Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1924)
- Date
- 1924-07-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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IMäffct* keVßMsgeg«ken oondee fandesopganifafion der Agudas-Iispoel in Veutsokkand. 10. Jahrgang Frankfurt a. M, Sen lO. Zuli ^924 / 8. Tammus 5684 Nummern Oiffigev Sodcn-Dcvkauf in ®a(ä|üna. jpsV iinn n^irrr Die Verwaltung -es Keren Hajifchuw ist durch neuerliche Bodenkäufe in Palästina in der Lage, einen Dunam gu t bebauten Bodens etwa 15 Kilometer von Jerusalem entfernt für 50 Mark abz ugeben. Angesichts des eminent billigen Preises ist sofortige Einzahlung des Betrages für die gewünschte Anzahl Dunam nötig. Än den Erwerb des Bodens ist die Bedingung geknüpft, daß der Käufer sich verpflichtet» nicht in einer dem Thorageseh züwiderlaufeuden Weise das Land zu bebauen, ferner bei einer evtl. Wiederveräußerung des Bodens der Palästinazentrale das Vorkaufsrecht einzuraümen. Reflektanten, sowohl einzelne wie Gruppen, werden gebeten, bis spätestens 15. Tamus 5684 <13. Juli 1924) sind an die Unterzeichnete Stelle zu wenden. - (Baläftina - Zentrale «lev flgudos Jisrocl Jüanfefurt am Main Eschenheimer Anlage 32. Postscheckkonto Arnnksurk a. Al. SZ S00. Pros, de Haan als Mensch. Von Dr. Moses Auerbach in Berlin. Zu den traurigsten Zeichen des um sich greifenden sittlichen Verfalles in den letzten Jahrzehnten vor der Zerstörung des zweiten Tempels gehörte ein MordamAltareGott es. In furchtbarer Aufregung betrat damals 'der fromme R. Zadok die Stufen des Tempelaufganges und sprach: Unsere Brüder, o Haus Israel, höret! In der Thora heißt es: „Wenn ein Erschlagener auf dem Boden gefunden wird, den Gott, dein Gott dir zum Besitze gibt..." Zu wessen Sühne sollen wir die Eglo arufo bringen, zur Sühne für die Stadt oder für die V o r h a l l e n d e s T e m p e l §?" Und das ganze Volk begann laut zu schluchzen. Ein Mord auf heiligem Boden ist begangen, ein Ereignis, für dessen Furchtbarkeit uns das Ausmaß fehlt. Und wen trafen die Kugeln der Mordbuben? Einen der edelsten und aufopferungsfähigsten Söhne des jüdischen Volkes. Jakob Israel de Haan. Das sei hier augefprochen gegenüber den Verunglimpfungen, durch welche nicht Prof, de Haan, wohl aber seine Schmäher ftch selbst geschändet haben. Durch intime persönliche Bekanntschaft stand mir Jakob Israel de Haan sehr nahe. Und deshalb habe ich es schon früher in Versammlungen und in persönlicher Unterhaltung gesagt und leider habe ich jetzt traurige Veranlassung es zu wiederholen: de Haan war ein goldreiner, ehrlicher Charakter. Seine unbedingte Ehrlichkeit und Offenheit^ wie sie oft gerade die Holländer auszeichnst, war es ja, die ihm so viel Feindschaft zuzog. Als gefeierter holländischer Jurist und als hervorragender Dichter und Schriftsteller kam er im Jahre 1919 nach Erez Jisroel. Er gehörte damals zu den Führern des Misrachi. Mit Leichtigkeit hätte er in die zionistische Administration Palästinas eintreten können. Aber in seiner unbedingten Offenheit bekämpfte er den hier herrschenden irreligiösen Geist und die in den ersten Nachkriegsjahren so krassen Mißstände der Verwaltung. Seine öffentliche Stellungnahme zog ihm den Haß der von seiner Kritik Betroffenen und ihrer Angehörigen zu; später aber wurden seine Vorwürfe durch die eigenen Untersuchungskommissionen der zionistischen Partei größtenteils bestätigt. Die ungerechten Verfolgungen der Partei R. Chajim Sonnenfelds durch Parteigänger des Raws Kuk — nicht durch diesen selbst — brachten ihn immer näher zur Partei und zur Persönlichkeit R Chajims. Gerade weil sich de Haan anfangs rauch noch im Sommer 1920 — als Misrachist betrachtete, taten ihm die Angriffe auf R. Chajim doppelt wehe. So näherte er sich immer mehr den agudistischen Kreisen, zuerst lieh er der Jerusalemer Agudo seine Dienste als Dolmetscher Prof. Jacob Israel de Haan bei den englischen Behörden und half auch sonst durch seine juristischen Ratschläge. Allmählich wurde er prominenter politischer Führer. Er benutzte seine Stellung als Korrespondent des Amsterdamschen Handelsblattes und dann des englischen Daily expreß dazu, in der Weltpreste für die Agudo zu wirken. Ueber die Berechtigung feiner Stellungnahme in einzelnen Fällen möchten wir heute nicht sprechen; aber das fei betont: niemals veranlaßte ihn persönlicher Vorteil zu irgendeinem Schritte. Soweit uns bekannt ist, hat er für feine agudistilo Tätigkeit nie einen Piaster erhalten. Liebe zum Gottesgesetz, Liebe zmn jüdischen Volk und zum heiligen Lande waren seine Beweggründe. Als er schon im scharfen Gegensatz zur zionistischen Partei stand, führte er mit Selbstaufopferung vor dem englischen Kriegsgerichte die Verteidigung der Genossen Jabotinskis. Vom Krankenlager — er hatte damals ein ihn sehr quälendes Magenleiden — ließ er sich zum Gericht fahren und, unbekümmert um die eigenen Schmerzen und seine körperliche Schwäche, trat er für die so schwer angeklagten Brüder ein. deren Freispruch wohl größtenteils ihm zu verdanken war. Und doch war Jakob Israel de Haan seit Jahren vielleicht der in zionistischen Kreisen meist gehaßte Mann. Der Haß nahm in der palästinensischen und ausländischen Presse oft Formen an, die das erträgliche Maß weit überschritten. Wie gefährlich eine ständige Hetze auf unreife und moralisch schwache Menschen wirken kann, davon gibt uns die jüngste Geschichte Deutschlands nur zu viele -^..piele. Daß ein politischer Mord vorliegt, ist bisher u. E. nicht bewiesen, wenn es auch zu fürchten ist, doch soll man sich hüten, etwas Derartiges als Tatsache zu betrachten, so lange es nicht unbedingt feststeht. Aber, daß man Mit der M ö g l i ch k e i t rechnen muß und daß Man in Jerusalem damit rechnet, ist furchtbar genug. Es ist selbstverständlich, daß der größte Teil der zionistischen Parteiführer durch den Mord ebenso schmerzlich getroffen sind wie wir Agudisten, daß sie ihn als Besudelung des heiligen Bodens nicht minder verdammen als wir. Die schreckliche Bluttat ist ein Verbrechen gegen das ganze jüdische Volk, gleichgültig welcher Partei. Aber eine Mahnung muß sie uns allen sein: dermörderischen Vergiftung der politischen Atmosphäre muß entgegengetreten werden. Wir betrachten es als eine Selbstverstndlichkeit, daß die politischen Gegner de Haans nicht nur öffentlich ihrem Abscheu über das Verbrechen Ausdruck geben, sondern daß sie auch dringend auf die ihnen nahestehende Presse einwirken, ihre politischen und religiösen Gegner nicht immer wieder als Verräter und Schädlinge zu brandmarken, wie es ja leider seit einem Jahrzehnt in der narwnauftischen Presse fast aller Völker Gewohnheit geworden ist. Das frische Grab de Haans ist in dieser Hinsicht eine furchtbare Mahnung. Die Folge des blutigen Ereignisses möge der Entschluß zur Versöhnlichkeit und Brüderlichkeit sein. Den Mördern aber wollen wir zurufen: „Ihr habt es züm Bösen geplant, für Gott war aber auch dieses ein Plan züm Guten." So werde das Andenken des wahrhaft gerechten Jacob Israel de Haan zum Segen: nmfr *pt. Der Mord an Prof, de Haan. Große Trauerfeier in Jerusalem. (Mvattelegramm.) Jerusalem, 8. Juli Heute fand Unter der HAnahme Tausender von Menschen aus allen Schichten her Peyölkerung eine Trauerfeier für den ernMd^stn Prgf. de Haan statt. Die Regierung war durch' den Mlst^xtspjenden Gouverneur, die Stadt Jerusalem durch d?n "Bürgermeister vertreten; ferner waren die Konsuln' von Frankreich, Spanien ut& Polen persönlich anwesend, die übrigen Mächte sandten Beileidsschreiben. Die Polizei hielt in musterhafter Weist dj^ Ordnung aufrecht. Die Versammlung protestierte in ebMgMyyller Waise gegen den von der zionistischen Presst vMM ßepsttzgten Geist des Bruderhasses und derP^chung gegKuKber der Orthodoxie, wodurch die Voraussetzungen^ für das beklagenswerte Verbrechen geschaffen worden seien. (I. T. A.-Meldungen.) Jerusalem, 8. Juli. Laut der Palästtnenfisichen Telegraphen-Agentur hat die Agudas Jisroel-Organrsation in Jerusalem in der Angelegenheit des Mordes an Dr. de Haan am 3. Juli der palästinensischen Regierung ein Memorandum unterbreitet und zugleich an das Kolonialamt in London telegraphiert, es werde ersucht, alle Mittel zu ergreifen, um die Mörder Dr. de Haans ausfindig zu machen und zu besttafen.