Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1924)
- Date
- 1924-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 28__ Kräfte unseres Standes andern Berufen zugeführt. Die jüdischen Lehrerbildungsanstalten, die vor sechs bis sieben Dezennien zu dem Zwecke gegründet wurden, die jüdischen Gemeinden Deutschlands mit tüchtigen Lehrkräften zu versorgen, sanken in ihrer Besuchsziffer immer mehr herunter, und die wenigen Absolventen zogen es vor, sich ein anderes Arbeitsfeld zu suchen. Vergeblich wurde in den Lehrerversammlungen und in der jüdischen Presse auf das Unhaltbare dieses Zustandes hingewiesen. Die einzige Körperschaft, die den ehrlichen Versuch machte, das schwere Los des jüdischen Lehrers zu erleichtern, war der Bund gesetzestreuer Gemeinden in Halberstadt. Lehrer Steinhardt in Magdeburg nannte seinerzeit das Eintreten des Bundes für die Lehrer „eine rettende Tat". Trotzdem vermochte diese Körperschaft allein, nur Brosamen üarzubieten. Zu einer durchgreifenden Rettung reichten die dem Bunde zur Verfügung stehenden Mittel nicht her. Die Gemeinden waren nur in seltenen Fällen aus freiem Antrieb bereit, ihrem jüdischen Beamten eine zeitgemäße Besoldung zu gewähren. Zumeist gingen jeder Aufbesserung schwere Kämpfe voraus. Und so kam denn mit apodiktischer Notwendigkeit die Flucht aus dem Lehrerberufe. Die meisten Gemeinden sind nun seit Jahren verwaist. Geschlossen sind die Stätten, in denen seit erdenklichen Zeiten das Wort Gottes gelehrt wurde. Des geistigen Führers beraubt, gehen zahllose Gemeinden ihrer Auflösung entgegen. In dieser schweren geistigen Not möge mein Ruf: „Zurück zum Lehrerberuf" nicht ungehört erschallen. *jnYin rnsn nh m&srb ns- Es ist Zeit, für Gott einzutreten, nachdem sie Deine Thora zerstört. Schwer haben die Gemeinden an ihren geistigen Führern gesündigt. Und doch wäre es ein verhängnisvoller Fehler, wenn der Lehrermangel noch weiter bestehen bliebe. Die unheilvollen Folgen für die Zukunft unseres Judentums wären gar nicht abzusehen. Wie aus den Mitteilungen der Würzburger Seminarleitung hervorgeht, und wie wir schon längere Zeit wissen, haben sich die wirtschaftlichen Aussichten des jüdischen Lehrerberufs günstiger gestaltet. Anderseits ist es eine unbestrittene Tatsache, daß sich infolge des eingetretenen Geldmangels die wirtschaftlichen Verhältnisie der Geschäftsleute ungünstiger gestaltet haben. Namentlich ist bei den Bankgeschäften und den Detailgeschäften ein wesentlicher Rückgang zu verzeichnen. Viele Geschäfte müssen unterbleiben, da den Unternehmern das erforderliche Betriebskapital fehlt. Es ist auch nicht niffe und Parabeln, die neben der herzerfteuenden Lyrik zum Teile auch poetische Kraft verraten, zu Ende gelesen hatte. In der Hauptsache Tiersabeln, so haben sie doch hier fast überall, abgesehen von der schönen Sprache, auch nach der moralischen Nutzanwendung hin ihre eigene jüdische Note. Auf das Geratewohl fei hier folgende kleine Probe herausgegriffen : namn nanxn iwpnwi nrfcaon rra nnxs v'a'n nnKa nsran naip 'ssb nrrw '*>ai nabtt n*™ mp 'in 'ix' 'in 'anna vana'? ppDl '3K 'N ^2 DK fN ’n'V DK *?2K'1 fa' ’H'n dk ffKn'i aps? '*?sr bw *]K 1'a' nsva iK-.Yin' naV-Dpnre- ^1'vain D'Vin na Djn'i '-or Freunden schöner hebräischer Lyrik auch im Westen sei das Buch bestens empfohlen. Als Lektüre für hebräische Schulen wird es sich von selbst ohne unsere Empfehlung durchsetzen. S-tz. itorei wd Kaie »Mbscli« BAD HOMBURG LoulsenstraBe 16 Elisabeihenstr. 49 (am Markt) Telefon 2P7 (am Kurkarten) ® e r Israeli 1 10. Julf 1924 anzunehmen," daß in absehbarer Zeit ein Aufschwung eintreten wird, im Gegenteil muß mit einer weiteren Abwärtsbewegung gerechnet werden. Von dieser Notlage werden auch zahlreiche frühere Kollegen betroffen werden, die bei ihrer Flucht aus dem Lehrerberufe von goldenen Bergen träumten. Sollte es da nicht ratsam erscheinen, sich wieder aus den Sorgen des Geschäftslebens herauszureißen und zum idealen sorgenloseren Lehrerberufe zurückzukehren. Natürlich müßte dem zum Lehrerstand zurückkehrenden Anwärter eine feste Anstellung, Einreihung in Stufe 8 und Vorrückungsmöglichkeit nach Stufe 9, unter Anrechnung der Arbeitsjahre feit dem Seminaraustritt und Pensionsberechtigung gewährt werden. Auf einer Lehrerversammlung fiel einmal das Wort: nap j'k dk min fK- Wo keine Nahrung, ist auch keine Thora. Nur. ein von Nahrungssorgen freier Lehrer kann sich seinem Berufe voll widmen. Zu keiner Zeit waren die Aussichten für unfern Stand günstiger als jetzt. Nicht aus Lehrerfreundlichkeit gewährt man uns die unserer Ausbildung und unserem Ansehen entsprechenden Gehälter, sondern der Lehrermangel zwingt die Gemeinden, uns entgegenzukommen. Es liegt daher auch kein Grund vor, noch länger schmollend zur Seite zu stehen. Dem Mann, der seine Jugendzeit dem Studium geopfert, dürfte es mehr Befriedigung gewähren, das Wort Gottes zu lehren, und sich weiter in den Wissenschaften auszubilden, als sich vor die Theke zu stellen und Waren zu messen, zu wiegen und zu verkaufen. Im Interesse unseres Standes und im Interesse der Zukunft des Judentums möchte ich an alle, die es angehl, den Appell richten: Zurück zum Lehrerberuf!" Rumänien. . Seit einigen Monaten häufen sich die beunruhigenden Nachrichten über ein Wiederaufflackern des rumänischen Judenhasses in den rohesten und gewaltsamsten Formen. Wir haben von den uns darüber zugegangenen Nachrichten nur einen Teil veröffentlicht, weil wir nicht sicher waren, ob nicht etwa irgendwelche Uebertreibungen dabei mit unterliefen. Letzteres ist von der rumänischen Regierung und auch von dem bekannten englisch-jüdischen Politiker, Lucien Wolf, behauptet worden, freilich nicht ohne den lebhaften Widerspruch anderer, auf gute Informationen sich berufender Mitglieder des Board of Deputies. lVochenkalender. 12. - 19. Juli / 10. - .17 Tammus SM Samstag Juli 12 npn 10 tinn Sonntag 13 u Montag 14 12 Dienstag 15 13 Mittwoch 16 14 Donnerstag 17 15 Freitag 18 16 Samstag 19 pVa 17 BTlÖpiTS 1MJN1 'rn Schumann »Theater. Grotze internationale fttngftampf' Kon Kurten} um den graben Goldenen Gürtel von Frankfurt und andere wertste Ehrenpreise. va§ vervorragenäe Uarletiprogramm. Anfang 8 Uhr. Für die Reisezeit unentbehrlich sind meine unter hiesiger Rabbinats-Aufsicht hergestellten erstklassigen Fleischkonserven Kaoüterrs Wurst- «u Konservenfabrik, Inh. M. Levi, Folda. Jetzt geht Uns aus Rumänien WHZrivatschreiben zu, dessen Wiedergabe im vollen-Wortlaute uns doch Pflicht scheint. Es heißt da: 7 Die. spärlichen Nachrichten, die Sie über die Zustände hier in Rumänien in Ihrem Blockte bringen, lassen darauf schließen, daß Sie keinen Ergriff davon haben, was wir hier zu ertragen haben,,vielleicht kommen Ihnen nicht alle Berichte zu. Das Verlorettgehen von Briefen/besonders der fürs Ausland bestimmten, ist hier Alltägliches.; ,; Ein Bekannter, der 'längere Zeit im zarischen Rußland lebte, versicherte mir, daß es dort bei weitem nicht so arg zuging, als heutzutage hier in Rumänien, wo die Ausschreitungen gegen Juden seit Monaten nicht aufhören. Blutige Schlägereien von Juden, iAusschlagen von Fensterscheiben der jüdischen . Schulen und. Synagogen sowie jüdiischer Firmenschilder sind aus der Tagesordnung. Eine Eisend ahnfahrt ist für einen Juden , säst mit Lebensgefahr verbunden. Interventionen bet höheren Stellen blieben natürlich ohne Erfolg/haben sich doch die: lebensgefährlichen Schlägereien Hunderter Juden am berüchtigten 16. Mai — wobei auch viele Todesopfer waren — in Gegenwart zweier Minister abgespielt, die dagegen nichts unternahmen. Wir hören Tag für Tag von neuen Ausschreitungen, letztere Tage in Targn Mures, Dej, Sighet, Oradea M a r e, T i m i s o a r e und S a t m a r, am schlimmsten geht es in Cluj zu, wo selbst Tote nicht verschont bleiben, kein , jüdischer Leichenzug schlüpft durchs ohne mit Steinen reichlich beworfen und verhöhnt zu werden. Gestern verübte ein Offizier einen barbarischen Akt gegen einen Juden. Der Offizier, im Auto fahrend, packte einen vorübergehenden Juden beim Bart und riß ihn mit sich, bis der Bart in seiner Hand blieb und. der Jude blutüberströmt zu Boden fiel. Die Staatsanwaltschaft duldet die schändlichsten und unerhörtesten Hetzereien in Zeitungsartikeln und Flugschriften. In den Staatsschulen treiben die Lehrer schändlichste Hetze Legen Juden. Jüdische Kinder werden grundlos beschimpft und geschlagen. Die Dorfpfarrer predigen von der Kanzel herab, von den Juden nur nichts zu kaufen, da sich ohnedem binnen kurzem, alles zurücklassend, das Land werden verlassen müssen. Es ist wohl nicht möglich alle Verfolgungen und Unterdrückungen, die wir hier mrtzumachen haben, aufzuzählen. Von solchen Schikanen, denen wenigstens ein Schein des Gesetzes gegeben werden kann, schon gar nicht zu reden. Z. B. Steuern zahlen Juden zumindest das Zehnfache als Nichtjuden in selben VerhälMissen, weil die Behörden doch die „Verhältnisse" gut kennen. Zu Gericht mit einem Nichtjuden wagt sich kein Jude zu gehen, weil er im voraus das Urteil kennt. Unter der sogenannten „Agrarreform" wurde jüdischer Boden gegen lächerlich geringe Taxen enteignet. Durch Requirierungen von Wohnungen werden jüdische Einwohner furchtbar drangsaliert. Das neueste Bürgeraesetz wird gegen Juden derart angewendet, daß solche komplizierte Dokumente gefordert werden, die nur von einem kleinen Teil mit großen Opfern beschafft werden können, während dem größeren Teil die Gefahr gdroht, ausgewiesen zu werden, z. B. ein in Oradea Mare seit Jahren Wohnhafter ist auf einmal Ausländer geworden, weil er in Debreczen — zwei Nachbarstädte im stüheren Ungarn — geboren ist. Wenn nicht zuletzt eine Wendung eintreten wird, werden Mafien auswandern müssen. Aber wohin? Das kümmert den rumänischen Staat nicht. Viele, die Vermögen haben, sind nach Palästina ausgewandert. Nach Amerika besteht keine Möglichkeit auszuwandern, weil die Quote längst voll ist. Für den 20. Siwan wurde von Seiten der Rabbiner ein Fasttag angeordnet, der auch im ganzen Lande eingehalten wurde. - Diesen Umstand benützen die antisemitischen Zeitungen zu gemeinen Hetzereien, als wären Festen und Gebete für den Untergang des Landes abgebasten. Es wäre Pflicht unserer Brüder in Amerika und England ihren ganzen Einfluß bei zuständigen Stellen auszunützen, um von Rumänien eine menschliche Behandlung der Juden zu erzwingen, denn so kann es weiter nicht gehen. Die Geschäfte und niona welche auch früher s^lechi genug waren, sind unter diesen schrecklichen Zuständen noch furchtbar schlechter geworden. Ls herrschen große Nor und Elend. VWV2V was by kV« '» by uV 1'8 '2 mnaa am»' "7 Das neue Rumänien legt Wert darauf, als Kulturstaat zu gelten, und es kann der Regierung auch nicht an der erforderlichen Autoritär mangeln, um, notfalls durch Polizei und Militär, den offenbar einreißenden anarchischen Zuständen ein Ende zu bereiten. Rumänien darf sich also nicht wundern, wenn man für den Fall einer Fortdauer dieser Lage schließlich im Auslande die Regierenden für all das verantwortlich macht, was der Mob auf Eisenbahnen und Landstraßen an traurigem Heldenmute aufbringt.