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Der Israelit · 1924-07-10 · Heft 28 (10.7.1924) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 28 5» ei Israelit 10; Juli 1924 seinen moralischen Einfluß dahin geltend zu machen, daß Ungerechtigkeiten gegen die Juden vermieden werden. ItalSftin*. Das Schicksal der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem. Jerusalem, 21. Siwan. Unter außerordentlich großer Beteiligung haben dieser Tage die Vorstandswahlen für den Waäd Hair Hoafchkenasi stattgesunden. Da die Regierung ein besonderes Augenmerk darauf legte, ob diese Gemeinde, welche der Herrschaft des Waad leumi, des Waad Hair lijehude Jeruscholaim und des Misrad Harabanuth — obwohl diese Instanzen mit offiziellem Glanz ausgestattet sind — sich nicht unterwerfen will, in der jüdischen Bevölkerung Jerusalems auch tatsächlich Freunde und Anhänger besitzt, haben die Leiter dieser Kehilla eine Reorganisatton dieses um seine Lebensmöglichkeit ringenden thoratreuen Gemeindewesens, mit peinlichster Genauigkeit durchgeführt. In 20 Bezirkssammelstellen wurden unter Aufsicht von Vertrauensmännern die Stimmzettel in die vom Beth Din beglaubigten Urnen von den Wählern selbst, die sich vorher als inkorporierte und stimmberechtigte Gemeindemitglieder legitimierten, hineingelegt. Jeder Wähler hat ein Protokoll unterschrieben, daß er sein Wahlrecht persönlich im Sinne des Gemeindestatuts ausgeübt hat. Am Abend des Wahltages hat die Oeffnung der Urnen im Beinsein des Beth Din und der Wahlkommission und zahlreicher Mitglieder der Gemeinde staltgefunden. In den Morgenstunden wurde das Wahlresultat verkündet. Bon 1500 inkorporierten Mitgliedern der Gemeinde haben ca. 1200 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Ms man Rabbi CH. Sonnenfeld die Liste der Gewählten präsentierte, rief er bewegt: rra! Eine Kehilla, die so viele Gedaule Thauro hat!" Der weitaus größte Teil sind n"v Einige Tage später hat der Siebzigerausschuh fast vollzählig seine konstituierende Sitzung abgehalten, in der das Gemeindepräsidium und die 23gliedrige Repräsentanz gewählt wurde. Als erster Vorsitzender wurde der bisherige verdienstvolle Rabbiner M. L. Bernstein gewählt. Aber das Damoklesschwert der Ehukath Hakehiloth des Waad Leumi schwebt über den Häuptern dieser Gemeinde. Die vom Waad Leumi und vom Waad Hair beratene Behörde beanstandet nunmehr auch den bisher geführten Namen dieser Gemeinde. Sir Herbert Samuel ist heute nach London gereist. Dort erwartet ihn David Jellin, Weizmann und dem Vernehmen nach hat auch Rabbiner Kuk Amerika verlassen, um in Londonden letzten Beratungen über die Ehukath Hakehiloth beizuwohnen. Wenn es nach dem Wunsche dieser Herren gehen sollte, wird der High Commissioner, der, sicherlich in gutem Glauben, aber nicht gut beraten ist, diese Gemeindeverfassung, die, man kann über diese Frage wie immer denken, eine Gefahr für das gesetzestreue Judentum involviert, in London sanktionieren. Die alten Kehiloth von Erez Jisroel, denen die Thoragrößen von dem Range eines Rabbi Josef Karo, der Alfchich, Hoari und bis auf unsere Zeit, der Kalischer Raw, der Brisker Raw, Rabbi Schmuel Galant u. a. oorgestanden, werden mit einem Federstrich in nationale Bolksgemeinden umgewandelt. Was jüdische Thoratreue von eittkr solchen Umwandlung erwarten kann, hat man bereits eine Vorahnung. Kann dies eine großherzige Regierung vön Grosibistannien und ihr illustrer Vertreter, der allgemein verehrte Oberkomissar wollen? Kann ein solcher Akt mit den Traditionen Großbritanniens über Gewissensfreiheit in Einklang gebracht werden? Kann dies der tiefe Sinn des vom Völkerbund anerkannten „Bajit Leumi" sein? Wie sagen wir döch in unserem tätzlichrn Äorgengebet: m V>’sa n *ina 'a -- -r. - - nna 3py, ,3 ist unvollständig, da die. beiden Herren am Sabbat s e l b st im Auto weilerfuhren, verschiedene Institutionen besuchten und ferner im nichtjüdischen Restaurant logierten und speisten. Die „Jüdische Rundschau" bringt alsdann, wie der „H a o l a m" die offizielle Erklärung der zionistischen Exekutive, die folgendermaßen lautet: „Die Exekutive der Zionistischen Organisation wiederholt ihre oft ausgesprochene Anschauung, daß die Beobachtung des Sabbats nach Gebühr refpekttert werden soll. Indem die Exekutive über jede Verletzung dieses Grundsatzes, die in Palästina geschehen sein mag, ihr Bedauern ausspricht, muß sie erklären, daß sie keine Macht besitzt, die Handlungen von Einzelpersonen in ihrem Privatleben diesbezüglich zu kontrollieren." Von zionistischem Standpunkte aus ist diese Erklärung konsequent. Hätten sich Mitglieder der -zionistischen Exekutive gegen irgendein grundlegendes Gebot! der bürgerlichen Moral privat vergangen, so bedürfte es wahrlich keiner Protestversammlungen, um sie aus der. Exekutiven entfernen, aber öffentlicher Chillul S ch a b b o s ist für die zionistische Organisation kein Hindernis, „ein Führer des jüdischen Volkes" zu sein und zu bleiben. Religion ist eben Privatsache und nicht mehr die historische Aufgabe des jüdischen Volkes. TO? ' ( snv' kV 'S aiix-- «V in*msv DerMHillul Schabbos in Haifa. Jerusalem, 30. Juni. Die.zionistische „Jüdische Rundschau" beschäfttgt sich in Nr. Si Mit den Protesten der orthodoxen Bevölkerung Jerusalems gegen die Sabbatentweihung durch zwei Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees und beschränkt sich darauf, mitzuteilen, daß die beiden Herren Aus aller Welt. Deutschland. Die Wahlen zum Berliner Studentenparlament fanden vom 1. bis 3. Juli statt. Sie ergaben, daß die bisherige Zweidrittelmehrheit der Rechtsgruppen gebrochen worden ist. Bon den abgegebenen 3771 Stmmen entfielen etwa 1400 auf die Vertreter der freiheitlichen Partei. — Der Landrät in Emden hat den antisemitischen Badedirektor in Borkum seines Amtes enhoben. Dagegen fühlte sich das Amtsgericht zu Emden bewogen, dem Regierungspräsidenten, dem Landrat und dem Kreisamt eine Geldstrafe von 100000 Goldmark anzudrohen für jeden Fall der Verhinderung des Spielens des berüchtigten Borkumliedes. Gegen diese sonderbare Verfügung hat die Regierung in Aurich den Kompetenzkonflikt erhoben. — Der verdienstvolle Oberbibliothekar der Jüdischen Gemeinde in Berlin Dr. Moritz Stern beging am 6. Juli seinen 60. Geburtstag. — Die ordentliche Hauptversammlung des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten findet am 21. September in Berlin stau. — Pros. Willstätter, der das antisemitische München verläßt, hat einem Ruf der Universität Heidelberg Folge geleistet. Rußland. Aus P o l t a w a wird gemeldet, daß die orthodoxen Juden beginnen gegen die Veranstaltungen der sogenannten „lebenden Synagoge", die bekanntlich den Bolschewismus in die Thora hineinstellen will, scharf zu demonstrieren. Es kam bereits zu heftigen Zusammenstößen. Polen. In einer der letzten Sejmsitzungen fand ein heftiger Zusammenstoß zwischen dem Unterrichtsminister und den jüdischen Abgeordneten statt, der dazu führte, daß alle Abgeordneten der nattonalen Minderheiten den Saal verließen. — Das Präsidium des jüdischen Parla mentklubs führt Beschwerde, daß in der Verordnung wegen der offiziellen Sprachen in den Randländern die jüdische Sprache nicht berücksichtigt worden sti. Polen. Die polnische Regierung hat ein Dekret veröffentlicht, wonach zahlreiche Fremde, die schon längere Zeit in Polen wohnen, aber ihre polnische Staatszugehörigkeit nicht Nachweisen können, das Bürgerrecht erhalten. — In einer Garnison bei Warschau wurde ein jüdischer Soldat auf Befehl seines Unteroffiziers in den Fluß geworfen, wobei er ertrank. Die Angelegenheit hat Anlaß zu einer Interpellation im Sejm gegeben. Palästina. Die Regierung hat auf Vorstellung des päpstlichen Legaten die Aufführung von Haleoys Oper „Die Jüdin" durch die hebräische Operngesellschaft auf Grund des Arttkels 9 des Palästinämandates verboten. — Die Stadt Jaffa macht große Anstrengungen, um zu erreichen, daß der neue Palästinahafen nicht in Haifa sondern in Jaffa gebaut werde. Rumänien. Ende Juni fanden, wie jetzt bekannt wird, in Cernowitz Ausschreitungen gegen die Juden statt. Die polizeiliche Hilfe kam überall zu spät. Auch in N a s s o d (Transioanien) sind jüdische Reisende schwer mißhandelt worden. chweren Verlust der Familie und teilte so manches ytime . aus dem Lehen der der> oypw. mii> in dem sich iW innige Frömmigkeit widerspiegelte, von der der Fernstehende kaum eine Ahnung gehabt. Haupstehrer M ä nn h e t me r -Dettelbäch verglich die Heimgegangene mit Noemi im Buche Rut, der am Lebensabend noch sonniges Familienglück gelächelt. Er betrachtete sie als Kind ihrer Heimatgemeinde Harburg in Schwaben, die einst zu den schönsten gezählt und wo die Urahnen der Verstorbenen sich schon durch besondere Gelehrsamkeit auszeichneten. Bestand doch in der Familie eine dunkle Tradition von verwandtschaftlichen Beziehungen zum Min' 'w. Nun ist sie dahingegangen, ngchtzjW sie - die letzten Monate bei ihrem Sohne, Herrn Moritz-Solomon dahier, verbracht, und aufopfernde, kindliche Liebe und Pflege fand bis züm letzten Atemzuge. Möge der mar dieser Edlen, Frommen der Familien und uns allen beistehen! n^aam . . . - stallowih, 2. Juli. Am 1. Juli d. Js. beging. Herr Kantor Josef Wolkowski hier fein 23 jähriges Ortsjubiläum im Dienste der Synagogengemeinoe gleichzeitig mit dem 40jährigen Amtsjubiläum. Schön am vorhergehenden Sabbat begannen die Ehrungen des Jubilars in Form von Spezialgebeten in der Synagoge. Am Jubeltage selbst erschien der Vorstand der Synagogengemeinde in corpore mit Herrn Rabbiner Dr. Lewin in der Wohnung des Jubilars und überreichte, durch seinen Vorsitzenden, Herrn Bruno Altmann, eine prächtige Ehrengabe unter gleichzeitiger Würdigueng der großen Verdienste, welche der Jubilar sich im Laufe seiner Amtstätigkeit um die Gemeinde erworben. Herr Rabbiner Dr. Lewin feierte in beredten und herzlichen Worten die allgemeine Beliebtheit und die grenzenlose Pflichttreue des Jubilars. Möge es dem Jubilar vergönnt fein, in seiner seltenen Vielseitigkeit noch lange Jahre zum Segen der Gemeinde zu wirken ms v'-ivsi rum ivr Briefkasten. Personalien. Nürnberg. 1. Juli. Am Sonntag, 23. Juni d. Js., starb dahier im 72. Lebensjahre Frau Kunigunde S a l o m o n, eine der leider immer seltener werdenden Gestalten altjüdischer Frömmigkeit. Bei der am Montag stattgehabten n'-fc hob Herr Rabbiner Dr. Klein die Tugenden dieser Wi hervor, die 36 Jahre den Witwenstand durchlebte, in ihrer mm«. aber tapfer und siegreich blieb, so daß sie ihre Kinder zu echten wnin' heranreifen/sah, ebenso die Enkel. Selbst in eine private Autotour nach Jaffa gemacht und dort erst?‘n*r Äugend, wo wenig Thoratreue zu treffen gewesen, nach Sabbatbeginn einzetrailen ,ei«n. Die,« Darstettung l Mea/ Lehrer W. in H. Wir hatten solche Ueberfülle an Material, daß es mit dem besten Willen nicht ging. Besten Gruß und Dank. H. K. in M. und Andere. Wir haben auch die weiteren Zuschriften in dieser Frage Herrn Rabbiner Dr. Winkler zur Einsichtnahme und Bearbeitung ÖI^ fl. in G. Wo das bisher nicht gebräuchlich war, soll es auch nicht neu eingesührt werden. Ab. 1000. Man soll an alten Gepflogenheiten nicht rütteln. Ab. D. E. 100. Es ist in üblich, daß Kaddisch neben dem Dorbeterpulte angestimmt wird, unabhängig davon, ob das Gebet, dem das Kaddisch gilt, vom Vorbeter am Vorbeterpulte oder aus dem Almemor gesprochen wurde. Eine Ausnahme bildet das Kaddisch nach der Thoravorlesung. f>. I. in Riga. Rabbiner-Seminar zu Berlin, eriestratze 31. Ein Ost-Iehudi. Mit Ihrer Klage, daß das Kaddisch nach den Lernvorträgen infolge der ftürmischen Danksagungen an oen Redner zumeist nicht gehört wird, find Sie vollkommen im Rechte. Es sollte aus Abstellung des Uebels gesehen werden. I. E. Strasbourg. Die eingesandte Anzeige kostet Mk. 7.20, wir bitten um Uehersendung des Betrages. . Ml. O., Ostendstraße. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man gegen die Unsitte des Rauchens der Damen, abgesehen von allgemeinen Gesichtspunkten. Vas Verbot 5, B. M. 22,5 in der Auffassung der Ueberlieserung geltend macht. Sie finden die talmudischen Quellen m Hirschs Kommentar zur angegebenen SteA? vollständig aufgeführt. Familienuachrichten. Geburten: Eine Tochter. P.Teitelmann und Frau Lilly geh. Dokow. Eydtkuhnen. frankfurter Berichte. Israelitische Volksschule. Rfftor Benjamin Falk, der die Israelitische Volksschule seit mehr als einem Vierteljahrhundert geleitet hat, trat am 1. Juli nach Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand. Der allverehrte Schulryann, der sich durch die außergewöhnliche Bescheidenheit seines Wesens besonders auszeichnet, hatte sich Dye größere öffentliche Feier verbeten, so daß sich die Schulverwaltung darauf beschranken muhte, den Gefühles der Dankbarkeit und der Verehrung durch eine schlichte interne Veranstaltung in der Wohnung des Gefeierten Ausdruck zu verleihen. Dort versammelten sich am letzten Samstag die Mitglieder des Gemeiydevorstandes, Gemeinderates und der Verwältungskommiffion sowie die Damen und Herren des Lehrerkollegiums. Namens der Verwaltung feierte Herr Jacob Rosenheim in herzlichen Worten die reichen Verdienste, die sich Rektor Falk in fünfundzwanzigjähriger rastloser Arbeit, um die Entwicklung der Schule zu ihrer heutigen Blüte erworben hat. Generationen von Schülern und Schülerinnen sei er Vater und Führer geworden und habe durch die vorbildliche sittliche und religiöse Vollendung seiner Persönlichkeit all diesen Generationen ein dauernd wirkendes Vorbild fürs Leben gewährt. Ge-

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