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Der Israelit · 1924-07-10 · Heft 28 (10.7.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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iHt. 28 Sette 5 M IuliAM ' Die Epochen des Niedergangs «nd die Genien des Aufstiegs in der jüdischen Geschichte. Von Dr. Adorf Attmarm, Oberrabbiner in Hrier. 3m elften Drittel des vorigen Jahrhunderts Lebte und Mirkte in Deutschland ein damals vielgefeiertex Üttd rmd bewunderter Philosoph; es war der bekanple Friedrich Wilhelm Hegel. In feinem W WDhmtheit gelangten Werke mit dem Titel: ,Me Philosophie der Geschichte" macht er §mn Ausgangspunkte eines Systems zur Betrachtung der^ Geschichte die These von dem sogenannten „Wellgeist", der sich in der Weltgeschichte, als Dem Weltgerichte, immer wieder erneuert und hervorbringt. Die Geschichte stellt demnach kein zusammenhangloses Aneinanderreihen von Zufälligkeiten vor, es wohnt ihr vielmehr ein Geist der Vernunft inne; sie bildet ein Evolutionssystem, einen teleologischen Entwicklungsprozeß. Die großen Figuren in der Geschichte, die sogenannten epochalen Persönlichkeiten und Ereignisse sind nur die Werkzeuge in der Hand des Weltgeistes. In jedem Zeitalter tritt der Weltgeist bei einem bestimmten Volke oder bei einer Gruppe von Völkern in Erscheinung, läßt sie die geistige Führerschaft übernehmen und sie, sobald ihre Mission erfüllt ist, wieder abtreten und von einer anderen Gruppe, oder einem anderen Volke, das an die Stelle tritt, ablösen. Das find dann — so kann man im Sinne Hegels sagen — die Zeitläufe des 'Niedergangs und die des Aufstiegs in der Geschichte mancher Stämme und Völker. Uns Juden sagt Hegel damit nichts Neues. Nur haben wir für das, was er, nach zünftiger Philosophenart, in tiefsinnige Formeln kleidet und in schwerfällige Fachausdrücke faßt, viel einfachere und unmittelbarere Worte. Wir nennen das von ihm Umschriebene bei dem direkten Namen und sprechen von der nrmwr N'v-,3, der Vorsehung und Fürsicht des göttlichen Waltens, das sich vom Größten bis zum Kleinsten, von den Völkern bis zum Einzelindividuum herab plangemäß erstreckt. Allen Völkern, so lehrt die jüdische Welt- und Wertbetrachtung, des Geschichtsverlaufs — ist eine bestimmte Zeit und eine gewisse Raumentfallung im Heilsplane der Vorsehung Vorbehalten, nach welchem sich Aufstieg und Niedergang vollzieht und vollziehen muß. Hierin unterscheidet sich auch das jüdische Volk von allen anderen Nationen und Stämmen des Erdballs nicht. Es hat, wie jedes andere Volk, fein zugemessenes Teil aus der Hand der Haschgocho. Trotzdem seine Sonderstellung im Verbände der Völker von Sendboten eben dieser Haschgochas Haschem scharf Umrissen dargestellt erscheint, wird es doch nicht ausgenommen von dem Unterstelltsein unter einen Plan, der alle-umfaßt. Israel hat, wie jedes andere Volk, Zeitläufe des Glückes und Perioden des Niedergangs erlebt und von der vielgepriesenen und vielbewußten. Bevorzugung und Erwähltheit realgeschichtlich nur wenig zu verspüren bekommen. Die Unterscheidung, Bevorzugung und Erwähltheit hat sich mehr in einem Pflichtenteil als in einem Privilegienteil gezeigt. Und dennoch tritt auch in Israels realgeschichtlichem Geschehen eine Erscheinung zutage, die auf den ersten Blick eine scharf ausgeprägte Unterscheidung zwischen ihm und anderen Völkern aufweist. Seine Mission geht nicht zu Ende; sein Geschick erfüllt sich nicht. Es ändert höchstens räumlich den Schauplatz seines Wirkens, aber es tritt ihn niemals gänzlich ab, wie andere größere Völker, die nach Vollendung ihrer Mission verschwunden sind, um anderen Platz zu machen. Ja gerade in Zeitläufen seines Mißgeschickes, wo es den Anschein hat, als habe es endlich auch den Weg der Vergänglichkeit, wie manche andere, beschritten, stemmte es sich und bäumte sich auf und macht am Rande des Abgrundes, bei dem es angelangt, plötzlich und zu Aller Ueberraschung,-Halt _ Der Israelit_ und Kehrt. Bezeichnend ist hierfür eine Wort der Vm in (:ro) nV’za: nVwai n^wa ii naiK 'isviy ö’Tjt» - will*» anva :a'33i3^ ♦D'aSIDV IN D’Vw - , Jisrael wird in der Tauro bald mit dem Staube der Erde verglichen und baw mit den Sternen am Himmel. Das aber will nichts anderes als die Andeutung fein für die sonderbare Erscheinung vom Aufstieg und Niedergang Jisraels. Wenn es sinkt, fällt es bis in den Staub und wenn es steigt, steigt es bis zu den Sternen. Aber der Staub ist unverwüstlich und die Sterne haben ihr ewige Bahn und so ist der apsr> nvv' Jakobs Staub und so ist npra 33*0' Israels Stern. Und das allein ist noch nicht das Merkwürdigste. Vielmehr ist es der charakteristische Umschwung in der Erscheinung. Beim tiefsten Fall bis in den Staub plötzlich emporzuschnellen bis zu den Sternen. Wiederum weisen darauf die bnn im brr '3 mav) nai sma mit herrlichen Worten hin: nT»‘v»3 pt /pan p n*?sn an nainmv Allezeit, wenn Jisrael sich im tiefsten Niedergang befindet, steigt es auf. Was aber nicht etwa eine nationalstolze Selbstaussage jüdischerseits ist, nein/der größte Feind Israels hat es angedeutet. Pharao sprach es aus mit dem Worte: pan p n^vi. „Es steigt auf von der Erde". Und wie den Feinden Jisraels zu allen Zeiten drängt sich dies auch allen unvoreingenommenen Beobachtern des jüdischen Geschichtsverlaufes feit jeher auf und erregte ihr Staunen. Man will deshalb Jisrael das große Rätsel der Weltgeschichte nennen und es mit dem sagenhaften Vogel Phönix vergleichen, der aus seiner eigenen Asche immer wieder neu ersteht. Bekannt ist das scherzhafte aber tiefbedeutsame Wort Kaiser Friedrichs UI. von der merkwürdigen jüdischen Tätigkeit. Die Juden, sagte Korrespondenzen « Nacbiichten Deutscher JUrclt. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums e. V. Frankfurt a. M., 8. Juli. Die „Freie Vereingung" ist in der Lage, ihren Mitgliedern die von Rabbiner Dr. Bamberger in Hamburg übersetzte Ausgabe des Menoras Hamoaur, in fünf Bände eingeteilt, jeden Band zu dem außerordentlich billigen Preise von 80 Pfennigen, zur Verfügung zu stellen, soweit der Vorrat reicht. Die 5 Bände, die sich zur Mitnahme auf die Reise sehr gut eignen, können entweder nacheinander, jeden Monat ein Band zu 80 Pfennigen, oder auch auf einmal zu 4 Mark bezogen werden. Die Bestellung des ersten Bandes verpflichtet jedoch, zur Abnahme des ganzen Werkes im Laufe von 5 Monaten. Die Beträge sind im voraus auf das Postscheckkonto der Freien Bereinigung, Frankfurt a. M. Nr. 9822, einzuzahlen. Vom Berliner preußischen Landesverband. Berlin, 4. Juli. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Berlin hat beschlossen, die Wahlen zum ersten Verbandstag des preußischen Landesverbandes von Synagogengemeinden auf den 7. Dezember anzuberaumen. Es werden 11 Wahlkreise und ein Landeswahlkreis gebildet, die insgesamt 132 Abgeordnete zu wählen haben. Davon stellt Berlin 83, Breslau und Frankfurt je 10 Vertreter, wobei der Regierungsbezirk Breslau einbegriffen. ist. Die Großgemeinden haben also die absolute Mehrheit. er in der derben Art, in der man damals Witze machte, haben in ihrer Bibel einen „Affen" den sollten sie mit goldenen Buchstaben schreiben. Er meinte die Redewendung: nur na „aber selbst auch", in dem Schriftverse her nroin: „Und selbst auch wenn sie die (Jisraeliten) im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie damit nicht vernichtet und nicht verworfen, meinen Bund mit ihnen aufzuheben, denn ich, Haschem, bleibe ihr Gott" (Lev. 26 44). Was auch schon alles angewendet wurde an Gewalt und List, an Versuchen und Theorismen mit der „Judenfrage" fertig zu werden, das *p in der Bibel spielte allen ein Schnippchen und bewährte sich für immer wieder aufs neue. Das Großartige dieses Charakterzuges in der jüdischen Geschichte hat natürlich nur die auserlesenen Geister bei Freund und Feind zur Bewunderung und Beachtung hingerissen. Die Masse der Kleingeister hatte hierfür, wie für alles, was über ihren Horizont geht und ihr darum fremd bleibt, nur Hohn, Neid und Mißgunst. Was bei den einen ein Staunen auslöste, bewirkte bei den anderen Verachtung. Die einen erblickten die besondere Liebe der Vorsehung darin, daß Jisroel im tiefsten Fall nicht untergeht und die anderen schon gerade hierin eine fürchterliche Strafe und bildeten die Legende vom Ahasver, der in der ewigen Verdammnis wandelt und nicht leben und nicht sterben kann. — Dieses Zwiegefühl für das merkwürdige Volk, dieser ewige Wechsel von Achtung und Hatz ihm gegenüber zieht sich wie ein roter Faden durch die Sittengeschichte der nichtjüdischen Völker. Es geht den Völkern mit dem Judentums wie einem Inder einmal in einer Parabel mit seinem Weibe. (Fortsetzung folgt.) Pst««. Die Austritlsabfichten der Liberalen. Warschau, 26. Juni. Das Ministerium für die Kirchen hat das Gesuch der polnischen Assiimilanten, ihnen die Loslösüng von den jüdischen Gemeinden und die Bildung eigener Organisationen zu erlauben, abgelehnt. Die Assimilanten, die durch ihre Niederlage bei den Gemeindewahlen jeden Einfluß auf die Gemeinden verloren haben, hatten die Absicht, unter dem Namen „Polen jüdischen Glaubens" eine eigene Organisation in ganz Polen zu schaffen. Ltt«r«s«. Die Kabinettskrisis und die Juden. Kowno, 16. Juni. Das jetzt in Bildung begriffene Kabinett wird ausschließlich aus christlichen Demokraten zusammengesetzt sein und also eine viel rechtere Richtung verfolgen, als das Kabinett Galvanowskys. Es scheint festzustehen, daß das neue Kabinett nicht einmal den Versuch machen wird, einen jüdischen Minister einzuladen. Während der enscheidenden Abstimmung, die zum Rücktritt Galvanowskys geführt hat, hat die jüdische Fraktion, um eine unübersehbare Krisis zu vermeiden, eine Kompromißformel eingebracht, die aber abgelehnt worden ist. Httgl««*. Der Präsident der lettlandifchen Republik für gerechte Behandlung der Juden. Riga, 26. Juni. Der Präsident von Lettland, Herr Jean Chakstz, hat den Führer den jüdisch-orthodoxen Partei, den Deputierten M. Dubin, empfangen, der über die den Juden feindliche Politik verschiedener hohen Regierungsstellen, sowie über äußerst chauvinistische Haltung der lettländschen Presse Klage führte. Der Präsident stimmte Dubin zu. daß der Presse jede Objektivität fehle. Er sagte, es sei unmöglich, aus der Presse ein richtiges Bild von dem wirtschaftlichen und politischen Lebens des Landes zr erhalten. Vielen Führern in der lettlandifchen Politik fehle es an einer gewissen politischen Reife. Er gab dem Deputierten Dubin die Versicherung, daß er, obwohl durch die Verfassung feiner Macht begrenzt ist, sich bemühen wird,

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