorarbeiten zu einer systematischen Philosophie des Judentums geschaffen, die allerdings zufammengefaßt und vereinheitlicht werden muffen. Und im Südeü wird man nicht umhin können, den Verfasser der „Messiasspuren" und des „Elijahu" als einen bei allem Anschluß an Hirsch und Kant durchaus selbständigen und schöpferischen Geist anzuerkennen. Wenn gerade in seinen Schriften einer der Ächduth-Kritiker nichts als „stahlharte Logik" findet und die Sprache des religiösen Gefühls vermißt, so scheint uns diesese Urteil angesichts großer Partien in den beiden genannten Werken der Gerechtigkeit zu entbehren. Hier wird eben ganz offensichtlich die ablehnende Stellungnahme zur politischen Persönlichkeit und Wirksamkeit eines Mannes einem lite- OUS-f'- Ungewöhnliche Merkwürdigkeiten. Don Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. Nachträge. 4. Die Herren Dr. Mannes-Schwabach und Dr. Ratner-Kopenhagen sind der Meinung» daß wenn das Wort nanxa zu imi gehörte, es — entsprechend dem Sprachgebrauchs - unmittelbar hinter uisi hatte stehen müssen. — Ich könnte genau dasselbe sagen: Wenn das Wort narna zu gehörte, dann hätte es — dem Sprachgebrauchs entsprechend — unmittelbar, hinter maV stehen müssen! Es kann aber nicht so stehen, weil, wie bereits ausgeführt. ein Gebot in dieser Form in der Tauro gar nicht vorkommt. Es findet fich daher auch nirgends in der Aufzählung der nixa vom a*aa*v von msnaP7 vi'sa?rwn map oder pixn »**in die nixa nw von ö':na nana in der Fassung nx “pa5 nanxa. Wenn der n^sn ppn sie in dieser Form Der Israelit rärischen Werturteil zugrunde gelegt, das damit nichts zu tun haben sollte. Allein mit den bisherigen Feststellungen ist der Kern der ganzen Frage unseres Erachtens noch nicht berührt. Wer Unbehagen darüber empfindet, daß das Judentum unserer Tage oder vielmehr das gesetzestreue Judentum Deutschlands keine religiösen Lebenserneuerer hervorbringt, der mühte sich doch erst einmal fragen, in welchen Grenzei^dieses Sehnen nach religiöser Neuschöpfung, nach neuer Abrahams-Tat, vom Standpunkt der jüdischen Lehre überhaupt Berechtigung hat. (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. Das jüdische Wanderer-Elend. In einer Reihe hübscher Aufsätze hat vor einigen Wochen einer unsrer Mitarbeiter dem jüdischen „Wandersmann" aus dem Osten ein literarisches Denkmal gesetzt und diese traurige Erscheinung des Golus-Elends — der Geist der min hat allerdings auch aus diesem Unglück Blüten der Veredlung hervorzuzaubern gewußt — als endgültig der Geschichte angehörig betrachtet. Mag sein, daß dies zutrifft, soweit es sich um den speziellen Typus handelt. Aber das jüdische Wandererelend ist leider nicht zu Ende, im Gegenteil, es nimmt unter den katastrophalen Folgen der amerikanischen Einwanderungsgesetzgebung immer entsetzlichere Formen an. In unhaltbare wirtschaftliche und politische Verhältnisse eingepreht, streben Tausende aus den östlichen Ländern mtt unbesiegbarer Energie nach dem Westen, um schließlich in irgendeinem europäischen Hafen zwischen Himmel und Erde hängen zu bleiben. Da ist es erfreulich, daß unsere amerikanischen Brüder auch jetzt wieder ihrer jüdischen Pflicht sich bewußt bleiben und sich der Hilfe für diese Unglücklichen, obgleich ihre Rettung gewiß in erster Reihe der europäischen Judenheit obläge, nicht entziehen wollen. Ende Juni hat in Newyork eine Konferenz stattgefunden, an der mehr als 120 Delegierte, die 45 amerikanisch-jüdische Organisationen vertraten, teilnahmen. Das Ziel der Konferenz war, über Mittel und Wege zu beraten, wie man die Lage der Tausendejüdischer Emigranten, die durch das neue amerikanische Jmmigrations-Einschränkungsgesetz in den europäischen Häfen sitzen geblieben sind, erleichtern kann. Von den auf der Konferenz vertreten gewesenen Organisationen sind zu nennen: das amerikanisch-jüdische Komitee, der amerikanisch-jüdische Kongreß, „Hiaß", „B'nei Brith", die Federation der ansührt, so kann er stch hierbei auf keinen der ö'aivtn berufen. 5. Herr S. Goldstein-Oraden-Mare endlich schlägt eine dritte Auslegung vor: Israel zu segnen nanxa, das heißt, daß in ihm der Sinn für allgemeine Menschenliebe erstarke, ohne welche es keinem diVe? gebe. — Ich glaube nicht, daß eine Diskussion über diese Deutung nötig wäre. — 6. Im Anschluß an die merkwürdige Uebersetzung von }ixna *?ai?n nanxa andern Vxiep 'vui in Nr. 25, verlangt Herr H. Perlmutter-München» indem er diese Uebersetzung verwi st, zugleich eine Korrektur des jina inpnai, also jirrn anpn nanxa anVsni- Ich bebaute, ihm darin Unrecht geben zu müssen. Das mia ohne -i ist durchaus korrekt. Die richtige Uebersetzung ist nämlich: „Die Feueropfer Israels und ihre Gebete mögest Du in Liebe wohlgefällig annehmen". Aleines Feuilleton. Ferien. Man schreibt uns: Wir definieren Ferien als einen Zeitraum von einigen Wochen, den man sich zur Erholung bestimmt. Die Ferien sind ein Stadtbegriff. Man „bestimmt,, sie sich frei — „zur Erholung"; auf dem „Lande" aber ist es weder angängig, mitten in der wahrlich und wörtlich im Schweiße des Angesichts zu leistenden Arbeit frei, sich Ferien „zu machen", noch — für den Gefunden — nötig. Gleichermaßen Arbeit und Feierabend — nicht Ferien — diktiert die Stadt. - ^_ 17. Juli 1924 Tempelfchwesterschaften, der Verein der ortho-- doxischen Rabbiner, die zionistische Organisation Amerikas, die Haddasfah-Frauenorganisätion^ der internationale Kürschnerverein und die vereinigten Tucharbeiter Amerikas. Die Konferenz fand unter dem Vorsitz des Herrn Louis Marshall und Dr. Stephen S. Wiese statt. Der Konserenzleitung gehörten auch an: der Präsident her „Hias" Herr L. D. Bernstein, der frühere Hias- Direktor für Europa Herr Held und Frau Rosowska. Es wurde beschlossen, ein Hilfskomitee für jüdische Flüchtlinge („Emergency Commitee on Jewish Refugees") zu gründen, das für die unmittelbaren Bedürfnisse der Emigranten und für die Erforschung anderer Zufluchtsstätten zu sorgen haben wird. Die als Richtlinien für die Statuten des „Hilfskomitees" angenommenen Resolution lautet: „Unser Hauptziel ist in erster Reihe: den zurück-- gewiesenen Flüchtliegen möglichst zu Hilfe zu kommen» Daher schickt sich die Konferenz an, den Unglücklichen zu einem Dauerwohnsitz in jenen Ländern zu verhelfen, kn denen sie sich gegenwärtig befinden; ferner soll dafür gesorgt werden, daß ein Teil von ihnen in gastfreiest Ländern, in denen Freiheit und Sicherheit herrschen, einen Daueraufenthalt erlangen. Eine weitere nicht minder wichtige Aufgabe dieser Konferenz ist es, durch kompetente Organe sorgfältig und gründlich und mit wissenschaftlicher Genauigkeit die Einwanderungs- und Ansiedlungsmöglichkeiten in den zentral- und südamerikanischen, sowie in anderen Ländern zu prüfen. Dadurch wird es der Konferenz möglich, jenen Juden in Europa zuverlässige Angaben zu machen, die den Wunsch haben oder die gezwungen sind, aus den von ihnen bewohnten Ländern auszuwandern. Die Konferenz ist überzeugt, daß vieles von der hilfreichen Mitwirkung der europäischen Juden abhängt, die Zeit und Kräfte der Betrachtung und Lösung des jüdischen Emigrationsproblems widmen können und wollen. Die Konferenz wird auf die lokale Initiative der Juden in den europäischen Ländern vertrauen. Die Konferenz für jüdische Immigration beschließt: Ein Hilfskomitee für jüdische Flüchtlinge zu gründen, welches ermächtigt ist, ein Exekutivkomitee aus 15 Mitgliedern einzusetzen und so oft es wünschenswert zu sein scheint, eine Konferenz einzüberufen." Außerdem beschloß die Konferenz, sofortige Schritte für einen verlängerten Aufenthalt derjenigen Flüchtlinge zu unternehmen, die in den verschiedenen Ländren gestrandet sind. Das Hilfskomitee für jüdische Flüchtlinge, das soeben gebildet worden ist, setzt sich aus je zwei Vertretern jeder Organisation zusammen, welche der Reihe nach ein Exekutivkomitee aus 15 Mitgliedern zu erwählen haben werden. Es ist noch kein bestimmter Betrag für die in Aussicht genommene Arbeit festgesetzt worden, man nimmt aber an, daß nicht weniger als 1 000 000 Dollar genügen werden, um die geplante Aktion durchzuführen, der man von Herzen Erfolg wünschen muß. Wenn eur Kranker oder kaum Genesener die völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit fern von Hause suchen muß, so wird man auch nicht von Ferien in unserem eigentlichen Sinne sprechen können; hier wird ja die Zeit der Arbeitsruhe lediglich durch die Krankheit bestimmt und allerdings am besten im städtisch-bequem ausgestatteien „Kurort" verbracht. Wir fotzern: Ferien im eigentlichen Sinne haben weder Kranke noch Ländler, sind vielmehr für „gesunde" Großstädter, ein Großstadtbegriff: und schon begriffsnotwendig von rechtswegen auf dem Lande zu verbringen. Nicht werden diese Ferien, wie auf dem Lande und beim Kranken zu ihrer Zeit durch das Gesetz des gehemmten Organismus oder der Natur diktiert, sind vielmehr frei zu wollen; Ferien, die man „sich machen" muß. Und sie sind doch ein bitterernst Ding, ernster, als man gemeinhin annimmt. Das Schlimmste dabei ist, daß den „gesunden" Städtern im Bannkreis ihres sich selbst genügenden, in sich keine Grenzen kennenden ewig kurzen Denkens, Rechnens und Sorgens wirklich das Bewußtsein dafür ganz abhanden kommt, daß und gar — woran sie leiden, nämlich daran, daß sie von Natur und natürlich zwar noch — wie von allem — reden doch ohne sie zu kennen —. Nöttg ist darum heute, es geradezu otß fit t l i ches Postulat aufzustellen: Wolle deine Ferien und oerbringe sie auf dem Lande! Glücklich die, die sich heute noch Ferien leisten können: man bedenke jedoch, daß es gerade auf dem Lande billig ist. Wozu vom Lande, der „freien Natur" schwärmen? viele haben das bereits besorgt. — Auf dem Lande gibt es viel weniger Menschen und Häuser, geschweige dann

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