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Der Israelit · 1924-07-10 · Heft 28 (10.7.1924) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 28 (10.7.1924)
Date
1924-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28 Seite 3 10. Juli 1924 Der 3 st aelit Sie werden sie — auch den letzten Brief mit dem vielsätzenden Schluß, den wir heute bringen — nicht mehr lesen. Ob es vorteilhaft ist, daß keine abweichende, kritische Stumme mehr aus Plästina gehört werden wird? Aber man sah in de Haan keinen Freund, der auf Fehler aufmerksam machte. Wir betrauern in de Haan einen außerordentlich talentvollen Mitarbeiter, wir ehren in ihm einen Mann, der, obgleich er wußte, welchen Gefahren er entgegenging, seiner Ueberzeugung treu blieb. Möge er in Frieden in Erez Iisroel ruhen! Nieuw Israelitisch Weekblad, Amsterdam: Zur gleichen Zeit, als in einer jüdischen Versammlung in unserem Lande ein feuriger Zionist zur höchsten Würde erkoren wurde, die unser niederländisches Judentum kennt, zur selben Zeit ist ein nicht-zionistischer Sohn unseres niederländischen Judentums in den Straßen des jüdischen Viertels zu Jerusalem . durch Mörderhand gefallen. Der Mörder ist geflüchtet und weder von ihm noch von seinen Bundesgenossen ist eine Spur zu entdecken. Trotzdem glauben wir uns der gesamten öffentlichen Ansicht und der Meinung der Tagespresse anschließen zu dürfen, die die Spur der Missetäter in den zionistischen Kreisen Palästinas sucht. Dort, wo Dr. de Haan durch seine journalistische und politische Tätigkeit so sehr den Zorn der Zionisten auf sich geladen hat, wo er von dieser Seite bereits früher mit dem Tode bedroht wurde, wo das afchkenafifche Rabbinat in Jerusalem die Pekidim und Ämarkalim vor den rachsüchtigen Gefühlen der Freigeistigen gegenüber de Haan warnen mußte! Und so muß man zum Schluß kommen, daß die Anstifter dieser Schandtat in dieser Richtztng gesucht werden müssen. Jacob Israel de Haan ist gefallen. Auf dem Felde der. Ehre. In voller Rüstung als ehrlicher Streiter für heilige Prinzipien, die ihm nach einem Leben von Suchen und Tasten teuer geworden sind. Im Kampfe — denn bis zum letzten Atemzug hat er für ein jüdisch-nationales Heim, mit Nachdruck auf das erste Epitheton, gekämpft. Er fiel, weil er seine Illusion zerfließen sah und darnach trachtete, etwas davon zu retten. Er fühlte feine Illusionen zerrinnen, weil er Dichter und Schwärmer war und zuerst die unermeßlichen Gefahren des zionistischen Gedankens nicht sah, nicht sehen konnte, weil sein dichterisches Auge das Wesen vom Schein nicht zu unterscheiden vermochte. Wäre er Praktiker gewesen, hätte er sich nicht in Illusionen verfangen. Jacob Israel de Haan liegt in den Straßen Jerusalems entseelt. So wie einst Naboth und Secharjah entseelt dalagen. Nein, der Zionismus hat es nicht getan. Der Zionismus steht unschuldig an dieser Schandtat. Aber Ihr, die Ihr ihn in Eurem blinden Parteihaß in Wort und Schrift Verräter nanntet, so wie einst auch Jeremija Verräter genannte wurde — bedenkt: Was ist das Los des „Verräters"? Bedenkts und schaut zu Boden. Jüdische Rundschau, Berlin: Die vorstehende — kurz vor Redaktionsschluß eingetroffene — Meldung, an deren Richtigkeit ein Reutertelegramm aus Kairo leider keinen Zweifel läßt, erfüllt auch uns, die wir Jacob de Haan als einen der erbittertsten Gegner des Zionismus bekäpfen mußten, mit Abscheu und Entsetzen. Solange nicht Klarheit darüber besteht, wer die Attentäter sind und aus welchen Motiven die Tat verübt wurde, kann angesichts des schreckenvollen Endes de Haans keine andere Stimme «ls die des menschlichen Mitgefühlts laut werden. Sollte über der Mord auf politische Motive zurückzuführen und er von Juden begangen worden fein, dann müßte auch erklärt werden, daß kein Wort der Verurteilung gegen diese Wahnsinnstat scharf genug sein kann. Wir haben stets die Anwendung von Gewalt im politischen Kampf perhorresziert und wir tun dies auch weiterhin. Jewish Chronicle, London. Nichts als stärkste Mißbilligung kann bei allen Juden das feige Verbrechen auslöfen, das das Leben Dr. de Haans beendet hat. Seine Prinzipien und Anschauungen haben wir in keiner Weise geteilt. Wir glauben, daß er im Irrtum befangen war, daß seine Tätigkeit der jüdischen Sache äußersten Schaden und Gefahren brachte. In jedem Falle trat er für Prinzipien ein, die wir für beklagenswert halten und feine Tätigkeit im öffentlichen Leben war nach unserer Anschauung im höchsten Maße verwerflich. Aber wir beklagen die Tragödie, die sich jetzt' abgespielt hat, nicht weniger, als wenn es sich um ein Opfer handelte, mit dessen Meinungen wir übereinstimmten. Nichts kann die elende Gewalttat rechtfertigen, durch die Dr. Haan gefallen ist. Im Augenblick, da wir dieses schreiben, ist die Persönlichkeit des Mörders oder der Mörder unbekannt und es darf nicht zu schnell vermutet werden, daß Dr. de Haan durch politische Gegner getötet wurde, die ihn aus dem Weg geräumt sehen wollten. Einige antizionistische Zeitungen haben, wie wir sehen, die Schlußfolgerung gezogen, daß Dr. de Haan durch die Zionisten getötet worden ist, und die „Morningpost" sieht in der furchtbaren Tat natürlich Bolschewismus und Kommunismus. Aber diejenigen, die etwas von den wirklichen Zuständen in Palästina wissen, werden auch wissen, daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß eine solche Tat von denjenigen begangen wurde, deren zionistische Arbeit Dr. de Haan so unbarmherzig und gisttg bekämpfte. Es ist auf der anderen Seite bekannt, daß er bittere persönliche Feinde hatte. Wie dem auch sein mag, wir hoffen, daß jede Anstrengung gemacht wird, um die Verbrecher aufzuspüren. Es ist nicht gerade erfreulich festzustellen, daß ein Mensch am hellen lichten Tage in den Straßen Jerusalems totgeschlagen werden kann und daß die Angreifer entweichen können, ohne daß man von ihnen Notiz nimmt. Wer immer auch dieses feige Verbrechen begangen hat und aus welchen Motiven, es sollte alles erforscht und mit der äußersten Strenge des Gesetzes bestraft werden. Jewish Guardian-London schreibt nach einer längeren Charakteristik des Heimgegangenen folgendes: Soviel über den Menschen und Juden, der wie Mr. M. M. N. Jeefferies dem „Daily Mail" am Mittwoch schrieb, wußte, daß er große Gefahren lief durch sein fortwährendes Heroortreten gegen die Exzesse des politischen Zionismus, was ihm den Haß einiger der gesetzlosen jungen atheistischen Elemente auf dem Flügel der Bewegung zuzog. Jedoch war er ein Mann von absolutem Mut, sagte „mich kümmert das nicht und lebte in einem kleinen einräumigen isolierten Hause". Besonderen Haß zog es ihm zu, daß er für die Sache der wahren Juden kämpfte, der echten orthodoxen ihre Religion auch praktisch betätigenden Juden, die immer in gutem Einvernehmen mit der Bevölkerung von Palästina gelebt haben. Die zionistiischen Studenten boykottierten infolgedessen seine Vorlesungen am juristischen Seminar. Soweit Jefferies. Es bleibt, fährt Jewish Guardian fort, ein Wort über das Verbrechen zu sagen. Es soll ein vorsichtiges Wort sein, da das Urteil aufgeschoben werden muß, bis der Attentäter entdeckt und das Motiv festgestellt ist. Aber es ist erlaubt auszusprechen, wie dies heute vielfach geschieht, daß der politische Haß ein. charakteristischer Zug aus dem politischen Leben des Kontinent zu werden beginnt. . . Wir sind jetzt gerade Zeugen eines ähnlichen Verbrechens in Italien gewesen. Ob irgendweleche nattonale Zionisten in in den palästinensischen Mord verwiickelt sind, können wir nicht sagen. Wir hoffen, daß ihre vollkommene Unschuld bewiesen werden wird und daß die Anwesenheit ihres Vertreters bei dem Leichenbegängnis de Haans ihrem allgemenem Abscheu vor dem feigen und beklagenswerten Verbrechen Ausdruck gibt. Cs würde eine Tatsache von ernster Bedeutung sein, wenn sogenannte nationalistische Juden die Laster einiger der Radikalen anderer Nationen annähme... —mmmWMllMwfilP > iwniwp—— Wochenrundschau. Zurück zum Lehrerberuf! Man schreibt uns aus Lehrerkreisen: Die Israel. Lehrerbildungsanstalt Würzburg versendet folgenden Aufruf: „Auf Grund der zahlreichen Anfragen, die täglich an das Seminar gelangen, vermögen wir mit Bestimmtheit festzustellen, daß sich die wirtschaftlichen Aussichten des jüdischen Lehrerberufs über alle Erwartungen günstig gestaltet haben. Viele Gemeinden bieten heute schon den Seminarabsolventen erhebliche Zuschläge zu den Sätzen der Reichsbesoldungsordnung, um überhaupt einen Lehrer zu erhalten. Auf die Bedeutung des Lehrerberufs für den Fortbestand des Judentums vermag die gesetzestreue Jugend, der diese Sorge wirklich am Herzen liegt, nicht nachdrücklich genug hingewiesen werden. Der Aufschwung des jüdischen Lebens in den Großstädten Deutschlands, der mit der Errichtung jüdischer Grundschulen, Mittelschulen, Religionsschulen und Talmud-Thora-Schulen Hand in Hand geht, bietet dem jüdischen Lehrer, zumal dem, der es vermag, sich wirkliche Thorakenntnis anzueignen, die besten Aussichten in wirtschaftlicher und ideeller Beziehung: zumal sich auch in allen bewußt jüdisch denkenden Kreisen Deutschlands der jüdische Lehrer, sei er Dolksschullehrer oder Talmud Thoralehrer, eines ganz anderen Ansehens und einer ganz anderen sozialen Stellung erfreut, als es noch vor Jahrzehnten der Fall war. So bietet heutzutage der Lehrerberuf, fei es der des Volksschullehrers oder der des qualifizierten Religionslehrers für Absolventen einer sechsklassigen Mittelschule eine zukunftsreiche Laufbahn". Wir können diesen Aufruf vollinhaltlich unterschreiben. Es ist bedauerlich, daß es soweit gekommen ist, derartige Aufrufe ergehen zu lassen. Die Rot, der Kampf ums tägliche Brot, die wirtschaftliche Depression und nicht zum wenigsten die niedrige Einschätzung, die in weiten Kreisen der anstrengenden und wichtigen Arbeit des Lehrers zuteil ward, haben in kurzr Zeit die tüchtigsten Mit diesen beiden Stellen aus Talmudbabli und Zeruschalmi decken sich die Worte des Rambam 'na i"vS2, der gleichfalls diesen pios ansühr- und das Wort ninna durch ixana wiedergiebt. Dat mit ist auch zugleich die zweite Frage des snp nan erledigt, warum für keine andere Brocho das Wort Tianna vorgeschrieben sei. — Daß aber der Kohen das Volk in Liebe segnen soll, ist gewiß eine mehrfach wiederkehrende Forderung (vergl. Sisre, Tanchume und Raschi zu -nimi rii'-QN *pn jn* und Midrasch rabba: jn' •arm a'annai tronn i'nnw npa aaV, das fetzt ja voraus, daß der segnende Priester die gleiche Eigen- Ichast besitze), hat aber mit dem izixi nichts .zu tun! Der Ausspruch des Sohar: „DerPriester, Der fein Volk nicht liebt oder bei diesem nicht beliebt ist, soll nicht die Hände zum Segen erheben", entspricht dem in Talmud Sota n. a. O: pfm pH py aiüV k!?K “pa^ a"va, da beide das nämliche Mischlewort •pia1» Hin pp aiv zu Grunde liegt. -Aber gerade diese Tatsache beweist, daß es dem Sohar fern lag. diese Forderung an den Kohen als -ein To ragebot hinznstellen. 3. Herr Rabb. S. Wolf Diamant-Hamburg -endlich, meint, ein nanna 12121 gebe es nicht, da nach y*? mana die &ebote &otte$ nivtJi wären. — i Das ist nicht richtig. Nicht die, sondern gewisse Gebote sind als niTTS gegeben, vgl. Raschi z. St., Rambam z. St. und in n^sn 71a v"s und »a paan "T a"a H2Nr vgl. auch nanna 12^ jnm bei den Geboten von a"i'i naw und das Wort 'p ejuh n-^a ‘irmrni H^ tD’j^H, f. auch Raschi z. St. Seine übrigen Einwendungen erledigen sich nach den obigen Ausführungen ganz von selbst. Zu II. Letzterer nimmt Rabbi Straschun in Schutz, da im Talmud (auch bei Rambam) von einem Gefäß nan^a ia nnttwa h*?e? die Rede sei. Daraus antworte ich, der Midrasch teilt eben die Auslegung der Gmoro nicht, sondern saßt das Wort nsnn in der nawa in dem Sinne auf, daß noch kein Anderer daraus getrunken habe. (Eine Reihe weiterer Zusendungen zu den beiden Notizen müssen wir wegen Raummangels vorerst zurückstellen, Red.) Uleines Feuilleton. Die göttliche Waltung. (Nach Aboth III, 20). Von David Pineas in Frankfurt a. Al. Was du bist und was du hast, Ist dir nur a u f P s a n d gegeben — Pflege drum, was Gott dir gab. Kannst dann wahrhaft friedlich lebend Glaubst du, diesem Soll der Pflicht, Frevelnd, jemals zu entrinnen? Sieh, ein Netz, das über allen, Macht unmöglich dein Beginnen. Offen steht auch dir der Laden, Brauchst um Schuld vorerst nicht sorgen, Denn der Krämer, handelseifrig. Wird dir dienstbeflissen borgen. — Doch das Buch, es liegt schon offen, Und die Hand, sie schreibt schon ein, Daß es, was jetzt auf dir lastet. Vor Verfall bewahrt mag sein. Ja, es kann der Mensch entleihen, . Doch im Buch ists eingetragen — Und Kassierer unaufhörlich Treiben ein an allen Tagen, Was der Mensch, der pflichtvergess'ne, Sich zuschulden kommen ließ — Obers weiß, obnicht — gestraft wird, Daß er gegen's Gesetz verstieß. Denn — was schuldest du an Pflichten, Hat man doch gleichsam in Händen; Ein gerechtes, wahres Urteil S p i ch t man, wenn du wirst vollenden. — Doch wer stets in seinem Leben Böses mied und Gutes tat — Selig wird vom Mahl er kosten, Das ihm Gott bereitet hat. Bücherbesprechungen. ü^ffa, Gleichnisse und Parabeln. Von S. H. Goldmann. Zwei Teile. Verlag Schacharuth, Berlin. Der unter dem Namen „Schalmon" in der Hebräisch lesenden Welt wohlbekannte in Frankfurt lebende Schriftsteller S. H. Goldmann» hat eine zweiteilige Sammlung seiner Fabeln und Parabeln herausgeqeben. Der erste Teil enthält 58, der zweite Teil 37 Gedichte, die wohl dazu angetan sind, nicht allein das Herz der Jugend zu erfreuen, sondern auch älteren Lesern vergnügte und lehrreiche Stunden zu bereiten. Schreiber dieses hol das Buch, im Begriffe. nur flüchttg hineinzuscbauen, nicht mehr aus der Hand gelassen, bis er all die prächttgen Gleichrij. ■, .i : : v\: .■ .'‘.vM,:,

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