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Der Israelit · 1924-07-10 · Heft 28 (10.7.1924) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 11 Zu gleicher Zeit wird nachdrücklich ersucht, den jüdisch-orthodoxen kommunalen Organisationen in Palästina volle Freiheit zu gewähren, das wäre das einzige Mittel, dem Konflikt zwischen den beiden jüdischen Parteien in Jerusalem Einhalt zu gebieten. London, 3. Juli. Am 3. Juli abends fand in London eine Versammlung des Zentralrats der englischen Agudas Jisroel statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Weltorganisation der Agudah, Dr. Pinchas Kohn. Cs wurde eine Resolution angenommen, in der das Attentat an Dr. de Haan scharf verurteilt wird. Es wird weiter gesagt, die zionistische Presse trage die Verantwortung für die Feindschaft unter den jüdischen Brüdern. Die Resolution bezieht sich keineswegs auf die zionistische Organisation, sondern nur auf gewisse Tendenzen einzelner zionistischer Zeitungen. Cs wurde beschlossen, bei Sir Herbert Samuel anzufragen, ob nicht endlich eine Möglichkeit geschaffen werden könne, eine freundschaftliiche Einigung bezüglich der Position der Agudah in der Sache der Gemeinden herbeizuführen, damit die Agudas Jisroel es nicht mehr nötig haben solle, sich offiziell an das Kolonialamt zu wenden. Jerusalem, 3. Juli. Die palästinensische Agudas Jisroel hat von dem palästinensischen Generalanwalt, Norman Bentwich, ebenso von den französischen und spanischen Konsuln in Jerusalem Beileidskundgebungen aus. Anlaß der Ermordung Jacob de Haans erhalten. Auch aus dem Auslande trafen Kondolenzen ein. Jerusalem, 8. Juli. Die arabische Presse beschäftigt sich fortgesetzt mit dem Mord an Dr. de Haan. Die nationalistischen arabischen Zeitungen sprechen von „zionistischer Rachsucht" und rühmen Dr. de Haan als einen Freund der Araber. Der palästinensischen Regierung wird vorgeworfen, sie sei unfähig, den Mörder und seine Genossen zu erfassen. Die Angriffe tragen einen leidenschaftlichen Charakter. Haag, 8. Juli. Sämtliche Holländischen Zeitungen widmen dem in Jerusalem ermordeten Dr. Jacob de Haan warme Nachrufe und nennen ihn den „Dichter des jüdischen Liedes". Jacob Israel de Haan ist am 31. Dezember 1881 als Sohn eines jüdischen Lehrers in Smilde geboren. 1900 erhielt er das Lehrerdiplom, 1903 bestand er das Staatsexamen, 1916 promovierte er „cum laude“ als Jurist. Seine Doktorarbeit hat in rechtsgelehrten Kreisen große Beachtung gefunden. Im Oktober desselben Jahres wurde er zum Privatdozenten an der Amsterdamer Universität ernannt. 1909 erschienen seine ersten Gedichte. Später erschienen weitere Bände, u. a. „Das jüdische Lied". Er war früher mit der nichtjüdischen Fr. Dr. van Maarseveen, Gemeindeärztin in Amsterdam, verheiratet. 1919 ging er als Korrespondent des „Algemeen Handelsblad" nach Pälästina. Der Amsterdamer Misrachi veranstaltete aus diesem Anlaß eine großzügige Abschiedsfeier. ' Zweite Antwort an Herrn Dr. Jfak Unna, NaöSiner i« Mannheim. Don Rabbiner Dr. Uaphaek ZSreuer in Afchaffenönrg. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Ihrer. Hoffnung, daß unsere Diskufsion^oielleicht zur Beseitigung mancher Mißverständnisse und zur Klärung der Meinungen führen werde, schließe ich mich aus ganzem Herzen an. Diese Hoffnung wird sich aber nur dann erfüllen, wenn wir den ernsten Willen haben, uns gegenseitig zu verstehen und alles, aus dem Weg zu räumen, was geeignet ist, unsere sachliche Auseinandersetzung aus ein falsches Geleis zu schieben. Zu den störenden Fremdkörpern, die wir aus unserer Diskussion endgültig ausschalten sollten, gehört vor allem das Wort von der „religiösen Minderwertigkeit" der Austrittsgegner. Der erste Teil Ihrer Replik auf meine Antwort hat auf mich best Eindruck gemacht, als ob Sie daräuf bestehen wollten, daß wir Separatisten Sie und _ glatte I, „vrK Ihre GestnnungsgenWn Av relWs MrdeM wertig halten. Sie geben zwar zu,/daß DiefW Ausdruck zu^starDst-gUchwöhl füchenWe/MsM Ausdruck, unter Hinweis auf die angebliche Gleichsetzung der Austrittsgegner mit den religiös Minderwertigen hinsichtlich ihrer Wählbarkeit in die Verwaltungsorgane der Agudas Jisroel, in die Diskussion wieder einzuführen: Weil die Agudas Jisroel an ihrer obersten Spitze wederAustrittsgegner,*) noch religiös Minderwertige dulde, folglich seien auch die Austrittsgegner religiös minderwertig; denn ob unter d’KT mit Rücksicht auf die Außenpolitik oder aus anderen Gründen ein Unterschied gemacht werde, sei sachlich vollkommen gleichgültig. Das kann ich beim besten Willen nicht einsehen. Lassen Sie mich nach dem Vorbilde des Dubnoer Maggid ein Gleichnis gebrauchen. Wenn zwei Schächtern die Approbation zum Schächten entzogen wird, dem einen, weil er ein Mann von zweifelhafter Frömmigkeit ist, dem zweiten, weil ihm das nötige Feingefühl zur Wahrnehmung von Scharten am Schächtmesser fehlt, so sind sie doch deshalb, weil sie beide nicht schachten dürfen, in ihrer religiösen Qualität einander nichts weniger als gleich: der erste ist reli- Amckesorganisation der „Hgudas Jisroel“ - ' - in deutfehland Wir empfehlen den Ortsgruppen den Bezug folgender Broschüren: I. den Velegievleittag der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Veutjckland zu Aalkerftackt Berichte und Materialien. 64 Seiten. Pr«i$ 40 pr* ii. tStoferafe erstattet der fteneftio Sedaufo von Jacoö Hlosenheim, Ar. Isaak Zkeuer Ar. Mathan Birnbaum. 36 Seiten. Preis 50 Pfg. Bestellungen erbeten an den Vorstand der Landesorganisation in Halberstadt. giös minderwertig, der zweite kann, obwohl ihm die nötige mmn zum Schächten fehlt, deshalb doch der größte pns fein. Aehnlich verhält es sich mit unserer Stellungnahme zu den religiös Minderwertigen auf der einen, zu den Austrittsgegnern auf der anderen Seite. Die Approbation zur Leitung der Außenpolitik der Agudas Jisroel müssen wir beiden versagen. Damit haben wir sie aber in religiöser Hinsicht durchaus nicht gleichgestellt. Den religiös Minderwertigen versagen wir die nVap>, weil sie religiös minderwertig sind; dagegen mögen die Austrittsgegner in ihrem Privatleben die größten D’pnx sein, es fehlt ihnen aber doch, eben weil sie Austrittsgegner sind, die nötige mmn, um die außenpolitischen Belange der Agudas Jisroel in unserem Sinne wahrzunehmen. Sie schreiben: „Daß unter diesen Voraussetzungen eine harmonische Vereinigung aller am*!*» nicht möglich ist, sollte, meine ich, klar sein." *) Vergl. jedoch Briefkastennotiz in Nr.' 9 der Blätter. Red. 10. IM 1924 f HDas ist gar nicht so klar, wie SieOneinen. p<$) kann es wohl verstehen, daß die - separatistische Welle, die unsere GesinnungHenossen in den Zentralländern der Orthodoxie Maßt hat und im Statut der AgudM Jisroel zum Musdruck kam, es Ihnen und Ihren Gesinnungsgenossen unmöglich macht, sich in - 'diesem separatistisW orientierten Verbände so richtig wohl zu fühlen. Nicht aber kann ich es verstehen, daßundwarum dieser Teil unserer gesetzestreueDBÄKW^durW diesen Mangel an Wohlgefühl "sich "veranlaßt sah, sich, wie Sie schreibenvon der Betätigung am jüdischen Leben ganL zürückzuziehen und daß als Folge dieser Entwicklung die "Achduth gegründet werden mußte. Warum tzeheESie mit uns strenger zu Gericht, als mit Ihren neologen Stammesbrüdern? 'Sie bekennen selbstdaß Sie in den neologen Organisationen „Schritt für Schritt die Anerkennung Ihres Standpunktes erkämpfen und sich bei jeder Maßregel von neuem fragen müssen, wie Sie sie durchführen können; daß Sie oft Jahre lang. Mißstände tolerieren müssen, bis Sie endlich Ihr Ziel erreicht haben". Warum wollen Sie bei uns schon im ersten Anlauf erreichen, was Ihnen bei Jenen nur Schritt für Schritt gelingt? Sie fühlen sich bei uns nicht wohl. So wohl wie bei Jenen können und würden Sie sich bei uns noch immer fühlen. Sehen Sie, Herr Rabbiner^ wenn Sie von jener Langmut, mit der Sh» oft jahrelang yeologe Mißstände tolerieren, nur einen kleinen Teil auch uns zugute kommen ließen^ wenn Sie mit der gleichen Beharrlichkeit, mit der Sie es ablehnen, sich von den neologen Organisationen zu separieren, sich auch geweigert hätten, durch die Gründung der Achduth sich von uns zu separieren, dann wäre die verhängnisvolle Situation, in der wir alle uns heute befinden, vermieden worden, dann hätte die von uns allen ersehnte Einheit der änn* in Deutschlang schon längst aufgehört, ein schöner Traum zu sein! Sie begründen die Notwendigkeit der Achduth mit dem „Anspruch Ihrer separatistischen Brüder, das orthodoxe Judentum schlechthin zu repräsentieren." Könnten Sie diesen Anspruch nicht viel wirksamer bekämpfen, wenn Sie sich von uns nicht separiert hätten? Wie können Sie hoffen, die in der Agudas Jisroel geeinte Orthodoxie für die Gleichberechtigung der orthodoxen Richtungen in Ihrem Sinne jemals zu gewinnen, wenn Sie darauf verzichten, Ihren Standpunkt innerhalb der Agudas Jisroel zur» Geltung zu bringen? Wenn Sie von der inneren Wahrheit Ihres Standpunktes so tief durchdrungen sind, wie ich es mir bei einem Manne von ihrer Gesinnungslauterkeit nicht anders vorstellen kann, dann hätte doch schon eine ganz entfernte Möglichkeit, sich bei uns durchzusetzen, Sie bewegen müssen, bei uns auszuharren, statt auf dem Wege einer Achduth-Separation den tragischen Gegensatz, der seit einem halben Jahrhundert unsere Reihen zerklüftet; für unabsehbare Zeiten zu verewigen! Eine weitere Mission der Achduth erblicken Sie in ihrem Willen, „den Standpunkt der Anhänger der Einheitsgemeinde auch theoretischen begründen." Es hätte für diesen Zweck keiner besonderen Organisation bedurft. Wie wir beide in diesen Blättern uns theoretisch auseinandersetzen, so hätte auch keine orthodoxe Organisation Ihnen jemals für eine theoretische Begründung Ihres Standpunktes ihre Tribüne versagt. Ob es Ihnen freilich gelungen wäre, uns von der Wahrheit Ihres Standpunktes zu überzeugen, das will mir doch nach den Ausführungen Ihrer Replik recht zweifelhaft erscheinen. So ist vor allem Ihr Arewuth-Argument weder richtig, noch neu. Mitdiesem Argument hat schon der Würzburger Raw operiert und, wie aus der Antwort Rabbiner Hirschs darauf zu ersehen ist (vgl. Ges. Schr. 4 S. 394 ff.), nicht glücklich operiert. Wenn Sie hetzte den Standpunkt Vambergers erneut begründen wollen, dann wäre es Ihre erste und

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